Die Urne der Oma ist eine Belastung

Vor 3 Jahren ist meine Oma gestorben. Obwohl meine Mutter als deren Kind dagegen war, hat ihre Schwester -meine Tante- darauf bestanden, dass die Asche nach Holland überführt wird. Die Urne ist dann an meine Tante geschickt worden.
Die Tante hat uns alle nicht zur Oma gelassen. Uns fehlt ein Ort zum Trauern. Wie schön wäre es, wenn ich mit meinen Kindern zum Grab deren Uroma gehen könnte. So liegt der Uropa nun ganz allein in einem Doppelgrab.
Jetzt ist die Tante das mit der Urne leid. Sie hat einen neuen Lebenspartner und wollte die Oma loswerden. Seitdem steht sie bei uns im Kellerregal. Es ist für uns eine Belastung, diese Urne im Haus zu haben.
Meine Tante gibt heute zu, damals schlecht beraten worden zu sein. Die ursprünglich gewünschte Nähe zu ihrer Mutter hat sich nicht eingestellt. Das Interesse an der Urne war schnell erloschen.

Die Tante will die Urne nicht zurück. Ich habe vorgeschlagen, die Asche zu verstreuen. Da ist meine Mutter streng dagegen. Auf dem Friedhof werden wir die Urne auch nicht los. Auf dem Grab des Mannes meiner Oma liegt eine zentnerschwere ganzflächige Steinplatte.
Ich habe auch mal bei der Friedhofsverwaltung vorsichtig nachgefühlt. Eine Bestattung der Urne jetzt noch würden die grundsätzlich nicht machen. So etwas gäbe es ja gar nicht. Und dann hieß es, falls das doch mal vorkäme, fiele die volle Bestattungsgebür von über 1900 Euro an.
Die Situation ist also die:
Die Tante will die Urne nicht mehr.
Wir wollen sie auch nicht.
Eine Verstreuung geht nicht.
Der Friedhof ist auch keine Lösung.
Was sollen wir tun?

Die Möglichkeiten haben Sie ja selbst aufgezählt.
Das Einfachste wäre, wenn sich doch jemand findet, der die Oma bei sich haben will. Wenn Verstreuen oder Vergraben keine Option sind, dann bleibt nur der Friedhof.
Da der Fall schon 3 Jahre her ist, dürfte wenig Interesse an der Verfolgung dieses Falls bestehen. Ich denke, daß Friedhofsverwaltungen froh sind, wenn sich eine solche Situation klärt, und dass sie in erster Linie am Geld interessiert sind.
Legt alle zusammen und lasst die Oma zu ihrem Mann ins Grab.

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Peter Wilhelm7. Juli 2017

30 Kommentare von 138372.

  1. Auch in unserem Bestattungshaus kommen immer wieder solche Situationen vor. Den Leuten wird der Weg über Holland als ganz tolle Option verkauft.
    Aber über die Folgen macht sich keiner Gedanken. Natürlich ist die Vorstellung im ersten Moment schön.
    Aber das bittere Ende kommt. Dann hat Tante Jutta die Urne und der Rest der Familie hat keinen Platz zum Trauern.

    Es entsteht eine Leere.

    Auf den Seiten der Hollandbefürworter werden natürlich nur die positiven Aspekte genannt. Die Leute haben angeblich ja nur Erfolg und alle sind wahnsinnig dankbar.
    Aber die Wirklichkeit sieht anders aus.

    • @Heribert:
      Ich bin ein Befürworter für die „Hollandvariante“.
      Allerdings wird bei mir jeder der diesen Weg gehen möchte wirklich vorher sehr gut beraten und wenn man diesen Weg wählt, kann man die Asche auch zu jeder Zeit an uns zurück geben und es erfolgt eine Beisetzung in den Niederlanden.
      Wünsche wie in ein Loch in der Erde auf dem Friedhof oder eine Verstreuung sowie eine anonyme See- oder Flußbeisetzungen sind alle möglich.
      Nur wenn die Menschen über die Niederlande die Einäscherung gemacht haben, dann haben sie eine „Aschenkapsel“ vom Krematorium übergeben bekommen und werden auch nicht aufgeklärt.
      In den Niederlanden kann jede Art einer Beisetzung auf dem Friedhof auch nicht anonym zu jeder Zeit gemacht werden. Da spielt es keine Rolle ob die Asche schon 3 oder 5 Jahre zu Hause zur Abschiednahme gestanden hat.
      Über die Schweiz werden den Menschen auch die Aschenkapseln vom deutschen Bestatter in die Hand gedrückt und es fragt kaum jemand, ob wirklich eine gute Beratung erfolgt ist.

