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Was schreibt man in ein Kondolenzbuch?

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kondolenzbuch

Bei vielen Beerdigungen und Urnentrauerfeiern werden Kondolenzbücher ausgelegt.

Dies war früher eher den bekannteren Persönlichkeiten vorbehalten und hat seinen Ursprung darin, daß man bei wirklich großen Beisetzungsfeierlichkeiten so allen Trauergästen die Möglichkeit geben wollte, ihre Anteilnahme zu bekunden. Es wäre beispielsweise unmöglich gewesen, daß der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl alle Beileidswünsche anläßlich des Todes seiner Ehefrau Hannelore persönlich entgegen genommen hätte.
Auch ist es bei hochgestellten Personen oft so, daß Kondolenzbücher nicht nur am Ort der Beisetzung, sondern landes- oder sogar weltweit an verschiedenen Orten ausgelegt werden. damit quasi jedermann dort seine Anteilnahme ausdrücken kann.
Beim Tod von John F. Kennedy beispielsweise lagen in allen US-Botschaften und in den sogenannten Amerika-Häusern Kondolenzbücher aus.

Mittlerweile hat sich diese Tradition auf alle Bevölkerungsteile übertragen. Kondolenzbücher findet man heute bei fast jeder Beerdigung und es hat nichts mehr mit der Stellung des Verstorbenen zu tun.
Sie ermöglichen es, daß jeder Trauergast seine Anwesenheit bekunden und seinen Gedanken Ausdruck verleihen kann, ohne direkt mit den Angehörigen in Kontakt zu treten, oder zusätzlich dazu.

Man finden in Traueranzeigen oft den Hinweis: „Von Beileidsbekundungen bitten wir Abstand zu nehmen“. Manche Trauergäste stören sich an dieser Formulierung, einige setzen sich sogar darüber hinweg, weil sie meinen, sie seien so nahe verwandt oder befreundet, daß diese Bitte für sie nicht gelten könne.

Ist ein Kondolenzbuch vorhanden, gibt es einfache Spielregeln.
Dazu die heutige Frage von Leser Martin:

Lieber Unter-Die-Erde-Bringer,

ich bin schon eine ganze Weile ein stiller Bewunderer und Mitleser deines Weblogs und finde es super wieviel Zeit Du investierst um deine Leser zu unterhalten.
Nun habe ich selbst auch mal eine Frage, und zwar geht es um das Thema Kondolenzbuch.
Kennen tut ein solches Buch wohl jeder, aber was genau damit macht bzw. die Kondolenzbuchetiquette kennt scheinbar nicht jeder bzw jeder hat da eine andere Meinung zu.
Der eine sagt man schreibt nur seinen Namen hinein damit jeder weiß das man da war, der andere sagt man schreibt ein nettes Sprüchlein, gerne in Reimform hinein, wieder andere behaupten man schreibt hinein was man ansonsten in den Kondolenzbrief schreiben würde.
Das kommt sicher auch darauf an wie nah man der verstorbenen Person stand, dennoch wäre es klasse wenn Du uns die do´s and donts der Kondolenzbucheintragungen erklären würdest.

liebe Grüße,
Martin

  • Grundregel 1:
    Ist ein Kondolenzbuch vorhanden, dann schreiben sich alle Trauergäste dort ein.
  • Grundregel 2:
    Die nächsten Angehörigen, die das Kondolenzbuch auslegen lassen, sind ja die Adressaten des Buches. Das heißt, das was dort eingetragen wird, ist an sie gerichtet.
    Ergo tragen sie sich für gewöhnlich nicht selbst in das Buch ein.
    Sie können es aber, wenn sie das tiefe innere Bedürfnis verspüren, trotzdem tun. Üblich ist das aber nicht.
  • Grundregel 3:
    Die Unterschrift gehört ins Kondolenzbuch. Und zwar leserlich!
    Hat man eine unleserliche Unterschrift, so gehört es sich, den Namen nochmals leserlich dazu zu schreiben.
    Das Buch dient nicht zuletzt dazu, daß die Angehörigen erkennen können, wer alles da war, um diesen Menschen eine Danksagung schicken zu können.
  • Grundregel 4:
    Alles, was Martin beschrieben hat, darf in das Kondolenzbuch.
    Reime, Verse, Zitate, Liedzeilen, Sprüche, Psalmen, Selbsterdachtes.
    Das alles darf in das Buch, muß aber nicht. Siehe nächste Regel.
  • Grundregel 5:
    Je nachdem, wie groß der Andrang am Kondolenzpult ist, faßt man sich bitte kurz, damit auch andere noch an die Reihe kommen.
  • Grundregel 6:
    Es ist durchaus machbar, auch nach der Trauerfeier die Angehörigen zu bitten, noch etwas ins Buch schreiben oder zeichnen zu dürfen.
    Dann hinterläßt man am Beerdigungstag nur die Unterschrift. Man kann auch den Mitarbeiter des Bestattungsinstitutes nach der Adresse des Bestattungshauses fragen und dort seinen Eintrag noch vornehmen.
  • Grundregel 7:
    Man nimmt das Buch nicht vom Pult, um irgendwo eine halbe Stunde lang etwas hineinzumalen.
    Man reißt auch den manchmal angebundenen Kugelschreiber nicht ab.
  • Grundregel 8:
    Hat man sich verschrieben, verbessert man den Fehler.
    Keine Seiten aus dem Buch herausreißen!

Du kennst noch weitere Tips oder besondere Vorkommnisse? Dann schreibe mir das in die Kommentare!


Peter Wilhelm 20. Januar 2016

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