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Nachbarin lag wochenlang tot in der Wohnung

Guten Tag Herr Wilhelm,

ich bin erst gestern auf Ihren bemerkenswerten Blog gestoßen und habe mich bereits hier regelrecht festgebissen. Ich finde ihre Berichte einfach wahnsinnig intressant und bin absolut begeistert von Ihrem Schreibstil!

Meine Nachbarin, eine sehr dünne alte Dame, wurde gestern tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Vor einigen Wochen habe ich einmal im Treppenhaus einen leichten, etwas unangenehmen Geruch wahrgenommen, der am nächsten Tag wieder weg war. Es roch irgendwie nach verstopftem Abfluss.
Als ich dann gestern das Haus betrat, wurde ich vom selben muffigen Geruch regelrecht erschlagen! Sofort klingelte es bei mir. Ein Rettungsteam hatte kurz zuvor die Wohnung der Nachbarin geöffnet.
Ich habe zuvor immer gehört, dass der „Tod süßlich“ riechen soll. Doch das wäre wirklich nicht das erste Wort mit dem ich diesen Geruch beschrieben hätte…

Die Nachbarin muß bereits 2-3 Wochen tot in der Wohnung gelegen haben. Sie soll abends ins Bett gegangen und morgens nicht mehr aufgewacht sein. Heute sah es so aus als würden Angehörige von ihr die Wohnung räumen/putzen. Ich frage mich, wie es möglich war den extremen Geruch so schnell aus der Wohnung zu bekommen?
Und wieso andere Nachbarn und ich den Geruch zuvor nicht oder nur kurzzeitig und schwach wahrnehmen konnten?
Ebenso frage ich mich wie der Zustand der Leiche wohl war, wenn sie wie angenommen zugedeckt wochenlang im Bett lag?

Ich danke Ihnen sehr herzlich für’s Durchlesen und freue mich über Antwort von Ihnen.

Eben noch im Treppenhaus getroffen…

Über das Thema „Leichengeruch“ sind hier im Bestatterweblog.de schon viele Beiträge erschienen. Bitte mal den Link anklicken und die Artikel querlesen.
Ob der typische Leichengeruch nun als süßlich, muffig oder faulig empfunden wird, hängt meiner Meinung nach auch immer mit der ganz persönlichen Geruchswahrnehmung zusammen.
Wenn ich meine Meinung dazu beschreiben sollte, muß ich sagen, daß ich Verstorbene schon in allen erdenklichen Geruchssituationen erlebt habe. Aber der typische Leichengeruch hat für mich tatsächlich eine süßliche Beinote. Manchmal riecht es in Blumengeschäften in der Ecke mit den Orchideen für mich so. aber das ist bestimmt eine ganz persönliche Einordnung.

Zu dem von Dir geschilderten Fall kann ich nicht so arg viel sagen. Man müßte mehr wissen. Waren die Fenster gekippt, war die Wohnung beheizt, war die Verstorbene zugedeckt, usw.?
Wenn eine Person in ihrer Wohnung verstirbt und wochenlang dort liegt, kommen ja mehrere Geruchsquellen in Frage. Einmal ist das der Verstorbene selbst. Er beginnt sich zu zersetzen, was eine gewisse Geruchsbildung mit sich bringt.
Aber wir wissen, daß Verstorbene durch das Erschlaffen der Muskulatur oft auch noch Kot oder Urin verlieren, was ebenfalls eine gewisse Duftnote hinterlassen kann.
Hinzu kommen die sekundären Geruchsentwicklungen aus einer Wohnung, in der niemand mehr wirkt. Der Müll beginnt zu gammeln, Abflüsse, die nicht mehr durchgespült werden, beginnen zu riechen und Lebensmittel fangen an zu verderben.
Ein einziges Brathähnchen, das wochenlang in der Küchee herumsteht, kann ein ganzes Haus geruchtsechnisch verpesten. Fisch ist da noch schlimmer.

So kann man also gar nicht sagen, welcher Geruchsverursacher für welchen Duft in Deinem Hausflur verantwortlich war.

Bei einer zierlichen, alten Person möchte man fast annehmen, daß die Geruchsbildung nicht so stark ist, wie bei einem dicken Herrn. Die Matratze nimmt viel von den austretenden Flüssigkeiten auf. So kann es sein, daß der Leichnam mehr zusammengefallen ist.

Wie die Angehörigen den Geruch losgeworden sind? Nun, gute Putzmittel, vor allem solche auf Chlorbasis, wirken da wahre Wunder. Wichtig ist natürlich, daß die kontaminierte Matratze entsorgt wird.

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Peter Wilhelm16. Dezember 2017

4 Kommentare von 139939.

  1. besonders gruselig fand ich die Bitte meiner damaligen Vermieterin: ob ich sie bitte mit in die Wohnung von xy begleiten würde.
    Sie wollte in die Wohnung, da der Mieter seit längerem nicht gesehen wurde und auch telefonisch nicht erreichbar war.
    Wie wir rein sind, standen mir die Haare zu Berge- irgendwie habe mit gerechnet, das der Mieter in der Wohnung vor sich hin gammelt.
    Ergebnis: der hatte sich einfach aus dem Staub gemacht und ward nicht mehr gesehen…..

