Leichenfledderer verurteilt

Der 36-jährige amerikanische Bestattungsunternehmer Christopher Aldorasi und der ehemalige Dentist Michael Mastromarino hatten sich in einem ganz besonderen illegalen Gewerbe betätigt.

Von 2001 bis 2005 hat der Bestattungsunternehmer dem Dentisten über tausend Leichname verschafft, aus denen Mastromarino dann Knochen, Gelenke und vor allem Zellgewebe entnommen hat. Die Präparate wurden dann über Mastomarinos Firma „Biomedical Tissue Services (BTS)“ in den gesamten Vereinigten Staaten an Patienten verkauft.

Um ihre Spuren zu verwischen, haben die beiden entnommene Knochen teilweise wieder durch Plastikrohre ersetzt, damit bei einer späteren Aufbahrung nichts auffallen konnte. Sämtliche Tücher, Handschuhe und Einweghilfsmittel wurden sorgsam in die teilweise ausgeweideten Leichen eingenäht, damit keine verräterischen Beweismittel am Tatort zurückbleiben konnten.

Die New Yorker Zeitung „Daily News“ berichtet davon, daß Bestatter Christopher Aldorasi nun am Mittwoch wegen illegalen Organhandels, Leichenfledderei und Störung der Totenruhe zu einer Haftstrafe von 27 Jahren verurteilt wurde.
Er gilt aber mithin nur als Mittäter und Zulieferer. Mastormarino, der Dentist hat sich bereits schuldig bekannt. Er erwartet sein Urteil ebenfalls in diesen Tagen.
Es ist davon auszugehen, daß die Strafe gegen ihn ähnlich hoch, wenn nicht sogar deutlich höher ausfallen wird. Als besonders erschwerend gilt, daß man die entnommenen Leichenteile weder ordentlich untersucht hat, noch vor der Entnahme von Teilen aus sehr alten und kranken Verstorbenen zurückgeschreckt ist.

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  • Veröffentlicht am: 23. Juni 2008
  • 22 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

22 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Ok, nur damit ich das richtig versthe: Die haben Organe zur VERPFLANZUNG weitergegeben? Bei denen muss doch der Verwesungsprozess eigentlich schon eingesetzt haben? Also das ist nun wirklich eine widerliche Vorstellung!

  2. Ich versteh auch nicht ganz, wofür die Leichenteile verwendet wurden. Zur Organverpflanzung, also das kann ich mir nicht vorstellen. Kann mich da jemand aufklären, wofür man sich eine „gut abgehangene“ Niere kaufen würde???

  3. Habe mal einschlägige Suchmaschinen befragt und folgende Info gefunden: Es ging weniger um Nieren und Herzen, sondern um Zahn-, Hüft- und Knieimplantate. Ganz verstehen tu ich’s aber immer noch nicht, ist eine neue Hüfte aus irgendeinem HighTech-Material nicht besser als so ein alter Knochen von jemand anders???

  4. BTS hat nie mit Organen gehandelt, wenn ich mich recht erinnere, besaß die Firma einige Patente für die Nachzucht von Gewebe aus Gewebeteilen. Es geht eigentlich nicht um Organverpflanzung, sondern um die Gewinnung von Gewebepflastern für größere Wunden oder die Rekonstruktion von Knorpeln und ähnlichem.
    Unappetitlich ist die Sache trotzdem…

  5. Es geht da wohl eher um „Auffüllung“ mit Knochenmaterial als um kompletten Ersatz von ganzen Knochen und Gelenken, denke ich. Und Gewebe und Organe muss man ja nicht immer verpflanzen, sondern kann es auch für diverse Forschungen verwenden. Und wer weiß, wenn der Bestatter schnell genug geholt wird, viell. sind dann manche Organe sogar noch als Transplantat zu verwenden.

    Und ich dacht sowas gibt es nur im Fernsehen, naja…

  6. Wie werden wohl Archäologen in ein paar hundert Jahren die Plastikrohre und sonstige eingenähte Teile interpretieren, die sie bei diesen Skeletten finden?

  7. „ist eine neue Hüfte aus irgendeinem HighTech-Material nicht besser als so ein alter Knochen von jemand anders?“

    Nein, ist es nicht. Auch wenn die Materialforschung und die Medizintechnik enorme Fortschritte gemacht haben: Nichts ist auf Dauer besser und haltbarer als die Originalbauteile. Die werden seit ein paar Millliarden Jahre ständig weiter entwickelt und haben daher einen guten Vorsprung.

    Das Update für ein künstliches Gelenk ist z.B. nach spätestens 20 Jahren fällig.

  8. @Neuling: Update; das klingt, als sagt einem dann jemand: „Joa, also ihr Hüftgelenk läuft nicht mehr mitm Runplayer 3.0, da müssen Sie auf 4.1 updaten, sonst geht da nix mehr!“ ;-) Linuxuser kriegen dann die Einzelteile zum Selberbauen.

