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Mit den Füssen voran

Von
18. August 2007

Stimmt es das die Verstorbenen immer mit den Füßen zu erst herausgetragen werden? Und wenn ja warum?

Das stimmt.
Es ist ja nahezu sprichwörtlich, dass jemand beispielsweise sagt: „Hier kriegt man mich nur noch raus, wenn man mich mit den Füssen voran rausträgt.“
Damit will er sagen, dass er schon tot sein muss, um diesen Ort wieder zu verlassen.
Aber warum sagt man das?
Genau lässt sich heute nicht mehr feststellen, wann man damit begonnen hat, Verstorbene mit den Füssen voran zu tragen. Auch über die Gründe gibt es zahlreiche Deutungen. Eine, die mir am wahrscheinlichsten erscheint ist diese hier: Die meisten Menschen werden mit dem Kopf voran geboren und so kehrt man das im Moment ihres Todes um.

Aber auch der Aberglaube spielt hier eine Rolle. So reicht der Brauch sehr weit in die Geschichte zurück. Früher war die Angst vor Wiedergängern (Tote, die zurück kommen) sehr verbreitet. Ihnen soll also quasi der Weg gewiesen werden. Gehe mit den Füßen voran und komme nicht wieder.
In manchen Erklärungen findet man auch, daß man wollte, daß der Verstorbene nicht in das Sterbehaus zurückblicken kann.

Neuere Deutungen besagen, das habe auch etwas mit Respekt zu tun, denn Kranke werden ebenfalls nicht Rückwärts transportiert, sondern so, daß sie den Weg sehen können.

Für Bestatter hat das aber weniger eine traditionelle Bedeutung, als viel mehr praktische Gründe. Es ist viel sinnvoller, einen Verstorbenen beispielsweise in engen Wohnungen und Treppenhäusern mit den Füssen voran zu transportieren. Oft muss die Trage auf einer Seite und zwar der oberen weit angehoben werden und am unteren Ende abgesenkt werden, etwa um um enge Ecken herumzukommen. Hierbei wäre es äußerst unpraktisch, läge der Verstorbene Kopf voran auf der Trage, denn dabei würde er dann mehrfach quasi einen Kopfstand machen. Das verbietet sich schon allein aus dem Grund, weil aus dem dann tieferliegenden Mund Flüßigkeiten austreten könnten.

Aus dem oben Gesagten ergibt sich dann auch, daß Verstorbene durchaus auch schon mal ausnahmsweise mit dem Kopf voran innerhalb eines Treppenhauses transportiert werden, nämlich dann, wenn es zunächst eine Treppe hoch geht.

Aber wie gesagt, es gibt da zahlreiche Geschichten, warum man Verstorbene traditionell mit den Füßen voran transportiert. Wer noch welche kennt, kann diese gerne in den Kommentaren veröffentlichen.


Peter Wilhelm 26. Juni 2015


18 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielleicht liegt's einfach daran, dass man auch die Lebenden mit den Fuessen voran traegt? Es ist halt einfach angenehmer, zu sehen, wo man hingetragen wird. Und da man den Toten ja auch "menschlich" behandelt…

  2. Ich kann mich Sammy nur anschliessen, ich denke das kommt aus dem Rettungsdienst/ Feuerwehr. Ein Verletzter wird auf einer Trage mit den Füssen vorran getragen, damit der Verletzte sieht wo man in hinträgt und damit die für ihn extreme Situation nicht noch verschärft wird.

    Ich denke das wurde dann ohne viel Aufhebens in euere Branche übernommen, ggf. auch wegen der Würde des Verstorbenen.

  3. Ich bin bei den Sanitätstruppen der Schweizerarmee und auch wir tragen die verletzten wenn immer möglich mit den Füssen voran, damit sie sehen können, wohin es geht.

    Die Toten werden das wohl ein bisschen weniger zu schätzen wissen, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es etwas mit dem aussehen zu tun hat, schliesslich wird man auch öfters die Treppe runter gehen müssen und dann sieht es doch auch für die Angehörigen angenehmer aus, wenn der Verstorbene bequem liegt.