  2. Ich würde wagen zu schreiben das es auch auf den Allgemeinen Duft im Treppenhaus ankommt.Eine Nachbarin ein Eingang weiter lag auch wochenlang tot in ihrer Wohnung,Fenster waren offen es herrschte also Durchzug aber ich nehme mal an das der Geruch ihrer Zersetzung in dem Hausbereich niemand auffiel weil im Erdgeschoss ein junger Mann wohnt der das letzte mal duschte als seine Mutter noch lebte was auch schon einige Jahre her ist und seine Kleidung trägt er bis sie schon fast von seinem Leib fällt.Ich hatte öfter das Vergnügen seinen Geruch wahrzunehmen wenn er gerade den Gehweg vor einem lang ging oder er im gleichen Laden einkaufte .Es schießen einem wirklich die Tränen in die Augen wenn man ihm zu Nahe kommt zum Glück sind wir vor fast 7 Jahren umgezogen und in dieser Gegend gibt es einen Eingangsbereich aus dem zieht immer ein fürchterlicher Kohlgestank aus dem Treppenhaus da wird man so etwas wohl auch kaum riechen………………

  3. Naja, „süßlich“ ist ohne Vergleichsgeruch meiner Meinung nach auch etwas schwammig.

    Wir hatten in unseren Sozialräumen schon mal den Geruch nach „toter Maus“, bei dem der Klempner aber steif und fest behauptete, das wäre nur der ausgetrocknete Abfluss und keine Leiche. Mit toten, ungebetenen Besuchern war ich schon öfters in Berührung gekommen den Geruch kannte ich eben.
    Bei der Bestimmung von Pilzen spielt Geruch auch eine große Rolle, und da gibt es in unserem Forum auch schon mal große Unterschiede. Was ich als „Fliesenkleber“ bezeichnete, nannte man offiziell z.B. „Marzipan“ (okayyy… Marzipan mag ich nicht wirklich, gefliest habe ich dagegen schon). Man kommt hier praktisch nicht ohne Vergleichs-Gerüche aus, und so kennt man das ja auch von Wein, der in der Beschreibung die „unmöglichsten“ Geschmacks- und Duftnoten haben kann.
    Nach 25 Jahren Farbratten-Haltung erkenne ich auch sofort den Geruch nach Krebs.

    Man riecht so gesehen das, was man kennt, und erkennt auch dieses wieder. Bei falscher Zuordnung oder ohne bekannte Zuordnung zu „Leiche“ erkennt man die Bedeutung eines Geruches eventuell einfach nicht.

    • @Christians Ex: Wie ich schon sagte, das empfindet jeder etwas anders. Ganz wichtig und richtig ist Dein Aspekt mit dem Vergleich.
      Man versucht ja, den Geruch zu beschreiben. Und hierbei beruft man sich auf Gerüche, die man als ähnlich empfindet.
      Der eine wird zu einem bestimmten Geruch sagen, er rieche wie eine Mischung aus Äpfeln und Marzipan, ein anderer wird sagen, nein, das riecht eher wie Hundekotze.

      Nun kannst Du aber den Geruch, den eine tote Maus von sich gibt, überhaupt nicht mit dem einer menschlichen Leiche vergleichen. Modermäuse habe ich schon öfters erlebt und gerochen und echte Tote auch.

      Beim menschlichen Geruch habe ich meine eigene Theorie, die überhaupt nicht wissenschaftlicht untermauert ist, aber auch noch nicht wissenschaftlich untersucht wurde.

      Wir Menschen haben einen sehr eigenen Geruch. Dieses ist der Geruch, den witternde Wildtiere schon über Kilometer wahrnehmen können. Wir selbst nehmen diesen Geruch nicht wahr, weil wir ständig von ihm umgeben sind. So wie man sich an das selbstaufgetragene Parfüm binnen kürzester Zeit gewöhnt.

      In unserem Körper sorgen unser Stoffwechsel, Kreislauf und Milliarden von Bakterien für ein gewisses Gleichgewicht. Sterben wir, gewinnen die Bakterien Oberhand und beginnen den Köroer zu zersetzen. Das Regulativ gerät außer Kontrolle, könnte man sagen.

      Meiner Theorie nach, bildet sich nun dieser uns Menschen eigene Geruch in besonderer Weise heraus. Unser Leichengeruch besteht also auch aus dem menschentypischen Geruch, der nun stärker als sonst vorliegt. Er wird begleitet und irgendwann überlagert von den Gerüchen aus den Abbauprodukten der Bakterien usw.

      Das macht den Leichengeruch aber auch schwer beschreibbar. Da wir den Menschengeruch ansonsten nicht wahrnehmen, fehlt uns der Vergleich. Aber mir ist häufiger schon gesagt worden, daß der Geruch den Betreffenden irgendwie bekannt vorkam, nichts Fremdes ist und trotzdem sehr abstoßend wirkt.
      Das wäre aber auch, zumindest in meiner -durchaus nicht aus hohlen Erwägungen heraus aufgestellten- Theorie sinnvoll und logisch.
      Unsere steinzeitlichen und früheren Vorfahren könnten durch diesen intensiven Leichengeruch, der sich deutlich von verwesendem Tier unterscheidet, zu zwei Dingen angeleitet worden sein.
      Einmal ist dies das Warnen vor Gefahr. Dort wo es so riecht, könnte es gefährlich sein, es ist ein anderer Artgenosse dort ums Leben gekommen.
      Zum anderen veranlaßt der Geruch dazu, den Leichnam zu beseitigen.
      Den Geruch kann niemand aushalten, also wird alles daran gesetzt werden, den Toten wegzuschaffen und bestenfalls zur Geruchsbeseitigung tief zu vergraben.

      Ich denke, daß hier auch die Sitte, Menschen zu begraben, ihren Ursprung hat. Das Übergeben an Mutter Erde, das Betten zum ewigen Schlaf, das Ruhen in Dunkelheit, der Schutz vor Aasfressern, alles das sind ebenfalls Gründe die für das Vergraben sprechen. Aber in erster Linie dürfte alles das der Überbau sein, der sich über dem eigentlichen Grund, der zügigen Beseitigung einer Geruchsquelle, entwickelt hat.

      Nur Theorie, aber auch nicht von der Hand zu weisen.

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