      Unmöglich finde ich, wenn jemand die Asche bekommt und andere dann im Regen stehen lässt und keine Asche abgibt. Asche lässt sich wunderbar teilen.

      Aber wer eben mehr bei manchem deutschen Bestatter bezahlt als nötig und dafür dann weniger Leistung bekommt, der sollte sich später nicht beschweren.

      Das was seit vielen Jahren in anderen Ländern funktioniert und kein Problem ist, daraus wird in Deutschland ein Problem gemacht.

      Und das der Friedhof dann die Kosten für die Beisetzung haben möchte, dass ist doch absolut nichts Neues. Aufkaufen eines Familiengrabes kennt doch jeder und weiß auch jeder, welche Kosten da auf einen zukommen.

      Wobei ich gar nicht glaube, dass der Friedhof die Beisetzung nicht machen würde.
      Ein Friedhof ist zur Beisetzung verpflichtet!

  2. Meine Güte, mit einer Schaufel auf den Friedhof, kleines Loch und die Urne, bzw. Aschekapsel rein.
    Nein, da fällt nicht grüßer auf, wenn ich einen neuen Busch pflanze, geh ich ja auch mit Schaufel auf den Friedhof.
    Man könnte auch die Asche auf das Grab streuen.

    Wo ist das Problem?

    • @Bernd:
      Das ist schon der richtige Ansatz, jedoch die Aschenkapsel würde ich nicht einbuddeln.
      Wenn, dann nur die Asche. :-)

  3. Einen schönen Ort zu finden, wo die Urne unauffällig begraben werden kann, wurde auch schon in Betracht gezogen?

    Und noch zur Erheiterung etwas aus einem Gespräch mit einer 90jährigen Frau:

    – „Ihre Töchter wollten die Asche zu sich nach Hause nehmen. Aber das darf man ja nicht!“

    „Nein, in der Schweiz kann man die Urne mit nach Hause nehmen. Und dann kann man sie zu Hause aufstellen. Sie im Garten vergraben. Sie in einem Fluss verstreuen.“

    – „Was, das ist ja unerhört!“

    „Doch, das kann man.“

    – „Das ufert ja völlig aus! Wenn jeder das macht, wohin kämen wir dann?“

    • @turtle of doom:
      Das ist nett und wenn man auch keine Urne bzw. Aschenkapsel in den Fluss wirft sondern nur die Asche, dann ist das eben so.
      Auch in Köln sind schon Aschen im Rhein und die Mosel und der Hamburger Hafen wurde auch schon beglückt, und eine andere Regionen.

      Ja, wohin kämen wir denn dann, wenn jeder das machen würde?

      Ganz einfach, zu einer anderen Art der Verabschiedung und der Verarbeitung mit dem Tod.

      Und es sollte ja nur der machen, der es sich anders vorstellt.
      Beispielsweise Totenasche mit einem Ballon in die Luft schicken, Asche im Garten beisetzen, eine Wasserurne aufstellen, Asche in einem schönen Gefäß in der Wohnung haben.
      Eine „normale“ Zierurne, und sei sie noch so schön, möchte ich auch nicht haben, denn das würde evtl. auch manche Menschen zur Zeit noch schockieren.

      Aber irgendwann wird es das auch alles in Deutschland geben. Ist halt nur eine Frage der Zeit. Unsere jungen Menschen sehen den Friedhof anders als die ältere Generation.
      Leider lassen sich auch aus diesem Grund so viele ältere Menschen anonym Bestatten, damit sie für niemanden zur Last werden. Das finde ich sehr traurig.

