Bestattungsvorsorge: Im Altersheim

Meine Mutter muß jetzt leider in ein Pflegeheim. Nun verlangt die Heimleitung, daß meine Mutter bzw. wir als Familie, einen Bestattungsvorsorgevertrag bei der „Pietät Eichenlaub“ abschließen. Damit wäre dann auch gleich eine Sterbeversicherung verbunden. Wir wollen das aber nicht, weil wir den Bestatter XYZ schon seit Generationen kennen.

Hierbei handelt es sich sicherlich, so steht es zu vermuten, um intensive wirtschaftliche Verflechtungen des Heimes bzw. der Verwaltung mit diesem Bestattungskonzern. Vermutlich hat die Heimleitung oder der Heimträger mit der Pietät Eichenlaub einen Vertrag abgeschlossen oder auch nur eine mündliche Vereinbarung getroffen, daß man für jede vermittelte Vorsorge eine bestimmte Vergütung enthält. Dabei kann es sich auch um großzügige Geschenke in Form von Ausstattungsgegenständen für das Heim handeln.

Oft handeln die Heimleitungen gutgläubig, weil sie in den überlassenen Geschenken einen allgemeinen Nutzen und Gewinn für alle Heimbewohner sehen oder weil sie die eingehenden Provisionen den Bewohnern auf irgendeine Weise zugute kommen lassen. Aber das muß natürlich nicht sein, es ist durchaus auch denkbar, daß sich das eine einzelne Person einsteckt oder ein Heimträger ganz normal als Gewinn verbucht.

Wie dem aber auch immer sei, im Grunde sollte es den Heimen darum gehen, daß überhaupt eine Vorsorge getroffen wurde, damit im Falle des Ablebens eines Heimbewohners auch klar ausformuliert ist, wer sich um was zu kümmern hat. Wäre das nicht so, würden die Heime in manchem Fall mit der Verantwortung völlig alleine gelassen, weil sich die Angehörigen nicht kümmern können/wollen oder weil sie nicht auffindbar sind.

Bei diesen Betrachtungen sollte es aber keine Rolle spielen, bei welchem örtlichen Bestatter eine solche Vorsorge abgeschlossen wurde. Es muß jedenfalls nicht zwangsläufig die Firma sein, mit der das Heim „immer zusammenarbeitet“ oder angeblich „besonders gute Erfahrungen“ gemacht hat oder „die immer alle Leute hier holt“.

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  • Veröffentlicht am: 3. Juni 2008
  • 5 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Gut erfasst. Es liegt den meisten Heimen verständlicherweise sehr am Herzen, dass eine Vorsorge abgeschlossen wird. Allerdings darf die Heimleitung nicht vorschreiben, bei welchem Bestattungsunternehmen das nun erfolgt. Werbung machen finde ich aber schon okay. Egal, ob aus wirtschaftlichen Gründen oder aus guten Erfahrungen.
    Zu einer Vorsorge kann die HL natürlich auch niemanden zwingen. Häufig wird meines Wissens bei einer Neuaufnahme erst einmal ein Fragebogen ausgefüllt (Erdbestattung? Feuerbestattung? Welcher Bestatter? … -meist eh ein Anhang des vom Betrieb selbst erstellten Aufnahmebogens) und wenn sich die Bewohner und/oder die Angehörigen schon mal Gedanken darüber machen, wird eine Vorsorge angeregt.

    Eben nach der in der Pflege omnipräsenten Regel: Überzeugen, nicht Überreden!

  2. Für mich klingt das nach ganz üblem Filz, wie er in Deutschland leider weiter verbreitet ist, als so mancher denkt.

    @Dorian G: Auch Werbung für ein bestimmtes Unternehmen finde ich sehr grenzwertig. Wenn der Neukunde von sich aus nach einem guten Bestatter fragt, sollte die HL einen guten parat haben. Aber von sich aus sollte die nie(!) einen Vorschlagen.

  3. @Andreas: Im Grunde ist nichts dagegen einzuwenden, wenn die Heimleitung bei der Neuaufnahme einem unentschlossenen oder unwissenden Kunden ein bestimmtes Unternehmen empfiehlt. Das ist doch normal, eine Hand wäscht die andere. Es wird da dann die eine oder andere Gefälligkeit geben. Sowas kann man nicht kontrollieren und auch nicht wirkungsvoll verhindern. Wozu auch? Letztlich haben alle irgendwie etwas davon.
    Besser wäre es natürlich, man würde den Interessenten eine Auswahl an Prospekten vorlegen aus denen sie ein Institut auswählen oder mehrere prüfen könnten. Manchmal ist das auch so.
    Ich prangere ja nicht an, daß auf eine bisher gute und reibungslose Zusammenarbeit hingewiesen wird, sondern daß es Heime gibt, die ihre Bewohner förmlich zwingen, eine Vorsorge bei einer bestimmten Pietät abzuschließen, weil man noch die Jahreszusatzquote erfüllen will und dann einen Bonus für die Bilanz kassiert.

  4. Diese „Geschenke“ zahlt im Endeffekt der doch Kunde.

    Da geh ich lieber hin zum Bestatter und frage ihn, wieviel % Provision er mir gibt, wenn ich ihm eine Bestattung verschaffe. Und wenn er mir mit wässrigem Mund und €€-Blick 20%zusagt, dann bekommt er den Auftrag. – Mich – Die 20% ziehe ich ihm dann gleich ab.
    Besser 25%, ich muß das ja noch versteuern.

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