Der Bestatter als Zeremonienmeister

Im letzten Artikel schrieb ich darüber, daß ein moderner Bestatter auch eine Art Event-Manager ist. Das bringt mir eine Szene aus der VOX-Reihe „Ende gut – alles gut“ in Erinnerung. Die Lehrlinge der Bestatterschule in Münnerstadt waren in eine Friedhofskapelle gebracht worden, um dort von einem Eventbestatter zu lernen, wie der Bestatter sich im Rahmen der Zeremonie einbringen und selbst präsentieren soll.
Das stieß auf den Widerstand eines weiblichen Lehrlings, die sich lieber diskret im Hintergrund halten und vor allem nicht auffallen wollte.

Ja, was denn nun?

Der Bestatter spielt beim gesamten Ablauf aus der Sicht der Familien eine sehr wichtige Rolle und diese Rolle wird immer wichtiger. Die Bindung zu den Kirchen ist oft getrübt oder gar nicht vorhanden, sodaß der Bestatter von ersten Moment bis weit nach der eigentlichen Trauerfeier häufig der einzige durchgängige Ansprechpartner für die Hinterbliebenen ist.

Die Pfarrer, die sich selbst gerne immer als ‚Herr des Verfahrens‘ sehen, sind oft nur eiliger Besucher auf Stippvisite, die eine Rededienstleistung von rd. 20 Minuten erbringen. Sie könnten weitaus mehr sein, sie dürften nach meinem Dafürhalten auch ruhig mehr sein, sie sind es aber in den meisten Fällen nicht. Sie spielen eine subalterne Rolle, wie Floristen, Musiker und Grabschaufler.
Leider.

Ich habe ganz phantastische Pfarrer in meinem Umfeld, die weitaus mehr leisten, als man es sich gemeinhin vorstellt, aber ich kenne auch viele, die spulen ihr Programm weitestgehend desinteressiert ab. In vielen Fällen können die Pfarrer nichts dafür, ein strammer Dienst, drückende Terminlast und die Entfremdung der Gemeindemitglieder spielen hier auch eine Rolle. Und nicht selten ist es so, daß die Familien über Jahrzehnte den Kontakt zur Kirchengemeinde vermieden haben, jetzt aber auf einmal ein überhöhtes Anspruchsdenken entwickeln. Auch das gibt es.

Aber es ist nun mal so, der Bestatter spielt in ganz stark zunehmendem Maße eine immer größere Rolle. Bei ihm laufen alle Fäden anläßlich der Trauerfeier zusammen und er koordiniert und leitet alles.

Das sollen die Menschen auch ruhig sehen, finde ich. Deshalb ist es verkehrt, wenn der Bestatter stets nur aus dem Verborgenen heraus agiert und nie in Erscheinung tritt. Genauso verkehrt ist es aber, wenn sich der Bestatter zum Clown seiner eigenen Veranstaltung macht und permanent wie ein vergifteter Affe durch das Geschehen hüpft, um sich wichtig zu machen und das dann möglicherweise noch in der Absicht tut, neue Kunden zu gewinnen.

Es ist schon immer wichtig gewesen, daß die Menschen einen Bezugspunkt und einen Ansprechpartner haben, der nicht anonym aus dem Hintergrund handelt, sondern der auch präsent und ansprechbar ist. Man darf als Trauergast ruhig sehen: Aha, der Mann, der kümmert sich hier um alles und der macht das gut. (Und bevor mir Frau Riemenschneider-Kastratowitsch wieder schreibt: Aus Gründen der Vereinfachung bediene ich mich zumeist der männlichen Form, das Gesagte gilt aber auch für Frauen, also auch für Verstorbene und Bestatterinnen usw. Ich lasse mich aber, trotz zahlreicher diesbezüglicher Anregungen per E-Mail, nicht dazu hinreißen der/die VerstorbenINNEN zu schreiben.)

Zurück zum Thema: Man darf also den Bestatter ruhig wahrnehmen und wenn einzelne Trauergäste, das, was er da macht, gut finden und sich anschließend bei der Familie erkundigen, wer denn das alles gemacht hat und vielleicht deshalb später selbst einmal mit einem Trauerfall zu diesem Bestatter kommen, dann ist das gut und richtig.

