Es ist eine Vortragsrunde, bei der ich den Beruf des Bestatters vorstellen soll. Mir sitzen knapp 30 nette Damen und Herren gegenüber.
Ich spreche eine gute Dreiviertelstunde, berichte packend aus dem Berufsalltag, lasse humorvolle Episoden einfließen, merke, daß die Leute lächelnd an meinen Lippen hängen.
Alles läuft gut.
Am Ende lade ich die Menschen ein, mir die Fragen zu stellen, die ihnen noch auf der Seele liegen.
Eine Dame macht den Anfang, sie hat vor einem halben Jahr ihren Mann verloren, hat eine konkrete Frage, die ich leicht beantworten kann, die Frau lächelt glücklich und dankbar.
Zwei Herren haben Fragen zur Ausbildung zum Bestatter, auch diese kann ich beantworten.
Noch ein Dutzend weiterer Fragen wird gestellt, dann merke ich, daß die veranschlagte Zeit vorüber ist und ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und die nette Einladung nach XYZ.
Beifall brandet auf, die Leute lächeln freundlich…
…da meldet sich der Mann im dunklen Anzug. Er hat die ganze Zeit schon mit übereinandergeschlagenen Beinen und verschränkten Armen in Abwehrhaltung da gesessen. Jetzt schiebt der die Zunge hinter seiner Unterlippe hin und her, dann sagt er:
”Netter Vortrag”. Dabei betont er das Wort ‘nett’ schon sehr überdeutlich. Wir alle wissen ja, die Schwester von ‘nett’ heißt ‘Scheiße’. Die Köpfe der anderen Anwesenden fliegen herum, alle hängen nun an seinen Lippen. Es muß ein Vorgesetzter sein, das merkt man vor allem daran, daß einige bei jedem seiner Worte pflichtschuldig nicken und andere sogar seine Worte mit ihren Lippen stumm nachformen. 

Die Deckel der Aschenkapseln werden nicht wie bei Konservendosen durch Umbördeln verschlossen, sondern durch Einpressen des Deckels unter den Rand der Aschenkapsel.