  9. Windows: Der Patient bekommt ein Ellenbogengelenk, das sich erst nach Einspielen des Security-Packs 2 als Hüftgelenk verwenden läßt, aber trotzdem nur mit einem eigenen Treiber läuft und stets in die falsche Richtung knickt.

    Linux: Der Patient bekommt sofort sein Hüftgelenk, muß jedoch vorher das Herz rausnehmen, neu kompilieren und 20 Stunden ein HOWTO lesen, bis das Gehirn das Hüftgelenk akzeptiert.

    MacOS: Der Patient bekommt das Hüftgelenk drahtlos eingespielt, that’s it.

  10. Das erinnert mich sehr verdächtig an den Plot einer CSI-Folge. Scheinbar lassen sich die Herren Autoren gerne von der Wirklichkeit inspirieren.

  11. MacOS: Der Patient bekommt das Kniegelenk eingespielt, welches vor einem Jahr aktuell war, ohne die Möglichkeit eines Upgrades. Wünscht der Patient ein neues, schnelleres Kniegelenk, muss das ganze Bein ausgetauscht werden. Außerdem kostet es das Doppelte vom Windows-Gelenk, ist aber weiß. Zusätzlich zum Kniegelenk wird automatisch noch das Ellenbogen-Gelenk und das Hüftgelenk installiert, auch, wenn man es garnicht will und braucht.

  12. ich halte es wie die Igors (Terry Pratchett Scheibenwelt): warum gutes Material verschwenden? Andere Leute haben noch ihre Freude daran.

  13. Der Handel mit Leichen zu medizinischen Zwecken oder als „Ersatzteillager“
    scheint Tradition zu haben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leichendieb

  14. Der Handel mit Leichen, zu medizinischen Zwecken oder als „Ersatzteillager“
    scheint Tradition zu haben.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leichendieb

  15. @Sven: Bei Bones hatten sie das auch schon mal.

    @anita: Naja „gutes“ Material ist hier fraglich. Da eben viele der Toten alt und auch krank sind. Dieses „Material“ möchte sicher niemand transplantiert bekommen. In der besagten Fernsehfolge war es z.B. so, dass „Material“ von einem alten Mann im Endstadium Krebs an andere verteilt wurde, die dann ebenfalls erkrankten und starben.
    Ich weiß zwar nicht inwieweit das der Wirklichkeit entspricht, aber es gibt bestimmt viele Krankheiten, die mit Geweben/Knochen etc. übertragen werden können und die man nicht unbedingt haben möchte.
    Und illegales Material wird eher nicht daraufhin überprüft.

  16. Ich habe darüber einen Bericht im Radio gehört. Nicht nur BTS betreibt solche Praktiken, das ist gerade in einigen ehemaligen Ostblockländern wie Litauen, Weißrussland oder der Ukraine ein gar nicht so seltener Wirtschaftszweig. Natürlich nicht offiziell, aber wer nachfragt, gerät leicht in Schwierigkeiten. Leidtragende sind die kleinen Leute, die sich nicht wehren können, profitieren tut wie üblich eine Elite. Denn diese Gewebsimplantate sind natürlich schweineteuer. Die gehen nicht in die Forschung, die gehen an diejenigen, die sich’s leisten können.

  17. Der Handel mit Leichnamen zu medizinischen Zwecken und als Ersatzteillager
    scheint Tradition zu haben
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leichendieb

  18. Wie wahnsinnig muß man eigentlich sein, um sowas abzuziehen?

    Und darüber hinaus:

    Wie wahnsinnig muß man sein, um für sowas – nicht nett, aber sicherlich kein Kapitalverbrechen – mehrere Jahrzehnte an Haftstrafen auszuwerfen?

  19. Wie oben erwähnt, CSI – Den Tätern auf der Spur, Staffel 7, Folge 14: Fleischmarkt.

  20. Übrigens: der Handel mit Leichnamen zu medizinischen Zwecken und als Ersatzteillager scheint Tradition zu haben
    http://de.wikipedia.org/wiki/Leichendieb
    Nur falls es hier noch keiner wusste…

  21. @17
    „nicht nett, aber sicherlich kein kapitalverbrechen“
    Finde ich schon. 100 Fälle gibt er zu, die Anklage spricht von 1000. In jedem Fall gab es gefälschte Dokumente, Risiken für den Patienten und viel Kohle für die Täter.
    „Nicht nett“ ist, wenn ich jemandem die Einfahrt zuparke. Aber die Gesundheit Anderer für grüne Scheine aufs Spiel zu setzen ist schon eine andere Liga.

  22. Ich möcht nicht wissen, was alles im Verborgenen geschieht.
    Allein schon mit Goldzähnen und Schrittmachern vor der Verbrennung ist sicher ein (un)anständiges Zubrot zu erziehlen.

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