Dank zurück

Aus der Schweiz erreichte mich diese selbstgestaltete Dank-Karte, mit der sich ein Leser / eine Leserin für das Bestatterweblog und die “vielen vergnüglichen Stunden bedanken” möchte.

dankkarte

An dieser Stelle möchte ich diesem Zusender ganz herzlich Dank sagen, und das stellvertretend für alle, die mir in den letzten Monaten geschrieben haben. Für meine Tochter ist das immer etwas befremdlich, wenn uns fremde Leute ansprechen und um ein Autogramm oder eine Widmung bitten, oder wenn hier “Fanpost” eingeht.

Ja, das ist Fanpost, obwohl ich den Ausdruck nicht mag. Fanpost ist für meinen Geschmack etwas, das säckeweise ankommt, wenig Beachtung findet und meist von irgendwelchen Helfern bearbeitet wird.

Glücklicherweise ist das aber bei mir lange nicht so viel und deshalb kann ich das alles auch noch schön selbst lesen.

Diese Karte da oben bekommt neben dem Brief mit dem selbstgezeichneten Labrador auf dem Umschlag (der Einsender weiß schon was ich meine) einen Ehrenplatz an der Wand in meinem Büro.
Muß nur noch einen Rahmen kaufen.

Liebe Dank zurück von meiner Seite.

Bin wieder da

So, 4 Tage Internet-Auszeit, das tut auch mal gut.
Die Mailschwemme heute Morgen hielt sich auch in Grenzen.
Am Donnerstagabend habe ich lieben Besuch von meinem Freund Frank bekommen. Wir konnten uns auf ein Männerwochenende einstellen, denn meine Frau war bis Samstagabend noch in Urlaub.
Essen im XXL-Schnitzelland, ein paar Büchsen Flüssiges, Horrorfilme und im Keller Luftgewehrschießen auf lebendige Raviolidosen.

Einkaufen bei Conrad, erst um 4 ins Bett und Männerblödsinn babbeln.

Balsam für die Seele!

Gut, ich kann mich auch immer sehr gut wieder “erden”, wenn ich einfach mal Zeit mit mir selbst verbringe, bei Fotoexkursionen zum Beispiel oder mit den Hunden im Wald.

Wie therapiert Ihr Euch?

Cliffhanger

cliffhangertasse

Freundlicherweise hatte ein Leser eine Liste von Geschichten, die seiner Meinung nach unvollendet sind, in die Kommentare geschrieben.
Cliffhanger sind episodenhaft erzählte Geschichten, bei denen der Leser am Ende einer Episode mitten im Erzählfluss hängen gelassen wird. Er muß dann auf die Fortsetzung warten.

Nach Auffassung des Lesers (u.a.) waren folgende Geschichten noch offen:

  • – die Fee der Nacht
  • – der Goldfisch
  • – Birgitt
  • – Die Kuckucksuhr
  • – In der Psychiatrie
  • – Henning
  • – Herr Maurer
  • – Bodo
  • – die Mumie
  • – Opa Gleisberg
  • – Koma
  • – und jetzt neu: Die Nachtigall
  • – Fett
  • – die Brücke

Nachträge:

  • – Sandy und die Kaminkehrerin
  • – Sandy und die Burg

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Gibt es weibliche Sargträgerinnen?

Auf der Suche nach einem Aushilfsjob bin ich über eine Anzeige von einem Fuhrunternehmen gestolpert, das Aushilfskräfte für Abholungen, hygienische Versorgung der Verstorbenen sowie das Tragen der Särge sucht.
Jedoch ist mir aufgefallen, dass ich noch nie gehört oder gesehen habe, dass Frauen als Sargträgerinnen fungieren.
Nicht einmal Google spuckt etwas dazu aus.
Haben Sie schonmal eine Sargträgerin in ihrer beruflichen Laufbahn erlebt?

