Geheimnis gelüftet: So sieht es bei Peter Wilhelm unterm Schreibtisch aus

Letzte Woche hatte ich ein längeres Interview mit einer Zeitungsredakteurin.
Die junge Dame rief mich an und stellte mir eine Menge Fragen zu meinem Beruf und meinem Privatleben.
Über das Privatleben erzähle ich ja im Grunde nie etwas, nur das, was ich in entsprechend überzeichneter Form für satirisch-lustig halte.

Gewundert habe ich mich aber über die Frage:

„Herr Wilhelm, zum Abschluß noch eine Frage, die unsere Leser ganz bestimmt besonders interessiert: Wie sieht es unter Ihrem Schreibtisch aus?“

Na ja, was soll ich darauf antworten?
Ich habe einen Mac, also sind da nicht so viele Kabel, wie vielleicht anderswo.
Auf dem Boden sind Fliesen (bitte Fliesen nur mit „s“ und nicht mit „ß“, wie ich es so oft im Netz lese), und zwar mediterrano No. 5 von Fliesen-Fallico, qm-Preis 29 Euro, gekauft im Angebot für 11 €.
Ansonsten steht da noch ein Umzugskarton, bei dem ich immer noch zu faul war, ihn auf den Dachboden zu tragen.

Ja, und was gibt es sonst noch unter meinem Tisch? Füße. Füße in Herrenschuhen.

Ob da sonst noch was zu sehen ist, das erfährst Du nur, wenn Du auf „weiterlesen“ klickst!

unterm-tisch

Das ist Maja.

Maja ist 6 Jahre alt und sie lebt seit über 5 Jahren bei uns. Die Hündin stammt aus Griechenland.
Nun bin ich nicht unbedingt ein Freund der Idee, Hunde aus anderen Ländern zu uns zu holen, da unsere Tierheime voll genug sind.
Aber da mag man unterschiedlicher Ansicht sein.

Maja jedenfalls ist kein Hund, den wir bewußt aus dem Ausland gerettet haben.

Ihre Geschichte geht so:

Es gibt da ein Projekt deutscher Tierschützer, die in Griechenland Straßenhunde einfangen.
Diese Hunde werden dann kastriert bzw. sterilisiert und wieder freigelassen.
So will man die unkontrollierte Zunahme der Straßenhunde eindämmen.

Eine Hündin widersetzte sich aber über mehrere Jahre durch Schlauheit und List allen Versuchen, sie einzufangen.
Mal wurde Futter mit Betäubungsmittel ausgelegt, mal legte sich ein Tierarzt mit Betäubungsgewehr auf die Lauer.
Erst ein Netz, das mit Explosionskörpern über die Hündin geschossen wurde, brachte den gewünschten Erfolg.

Endlich war die tückische Hündin gefangen worden!

Doch zur großen Enttäuschung der Tierschützer konnte sie nicht kastriert werden, sie war nämlich trächtig.

Also brachte man die schwangere Hündin zu einem Bauern, der sie in einem Hof einsperrte. Umgeben von einer 2,5 Meter hohen Mauer konnte sie dort ihre 8 Welpen zur Welt bringen und säugen.

Danach, ja da würde man dann einige Wochen abwarten und sie endlich kastrieren.

Aber es kam anders. Als ihre Welpen lange genug mit Muttermilch versorgt waren, machte die Hündin eines nachts einen Satz über die 2,5 Meter hohe Mauer und ward nicht mehr gesehen.

Was tun mit den Welpen? In Griechenland einem unabsehbaren Schicksal überlassen?
Also nahm man sie doch mit nach Deutschland.

Und über einige Umwege gelangten die Junghunde dann ins Tierheim Heppenheim.

Ja und weil es unserem Labrador damals ziemlich schlecht ging und wir mit seinem baldigen Ableben rechneten, fuhren meine Tochter und ich nach Heppenheim, um dort einen dieser Welpen anzuschauen.
Da gab es nämlich aus diesem Wurf drei sehr unterschiedliche Hundesorten. Einer der Junghunde war grau und struppig und sah eher aus wie ein kleiner Schnauzer, zwei Hündinnen hatten eindeutig einen Border-Collie als Vorfahren und einer kam ganz auf einen Labrador.

Und der sollte es eigentlich sein. Aber das war ein Kläffer und ein Dynamikpropfen vor dem Herrn. Sollten wir wirklich unserem alten und schon kranken Labbi einen agilen und dominanten Jungrüden beigesellen?

Nein, wir entschieden uns spontan dagegen und schauten uns dann die beiden Hündinnen näher an.
Wie gesagt, sie glichen mehr einem Border-Collie. Die eine ganz schwarz, die andere kuhfleckig.

Ich hatte schon ganz schwarze Hunde und bin seither der Meinung, daß man bei ganz schwarzen Hunden den Gesichtsausdruck, sofern man beim Hund davon sprechen kann, schlechter sieht, als bei helleren Tieren.
So entschieden wir uns für die griechische Border-Collie-Kuh.

Maja hieß sie und bei dem Namen beließen wir es auch.

Inzwischen ist Maja die beste Freundin meiner Tochter, die beiden sind unzertrennlich.
Maja hat auch schon die Begleithundeprüfung bestanden. Das ist deshalb etwas Besonderes, da Maja die Wolfsgene direkter unter der Haut trägt als mehr domestizierte Hunde.
Obwohl sie selbst nie auf der Straße gelebt hat, ist ihr Verhalten eher dem eines Wildhundes oder Wolfs ähnlich. Sie ist nicht scheu und ängstlich, aber extrem vorsichtig und zurückhaltend.

Kennt sie aber einen Menschen erst einmal, spätestens, wenn sie ihn zum zweiten oder dritten Mal sieht, dann ist sie zutraulich, anhänglich sehr, sehr zärtlich verschmust.

Bei Bedrohungen, etwa der Annäherung des gefährlichen Briefträgers oder des Zeitungsmannes, entwickelt sie aber eine große Klappe und ihr Gebell ist durchaus dergestalt, daß man einen Riesenwolf vermuten könnte.

Und dieser Kuh-Wolf sitzt den halben Tag unter meinem Tisch.

Nur mal so nebenbei erzählt.

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  • Veröffentlicht am: 2. Juli 2016
  • 7 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

7 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Dass mir der Hund das Liebste sei,
    sagst Du, o Mensch sei Sünde.
    Ein Hund bleibt Dir im Sturme treu,
    ein Mensch nicht mal im Winde

    Franz von Assisi

    Wuff sag ich da nur……………

  2. Was für ein süßer Hund! Da hat er ja wirklich Glück, dass er bei euch gelandet ist :)

    Bei der Gelegenheit mal gleich ein Danke für all die tollen Geschichten zum Lachen und Weinen und all die interessanten Artikel.

    VG Emily

  3. Als ich die Überschrift sah habe ich auf so ein Bild gehofft.
    Schön, dass sie sich so gut bei euch macht.

  4. Oh wie schön.
    Ich habe zwar eine Katze und zwei Zombie-Degus (sag ich so, weil die beiden schon dermaßen alte Säcke sind… ich befürchte das sie einfach immer weiter leben und leben bis nurnoch zwei kleine Skelette im Käfig sitzen und (natürlich! ) Krach und Dreck machen…
    …ich wollte nur sagen das ich eine der wenigen Menschen bin die Katzen UND Hunde sehr mögen, das schließt sich nicht aus…
    Toll das ihr einer armen Tierheimseele ein Zuhause geschenkt habt <3 und das deine Tochter mit so einem tollen Partner aufwächst.

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