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Anzeichen des nahendes Todes: die Rasselatmung

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Der Sohn von Herr S. nimmt mich an der Tür in Empfang. „Mein Vater liegt oben“, meint er und führt mich zum Wohnzimmer, in dem das Pflegebett steht. Doch bevor wir den Raum betreten, hält er noch einmal inne und dreht sich zu mir um. „Er macht diese Geräusche beim Atmen. Aber vielleicht kennen Sie das ja schon.“ Ich trete ein. Herr S. wirkt entspannt, aber jeder Atemzug rasselt und blubbert. Ja, das kenne ich. Die Rasselatmung tritt bei sehr vielen Menschen in den letzten Lebenstagen oder -stunden auf. Sie kann für Angehörige sehr erschreckend sein, ist aber eigentlich völlig harmlos.

Woher kommt die Rasselatmung?

Die Rasselatmung (manchmal auch „Todesrasseln“ genannt, was ich aber selbst gruselig finde) ist ein sehr weit verbreitetes Symptom in der Sterbephase. Es entsteht dann, wenn die Sterbenden nicht mehr richtig husten, sich räuspern oder schlucken können. Dann sammelt sich Sekret in den Atemwegen, das die gurgelnden oder eben rasselnden Geräusche beim Atmen verursacht. Angehörige empfinden die Rasselatmung manchmal als sehr bedrohlich. Es kann auf sie wirken, als läge ihr Angehöriger in einem schweren Todeskampf und bekäme keine Luft. Das ist aber gar nicht der Fall! Der Rasselatem ist kein Zeichen für Erstickung oder Atemnot und er ist für die Sterbenden (nach allem, was wir wissen) keine Belastung. Als Faustregel gilt: Solange die Gesichtszüge entspannt sind, leidet der Sterbende nicht unter Atemnot, auch wenn er beim Atmen Geräusche macht.

Was kann man gegen die Rasselatmung tun?

Solange der Sterbende entspannt wirkt und keine weiteren Atemsymptome hat, muss man eigentlich gar nichts gegen die Rasselatmung unternehmen. Sie ist ein ganz normales Anzeichen für den nahenden Tod. Trotzdem kann es nötig sein, die Symptome zu verbessern, zum Beispiel um Angehörige zu entlasten. Das sind die Möglichkeiten:

  • Manchmal hilft schon ein Umlagern, um die Geräusche zu verringern. In der Seitenlage oder bei seitlich gelegtem Kopf kann sich das Sekret anders verteilen, das kann schon helfen. Auch ein etwas erhöht gelagerter Oberkörper kann für Besserung sorgen.
  • Menschen in dieser fortgeschrittenen Sterbephase brauchen nichts mehr oder nur noch sehr wenig zu trinken. Tatsächlich kann zu viel Flüssigkeit das Sterben sogar erschweren. Und sie sorgt für vermehrte Sekretbildung, die die Rasselatmung verstärkt. Deshalb sollte spätestens jetzt eine intravenöse Flüssigkeitszufuhr beendet werden und der Sterbende sollte auch nichts mehr zu trinken bekommen. Eine gute Mundpflege zum Befeuchten der Schleimhäute und Lippen reicht aus. (Zu diesem Thema schreibe ich bald noch einen eigenen Text, das ist wirklich wichtig, gerade weil es der eigenen Intuition so wenig entspricht.)
  • Manche Angehörige wünschen sich, dass das Sekret abgesaugt wird. Das ist jedoch nicht empfehlenswert: Zum einen ist es eine wirklich unangenehme Prozedur, mit der man den Sterbenden nicht mehr belasten muss, nur damit das Geräusch aufhört. Und zum anderen regt das Absaugen die Sekretproduktion noch weiter an, sodass das Problem schon nach kurzer Zeit eher schlimmer als besser wird. Im blödesten Fall kommen durch das Absaugen noch Blutungen dazu. Dieses Mittel wird deshalb so kurz vor dem Tod nur in Ausnahmefällen eingesetzt.
  • Es gibt verschiedene Medikamente, die gegen die Rasselatmung eingesetzt werden können. Ob das sinnvoll und notwendig ist, muss ein Arzt/eine Ärztin entscheiden.

Die wichigste aller Maßnahmen: eine gute Aufklärung!

Wenn Angehörige nicht über die Hintergründe Bescheid wissen, sind sie oft sehr erschrocken über die Rasselatmung und das vermeintliche Ersticken (das gar keines ist). Sie können sogar ihr Vertrauen in die Pflege oder die ärztliche Betreuung verlieren, weil sie das Gefühl haben, es werde zu wenig getan, um Leiden zu verringern. Deshalb ist eine einfühlsame Aufklärung der Angehörigen elementar wichtig. Wenn sie wissen, dass das Geräusch nicht mit Atemnot einhergeht, den Sterbenden nicht belastet und ganz normal im Sterbeprozess ist, können sie oft viel entspannter damit umgehen.