Ich finde es eigentlich schade, dass es für eine Frau schwierig sein könnte, so einen Job zu bekommen. Es fallen ja auch andere Aufgaben an, bei denen man nicht allzuschwer heben muss. Aber zugegebenermaßen ist das mit dem Sargtragen ja trotz aller “Gleichberechtigung” nicht immer im Bereich des Möglichen.

Vielen Dank für Ihre Anfrage, die ich anonymisiert auch im Blog beantworten werde.
Natürlich gibt es Sargträgerinnen. Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, daß auch Frauen das machen können.
Allerdings haben Sie Recht, wenn Sie schreiben, daß das normalerweise überwiegend von Männern gemacht wird.
Das hat sicherlich etwas mit dem körperlichen Kraft zu tun.
Auch die Körpergröße hat früher beim Tragen eine Rolle gespielt. Es sollten beim Tragen von Hand schon alle Personen halbwegs die gleiche Größe haben, damit das gleichmäßig geschehen kann.

Ein Bestatter, der eine solche Stelle ausschreibt, darf eine Bewerberin nicht aufgrund ihres Geschlechts abweisen. Heutzutage sollte sich jeder Bestatter freuen, wenn Frauen sich für diese Arbeit bewerben.
Ich selbst habe in meinem Unternehmen stets auch Frauen als Bestatterinnen bzw. Bestattungshelferinnen beschäftigt. Und das war nicht das Ergebnis einer Quotenregelung, sondern aufgrund der Erfahrung, daß Frauen diese Arbeit mindestens genauso gut, wenn nicht gar besser können, als Männer.

Bestatter werben und informieren zeitgemäß

Das mit der Werbung ist bei Bestattern ja so eine Sache. Meist im alltäglichen Leben von den Menschen kaum wahrgenommen, weil verdrängt, bemühen sich Bestatter, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu lenken.
Damit das Unterfangen nicht zu einer pietätlosen Reklame verkommt, ist viel Fingerspitzengefühl gefragt. Gut, wer sich da einer Agentur bedient, die ein Rundum-Paket anbieten kann.
Jürgen Wolf hat so eine Agentur und berät unter anderem sehr erfolgreich Bestattungshäuser.

Auf einer seiner Webseiten schreibt er locker vom Fleck weg, wie er arbeitet und was ihn so bewegt. Hier stellt er die Geschichte und den Werdegang eines Videos vor, das -wie ich finde- sehr gelungen ist.
Ein Video, das nicht für die große mediale Verbreitung gedacht ist, sondern im auftraggebenden Bestattungshaus quasi in Endlosschleife im Kundenwartebereich bzw. Eingangsbereich läuft.
Daß auch noch die Inhaber selbst den Text dazu eingesprochen haben, finde ich eine sehr gute Idee und gerade weil sie keine professionellen Sprecher sind, wirkt das Video so authentisch.

Es ist alles verboten, hier war schon immer alles verboten und das bleibt auch so!

Seit geraumer Zeit hatten wir einen ausrangierten Bestattungswagen auf dem Hof stehen. Für 4.000 Euro konnte ihn jeder haben, der ihn wollte.
Eines Tages kam dann auch ein Interessent.
Wir unterhielten uns eine Weile und dann hatte ich verstanden, wozu der Mann den Bestattungswagen braucht, und warum er ihn wahrscheinlich nicht nehmen würde.

Der junge Mann war im Nebenberuf DJ. So ein Diedschäi legte früher Schallplatten auf und überbrückte die Pausen durch gefällige Moderationen.
Das tun die DJs auch heute noch, nur geht das eben digital und die Musik kommt mehr oder weniger vom Computer, und je berühmter die DJs werden, umso weniger bewirkt das Drehen an den Knöpfen irgendwas.
Und dieser DJ, nennen wir ihn Olaf, bewohnte in einer beschaulichen Kleinstadt, nicht weit von hier entfernt, eine Eigentumswohnung.

