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Tattoos von Verstorbenen an der Wand

In den letzten Tagen geisterte folgende Meldung durch die Medien:

Bestatter machen es möglich: Tattoos vom Körper des geliebten Verstorbenen aufbewahren

Das Bestattungsunternehmen von Michael und Kyle Sherwood aus dem US-amerikanischen Cleveland bietet einen besonderen Service an.
Sie schneiden die Tattoos aus den Körpern der Verstorbenen und übergeben sie den Hinterbliebenen.

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Eine Million mit Zahngold ergaunert

Einen Bärendienst haben sie der ganzen Branche erwiesen: Ein Krematoriumsbetreiber, ein Bestatter und dessen Betriebswirt haben 1 Million Euro mit der verbotenen Entnahme und dem Verkauf von Zahngold „verdient“. Hierfür wurden sie jetzt verurteilt:

Solche Geschichten gab es schon immer und gibt es auch immer wieder. Edelmetalle, allen voran Gold, wecken Begehrlichkeiten. Die Täter glauben, unentdeckt zu bleiben und meinen wahrscheinlich, dass das Gold bei ihnen besser aufgehoben sei, als in der Urne.

Zu den unausrottbaren urbanen Legenden gehört, dass Bestatter den ihnen anvertrauten Verstorbenen immer die Zähne herausbrechen.
Das ist aber Quatsch. Tausende von Bestattern und Krematoriumsmitarbeitern werden sich hüten, das zu tun. Zuviel steht auf dem Spiel.

Übrigens: Bei einer Kremierung müssen keine Zähne herausgebrochen werden, um an das Zahngold zu kommen, sondern dieses fällt als verklumpte Masse in der Asche an, und müsste nur einfach weggenommen werden.

Lange Zeit wurde Zahngold und auch andere Metalle aus der Asche entfernt und gesammelt. Das Metall wurde dann einer Scheidefirma übergeben, die den Erlös auszahlte. Je nach Betreiber wanderte der Erlös in den Haushalt des Krematorium oder wurde wohltätigen Zwecken zugeführt.

„Im Urteil berücksichtigt wurden allerdings nur die Fälle ab Juli 2015. Grund ist ein Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) von 2015, nach dem alle Überreste eines Toten, darunter auch Metalle, als Teil der Totenasche gewertet werden. Demzufolge ist die unbefugte Entnahme von Überresten wie Zahngold strafbar.“

Ich persönlich erinnere mich gut an ein kommunales Krematorium, in dem in den 1990er Jahren auch ein solcher Goldraub aufgeflogen ist.
Uns war schon immer aufgefallen, welchen Wohlstand die dort beschäftigten Männer durch die stets neuen und hubraumstarken, vor dem Krematorium geparkten Autos demonstrierten. Die Herren erzählten auch gerne von ihren Urlauben in der Karibik, in Thailand oder Wohnmobiltouren durch Kanada.
Scherzeshalber haben wir Bestatter immer schon gemunkelt, der Reichtum stamme vom Zahngold.

Irgendwann flog die Sache auf. Einer der Männer hatte regelmäßig Touren ins nicht weit entfernte Holland unternommen, um dort Zahngold zu verkaufen.
Was passierte dann? Zwei, drei Tage führte die Polizei Ermittlungen durch, die niemandem verborgen blieben. Seitens des Friedhofsamtes herrschte betretendes Schweigen. Wir lasen die Tageszeitung und warteten auf den enthüllenden Bericht. Aber nichts geschah. Nichts.
Als einzige spürbare Maßnahme erhielten die Bestatter ein Schreiben, in dem sie darauf hingewiesen wurden, den Schmuck, der an den Verstorbenen verbleibt, genau zu dokumentieren.
So ein bißchen kam uns das vor, als habe man den Schwarzen Peter nun in Richtung der Bestatter weitergeschoben. Aber seitdem hat man von den Vorkommnissen nie mehr etwas gehört. Es arbeiteten noch viele Jahre die selben Männer im Krematorium. Allmählich verblasste die Geschichte. Von etwas, von dem wir wussten, dass es passiert war, blieb nichts weiter übrig, als der Hauch eines Gerüchts. „Da war mal was, aber ob das stimmt?“

Bild von StockSnap auf Pixabay

Würdevolle Urnenbeisetzung

Lieber Peter Wilhelm;

Was mich zunehmend mehr irritiert, ist, dass die meisten Urnenträger vor dem Hinablassen der Urne in das Grab das Blumengesteck oben an der Urne abmachen. Es soll nicht mit in das Grab, sondern hinterher oben drauf gelegt werden. Leuchtet mir ein. Die Blumen waren teuer und man kann sie sich ja in den Tagen nach der Trauerfeier noch ein paar mal angucken, bevor sie verwelken.