      • @Ingrid Hoerner: „würde evtl.Leute mit der Zeit schockieren..“, ja, das ist eben das Traurige: das Leben wird gefeiert, aber mit Toten möchte möglichst keiner was zu tun haben. Es ist die nicht vorhandene Kultur in Deutschland, all das, was man so sieht, der Betreffende muß immer nur aus den Sachen wählen, was angeboten wird, also Seebestattung usw., und das wird noch teuer gemacht.Andere Länder, andere Sitten, da gibt es einen Tag der Toten, wo gesungen wird, wo Tote dazu gehören. Eine Urne, wieso sollte die denn schockieren? Weil es Sinnbild dafür ist, das unser aller Leben endlich ist? Wette, genau DAS ist es…

        • @mesie: ich kommentiere mich vorsichtshalber selbst: es wird ja behauptet, Friedhöfe sind eine Art von Kultur oder so ähnlich.Nicht jedes Grab ist eine Augenweide, also vermute ich mal:da wird höchstens am Totensonntag getrauert, mit Gang zum Friedhof, sonst hatte man keine Zeit, ein Grab zu pflegen. Da ist es ehrlicher: kein Grabstein, keine teure Trauerfeier. Ja, es möge und soll so sein, dass Friedhofkultur da ist, viele Friedhöfe sehen ja auch hübsch aus. Vor allem sind Friedhöfe Arbeitsplatz für viele Leute, das darf man ja bei diesen Dingen nicht vergessen..Aber, wie am Fall mit der Urne, die nun keiner haben möchte: da müsste ein Friedhof ein Plätzchen finden, wo es eben nicht so teuer gemacht werden sollte, sozusagen Dienst am Kunden, man möchte ja auch für später „Kundschaft“ haben. Servicewüste Deutschland, leider auch in diesem Fall?! Kann doch nicht wahr sein…

        • @mesie:
          Ganz ehrlich: Ich kann diese ewigen 08/15-Verallgemeinrungen „die deutschen Bestatter“, „bei uns in Deutschland“ etc. nicht mehr hören… In JEDEM Land gibt es gute und schlechte Bestatter, in JEDEM Land (zumindest in den halbwegs pluralistischen…) gibt es unterschiedliche Weisen mit dem Thema Tod umzugehen. Wenn Sie das nicht sehen haben Sie gewaltige Scheuklappen auf, oder sidn ganz einfach zu bequem – Vorurteile und Verallgemeinerungen sind ja recht praktisch:Sie schützen vor zuviel Denkarbeit

          • @MK:
            Leider ist aber bei uns in Deutschland eben manches nicht erlaubt, was in anderen Ländern problemlos möglich ist. :-(
            Bzgl. der Bestatter möchte ich auch nicht alle über einen Kamm scheren.
            Das ist wie bei allen Dienstleistern. Es wird immer sehr gute geben und auch die schwarzen Schäfchen. Das Problem ist nur, wenn jemand mal an ein schwarzes Schäfchen geraten ist, dann kann man nichts mehr ändern. Nicht wie beim Teppichboden, der dann einfach erneuert werden kann.
            Deshalb ist es auch schlimm, wenn Menschen an ein schwarzes Schäfchen geraten und es eben auch nicht bekannt wird und viele weitere Menschen auch bei diesem Bestatter landen.

    • @turtle of doom: Wohin wir dann kämen? Dann hätte ich sowohl 1994 nicht meine Mutti in liebloser Urne auf dem Friedhof auf einer anonymen Wiese, als auch meinen Vati 2004 ebenfalls nicht auf dieser Wiese, sondern, weil mich solche Gewissensbisse nicht plagen würden: zwei schöne „Vasen“ in meinem Regal, keiner käme auf die Idee, dass es Urnen wären oder eben das, was man beim Bestatter so sieht..Es muß endlich möglicht gemacht werden, dass den Angehörigen die Toten gehören, nicht dem Staat und eben nicht dem Friedhof bzw.der Bestatterfirma. Wenn es Geld zu holen gibt, macht der Friedhof oder ein Bestatter nicht fast alles? Wenn echt keiner die „Oma“ in Urne haben möchte, bitte zu mir schicken, in meinem Keller ist Platz, ich werde da ein hübsches Plätzchen für finden.(war jetzt kein Spaß, geht einfach nicht, dass es solche Probleme gibt, die normalerweise nicht sein müssen..)

