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Uschi Obermaier ist nicht tot

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„Habt Ihr die Obermaier?“ fragt der Anrufer, der sich als Reporter einer örtlichen Zeitung vorgestellt hat.

„Wen?“ fragt Sandy und der Anrufer präzisiert: „Die Uschi Obermaier.“

„Kenne ich nicht, wie soll die heißen? Uschi Obermaier?“, antwortet Sandy, nachdem sie im Computer die aktuellen Sterbefälle überflogen hat. Sie würde auch sonst nicht unbedingt Auskunft geben, findet aber nichts dabei, dem Mann zu sagen, daß wir diesen Sterbefall nicht haben.

Bei dem Namen Uschi Obermaier ist Antonia aufmerksam geworden und fragt leise dazwischen: „Ist die tot?“

Sandy hält den Hörer zu und sagt: „Offensichtlich.“

„Dann frag mal wann und wo die gestorben sein soll!“

Sandy fragt den Reporter und man merkt, daß Sandy überhaupt nicht weiß, wer Uschi Obermaier ist und warum Antonia sich für sie interessiert.

Es stellt sich heraus, daß der Reporter gar nicht DIE Uschi Obermaier meint, sondern die Frau eines ehemaligen Stadtrates einer benachbarten Stadt, die noch nicht einmal Uschi Obermaier heißt, sondern nur ‚in den gewissen Kreisen‘, also der Schickeria und Bussi-Bussi-Gesellschaft intern so genannt wurde. Die inzwischen hochbetagte und offenbar jüngst verstorbene Politikergattin muß in den späten Sechzigern mal so etwas wie ein wilder Feger gewesen sein und hatte seitdem ihren Spitznamen weg.

Soweit die Vorgeschichte, das Telefonat war dann beendet.

Nun folgte dem Ganzen der zum Scheitern verurteilte Versuch Antonias, Sandy zu erklären, wer Uschi Obermaier ist.
Doch alles was Antonia über freie Liebe, Joints und sonstiges Unkonventionelles anführen konnte, um den Berühmtheitsstatus der Obermaier zu untermauern, bewirkte bei Sandy nur ein gelangweiltes Schulterzucken. „Na und?“
Gemessen an dem was Uschi Obermaier in ihrem ganzen Leben an Freizügigkeiten aufzuweisen hat, ist ein einziger Tag in Sandys Leben hundertfach spannender.
Sandy hat also immer noch keine Ahnung, wer Uschi Obermaier ist und Antonia versucht es nun über die neue Zalando-Reklame. In dieser Reklame für den Online-Schuhhändler tritt ein Schauspieler auf, der dem Obermaier-Freund Rainer Langhans in gewisser Weise ähnlich sieht. Aber Sandy sieht nicht fern und Sandy kennt auch Zalando nicht. Sie kauft sich ihre Schuhe auf Wochenendtrips in London und dann vermutlich auch noch in Geschäften, die Antonia nicht einmal im Zustand der Volltrunkenheit betreten würde. Und überhaupt, die meiste Zeit läuft Sand sowieso barfuß herum… wenn keine Kunden da sind…

Antonia ruft für Sandy die Zalando-Seite am Bildschirm auf, zeigt ihr bei Jutjuhp das passende Reklame-Video und ruft seitenweise Bilder von Uschi Obermaier auf…
…es will ihr aber nicht gelingen, in Sandy das geringste Interesse zu wecken.

Für Antonia ist jemand, der etwas unkonventionell lebt, etwas Exotisches, jemand der so vollkommen anders lebt als sie selbst. Für Sandy hingegen ist das, was andere Leute als außergewöhnlich empfinden, etwas Langweiliges.

Nach rund 15 Minuten Gespräch haben wir folgende Situation:

Uschi Obermaier ist nicht tot.
Antonia ist ganz aufgeregt, weil Uschi Obermaier tot ist.
Sandy weiß immer noch nicht, wer Uschi Obermaier ist.
Frau Büser braucht eine Aspirin-Tablette.
Ich mache meine Bürotür zu.

Peter Wilhelm 26. Juni 2013


16 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Tja, der Begriff „unkonventionell“ ist halt immer eine Frage des Standpunktes. Sandy würde vermutlich Antonias Lebenswandel als vollkommen durchgeknallt ansehen 😉

    OT: Kann mir mal jemand erklären, warum in den Artikeln aus dem gesammelten Halbwissen einige Wörter mit weißem Text auf weißem Grund geschrieben wurden? Ich habe keine Lust, den Text jedesmal woanders hinzukopieren, nur um ihn komplett lesen zu können…

  2. Meh. Es ist nach wie vor großartig, wie du schreibst, aber in letzter Zeit sind es doch auffällig viele Werbe-Postings :-/

  3. Vermutlich weil Tom Zalando erwähnt hat…
    Und selbst wenn er an irgendeinem Affiliate-Programm teilnimmt, wo er bei passender Gelegenheit für einen Link mal 2 Euro fuffzich bekommt, dann gönne ich ihm das.

