Report München

So, das war er jetzt der Beitrag in Report München. Viel Sensationelles dürften die Leser meines Weblogs nicht erfahren haben.

Über den von bösen Zungen als Moloch angesehen Mammut-Bestatter „Ahorn Grieneisen“ werde ich zu gegebener Zeit meine Meinung äußern. Auch die lukrative und in meinen Augen moralisch verwerfliche Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz soll später noch einmal ein Thema sein.

Was haben wir sonst erfahren?

Nun, Altenheime nehmen Provisionen, es scheint da sogar Vertragsmodelle von Ahorn-Grieneisen zu geben.
Kleinere Bestatter drücken mal einem Mitarbeiter einen Fuffi in die Hand, auch nichts Neues.

Ein größerer Bestatter in Düsseldorf soll einen Sarg gleich 90 mal verkauft haben und nach Aussage des unkenntlichen Kapuzenmanns im Fernsehen sogar mit immer demselben Blumenschmuck. Erstaunlich, wie lange sich in Düsseldorf die Blumen so halten…

Rund 17 Leute sterben jeden Tag in Düsseldorf, knapp die Hälfte, also sagen wir 8 werden davon eingeäschert. In Düsseldorf gibt es Dutzende von Bestattern sodass selbst der „große“ Düsseldorfer Bestatter kaum mehr als 3 Feuerbestattungen am Tag durchführen dürfte. Das würde bedeuten, daß der die Nummer mit dem immer wieder verkauften Sarg mit Blumenschmuck quasi einen ganzen Monat Tag für Tag durchziehen müsste.

Die Zuschauer haben in dem Bericht nichts Sensationelles erfahren. Wo es ums Geld geht wird es auch immer schwarze Schafe geben.

Was da aber durch Ahorn-Grieneisen auf uns zukommt, die durchorganisierte Sterbeindustrie, das wird noch manchem Kopfzerbrechen bereiten.

Spickzettel

Griechisch orthodox, das haben wir auch nicht so oft. Aber von der Abwicklung her ist das kein Problem. Die Söhne des Griechen bitten darum, ihren Vater selbst ankleiden zu dürfen; dürfen sie. Ansonsten möchten sie, dass alles ganz deutsch abläuft, der Vater hier erdbestattet wird, nur der Pfarrer der griechisch-orthodoxen Gemeinde soll bitte die Trauerfeier abhalten.

Bei der Aufbahrung wird der Tote ganz oft geküsst, viele streicheln ihm die Hände, es wird viel und auch laut geweint. In der Trauerhalle später gibt es statt Orgelmusik Musik von der CD, das klingt aber weder westlich, noch griechisch, eher ein bißchen türkisch, finde ich.

Dann kommt der orthodoxe Pfarrer herein. Tolles Gewand! Und was macht der? Der stellt sich nicht an das Rednerpult, sondern an das Kopfende des Sarges, um von dort zu sprechen. Warum nicht? Doch direkt nach seinem Einzug in die Trauerhalle sehe ich, dass er einen kleinen Zettel dabei hat, dann beugt er sich vor und pinnt den Zettel mit einer Heftzwecke (Reißnagel) am Kopfende des Sarges fest.
Der hat einen Spickzettel!

Naja, dann sagt er wenigstens die richtigen Namen und Hauptsache er macht den Zettel wieder weg, wenn er fertig ist…

Urnentransport

Frage an den Bestatter: „Sag mal, Du schreibst immer, dass Leichen oder wie ich jetzt gelernt habe ‚Verstorbene‘ in einem Bestattungswagen transportiert werden müssen. Wie ist das denn mit den Urnen?

Wir sind ja sowieso fast jeden Tag am Krematorium, um Särge dort abzuliefern, dann nehmen wir die bereits fertigen Urnen, die dort für uns stehen, natürlich im Bestattungsfahrzeug mit. Ansonsten genügt ein normaler PKW.

Der eigentliche Verstorbene ist durch die Verbrennung im Krematorium vergangen, was jetzt in der Urne noch übrig ist, sind die unverbrennbaren Überreste, die Totenasche; und das kann ohne Seuchen- oder sonstige Gefährdung sogar als Postpaket verschickt werden.

Nachtrag:
Wie auch im Kommentar zu lesen, wird der Urnentransport oft den Angehörigen noch in Rechnung gestellt. Wir berechnen das nicht, aber es ist durchaus behörden- und branchenüblich. Bitte lest auch meinen Kommentar weiter unten.

Kosten von 300 Euro für den Urnentransport sind ungerechtfertigt.

