Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Sechs Monate

Von

…sind eine lange Zeit. Mindestens so lange hat der Mann, den wir heute abtransportiert haben, in seiner Wohnung gelegen.

Wir haben hin und wieder, und wie ich meine auch zunehmend, mit solchen Fällen zu tun. Meistens liegen sie einige Tage, manchmal einige Wochen und seltener einige Monate bis überhaupt jemand etwas merkt.

Beim heutigen Fall war es so, daß der Mann wohl kurz vor seinem Ableben angekündigt haben soll, er gehe für einige Monate auf Reisen. Deshalb hat ihn aus seinem näheren Umfeld niemand vermißt. Nur weil der Heizungs- oder Stromableser schon dreimal vergeblich da war, hat heute der Hausmeister die Wohnung geöffnet.

Die übrigen Hausbewohner haben weder eine besondere Geruchsbelästigung, noch irgendeinen Ungezieferbefall festgestellt. In der Wohnung waren alle Fenster gekippt und die Rolladen an allen Fenstern akkurat auf die gleiche Höhe herabgelassen.

Wer es nicht unappetitlich mag, klicke bitte nicht auf „weiterlesen“.

Der Mann war 56 Jahre alt und nach dem, was uns gesagt wurde, recht korpulent. Er muss sich, nur mit einer Unterhose bekleidet, auf sein Sofa im Wohnzimmer gelegt haben und ist dort verstorben. Was die Todesursache war, wird der Rechtsmediziner zu klären versuchen.

Man muss es sich so vorstellen, daß von dem Verstorbenen in erster Linie Knochen vorhanden waren. Das Sofa hat sich unter ihm aufgeweicht und der Verstorbene ist quasi in die Seegrasfüllung der Polsterung eingesunken. Auf den ersten Blick ist für mich nicht feststellbar gewesen, was da Reste vom Menschen und was Polsterfüllung war.
An der Wand hinter dem Sofa hatte sich ein mannshoher, sofabreiter feuchter Fleck entwickelt.
Der Mann ist also quasi von Sofa und Wand aufgesogen worden. Den Rest dürften Insektenlarven erledigt haben. Allerdings war von Insekten, außer zahlreichen klitzekleinen Fliegen an der Zimmerdecke nichts zu sehen.

Das Aufsammeln der Leichenteile und das Abtransportieren in Bodybags war beileibe kein Vergnügen.
Ich bin wirklich gespannt, wie und was der Rechtsmediziner da herausfinden will/kann.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


22 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe ein Eis gegessen und trotzdem weitergelesen *grusel*

    Kann man in so einem Fall überhaupt noch Mensch, Wand und Sofa trennen? Was passiert mit dem Mann? Hat er Familie?

  2. Ui… das einzige was ich mal gesehen hab, war wo uns im RD eine bewusstlose Person gemeldet war. Naja… die Person war vermutlich schon seit 4 oder 5 Tage "bewusstlos". Hat dann doch etwas sehr streng gerochen in der Wohnung.

  3. Und vor allem, was passiert mit der Wohnung? Ich meine, wenn das auch bis in die Wände gegangen ist.

  4. @kizumu

    Es gibt für solche Fälle Profireinigungsmittel.Das ist sowieso ein Fall für Spezialisten,aber danach ist davon nichts mehr zu sehen und vor allem nichts mehr zu Riechen.

  5. Hm… Leute, die schon etwas länger den großen Zapfenstreich gegeben haben sind übel… Wobei, meinen Persönlichen Negativrekord stellt mein letzter Einsatz bei der Freiwilligen Feuerwehr da. Mottoradfahrer nach nem Verkehrsunfall einsammeln. Es an Helm und Mottorrad hab ich erkannt, das ich mit dem Fahrer nicht ganz ein Jahr zuvor noch zusammen die Schulbank gedrückt hab. Das mottorrad war sogar noch Fahrtauglich. Nur der Fahrer war über etwa 200 Meter verteilt. In Jeans und T-Shirt ist er bei 200 oben auf die Leitplanke geknallt. Am nächsten tag hab ich den Dienst bei den roten jungs quitiert.

  6. Moonwish, schade aber auch irgendwo verständlich. Aber: Wenn du sowas nicht verträgst, wieso machst du es dann? Bei einer Freiwilligen Feuerwehr (und auch nicht bei einer Berufsfeuerwehr) wirst du zu sowas gezwungen. Hättest deinem Fahrzeugführer einfach nur sagen müssen, das geht nicht, ich denke mal das hätte jeder verstanden.

    Ich habe so etwas bisher aber Gottseidank nicht machen müssen.

  7. Heidewitzka.

    Das ist bestimmt wahrlich kein Vergnügen, kann ich mir vorstellen.