  4. Ich denke, es könnte auch praktischere Gründe geben, als dem Toten einen letzten Blick auf sein Treppenhaus zu geben: Aus meinen Erfahrungen als Krankenpfleger kann ich sagen, dass Tote auch gerne mal "auslaufen". Nach einigen Stunden sommerlichen Stationsaufenthalts hat sich genügend Flüssigkeit in den Lungen gesammelt, die bei ensprechender Position ausläuft. Das muss ja auch nicht sein =) …

  5. Vom Rettungsdienst bin ich es auch gewohnt, die Leute mit den Fuessen voran zu tragen. Aber nicht, damit sie sehen, wohin es geht, sondern damit sie NICHT sehen, woher sie kamen. Ein Blick auf den Unfallort (Autowracks etc.) koennte den Gesundheitszustand nochmal erheblich verschlimmern.

  6. Dabei fällt mir eine Frage ein: stimmt es, dass Fahrstühle und Fahrstuhlschächte auch in Wohnhäusern so konstruiert sind, dass man einen Sarg/Leichnam liegend transportieren kann? Mein Vater erzählte mir, dass dafür an den Fahrstühlen die Rückwand geöffnet werden kann.

  7. @Andreas Zeller: Das wäre schön, wenn es so wäre. Richtig ist, dass es viele Aufzüge gibt, bei denen sich der Aufzugsraum noch einmal erweitern lässt, beispielsweise um Möbel transportieren zu können und eben auch Liegendtransporte durchführen zu können. Aber leider ist das nur in den seltensten Fällen vorhanden.

    Im ungünstigsten Fall, bei sehr engen Aufzügen, läuft das tatsächlich so ab, dass ein Bestattungsmitarbeiter mit der aufrechtgestellten Trage (Kopf oben) alleine mit dem Verstorbenen nach unten fährt und dort dann warten muss, bis der zweite Mann über die Treppe nach unten gekommen ist, um beim Ausladen und Weitertransport zu helfen.

  8. @ Andreas Zeller

    Zu dem Thema kann ich auch nur sagen: Schön wärs!

    Aber allein vom Logischen her ist nicht davon auszugehen, dass extra für einen Leichentransport der Fahrstuhl erweiterbar ausgelegt wird. 😉

    Da sind andere Ereignisse wie Ein- oder Auszug von Bewohnern und Möbeln doch weit häufiger. Dafür wird meistens auch mehr Platz im Fahrstuhl benötigt, da einige Möbel nur schlecht zu zerlegen sind.

    Man freut sich dann immer, wenn man ein Pflegebett oder andere große Möbel über die Treppe in/aus dem 5. Stock transportieren darf, weil der Aufzug nur 0,8m*0,6m groß ist. 🙂

  9. Wir (Feuerwehr) transportieren Verletzte auch mit den Füßen voran. Den genauen Grund weiß ich auch nicht, aber mir fallen 3 gute Gründe ein. Das erste wäre die schon genannte Blickrichtung. Hinzu kommt, dass man Patienten schlecht Kopf vorraus Treppen und Leitern hinunter transportieren kann und es sehr selten vorkommt, dass mann mal hoch muss.

    Für einen nicht zu verachtenden Grund halte ich aber auch, dass es gerade bei Hektik relativ leicht passieren kann, dass sich der vorangehende Träger beim Anheben der Trage ungeschickterweise das an seinem Ende befindliche Körperende in den Allerwertesten "rammt". Und ich hätte als Patient dann lieber die Füße als den Kopf im Hintern des Trägers.

    Wer nicht versteht, was ich meine, Extrembeispiel hier:

  10. Ich habe mal gelesen, dass die Sitte, einen Toten mit den Füssen zuerst aus dem Haus zu tragen, auf einen alten Aberglauben zurückgeht. Früher hatten die Menschen schreckliche Angst davor, dass die Toten zurückkehren könnten (siehe auch z. B. den Vampirglauben). Deshalb wurden die Toten möglichst ehrenvoll bestattet, ihnen beispielsweise ihre Lieblingsspeisen mmit ins Grab gegeben und so weiter. Und sie wurden eben mit den Füssen zuerst aus dem Haus getragen. Sonst hätten sie sich ja den Rückweg merken können…

    – Henning

  11. Ich denke, das kommt auch auf den Dekompositionszustand der Leiche an. Es wäre echt nicht der Sache dienlich, wenn sich sämtliche Leibesfüllungen dann über den Träger, den Leichnam und das Treppenhaus ergießen würden. Zumal sich ja am Fußende ein Netz befindet und nach unten alles verpackt stabiler ist. Man stelle sich vor, ein Rumpeln abwärts wenn ein Träger ausrutscht, und der Tote bricht sich nachträglich beim Kopf-Vorraus-Herunter-Tragen das Genick wenn alles Gewicht auf dem Nacken lastet. Dann rotiert aber die Mordkommission und die Arbeit fliegt in alle Richtungen.