      • @mesie:
        Wer seine Angehörigen anonym beisetzen lässt, der tut es oft, weil das eine günstige Variante ist. Wenn die Totenasche freigegeben wird, dann muss ich mir nicht überlegen, welchen Friedhof ich wähle, ich kann so viel machen. Es muss nicht alles teuer sein.
        Ein Baum im Wald oder eben die Vase im Regal, da gibt es so viele Möglichkeiten.
        Meine Mutti ist in einer weißen Marmorpyramide und sie hat noch nicht randaliert und sich beschwert, dass sie bei mir zuhause steht und ich jeden Tag mehrmals mit ihr spreche.
        Okay, eine Antwort bekomme ich nicht aber ich weiß genau was ich als Antwort bekommen würde. :-)

        • @Ingrid Hoerner:
          Zitat:
          Okay, eine Antwort bekomme ich nicht aber…

          Genau das dachte ich auch gerade. Kritisch wird’s, wenn eine Antwort kommt. ;-)
          Obwohl, ich höre auch oft Stimmen und sehe niemanden. Meistens allerdings beim Telefonieren. ;-)
          Trotz allem kann ich nichts Gutes daran finden, eine Urne zu Hause rumlungern zu haben. Es hat irgendwie etwas von Big Brother.
          Vor allem aber fehlt der Bezug zum Abschluss mit dem begrenzten Sein auf Erden wie Asche zu Asche usw. Die meisten Menschen brauchen vermutlich, so wie ich auch, den Abstand und eben den Gang zum Friedhof. Diesen möchte ich mir nicht nehmen lassen, auch wenn ich nicht mehr so flinken Fußes bin. ;-)
          Jeden Tag vor der Urne stehen, stelle ich mir wirklich schrecklich vor. Irgendwie ist es auch dem Verstorbenen gegenüber nicht fair. Es sei denn, er hat es explizit vor seinem Ableben so gewünscht. Und auch dann, könnte er stehen wo er will, nur nicht bei mir.
          Sterbliche Überreste gehören auf den Friedhof und nicht z. B. aus purem Egoismus bzw. dem „nicht Loslassen können“ auf den Kaminsims.
          Letzteren haben wir auch, aber ohne Urnen jedweder Art gefällt er mir aum besten. ;-)
          Was soll denn auch die Asche denken, wenn im Winter häufig Feuer unter dem doch schon verbrannten, verlängerten Rücken gemacht wird. ;-)

          • @Winnie:

            Trotz allem kann ich nichts Gutes daran finden, eine Urne zu Hause rumlungern zu haben. Es hat irgendwie etwas von Big Brother.
            Vor allem aber fehlt der Bezug zum Abschluss mit dem begrenzten Sein auf Erden wie Asche zu Asche usw. Die meisten Menschen brauchen vermutlich, so wie ich auch, den Abstand und eben den Gang zum Friedhof. Diesen möchte ich mir nicht nehmen lassen, auch wenn ich nicht mehr so flinken Fußes bin. ;-)

            Bei mir „lungert“ keine Urne rum.
            Wie Du es findest ist auch okay, denn jeder sollte dazu seine eigene Meinung haben dürfen. :-)
            Und wenn es auch nur wenige wären, die es anders als Du haben möchten, dann wäre es doch nur fair, diesen Menschen diese Möglichkeit zu bieten.
            Wenn es so wenige sind, dann wäre es doch auch kein Problem es zu erlauben, denn dann würde doch gar nichts passieren und die meisten würden den Friedhof ja freiwillig nutzen für ihre Angehörigen.
            Oder hat man etwa Angst, dass es vielleicht doch mehr Menschen gibt die es anders sehen?

            Sterbliche Überreste gehören auf den Friedhof und nicht z. B. aus purem Egoismus bzw. dem „nicht Loslassen können“ auf den Kaminsims.

            Es hat nichts mit loslassen zu tun! Und wohin die Totenasche gehört, dass ist doch nur in wenigen Ländern so festgelegt. In anderen Ländern scheint man es anders zu sehen und ob es ein Kaminsims oder eine Vitrine ist, dass überlasse ich den Menschen die es so haben möchten und für die dieser Weg richtig ist.
            Zumindest so lange, wie sie die Totenasche zu Hause haben möchten und es ihnen damit gut geht.

            • @Ingrid Hoerner:
              Mein Kommentar stand in Moderation und nun ist er komplett verschwunden. So spielt das Leben. ;-) Vielleicht taucht er wieder auf, denn es gab nichts Verwerfliches darin. Ich habe noch eine Kopie, zum erneuten senden. ;-)

            • @Ingrid Hoerner:
              Ich versuche es nochmal und stelle die Kopie rein. Bestimmt ist der vorige Kommentar versehentlich in die Katakomben verschwunden.

