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Sack, Sarg, Trage

Wann nehmt ihr einen Sarg zum Abholen von einem Toten und wann einen Leichensack oder die Trage?

Trage
Wann immer es geht, benutzen wir eine Trage. Diese Tragen sind nahezu baugleich mit denen aus einem Rettungswagen, nur dass bei uns oben keine weiche Auflage drauf ist, sondern eine durchgehende Kunststoffliegefläche. Hieran befindet sich am Fußteil eine sackartige Tasche, Fußsack genannt, in die die Füße des Verstorbenen kommen, damit er nicht herausrutschen kann, wenn wir mal mit der Trage jonglieren müssen. Ein Stück Plane ist jeweils unten und oben, sowie jeweils ein links und rechts angenäht, sodass wir diese Teile über dem Toten zusammenschlagen und ihn damit verhüllen können. Drei Gurte sichern ihn gegen das Herabrutschen von der Trage.

Zur Trage gehört ein Fahrgestell, von welchem die Trage heruntergenommen werden kann. Beim Hineinschieben in den Bestattungswagen klappt das Fahrgestell zusammen.

Wir bevorzugen diese Tragen zur ersten Abholung, weil sie wesentlich leichter sind als ein Sarg und vor allem beim Hantieren in engen Treppenhäusern Vorteile bieten. Am ringsumlaufenden Rahmen hat man immer eine Möglichkeit zum Anfassen.

Särge
Särge benutzen wir zur ersten Überführung nur, wenn das von den Angehörigen ausdrücklich gewünscht wird, bzw. wenn wir einen Verstorbenen wo abholen, wo uns die Örtlichkeiten bekannt sind, genügend Platz ist und wo der Verstorbene direkt eingebettet werden kann.

Leichensäcke
Wir haben überdies zwei Sorten von dem, was Laien als Leichensäcke bezeichnen. Das eine sind weiße „body bags“ aus festem Plastik. Sie haben einen rundumlaufenden Schienenreißverschluss und werden i.d.R. nur einmal verwendet. Diese body bags benutzen wir u.a. um Leichenteile aus unwegsamem Gelände zu bergen. Von den weißen Bodybags haben wir aber mehrere hundert auf Lager, weil sie im Katastrophenfall als schneller Sargersatz zumindest vorübergehend dienen können.

Die andere sackartige Konstruktion ist eine Sacktrage. Sie besteht nicht aus Plastikfolie, sondern aus plastifiziertem Gewebe, ist sehr stabil und in vielen Fällen sehr praktisch. Auch sie hat einen Reißverschluss aber außen herum etliche Trageschlaufen. Benutzt wird diese Sacktrage, wenn wir mal einen Verstorbenen irgendwo abtransportieren müssen, wo man selbst mit der Trage keine Chance mehr hat. Die Bewegungsfreiheit ist wesentlich größer, der Transport aber viel schwerer, weil der Leichnam in dem Sack durchhängt.

Zinksarg
Sehr viel sieht man im TV auch den „Zinksarg“, der heute meistens aus Kunststoff ist. Es ist im Grunde ein Kunststoffsarg mit Stangengriffen und einem leicht zu öffnenden und wiederverschließbaren Verschluss. Diesen Sarg nehmen wir vor allem bei Unfallopfern, weil er ohne weitere Maßnahmen aufgrund der wannenartigen Konstruktion dicht ist.

Schaufeltrage
Eine ganz andere Konstruktion ist die Schaufeltrage. Hierbei handelt es sich um eine Trage, deren Liegefläche aus Leichtmetall ist. Das Besondere ist, dass diese Trage der Länge nach auseinandergeklappt werden kann. Das macht es möglich in besonders schwierigen Fällen beide Teile seitlich unter einen Verstorbenen zu schieben, ihn quasi auf die Trage zu schaufeln, und dann die Trage zu arretieren. So bekommt man auch gräßlich verstümmelte Verstorbene auf eine Trage, ohne viel daran herumziehen zu müssen.

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Peter Wilhelm28. Mai 2012

7 Kommentare von 140455.

  1. Oha, Du bist echt wahnsinnig fix, danke. Leider hat das eine Anschlussfrage ausgelöst:

    "Von den weißen Bodybags haben wir aber mehrere hundert auf Lager, weil sie im Katastrophenfall als schneller Sargersatz zumindest vorübergehend dienen können."

    Gibts da eine Verpflichtung zu? Selbst bei einem großen Verkehrunfall kämen ja eher mehrere Bestattungsunternehmen zum Zug als einer mit Säcken.

    MfG

  2. ich hab da auch noch eine Anschlussfrage: Stimmt es das die Verstorbenen immer mit den Füßen zu erst herrausgetragen werden? Und wenn ja warum?

    MFG

  3. da hätte ich dann noch eine anschlussfrage zur anschluss frage:

    wie gestaltet sich eigentlich euer zusammenarbeit mit fw, rd, pol, statsanwaltschaft, thw usw?

    ich beobacht halt immer wieder das die bestatter allein auf weiter flur sind, zuminedest wennst jetzt kein "standarttoter" ist. gerade bei verbrannten körpern will immer keiner so richtig mit anpacken.

    hattest du die situation auch schon andersrum?

    z.b. verstorbener zu schwer oder aus anderen gründen nicht normal zu bewegen

    fordert ihr dann die feuerwehr nach? wenn ja wie?

  4. Ich habe mal gelernt, dass man auf Tragen lebende Menschen transportiert und tote Menschen auf Bahren.

    Haarspalterei, ich weiß – aber bei der Ausbildung für Feuerwehrleute wird auf diesen Unterschied, weiß der Geier warum, viel Wert gelegt. Genauso wie lebende Menschen gerettet und tote Menschen geborgen werden.

  5. @Tina: Tja, so lernt man eben viel. Zu unserer Ausbildung gehört es, dass wir lernen, dass Menschen auf Tragen getragen und auf Bahren aufgebahrt werden, genau so wie das jeweilige Wort es sagt.

    Erst an dem Tag, an dem wir die Toten herumbahren und nicht mehr herumtragen, werden auch wir Bahre zur Trage sagen. :-)

    Haarspalterei, aber bei der Ausbildung zu Bestatter wird auf diesen Unterschied, weiß der Geier warum, viel Wert gelegt.

    Im zweiten Teil stimme ich Dir aber zu, wir kämen nie auf die Idee einen Toten retten zu wollen. :-)

  6. >> wir kämen nie auf die Idee einen Toten retten zu wollen.

    Man verzeihe mir die wilde Assoziationskette — hat schonmal jemand mit "typischem Bestatterwerkzeug" Lebende gerettet oder dazu beigetragen? Mir geistert als Analogie Lengede 1963 im Kopf herum, bei dem ein Reporter des NDR mit "Reporterwerkzeug" (Mikrofon, Kopfhörern, vielen Verlängerungskabeln) für die Kommunikation mit den Verschütteten gesorgt hat.

    Tux2000

  7. @tux: Warum nicht, sowohl die (Fahr-)Trage als auch die Schaufeltrage sind ja genausogut "typisches Rettungsdienstwerkzeug".

    Die Unterscheidungen zwischen Trage und Bahre bzw. retten und bergen sind wohl auch regional unterschiedlich. Während wir in Österreich da eher nach "Trage für Lebende/Bahre für Tote" unterscheiden, ist im schweizer Rettungsdienst durchaus die Bahre im Einsatz.

    Dafür werden verunglückte Bergsteiger vom Hubschrauber mittels Tau[i]bergung gerettet[/i] – sind die jetzt halbtot oder was? ;-)

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