Erbsensuppe

Das war wieder so ein typischer Bestattersonntag. Irgendwie war den ganzen Tag was zu tun und jetzt ist es bald 21 Uhr und ich bin immer noch nicht fertig. Morgen habe ich eine Traueransprache, da muss ich noch den Text fertigschreiben und dann wird es gegen 22 Uhr sein.
Das mit den Traueransprachen mache ich nicht oft, aber es kommt vor. Mich hat mal ein Pfarrer einfach sitzenlassen.

Die Halle voll mit Trauergästen und der Organist fängt pünktlich an, wer nicht kommt ist der Pfarrer. Handy raus, Pfarramt anrufen, die Bürotante sagt nur, dass der Herr Pfarrer jetzt seine Suppe ißt und nicht gestört werden will. Ich dränge und nörgle, bittele und bettele. „Das tut mir Leid, der Herr Pfarrer hat strenge Anweisung gegeben, dass wir ihn beim Suppeessen nicht stören.“ Spricht’s und legt auf.

Drinnen spielt der Organist schon das zweite Lied. Was tun? Was macht man jetzt zuerst? Am Besten ist es, zuerst die Familie zu informieren, damit die ruhig bleiben. Ich flüstere der Witwe zu, der Herr Pfarrer verspäte sich, es dauere noch ein paar Minuten. Dann rauf auf die Empore, der Organist soll weiterspielen, das hält die Leute in Andacht und bei Laune, bis jetzt denkt nämlich jede, das sei alles so gewollt.
Der Organist nickt, als ich ihm „Weiterspielen!“ zuflüstere und beginnt sein drittes Lied.

Ich gehe vor die Halle, pfeife unseren Fahrer herbei: „Marsch, Marsch den Pfarrer holen, notfalls mit Gewalt!“

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Anonymität

Also, liebe Weblogleser. Es hat wirklich keinen Zweck, herausfinden zu wollen, wer und wo ich bin. Ein Bestatterkollege aus einem völlig anderen Teil Deutschlands hat mich vorhin angerufen und mir mitgeteilt, jemand habe ihn angerufen und am Telefon gesagt: „Siehst Du, war doch gar nicht so schwer, Dich zu finden, Tom!“

Dieser Kollege kennt mich, weil er sich per Mail an mich gewandt hat und mich wegen eines Gebrauchtsfahrzeugs angesprochen hat.

Es gibt über 4.000 Bestatter, bitte ruft die jetzt nicht alle an, okay?

Bestatter sind inkompetent: Mutter in der Urne

Ich melde mich: „Bestattungshaus.“

„Ja Meinerzhagen hier. Können Sie bitte meine Mutter abholen, die ist verstorben.“

Ich erfrage die notwendigen Angaben. Dann sagt die Frau am anderen Ende der Leitung:

„Sagen Sie mal, können Sie die Mutter gleich mit der Urne abholen?“

„Wie bitte?“

„Mit der Urne!“

„Entschuldigen Sie bitte, aber wie sollen wir Ihre Frau Mutter denn mit der Urne abholen?“

„Das weiß ich doch nicht, bin ich der Bestatter oder Sie?“

„Das ist schon richtig, aber für gewöhnlich holen wir die Verstorbenen mit einer Trage oder einem Sarg. In die Urne kommt man doch erst nach der Einäscherung.“

„Jetzt hören Sie mir aber mal zu! Wenn Sie Ihren Beruf nicht richtig verstehen, dürfen Sie auch nicht so eine Werbung in der Zeitung machen.“

„Ich glaube, ich verstehe nicht ganz, was Sie möchten. Wir würden kommen, Ihre Mutter mit der Trage abholen und nach der Einäscherung im Krematorium hätte man dann eine Urne.“

„Ich will aber, dass sie gleich mit der Urne kommen. Sie schreiben doch in Ihrer Werbung dass Sie Erd- und Feuerbestattungen machen und auch sonn- und feiertags Dienst haben.“

„Das stimmt ja auch alles, heute ist Sonntag und wir haben Dienst und wir machen im Falle Ihrer Mutter ganz sicher auch die Feuerbestattung, aber zuerst müssen wir sie doch abholen.“

„Wen? Mich?“

„Nein, Ihre Mutter.“

„Ja dann aber mit der Urne.“

„Das geht nicht!“

„Sie wollen nicht, richtig?“

„Selbst wenn ich wollte, ginge das nicht.“

„Sagen Sie es doch gleich, daß Sie keine Feuerbestattungen machen.“

„Machen wir aber. Wir holen bloß nicht in der Urne ab.“

„Haben Sie keine Urnen?“

„Doch. “

„Und warum machen Sie das dann nicht einfach so, wie wir das gerne hätten? Haben Sie keine Lust?“