    Aber irgendwo kommt bei mir auch wieder die Faszination hoch, das Wand und Sofa den Verstorbenen "aufgesaugt" haben. ( Ist das der Bio-LKler in mir? Ich denke schon..)

    Und ein Danke nochmal für deine Antwort auf meine Frage und den Verweis zum FAQ 😉

  8. Tja… Wir hatten das auch mal gegenüber im Aufgang. Und ein Bekannter hat noch gescherzt, als sein Hund in dem Haus immer gebellt, dass der doch die Leiche suchen soll. Hat auch etwa ein dreiviertel Jahr gelegen… Die Wohnung ist bis jetzt noch nicht vermietet.

  9. @Moonwish :

    sry wenn ich das so knallhart sage aber jeder motorradfahrer sollte wissen dass sein größter feind die leitplanke und der bordstein ist. wenn man dann auch noch ohne schutzkleidung 200 fährt braucht sich nicht wundern wenn genau das passiert was du geschildert hast…

  10. naja, sechs monate, da ist ja schon fast alles weggefressen 😉 wir hatten im juni einen, der hing vier wochen. der war lecker 🙂 bergung mit pressluftatmer.

  11. Ich hatte vor wenigen Jahren das "Vergnügen" meinen Nachbarn tot aufzufinden. Der Mann war mitte 50 und sollte eigentlich auf Kur sein; Naja, diese hat er offenbar nie angetreten. Ich stand am Fenster, von wo ich sein Küchenfenster und dahinter tausende kleine Fliegen sehen konnte. Zusammen mit dem Hauswart habe ich dann mithilfe einer geschulterten Stehlampe in die Wohnung geleuchtet, wo wir ihn dann gesehen haben. Drei Wochen hat er da wohl in etwa gelegen, mitten im Hochsommer bei fast durchgehend 30 Grad. Viel war von ihm nicht übrig, seine sterblichen Überreste waren irgendwie dunkelgrau, fast schwarz – kein schöner Anblick. Einer der Polizisten meinte zu den anrückenden Gerichtsmedizinern, die den "Leichnam" abholten, ob sie denn auch ne Schaufel dabei hätten. Klingt pietätlos, aber so muss man offenbar damit umgehen, um die Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen.

  12. was ich mir bei einem solchen fall schwierig vorstelle ist, sich bei der bergung vor augen zu halten dass es sich hierbei um einen menschen handelt.

  13. @eric:

    Naja, natürlich kann man sagen das macht man nicht und man soll von seinen Aufgaben entbunden werden, nur dann hat man in einer Organisation wie FF, Rettung u.ä. auch nichts zu suchen.

    Entweder man schafft es damit umzugehen oder man läßt es bleiben. Man sollte sich auch vorhinein im klaren sein, was die Mitarbeit in solchen Organistationen mit sich bringt, was viele ja nicht tun und nur die netten Uniformen sehen.

    Einfach abzusaltutieren wenn es unangenehm wird, finde ich schäbig gegenüber den Kameraden.

  14. Wenn du die Bücher von Hans Pfeiffer kennst (Sprache der Toten, Spuren der Toten usw.), dann weisst du auch, dass man aus dem was von dem Mann noch übrig war, so ziemlich alles rausfinden kann. Inkl. Todesursache.

    Das ist übrigens ein Fall, der auch gut in diese Reihe passen würde 😉

    PS: prüf mal bitte den RSS Feed, die Links zum Artikel haben immer ein http://www.bestatterweblog.de/ zuviel vorn dran.

  15. Motorradfahrer zerlegt es eigentlich selten, weil die Schutzkleidung die Reste ganz gut zusammenhält. Gut, bei 200 Sachen dürfte wirklich nichts mehr zu machen sein. Bliebe noch zu erwähnen, daß bei der FFW die Vobereitung auf den Umgang mit Leichen/-teilen äusserst mangelhaft ist.

  16. Hagen: nur einfach rumtrollen gilt nicht. Wenn du Kritik übst, mach bitte auch – sachlich und höflich – klar, wo genau du unzufrieden bist und warum und womit du vergleichst. Ansonsten ist das nur unqualifiziert.

  17. Naja.

    Vielleicht hätte man das Vorgehen und die Besonderheiten bei solchen Fällen beschreiben können.

    Werden die Mitarbeiter für so etwas speziell geschult?

    Wie macht ihr das mit der Beerdigung? Die Leichenteile im Sarg zusammenpuzzeln?

    Was denkt man, wenn man so einen Fall hat?

    Wie geht das mit der Reinigung der Wohnung?

    Was ist die Rekordzeit, die ein Toter vor sich hin gammelte?

    Was war bisher der schlimmste Fall für dich?

Schreibe einen Kommentar

.


Nutzungsbedingungen | Trollhilfe | Kommentar fehlt? | So gehen Abstände!


Datenschutzerklärung