Was mich aber stört, ist, dass sie die grünen Plastikpöpsel, mit denen das Gesteck befestigt waren, einfach an der Urne lassen. Und dann liegt also die Urne von Opa Hans zwanzig Jahre lang in der Erde mit den häßlichen Plastikpöpseln oben drauf in der Erde. Man sieht sie nicht, aber man weiß, dass sie da sind. Mich stört das sehr. Vor allem, weil man ja ahnt, dass nach ein paar Jahren die Urne sich auflöst und die Asche vom Regen in die Erde gespült wird und alles zurückkehrt in den großen Kreislauf von Werden und Vergehen.

Nach zwanzig Jahren ist dann nur noch eins im Grab: drei bis vier alte grüne Plastikpöpsel zur Erinnerung an Opa Hans. Plastikmüll for Future. Muss dass sein?

Liebe Urnenträger und Bestatter, die Ihr das hier lest: Bitte macht diese Plastikdinger ab, bevor ihr die Urne ins Grab senkt! Es dauert nur ein paar Sekunden und stört viel weniger als der Gedanke an den Plastikmüll im Grab, der mich durch Jahrzehnte nervt.

Wenn ich könnte, würde ich das in mein Testament und in meine Patientenverfügung schreiben: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses und den Rest, wo immer ihr wollt – aber macht die Blumenpöpsel vorher ab! Bitte!

Ich kann dem nur zustimmen. Gleiches gilt übrigens für Särge.
Es ist doch durchaus eine clevere Idee, dem Bestatter und den Friedhofsmitarbeitern zu sagen, dass der teure und aufwendige Blumenschmuck nicht mit ins Grab soll. Unter der Erde nutzt er niemandem was. Auf dem zugeschaufelten Grab kann er aber noch eine ganze Weile als Schmuck dienen.

Urnen- und Sargdeckel-Gestecke müssen aber irgendwie auf der Urne bzw. dem Sarg befestigt werden. Oft geschieht das bei Särgen einfach, indem das Sarggesteck auf einem Stück Vierkantholz aufgebaut wird, das dann schlicht und ergreifend auf den Sargdeckel geschraubt wird.
Bei Gestecken, die abgenommen werden sollen, geht das natürlich nicht. Hier wird oft mit eine klebrigen Knetmasse gearbeitet.

Egal wie, der Blick auf die Urne oder den Sarg in der Erde ist der letzte Blick, den Angehörige auf ihren Verstorbenen werfen können. Dieses Bild bleibt in Erinnerung. Deshalb sollten alle Beteiligten alles dafür tun, dass dieser Eindruck nicht durch Schrauben, Drähte, Knetmasse oder doppelseitiges Klebeband gestört wird.

Sarg ausstatten – Wie lange dauert das?

Ich habe während meiner Ausbildung zur Bestattungsfachkraft beigebracht bekommen, wie man Särge ausstattet. Also Griffe, Verzierungen, Innenauslage, Schraubenabtackern und Lotband tackern.
Hierfür benötigten wir in Münnerstadt zu zweit immer rund eine Stunde.
Jetzt bin ich bei Bestattungen A. in K. angestellt und werde echt gestresst. Hier geht das Ausstatten der Särge in Windeseile. Die Kollegen lachen mich als Frau aus. Sie sind nicht gehässig, aber sie machen Witze, weil sie nur 10 Minuten brauchen.

Was ist denn die korrekte Zeit, um einen Sarg auszustatten?

Die richtige Zeit ist die Zeit, die benötigt wird, um einem Sarg ordnungsgemäß auszustatten.
Der eine benötigt hierfür eine Viertelstunde, der andere vielleicht etwas mehr oder weniger.

Eine Stunde halte ich schon für ziemlich lang. Das kann in einem flott laufenden Bestattungsunternehmen nicht geleistet werden.
Die Särge werden ja weitestgehend fertig angeliefert. Oft müssen noch die Füße montiert werden, meist auch noch die Griff- und Rosettengarnituren.

Anschließend sorgt der Bestatter für eine Folien- oder Papiereinlage, eine Sargeinstreu oder eine Matratze. Eine Innenbespannung wird ebenfalls angebracht, die korrekterweise oben am Sargrand mit einer Lotband genannten Zierborte abgedeckt wird.