Wie ist das bei euch? Habt ihr schon mal die Rasselatmung bei einem Sterbenden gehört? Wie ging es euch dabei?


Birgit Oppermann 2. September 2020


10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für diese Erklärung. Bei meinem Opi wurde mir damals erklärt, dieses würde das Geräusch beim Ertrinken sein. Das hat mich sehr erschreckt. Jetzt weiß ich es besser und bin mehr als Dankbar.
    Viele Grüße aus Schleswig Holstein.

  2. Ebenfalls vielen Dank für Deine tolle Erklärung.
    Als mein Opa damals im Sterben lag, hat ihm meine Oma
    Wasser eingeflößt, damit er „nicht vertrockenet“.
    Das klang als würde sie ihn ersäufen! Schrecklich!
    Hätte ich das damals schon gewusst hätte ich sie davon abgehalten.
    Gefühlt war das auch schon damals falsch,
    aber wer weiss schon solche Dinge ?!

    Der Bestatterwebblog ist wirklich eine tolle Sache!

  3. Vielen vielen Dank für diese Erklärung. Mein Vater ist grade diesen Mittwoch nach 1 Woche Palliativpflege zu Hause verstorben. Schon 2 Tage vorher begann das Atmen lauter zu werden, so daß er am Mittwoch vormittag von der Palliativärztin Beruhigungstropfen(?) und eine leichte Morphininjektion erhielt. Auch wurde uns klar gesagt, daß wir ihm kein Trinken mehr geben sollten (aber nicht konkret wieso). Danach war das Rasseln fast sofort weg und er ist am Nachmittag so leise eingeschlafen, daß wir es erst eine halbe Stunde später überhaupt registriert haben.

  4. Ich mache seit Jahren Hospizarbeit und habe die Rasselatmung ein paar Mal miterlebt und hatte aIch das Gefühl, dass es den Sterbenden In keiner Weise stört. Wenn ich Bei einer Begleitung mit den Angehörigen Spreche, bereite ich sie immer auf alle möglichen Situationen vor, in der Finalphase bin ich täglich dort um Fragen zu beantworten und beizustehen.
    Sterbende, die weder essen noch trinken im Sterbeprozess sind allgemein ruhiger. Das habe ich mehrmals erlebt. Viele Sterbende reißen sich die Infusionsnadeln raus und die meisten Ärzte sind dann so vernünftig und bestehen nicht darauf.
    Es sollte einfach mehr aufgeklärt werden, leider gibt es immer noch viel zu wenig Palliativmediziner.

    • In diesem Stadium sind die meisten Sterbenden entweder nicht mehr bei Bewusstsein oder zumindest so weit geschwächt, dass sie nur noch sehr wenig reagieren können.

  5. Servus!

    Ja die Rasselatmung kam bei unserer Mutter auch. Sie is zu Hause gestorben. Wir hatten einen Pflegedienst und ärztliche Betreuung durch die ambulante medizinische Hoszpizanstalt. Die Mitarbeiterin hat auch gesagt, daß wir den Mund und Lippen befeuchten sollten und gleichzeitig so ein „Set“ mitgebracht.
    Aber unsere Mutter verweigerte tatsächlich schon am Morgen die Getränke und ist dann in der Nacht gestorben. Ganz friedlich.
    Die Rasselatmung ist für die Angehörigen wohl tatsächlich schwerer zu ertragen als für den. Sterbenden.

    Aufklärung ist aber – wie so oft im Leben – von Nöten.

  6. Vielen Dank auch von mir!
    Meine Schwiegermutter ist letzten Herbst gestorben und hat Essen und Trinken verweigert. Ob sie Rasselatmung hatte, weiß ich nicht, da ich nicht bei ihr war.
    Aber dank der Erklärung bin ich jetzt beruhigt und denke, dass sie instinktiv wusste, was für sie am Besten war.

  7. Als mein Schwiegervater gestorben ist, hat uns die Pflegerin darauf vorbereitet. Sie sagte uns, dass die Atmung bald von einem rasselnden Geräusch begleitet sein werde, das ein Zeichen sei, dass er die letzte Phase seines Sterbens erreicht habe. Die Frau hat mich tief beeindruckt. Sie hat sich sehr viel Zeit für ihn und uns genommen und uns alle gekonnt durch diese schwierige Zeit gelotst.

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