„Es geht einfach nicht.“

„Ich ruf jetzt woanders an! Ich sehe schon, das hat mit Ihnen keinen Zweck. Sagen Sie Ihrem Chef, dass ich Sie inkompetent finde.“

„Ja, mach ich.“

„Tschüß!“

„Tschüß!“

Kinder

Es gibt etwas, dass keiner gerne miterlebt, nämlich wenn Kinder sterben.
Unsere Männer (und Frauen) sind ja alles Mögliche gewöhnt und behalten auch in ungewöhnlichen Situationen Haltung. Aber wenn wir es mit verstorbenen Kindern zu tun haben, ist das Ganze doch so schwer, dass ich unsere Herren im Technikbereich schon Krokodilstränen besonders dicke Tränen hab weinen sehen.

Das hört man schon am Telefon, wenn die Hinterbliebenen anrufen. Es heißt dann nicht mein Vater, mein Mann, mein Opa, sondern unsere Melina, unser Kevin usw. Solche Fälle sind in jedem Fall für alle Beteiligten besonders bitter.

Kommt ein solcher Fall, bekommt er bei uns höchste Priorität und wir legen uns voll ins Zeug. Der Beratungsraum Nummer 2 wird dann sofort leergeräumt, Der Tisch und die Stühle kommen ins Lager und wir bauen dort Podeste auf, um die notwendigen Dinge präsentieren zu können, die man für eine Kinderbestattung benötigt. Extra kleine Särge, kleine Decken und Kissen, andere Urnen…

Den Kommerz blenden wir in diesem Moment völlig aus, die Eltern des verstorbenen Kindes können alles auswählen und meine Standardformulierung bei der Frage nach dem Preis lautet: „Machen Sie sich darüber keine Gedanken.“
Ich will nicht, dass ein paar Euro darüber entscheiden, ob sie den weißen oder den blauen Sarg nehmen.
Am Ende des Beratungsgesprächs gibt es sowieso die Kostenaufstellung.

Im Laufe der Jahre bekommt man ein Gespür dafür, wie die Leute „unterwegs“ sind. Manche wollen eine zügige Abwicklung ohne große Berührungspunkte mit der Zeremonie, andere müssen einfach mit eingebunden werden, das merke ich. In solchen Fällen schlage ich vor, dass die Eltern bei der Ausstattung und Gestaltung des Sarges helfen. Ich habe es schon erlebt, dass der Vater zwei Tage und Nächte den Sarg bemalt hat. Es gab schon Familien, die weitere Kinder haben und mit denen gemeinsam den Sarg gestaltet haben. Oft basteln die Geschwister auch zu Hause etwas und bringen es dann, damit wir es mit in den Sarg legen.

Wir möchten auch immer, dass man uns Kleidung von daheim bringt. Was allerdings nie vorkommt, ist der Wunsch, beim Einbetten mitzuwirken. Ganz selten wollten die Familien auch das Kind noch einmal sehen. Es ist einfach ein Unterschied, ob man einem älteren, in Würden verstorbenen Menschen noch einmal die Ehre erweist oder ob man einen jungen, aus dem Leben gerissenen Kind/Jugendlichen noch einmal anschauen muss.

Ist aber der Wunsch da, das Kind noch einmal zu sehen, machen wir niemals eine offene Aufbahrung auf dem Friedhof. Stattdessen gibt es eine solche in unserer hauseigenen Kapelle. Da sitzen die Eltern dann manchmal stundenlang und nehmen Abschied. Ja, da kann man sitzen, da darf man seinen Verstorbenen anfassen, küssen, streicheln, ihm Sachen in den Sarg legen, an der Decke zupfen, das Kissen richten, zwischendurch aufs Klo gehen, mal im Nebenraum einen Kaffee oder einen Schnaps trinken, eben einfach Abschied nehmen, so lange oder so kurz man will.

Durch die Aufbahrung in unserer Kapelle bzw. in unserem Aufbahrungsraum verhindern wir den Leichentourismus. Es gibt nämlich eine große nicht zu unterschätzende Zahl von Menschen, die nichts Besseres zu tun haben, wie jeden Tag auf dem Friedhof Leichen angucken zu gehen. Reine Sensationsgier spielt da bei einigen eine Rolle.

In jedem Fall versuchen wir Kinderbestattungen so individuell wie möglich zu gestalten. Das versuchen wir bei jeder Bestattung, aber in den meisten Fällen greifen die Leute von sich aus auf traditionelle Dinge zurück und wollen keine Besonderheiten. Die Abwicklung innerhalb der traditionellen Schienen gibt auch Halt, das darf man nicht vergessen.

Egal wie, Kinderbestattungen sind etwas ganz besonders Schwieriges.