Es ist aber nicht gut, wenn der Bestatter zur albernen Last wird und sich selbst inszeniert. Im Vordergrund steht immer noch der Verstorbene und seine Familie. Daß da wer mitwirkt, darf man sehen und mitbekommen, aber man darf nicht den Eindruck bekommen, daß da jetzt der Eventbestatter ein Trauerspiel veranstaltet, bei dem der Verstorbene und seine Lieben zu Statisten verkommen.

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  • Veröffentlicht am: 8. Februar 2008
  • 7 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

7 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Das mit dem „durchfliegenden“ Pfarrer ist leider wirklich so. Es habe es erlebt, wie ein Gemeindepfarrer es ablehnte eine Beerdigung zu machen „weil er Beerdigungen nicht mag“ und „Dienstags beerdigt er sowieso nicht.“. Wie ich später erfuhr beerdigt er durchaus auch Dienstags – man muss ihn angeblich nur mit einer Zusatzspende zu diesem Akt christlicher Nächstenliebe bewegen.

    Statt des Gemeindepfarrers kam ein Priester, der nicht einmal den Namen des Verstorbenen richtig aussprach, trotz ständigem Schielen auf einen Zettel. Hätten Familie und Bestatter sich nicht um einen würdigen Rahmen gekümmert, wäre das die unpersönlichste Beerdigung in der Gemeinde geworden.

  2. obwohl niemand der familie wirklich kontakt mit dem pfarrer hatte (allein schon aus gründen der räumlichen entfernung) und er auch meinen vater nicht persönlich kannte, hat er sich wirklich mit uns und mit dem leben unseres vater beschäftigt. auch das die beerdigung nicht in der heimatgemeinde stattfand sondern in der 50 km entfernten großstadt war für ihn keinerlei problem. er hat sogar einen anderen termin deswegen verschoben. nicht unbedingt selbstverständlich.
    das trauergespräch hat auch immerhin mehr als zwei stunden gedauert…der pfarrer hat bei der beerdigung wirklich was gutes abgeliefert wenn ich das mal so sagen darf. und trotz des termindrucks seitens der friedhofsverwaltung und des pfarrers selbst (eine weitere beerdigung 2 stunden nach beginn unserer trauerfeier) hat er es verstanden etwas zeit „rauszuholen“. wirklich sehr sehr gut!
    übrigens ein evangelischer pfarrer.
    vom beerdigungsinstitut war im übrigen niemand anwesend. jedenfalls nicht dass ich was davon gemerkt hätte. hat auch so alles gut geklappt.

  3. Als jemand der die Serie nicht verfolgt hat stellt sich mir die Frage – wie wurde es denn dann in der Vox Reihe gelöst?

  4. „Frau Riemenschneider-Kastratowitsch“ … eine wirklich freud´sche leistung, undertaker. danke für dieses synonym!

    daumen ganz nach oben, mehrfach!

  5. „…und trotz des termindrucks seitens der friedhofsverwaltung und des pfarrers selbst (eine weitere beerdigung 2 stunden nach beginn unserer trauerfeier)…“

    Sowas nennt sich Termindruck? Normal sind doch durchaus Beerdigungen im 20-Minuten-Takt.

    Und für Riemenschneider-Kastratowitsch gibts natürlich tosenden Applaus!

  6. Ohne Pfarrer gehts halt nicht, weil man sonst nicht in den Himmel kommen kann. Wäre das nicht so, würden sie ja sicher auf die Zeremonie verzichten. Natürlich können wir das nicht beurteilen. Die Pfarrer wissen das einfach besser, denn sonst hätten sie ihr Fach ja nicht studieren müssen. Also muß was dran sein. Egal ob er das nun gelangweilt oder dramatisch mitreissend macht. Wichtig ist nur die Zeremonie, und dass sie stattfand. Dafür ist er schließlich in der Kirche drin geblieben und nicht ausgetreten. Hat auch tapfer Kirchensteuer bezahlt, um sich da oben einen Platz zu sichern.
    Die anderen, die in keiner Kirche, also
    „Heiden“ sind, können maximal, aber nur wenn sie anständig gelebt haben, in das Fegefeuer kommen. Letzteres hab ich noch so von unserer Religionslehrerin in Erinnerung.

  7. oh hab vergessen zu sagen dass die andere beerdigung wieder in der heimatgemeinde des pfarrers war. er hatte dann im endeffekt ca. ne stunde zeit dorthinzukommen. wenn man die straßen und die verkehrssituation dort kennt kann das durchaus knapp werden.

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