    Solche Meckerer tun sowieso nie was in die Kaffeekasse, sondern regen sich nur auf, dass die Kaffeekasse die falsche Farbe hat…

  4. Also mit Sandy würde ich gerne mal …

    … Schuhe kaufen fliegen. Sie wird mir mit jeder Geschichte sympathischer. 🙂

  5. …solche Gespräche kenne ich. Meine Mutter erzählt mir ständig von irgendwelchen Leuten,die früher mal da und dort gewohnt haben,und die mit dem und dem verwandt sind,und die dies und das gemacht haben…Das geht dann so 20 Minuten(gefühlt sind es mindestens 60),bis sie endlich zum eigentlichen Punkt kommt,der mich(leider)meistens auch nicht sehr interessiert.Sie ist immer ganz empört,dass ich“TanteXY“,die 1952 immer die Kirchenzeitung rumgebracht hat,nicht kenne.(Gnade der späten Geburt).Oder auch den schrulligen Müllmann,der gerne mal einen Happen aus der Tonne nahm…
    Aber am Ende läuft es dann immer darauf hinaus,dass diese lokalen“Vip´s“nicht mehr unter uns weilen.
    So! Das mußte doch mal öffentlich gemacht werden! 😉

  6. hahaha @ der kleine Tierfreund das kommt mir doch seeehr bekannt vor.
    Am Besten war aber immer noch, als meine Mutter ganz aufgeregt mir den Lokalteil der Zeitung entgegen hielt: „Guck mal, wer da ist!“ Es war mir eine komplett unbekannte ältere Frau.
    Nach einigem hin und her bin ich immer noch nicht drauf gekommen, wer das hätte sein können (Durfte natürlich den dazugehörigen Artikel nicht lesen) war meine Mutter ganz empört. „Na, die MUSST du doch kennen, schliesslich war das die Hebamme, die dich zur Welt gebracht hat!“

    Erm ja, NATÜRLICH! Jetzt wo du es sagst… *seufz*

  7. @Kommentatoren 6-9: Danke, dass ich jetzt nicht mehr das Gefühl habe, eine Außerirdische zu sein (in den Augen meiner Mutter bleibe ich das allerdings). Ich finde es seit Jahren befremdlich, von Mutter immer wieder zu hören: „Weißt Du wen ich neulich getroffen habe, von der ich Dich ganz herzlich grüßen soll? Frau ABC!“ (Nihilistin verdreht fragend die Augen) „Na, das war doch Deine Kindergärtnerin!“ (Nihilistin stellt fest, dass sie da 3 Jahre alt war) „Die hast Du doch immer so gemocht! Soll ich sie zurückgrüßen?“ (Nihilistin verlässt das Zimmer)
    @Beccy: Das mit der Hebamme ist allerdings echt NOCH besser 🙂

  8. [quote]OT: Kann mir mal jemand erklären, warum in den Artikeln aus dem gesammelten Halbwissen einige Wörter mit weißem Text auf weißem Grund geschrieben wurden?[/quote]

    Das sind die verlinkten Begriffe? Bei mir haben sie die Default-Farben blau und lila, eventuell ist dein Browser anders eingestellt.

  9. @Christians Ex: Nee, das waren nicht nur Links, sondern irgendwelche Wörter quer durch den Garten.

    An den Browsereinstellungen hatte ich nichts geändert. Das Problem tauchte aber – wie ich im Nachhinein festgestellt habe – bei allen möglichen Wiki-Seiten auf. Ursache unbekannt, aber wahrscheinlich ist diese auf meinem Rechner zu suchen. Nach Browser-Neustart klappt es nämlich wieder.

    Also blinder Alarm 🙂

  10. Typisch Weiber eben, es wird dreimal die Kirche ums Dorf gelabert;)
    Bei Männern klingt das anders:
    „Du, der Horst ist dod!“
    „Welcher Horst?“
    „Na der mit der Imbißbude am Bahnhof.“
    „Ah, den kannte ich. Nochn Bier?“
    „Jepp! Auf Horst!“
    „Auf Horst! Prost!“

  11. Also ich erinnere mich noch an meine Kindergartentante. Und an meine Grundschulleherer. Und ich fand es immer sehr aufmerksam von meiner Mutter, wenn die mich bei entsprechenden Traueranzeigen benachrichtigt hat. Leider kann sie das nun nicht mehr, sie war inzwischen selber mal Thema einer solchen Anzeige.

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