Ich habe Tage erlebt, an denen die Männer in der Werkstatt an einem Nachmittag eine ganze LKW-Ladung Särge (40-50 Stück) fertig gemacht haben. im Bestatterjargon wurde das immer „Särge kloppen“ genannt. Und ich weiß, dass die Särge ordentlich ausgestattet wurden.

Nun ist es Zweck einer Ausbildung, den Auszubildenden zu vermitteln, wie gewisse Arbeitsabläufe perfekt und absolut sachgerecht durchgeführt werden. Hierbei werden alle Vorschriften der DIN-Normem, Berufsgenossenschaft usw. peinlichst genau beachtet. Oft haben die Schulen auch noch eigene Vorstellungen, die sie den Auszubildenden mit auf den Weg geben. Manche dieser Ausbildungsinhalte dienen mitunter aber auch dazu, einen einfachen Sachverhalt auf ein „prüfungswürdiges Niveau“ zu heben.

Der fertig ausgebildete Berufsanfänger wird nun immer vor der Zwickmühle stehen, dass die altgedienten Kollegen manches anders, schneller und viel einfacher machen. Oft schere diese sich nicht um mittlerweile eingeführte Vorschriften und Standards.
Auf der anderen Seite haben die Altgedienten einen sehr gut funktionierenden „Workflow“ für sich gefunden, der ein reibungsloses Vorankommen im Tagesablauf ermöglicht.

Zwischen diesen beiden Polen gilt es nun einen goldenen Mittelweg zu finden. Einerseits sollte man ich als Starter nicht scheuen, sein neu erworbenes Wissen auch den altgedienten Kollegen näher zu bringen. Andererseits gilt die ewige Regel: Jung lernt von Alt.

Bestatterrechnung?

Ein Bestatterweblogleser ist mit der Rechnung eines Bestatters nicht einverstanden. Das lange Anschreiben nebst Anlagen muss man aber gar nicht kennen, um meine nachfolgende Antwort zu verstehen.

Zunächst einmal mein Beileid zu Ihrem Verlust. Ich bedauere es auch, dass Sie mit der Bestattungsrechnung Ärger haben.

Bestattungsvorsorgen sind quasi eine Wette auf die Zukunft. Es wird zu einem früheren Zeitpunkt über ein Vorkommnis in der Zukunft entschieden und dafür werden die möglicherweise zu erwartenden Kosten festgelegt.

Da sich Preise im Laufe der Zeit immer ein wenig nach oben bewegen, sollte ein kluger Bestatter das auch seinem Vorsorgekunden vermitteln und die abzuschließende Vorsorgezahlung um einen gewissen Prozentsatz höher ansetzen. So sind eventuelle Preissteigerungen abgepudert.
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Leichengift und Ozon

Seit 12 Jahren oder so schreibe ich das Bestatterweblog. Immer wieder kam hier die Frage nach dem Leichengift auf.
Ihr könnt vieles über Leichengift hier nachlesen.

Melancholia aus Österreich greift dieses Thema in einer Mail an mich auf:

Lieber Peter,

mir fällt gerade kein besserer Titel ein, aber als langjährige Bestatterweblog-Leserin sind mir im folgenden Online-Artikel von ORF Wien zwei Merkwürdigkeiten aufgefallen.

https://wien.orf.at/stories/3015843/

Erst ist vom berüchtigten Leichengift die Rede, danach schildert der Tatortreiniger, wie mit Ozon die Bakterien in der Raumluft aufgespalten und eliminiert werden.

Ich hätte eher angenommen, dass „Geruchs“moleküle zerlegt werden…

Was ich schade finde, ist dass vermutlich halb Wien und etliche Leute aus den weiteren Bundesländern nun wieder die alten Geschichten aufgewärmt serviert bekommen.

Trotzdem mit vielen herzlichen Grüßen

Melancholia

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Wie der Bestatter fast mit einem Mord davon kam – Stern Crime

In der Reihe Stern-Crime kann gerade online ein interessanter Fall nachgelesen werden.

Hier geht es zu dem entsprechenden Artikel:

https://www.stern.de/…/stern-crime/mord-in-bestattungsbranche…

Hintergrund – Die Tat: https://www.spiegel.de/panorama/justiz/…bestatter-sollen-bestatter-erschlagen-haben-a-675454.html

Hintergrund – Das Urteil: https://www.sueddeutsche.de/bayern/mordprozess-in-nuernberg-lebenslang-fuer-bestatter-1.20189