Ja, und mit solchen Eigentumswohnungen ist das ja bekanntlich so eine Sache. Die Wohnung gehört einem zwar, aber so richtig schalten und walten, wie man es gerne möchte, kann man eben doch nicht, weil einem eben nur ein kleiner Teil des Ganzen gehört.
In diesem speziellen Fall gehörte das Haus insgesamt 15 Parteien mit sicherlich ebenso vielen unterschiedlichen Meinungen.
Und zu dem Haus gehörte praktischerweise eine ebenerdig ins Haus gebaute Garagenanlage. Aus der ehemals großen Anlage waren im Laufe der Jahre mehrere kleinere Garagen abgeteilt worden und eine davon nutze unser DJ als Lagerraum für sein Musik-Equipment.
Sehr gelegen kam ihm, daß sich hinter der Garage, und nur von dort aus zugänglich, noch ein weiterer nur 12 qm großer Raum befand.

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Herr Maurer IV

Wie kommt man solchen Leuten bei? Meine Frau meint, die seien karrieregeil und geldgeil: “Solchen Leuten kannst Du nur beikommen, wenn Du die an ihrem empfindlichsten Zipfelchen packst, am Geldbeutel!”

Schwiegertochter Maurer ist weder entsetzt, noch erschüttert, auch nicht traurig oder wenigstens erstaunt. “Die waren ja auch schon alt”, ist alles was sie dazu zu sagen hat. “Wegen der Kosten machen Sie sich keine Gedanken. Ich habe meinen Mann vorhin zwischen zwei Terminen mal eben auf dem Handy gekriegt, er legt das alles in meine Hände. Die Mutter soll in Spanien eingeäschert werden und die Urne dann mit dem Vater meines Mannes ins Grab. Sagen Sie, wann und wo können wir einen Erbschein bekommen?”

“Erbschein …”, plappere ich erstaunt ob so viel Herzenskälte. Sie nickt: “Ja, das mit dem Haus meiner Schwiegereltern muß ja jetzt schnell über die Bühne gehen. Wir lassen den Kasten abreißen, ohne Gebäude ist das Grundstück viel mehr wert.”

“Abreißen? … Meine Güte, das geht aber schnell”, staune ich.

“Das muß so schnell gehen. Solche Villen in der Oststadt darf man gar nicht abreißen. Wir haben aber einen Abrißunternehmer gefunden, der das für uns macht und hinterher wird es heißen, meine Schwiegereltern hätten den Auftrag zu Lebzeiten noch erteilt.”

Sie entblößt eine Reihe makelloser und tippex-weißer Zähne und lacht laut. “So schaffen wir Tatsachen. Die Denkmalbehörde kann ja dann das Grab verklagen, ha ha ha.”

“Das kostet aber extra”, sage ich.
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Herr Maurer III

Was soll ich mit solchen Angehörigen?
Die Schwiegertochter meint, sie habe schon mehr als genug getan “für diese Leute”. Seit Jahren geben sie sich so viel Mühe, den Kontakt auf ein Mindestmaß zu beschränken: “… und jetzt involvieren Sie mich, jawohl, Sie involvieren mich!”
Ihr Mann, der Sohn des Verstorbenen, ist zu geschäftlichen Terminen in die neuen Bundesländer gefahren. Wann der wiederkommt, das weiß seine Frau auch nicht. “Der ist IT-Experte und macht in Solar! Sie wissen ja, was das bedeutet.”

“Nö, was bedeutet das denn?”

“Das sind Zukunftstechnologien, das Programm ist von der EU gefördert und mein Mann ist an vorderster Front.”

“Ja, aber jetzt liegt da ein toter Mann bei uns im Kühlraum und Ihr Mann ist dessen Sohn. Ich finde, er müßte sich jetzt mal so ein ganz kleines bißchen um seinen Vater kümmern.”

“Wieso das denn? Der ist doch tot! Der läuft uns nicht weg.”

Ich denke an die Verwesungsvorgänge, die trotz Kühlung früher oder später einsetzen werden und verkneife mir, zu sagen “Irgendwann schon”…

Ihr Mantel weht weit hinter ihr her, als sie mit buchstäblich wehenden Fahnen unser Haus verläßt.
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