Leichenstarre

Die Totenstarre (med.-lat. rigor mortis „Leichenstarre“) wird die nach dem Tod (post mortem) eintretende Erstarrung der Muskulatur bezeichnet. Sie ist eines der sicheren Todeszeichen.

Ursache ist der durch Stillstand des Stoffwechsels bedingte Mangel an Adenosintriphosphat (ATP), einer energiereichen chemischen Verbindung, die die Energie für die Entspannung der Muskeln liefert. Fehlt ATP, so verharren die Muskelproteine Aktin und Myosin in einer festen Bindung zueinander, der Muskel wird starr.

Die Totenstarre beginnt bei Zimmertemperatur nach etwa 1 bis 2 Stunden an den Augenlidern, Kaumuskeln (2 bis 4 Stunden) und kleinen Gelenken, danach setzt sie ein an Hals, Nacken und weiter körperabwärts und ist nach 14 bis 18 Stunden voll ausgeprägt (bei Hitze schneller, bei Kälte langsamer). Diese Reihenfolge, beschrieben durch die Nysten-Regel, findet sich jedoch nur in etwa 50 % der Fälle.


Entscheidender ist, dass die einzelnen Fasern eines Muskels erst nach und nach erstarren. Wird die Starre eines Muskels durch Fremdbewegungen gebrochen, bevor diese vollständig ausgebildet ist (also innerhalb der ersten 14 bis 18 Stunden), setzt nach einiger Zeit an diesem Muskel eine neue Starre ein, bedingt durch die Fasern, die zuvor nicht erstarrt waren. Wärme und höhere Belastung der Muskeln kurz vor Eintreten des Todes beschleunigen das Einsetzen der Totenstarre. Durch Zersetzungsvorgänge beginnt sich die Starre 24 bis spätestens 48 Stunden post mortem, bei Beginn der Autolyse, wieder zu lösen und kehrt nicht zurück.

Durch diese Möglichkeit der zeitlichen Zuordnung ist die Totenstarre in der Rechtsmedizin für eine erste Eingrenzung des Todeszeitpunkts von Bedeutung. Hierbei macht man sich u. a. den oben beschriebenen Sachverhalt zunutze, dass es nur innerhalb einer bestimmten Zeitspanne post mortem möglich ist, nach dem künstlichen Brechen der Starre deren Wiedereinsetzen festzustellen.

Bis hierher: Zitat aus Wikipedia, Lizenz GDL, Quelle, Autoren

Das im Wikipedia-Artikel als „Brechen der Totenstarre“ bezeichnete Verfahren klingt härter und brutaler, als es ist. In Wirklichkeit bedeutet es aus Bestattersicht ein Beugen und Dehnen der betroffenen Gelenke. Insbesondere müssen die Armgelenke weich gemacht werden um den Verstorbenen ankleiden zu können. Die Fingergelenke werden auf ganz leichte Weise beweglich gemacht, indem man einfach leicht die Hand des Toten zur Faust ballt und wieder geradebiegt. Danach können die Hände auch gefaltet, d.h. die Finger ineinander verschränkt werden.

Etwas problematischer, aber durchaus ähnlich zu bewältigen ist die Starre des Kiefers. Durch die allgemeine Erschlaffung bleibt der Mund eines Toten oft weit offen stehen. Das ist natürlich kein schöner Anblick. Erfahrenes Pflegepersonal und gute Ärzte oder auch jetzt die Leser meines Weblogs beugen dem ganz leicht vor, indem man einfach eine Mullbinde unter dem Kinn hindurch um den Kopf schlingt.
Setzt die Starre dann ein, bleibt der Mund gut verschlossen und die Binde kann entfernt werden.
Der Bestatter wird aber den Mund dennoch dauerhaft verschliessen müssen (siehe Artikel: Sekundenkleber).
Trug der Verstorbene zu Lebzeiten ein künstliches Gebiss, kann dies mitgegeben werden, damit das Gesicht nicht so eingefallen aussieht. Es ist aber nicht zwingend notwendig das zu tun, denn Bestatter haben in ihrem Zubehör Kunststoffschienen, sogenannte Mundfüller, die statt des Gebisses eingesetzt werden können und den gleichen Zweck erfüllen.

Ist ein Mensch in gekrümmter Haltung verstorben, wird der Bestatter ihn in kühlem Zustand sorgfältig und langsam geradelegen.

Es ist ein weitverbreitetes aber völlig unbegründetes Gerücht, das hierbei Knochen gebrochen werden müssten.
Know how ist alles.

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Peter Wilhelm24. August 2017

4 Kommentare von 138968.

  1. Da ich mal davon ausgehe, dass hier noch mehr Pflegepersonal mitliest, würde ich gerne mal auf die schöne Möglichkeit der hautfarbenenen Kinnstütze aus Kunststoff hinweisen (http://www.pflegewiki.de/wiki/Kinnstütze).
    Wir haben Sie seit gut zwei Jahren im Einsatz und ich bin begeistert!
    Eine einfache Möglichkeit, verstorbene Menschen würdevoll für den letzten Besuch der Angehörigen in der Einrichtung herzurichten.

  2. Als meine Mutter von fast 25 Jahren im Krankenhaus verstarb, wurde das Kinn mittels Mullbinde fixiert. Ich hatte mich damals noch gewundert und gefragt warum dieser Verband, da ich persönlich noch ziemlich unerfahren war mit meinen jungen Jahren.

    Erst etwas später erfuhr ich wofür dies war und dass es mit einer evtl. Verletzung nichts zu tun hatte. Im Nachhinein muss ich allerdings gestehen, dass dieser „Mullverband“ kein schöner Anblick war.

    Bei meinem Vater wurde damals vor 4 Jahren ein zusammen gerolltes Handtuch auf den Hals unter das Kinn gelegt. Er verstarb im Seniorenheim.

    Diese Handhabe fand ich dann doch etwas würdevoller für die Hinterbliebenen als das mit der Mullbinde :)

  3. Wenn wir verstorbene Auffinden bzw. nach erfolgloser Reanimation eine/n Verbstorbene/n zurück ins Bett legen, hat es sich als recht erfolgreich erwiesen, ein Kissen in den Nacken zu legen und mit der Bettdecke (nomalerweise reicht eine Falte) eine Rolle unter dem Kinn zu formen. Einerseits bleibt so der Mund ohne (nicht gerade schöne) Mullbinde geschlossen, andererseits sieht die/der Verstorbene eher schlafend aus. Das funktioniert natürlich nur bei klarer, natürlicher Todesursache ohne Fremdeinwirkung. Personen, die ausserhalb ihrer Wohnung verstorben sind, werden auch „nur“ abgedeckt (das sind dann die berühmten Bilder der Leichen am Strassenrand).

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