    Da erscheint ein – unwahrscheinlich, aber in jedem 10.000 Fall möglich – ein gebrochener Knöchel unwahrscheinlich besser als die Arbeit, die man mit einem gebrochenen Halswirbel hätte. Jeder 10.000 Fall klingt zwar nach unbedeutsam, aber erzähl das mal jemandem, der dies erlebt oder bei jedem 10.000 Blut-Test HIV-Positiv gestestet wird.

    Die Fehlermarge kann man damit wohl einfach herunterschrauben und sich nervige, lästige und stundenlang unnütze Arbeit ersparen. Zumal, wie oben erwähnt, ein Leichnam viel stabiler in den Knien ist, die zur Not durchsacken, als ein brechender oder dislokationierter Halswirbel…

  12. Ausserdem ist das Kopfende durch den Rumpf viel schwerer und somit schwerer zu handlen. Wenn der mit den Füßen vorangeht, kann er besser in den richtigen Weg einlenken.

  13. @Bense: Du meinst sicher disloziert? So heißt das nämlich im Rettungsdienst. Das dazugehörige Nomen ist dann wirklich Dislokation. Bitte keine Doppelableitungen!

    Das ist aber auch die einzige Kritik an deinem Kommentar. Sonst ist es nämlich sehr gut geschrieben.

  14. Hallo,

    also wie das genau beim Abtransport einer Leiche geht weiß ich nicht.

    Aber was ich weiß ist, das bei uns die Toten bei der Bestattung auch immer mit dem Füßen zuerst getragen werden.

    Das hat aber einfach den Grund das es praktischer ist, denn die Träger (Leihen aus der Nachbarschaft) gehen von oben an das ausgehobene Grab und somit ist der Sarg direkt an der richtigen Position.

    Wenn das was ich geschrieben habe schonmal jemand in ähnlicher Weise in den den Kommentaren verfasst haben sollte, nicht böse sein, dass ich das wiederhole, ich habe nur nicht alle Kommentare gelesen und wollte auch mal meinen Senf zu etwas dazu geben^^

    lg Christiane

  15. Sterben nicht relativ viele Menschen im Bett? Und das steht ja doch typischerweise mit dem Kopfende an der Wand und dem Fußende richtung Tür.

    Wär doch blöd, wenn man den Toten immer erst umdrehen müsste.

  16. Hallo,

    eine weitere Geschichte wäre die: Man glaubte, dass die Seele eines Verstorbenen in dessen Haus zurückkehren könne; infolgedessen wurde der Verstorbene dann zum Wiedergänger.

  17. @Schim

    Doch so ist es. Die Verstorbene lag mit dem Kopf Richtung Tür auf ihrem Bett. Entsprechend Kopf- und Fußende wurde die Trage neben dem Bett gestellt. Die Verstorbene in die Trage umgelagert, das Papierlaken dann über dem Körper zusammengelegt und alles mit mehreren Gurten gesichert.

    Danach die Trage mit den „Kunststoffplanen“ verschlossen.
    Jetzt informierte mich der Bestatter, ich solle keinen Schreck bekommen wenn sie jetzt die Trage senkrechtstellen, die Verstorbene sei ja durch die Gurte fixiert und könne nicht herunter rutschen.

    Die senkrecht stehende Trage wurde um 180Grad um ihre eigene Längsachse gedreht und dann mit dem Kopfteil wieder zu Boden gelassen. Von den beiden Trägern wieder aufgenommen und durch Treppenhaus und der Ausgangstür mit dem Fußteil zuerst zur Lafette getragen, dort abgesetzt und auf ihr zum Leichenwagen geschoben.

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