              Zitat:
              Wenn es so wenige sind, dann wäre es doch auch kein Problem es zu erlauben, denn dann würde doch gar nichts passieren und die meisten würden den Friedhof ja freiwillig nutzen für ihre Angehörigen.

              Vermutlich wird es so enden, wenn es erlaubt würde, wie Weihnachten. Man freut sich (zumindest als Kind) unbeschreiblich auf den Weihnachtsabend, der doch häufig die ersehnten Geschenke bringt. Hat man endlich das erhoffte bekommen, stellt sich die Enttäuschung schneller ein, als sich das Warten gelohnt hat. Denn in der Wartezeit hat man sich alles um einiges schöner vorgestellt, als es dann tatsächlich ist.
              So, oder ähnlich, wird es sich auch mit den „zu Hause Urnen“ verhalten. Denn spätestens wenn die ersten Bekannten und/oder Freunde überlegen, wie sie den Bembel wieder los werden sollen, kommen einem selbst auch Zweifel auf.
              Ja, ich weiß selbstverständlich dass es Weihnachten um die Geburt Jesus Christus geht, aber wenigstens im Kindesalter interessieren wohl mehr die Geschenke. ;-)
              Mir persönlich ist es auch vollkommen Wurst, Marmelade oder Schnurzel Purzel wer sich seinen Aschebembel in die Halle hängt oder stellt. Von mir aus können damit auch die eisigen Glätten vor der Tür im Winter bestäubt und somit entschärft werden.
              Nur finde ich es besser, wenn die zu Staub gewordenen auf dem Friedhof ihre Vergänglichkeit vollenden.
              Nur weil es in anderen Ländern anders gemacht wird, muss es mir noch lange nicht gefallen.
              Ich lege mir ja auch keine Leiche auf’s Dach und warte bis diese als Brühe runtertropft, um mich dann damit einzureiben, um durch den Gestank irgendwelche Stechinsekten abzuhalten. Ja, sowas gibt es. Ein Volk im Regenwald oder Amazonasdschungel macht das. Ein anderes verbrennt seine Verstorbenen und streut die Asche in eine gute Suppe.
              Wie auch immer, hätte ich da lieber ein Stück frisches Fleisch drin und dieses findet viele Nachahmer, wenn es nicht zufällig Grasfresser sind. ;-)
              Wollen wir in diesem Sinne hoffen, noch lange nicht vorzeitig in Letzteres zu beißen. ;-)

            • @Ingrid Hoerner:
              Keine Ahnung, was an dem Kommentar so „gefährlich“ ist, dass er nicht erscheint??? Er ist wieder „in Moderation“.

              • Sorry, aber hier liegt kein gelöschter oder zu moderierender Kommentar vor. Das Internet ist ein System der Unzulänglichkeiten. Dein Kommentar wurde ein Opfer davon.

                • @Peter Wilhelm:
                  Macht ja nichts. Deshalb hatte ich ja eine Kopie gemacht, weil so etwas gelegentlich vorkommt. ;-)
                  Wie heißt es immer so schön: „Es kann vorkommen, dass die Nachkommen zu spät kommen.“ ;-)

  4. Hallo liebe MitleserInnen,
    Wie Ihr vielleicht wisst, bin ich aus dem Süden Österreichs :)
    In unserem Bundesland ist es völlig legal, eine Urne zu Hause aufzubewahren. Voraussetzung ist allerdings ein abschließbarer „Schrein“, also eine Vitrine, die nochmals separat von der Stadt „abgenommen“ und begutachtet wird (gegen Aufpreis).
    Eine mir flüchtig bekannte Familie hat sich dazu entschlossen, den jung verstorbenen Familienvater auf diese Art zu Hause beizusetzen. Sollten die Angehörigen sich nach Jahren anders entscheiden, wird der Verstorbene „normal“ am Friedhof beigesetzt (gegen Aufpreis).
    LG Mel.

