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Wo wird eigentlich im Film beerdigt?

Leser Felix hat eine Frage zu den Bestattungen und Friedhofsszenen, die man in Film und Fernsehen immer wieder seiht.

In jedem besseren (oder auch schlechteren) Fernsehkrimi gibt es ja eine Begräbnisszene. Es müssen also recht häufig entsprechende Dreharbeiten stattfinden, wahrscheinlich im Einzugsgebiet der deutschen Medienhochburgen, oder eben da, wo die Serie gerade spielt (z.B. in Wiesbaden beim „Staatsanwalt“).
Weißt du, wie so etwas organisiert wird? Es werden ja zumeist „echte“ Gräber an besonders exponierten Stellen ausgehoben. Spielen die Behörden da ohne weiteres mit? Stört das nicht den Zweck und die Würde der Friedhöfe? Sind das vielleicht solche, auf denen nicht mehr regulär bestattet wird?

Üblicherweise gibt es bei den Kommunen eine Stelle, die die Drehgenehmigungen vergibt.
Ganz kostenlos ist das nicht. Es ist sogar eine schöne Nebeneinnahmequelle, wenn für das Sperren von Straßen, das Aufstellen von Absperrungen und das Räumen von Plätzen noch Gebühren erhoben werden können.

Aufnahmen auf Friedhöfen sind tatsächlich weit verbreitet. Sie finden nach erteilter Drehgenehmigung unter strengen Auflagen zu Zeiten statt, an denen keine Bestattungen stattfinden.
Bei ausgehobenen Gräbern greift man entweder auf sowieso ausgehobene zurück oder öffnet, gegen Kostenerstattung, an neuer Stelle eins.
Es gibt auch auf vielen Friedhöfen Areale, die nicht mehr genutzt werden und die eine ideale Kulisse sind.

Oftmals werden Dutzende von Grabsteinen sehr kunstvoll nachgemacht oder kaschiert.

Für die Fernsehserie Lindenstraße gibt es einen eigenen Friedhof in der Nähe des Spielplatzes hinter der Praxis „Dr. Dressler“.
Dort, aber auch auf anderen Kölner Friedhöfen, werden die Aufnahmen von Grabbesuchen und Beerdigungen gedreht.

Dieser Artikel in der „Welt“ zeigt ein bißchen, wie das mit den Kosten und Drehgenehmigungen am Beispiel der Stadt New York ist.

Bild: sabi0116 / Pixabay

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Peter Wilhelm18. Juni 2018

6 Kommentare von 139974.

  1. Wenn es sich um Gebühren handelt, kann es keine „schöne Nebeneinnahmequelle“ sein. Gebühren sind kostendeckend.

    • @at: Das kommt immer darauf an, wie man sie berechnet, also welche Kosten sie decken sollen. Kommunen haben da durchaus Spielraum, was sie mit einbeziehen, Basis ist ja keinesfalls der konkrete Papierverbrauch und die fünf Arbeits-Minuten des Sachbearbeiters, eher geht es darum, den gesamten Aufwand für eine Kostenstelle über Gebühren zu decken. Bei Friedhöfen z.B. kann man auch schon mal den Aufwand für weitere Grünflächen reinrechnen.
      Wobei man fairerweise sagen muß, daß andererseits „Gebühren“ für die Benutzung etwa von Schwimmbädern, Hallenbädern, Büchereien oft keineswegs kostendeckend sind.

      • @Roland B.:

        „Gebühren“ für die Benutzung von Schwimmbädern sind in aller Regel keine Gebühren. Gebühren decken die Kosten des Verwaltungsaktes, für den sie erhoben werden. Und gerade wenn es um eine konkrete Kostenstelle ginge, könnte natürlich keineswegs der Aufwand für weitere Grünflächen eingerechnet werden.

    • @dirk-Boerge: Ja, das weiß ich und deshalb schrieb ich ja auch: „Dort, aber auch auf anderen Kölner Friedhöfen, werden die Aufnahmen von Grabbesuchen und Beerdigungen gedreht.“

      Der Lindenstraßenfriedhof, so heißt es in der Wikipedia, sei zu klein geworden, und deshalb „werden Friedhofsszenen auch auf einem echten Friedhof gedreht“.

      Das beißt sich ja nicht, weil es dasselbe aussagt.
      Tatsächlich ist die Situation so:

      Der Friedhof hinter dem Haus Dressler ist zu klein geworden. Wenn jetzt jemand als Rolle verstirbt, stehen die Produzenten vor der Wahl, ihn auf einem der wenigen Restplätze zu bestatten oder auf einem anderen Kölner Friedhof.

      Das letzte Verfahren hat seine Nachteile. Denn können auf dem Kulissenfriedhof Grabsteine und Gräber gemäß den Rollennamen angelegt werden und so bleiben, so müssen auf dem echten Friedhof die Grabsteine jedesmal mit falschen Namen versehen werden oder man verzichtet ganz auf eine Aufsicht auf den Stein.

      Es ist auch überlegt worden, weniger wichtige und im Kollektivgedächtnis der Serienjunkies schon vergessene Personen vom „Dressler-Friedhof“ wieder verschwinden zu lassen. (Was auch realistisch wäre, denn auch echte Gräber laufen ab.) Dann hat man wieder Kapazitäten vor Ort.

      Der Dressler-Friedhof wird immer dann genutzt, wenn mal Grabbesuche an diesen Altgräbern gezeigt werden.

      Es ist also schon so, wie ich es schrieb :-)

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