    • @Melancholia:
      Ja, wie es in Österreich funktioniert, wurde mir einmal erzählt.
      Ich weiß nicht, was für die Situation an Kosten entsteht, wäre mal interessant zu erfahren.
      Dabei wurde auch mitgeteilt, dass jemand, der nur eine Mietwohnung hat, die Erlaubnis des Wohnungseigentümers benötigt.
      Jedenfalls ist man in Österreich jetzt schon ein kleines Stück an die anderen Länder herangekommen.
      Allerdings kommen auch aus Österreich Menschen auf mich zu, die sich nicht in dieses Förmchen pressen lassen wollen und es noch freier haben möchten um selbst über die Totenasche frei verfügen zu können. :-)

      • @Ingrid Hoerner:
        Zum Thema Kosten kann ich nur beitragen, dass eine schlichte Erdbestattung: Sarg mittlere Qualität, Musik in der Halle von CD, usw. – hier auf 3.500 bis 4.000 Euro kommt. Feuerbestattung mit Urnengrab ist preislich etwa gleich.
        Vielleicht wird eine Beisetzung im Schrein durch die Gebühren etwas teuerer, andererseits fällt die Grabmiete am Friedhof weg. Nochmals 500 bis 700 Euro m.M.n.

  5. Vielleicht bin ich ja schwer von Begriff, aber es scheint doch Widersprüche zu geben:
    „Uns fehlt ein Ort zum Trauern.“
    „Seitdem steht sie“ (die Urne) „bei uns im Kellerregal.“
    Auch ein Kellerregal kann zu einem Schrein o.ä. umgebaut werden und so hätte man einen Ort zum Trauern.
    Aber mal abgesehen davon, ich halte ohnehin nichts von derartigen Orten, für mich ist es wichtiger, den/die Verstorbene/n im Herzen, den Gedanken etc. zu tragen.

    • @hajo:
      Für mich war es auch widersprüchlich und ein Kellerregal finde ich auch nicht den richtigen Ort. Mancher geht ja zum Lachen in den Keller. :-)
      Im Herzen haben wir sicherlich unsere Menschen die wir lieben, jedoch wer die Totenasche zu Hause haben möchte, sollte es dürfen ohne wenn und aber!

  6. „Uns fehlt ein Ort zum Trauern.“

    Für mich gehörten bisher Beerdigungen zum Tot dazu. Den letzten Weg mit dem lieben Mitmenschen gehen. Bei ihm sein, wenn er ins Grab gesenkt wird. Ihm einen Gruß in Form von Blume und Sand mitgeben … Und dann starb jetzt die Oma und bekommt, auf Anweisung der Tochter, eine anonyme Sammelbestattung auf der Wiese. Hat was von „wir lassen Omma auf der Wiese verscharren“. Keine Trauerfeier, kein letztes Geleit. Ich fand den Gedanken einfach schrecklich. Das Tochterkind findet es gemein. Ich könnte jetzt Nachforschungen anstellen, Fragen stellen … in der Hoffnung, Antworten zu bekommen. Oder ich lasse es und werde nie wissen auf welchem Friedhof, auf welcher Wiese, die Oma liegt.
    Auf der anderen Seite weiß ich, dass mein Platz zum Trauern bezüglich meines Papas nicht der Friedhof ist. Dafür habe ich meinen eigenen Platz. Zum Trauern brauche ich also keinen Friedhof, kein Grab. Und unsere Trauerfeier haben wir ganz im kleinen Familienkreis gemacht, haben Oma verabschiedet mit den Kindern, Kerzen für sie angezündet und die Sache für unsere Herzen „rund“ gemacht.
    Ich würde die o.g. Urne wohl beisetzen lassen, wenn es irgend geht.

    • @Schäfchen:
      Ich kann es gut verstehen, wie die Empfindungen eines jeden einzelnen Menschen sind.
      Es gibt Personen, die den Friedhof für wichtig und richtig für sich sehen, um dort ihre Trauer verarbeiten zu können.
      Andere gehen andere Wege und dabei wird auch oft eine anonyme Bestattung gewählt. So muss man sich um nichts mehr kümmern. Wer das für sich kann, der darf auch so agieren.
      Allerdings wäre für mich immer der Ansatz bei der Beratung nachzufragen, wen es noch in der Familie oder im engeren Kreis gibt, der vielleicht auch mit diesem Verlust leben lernen muss.
      Traurig ist, dass die Person, die die Totenfürsorge hat, sich aber über alle anderen Wünsche hinwegsetzen kann.
      Da soll es sogar welche geben, die es aus Boshaftigkeit anders machen, um eben genau diesen Personen, die nichts zu sagen haben, schwer zu machen.
      Ich kann diese Denke jedenfalls nicht verstehen.
      So bleibt dann diesen Personen wirklich nur der Weg über die Situation, dass der Mensch der im Herzen eines lebenden ist, dort immer seinen Platz behält.
      Ob man dafür Kerzen anzündet oder Blumen an ein Bild stellt, dass muss auch jeder für sich entscheiden.
      Wie gut, dass meine Mutti bei mir und als Omi bei ihren Enkelkindern ist und wir nicht zerren mussten. :-)

  7. Für mich hat dieses Bedürfnis, die Urne bei sich zuhause zu haben, sehr wohl sehr viel mit „Nicht loslassen können“ zu tun, es ist also weniger aus Zuneigung denn aus Unbehagen geboren. Mit dem zeitlichen Abstand und der einsetzenden Trauerarbeit wird einem dann bewusst, die geliebte Person ist tot, weg, ihre lebendige Präsenz ist durch eine solche Urne nicht zu ersetzen, also fängt das rundliche Momento an einen zu stören. Also dann entweder eine spätere Beisetzung (die dann oft aus finanziellen Gründen, sofern sie nicht sofort mitbezahlt werden müsste, gescheut würde) ober aber man zwingt sich eben, wie aktuell üblich, sofort zur Trennung.

    Das übliche Prozedere in Deutschland hat auch seinen Sinn: es gibt den Unsicheren und Ratlosen ein Korsett, das sie stützt. Und es verhindert den Zwang, sich unbedingt etwas Originelles einfallen lassen zu müssen, um jede Beerdigungsmode, die gerade en vogue wäre, noch zu toppen.

  8. Aus eigener Erfahrung hier in Deutschland (nicht das häufige Theoretisieren und Erzählen aus 3. Hand):
    Die Asche im eignen Umfeld haben zu können erleichtert denen, die sich zuvor damit auseinander gesetzt haben (am besten auch mit dem Verstorbenen zu Lebzeiten schon und dessen Wunsch auch diesen Weg gehen zu wollen erfüllend)die Trauer durchaus. Und es erspart u.a. das 20-25 Jahre dauernde Ärgernis, sich mit einem Grab (und z.B. dessen überzogenen Kosten) rumschlagen zu müssen.
    Wer aber ein Grab auf dem Friedhöf möchte: bitte gerne. Aber der Zwang zum Friedhof (oder anderen reglemtierten Orten zum Zwecke der Geldabschöpfung bei den Hinterbliebenen) muss aufhören !

    PS: Die Häufung des Themas der freien Ascheverwendung hier im Blog zeigt, dass das Thema immer relevanter wird.

    • @meine-Asche:
      Ich spreche da auch aus eigener Erfahrung. Mein verstorbener Mann wünschte eine Kremierung, die auch in meinem Sinne war, weil ich mir dadurch die Arbeit mit der Grabpflege sparen konnte, die Urne fand ihren Platz in einer Urnenwand.
      Die Beziehung zwischen meinem Mann und mir war ausgesprochen eng und intensiv und die achteinhalb Jahre seiner Krebserkrankung brachten uns oft über die Grenzen unserer Kraft.
      Aber die Idee, dass seine Überreste im Wohnzimmerregal stehen könnten, hat uns beiden Gruseln bereitet. Gerade aus seiner theologischen Ausbildung heraus fand er es wichtig, dass das durch den Tod eintretende Ende unserer Beziehung sich auch endgültig und in der Form einer Bestattung vollziehen würde.

      • @MsTaxi:
        Dann haben wir alle es ja richtig gemacht. Jeder hat mit seinen Angehörigen das Thema ehrlich und einvernehmlich vor dem Tod geklärt und besprochen. Wunderbar.
        Nur leider werden diejenigen, die halt zu einem von der Norm abweichenden Ergebnis kommen, was die Bestattungsform angeht, (heute noch) kriminalisiert.
        Und das vorgeblich nur, um solche Ausnahmefälle extremer Hilflosigkeit, wie hier die Urne im Kellerregal, zu verhindern. Das wäre ja so, als ob man, nur weil es einige wenige Menschen gibt, die nichts mit ihren Kindern anzufangen wissen, oder ihnen Böses antun, allen Menschen ihre Kinder entzieht und vom Staat reglementiert unterbringt…

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