Das ist aber unser Toter!

Ich telefoniere schon den ganzen Morgen einer Leiche hinterher :-(

In dieser Woche hat Firma Pietät Eichenlaub Polizeidienst. Das machen die Bestatter hier im Wechsel.
Da ist also einer verstorben und der Arzt hat nicht den natürlichen Tod bescheinigt. Keine Ahnung, was da war, das werde ich noch sehen. Jedenfalls mußte der Verstorbene in die Rechtsmedizin gebracht werden und deshalb hat die Polizei die Pietät Eichenlaub angerufen und die haben den Verstorbenen auch dahin gebracht.

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Der Sohn des Verstorbenen hat aus dem 300 km entfernten R. angerufen und uns den Auftrag erteilt, seinen Vater zu bestatten. Er kommt dann morgen, bleibt vier Tage und es wäre günstig wenn die Beerdigung am Freitag sein könnte.
Also rufe ich bei der Staatsanwaltschaft an, wir brauchen eine Freigabe. „Jaja, die könnt ihr holen, da war nichts dahinter, ist natürlicher Tod“, sagt Staatsanwalt Dr. M.
Meine Mitarbeiterin sattelt den smart und flitzt in die Stadt, um die Freigabe zu holen, zwei Männer nehmen den Viersargwagen und fahren zum rechtsmedizinischen Institut. Von dort rufen sie an und teilen mir mit, dass der Verstorbene schon von Pietät Eichenlaub geholt worden ist, ohne Freigabe ohne Papiere.
Ich rufe bei den Eichenlaubs an. Nein, die Tante am Telefon stellt sich dumm, sie hat keine Ahnung, von dem Toten wisse sie nichts.

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Werbevertreter

Tolle Sache! Er hat da so Stadtpläne und ich soll da Werbung buchen. Diese Stadtpläne hängen an den Ausfallstraßen in Schaukästen und nur die besten Firmen dürfen da überhaupt eines der Felder am Rand buchen. 890 Euro kostet da so ein kleines quadratisches Feld.

Das wäre doch toll, meint er.

„Ja aber“, wende ich ein, „ich glaube kaum dass das für uns in Frage kommt. Sehen Sie, wenn jemand stirbt, glauben Sie dann wirklich, die Leute gucken ausgerechnet auf einen Stadtplan am Stadtrand?“

„Und was, wenn Sie einer finden will, so von außerhalb?“

„Dann sage ich immer, direkt am Friedhof und der Friedhof ist ausgeschildert.“

„Aber die Firma Sanitär-Meier, die hat schon ein Feld gebucht.“

„Meinetwegen, obwohl ich auch nicht glaube, daß irgendjemand, der von außerhalb kommt und dort auf dem Stadtplan nach dem Weg sucht, dann spontan zu Sanitär-Meier fährt und mal eben einen Wasserhahn kauft.“

„Naja, wenn Sie das so sehen, dann bräuchte ja überhaupt keiner auf meinen Stadtplänen werben!“

„Eben!“

Andere Sitten

Ich hab ja nix gegen Muslime. Hätte ich irgendwelche Vorbehalte oder Bedenken, hätte ich diesen Praktikanten gar nicht genommen. Sein Name ist Khalid Rufad-Ali, sein Vater Pakistani, die Mutter Deutsche. Khalid macht ein Zusatzjahr im Berufsbildungswerk und muß sechs Monate Praktikum in einer Firma nachweisen.

Das Fortbildungswerk zahlt die Hälfte des Praktikantengeldes und in der Buchhaltung und im Archiv können wir gut noch jemanden gebrauchen. Groß ist er, sieht gut aus, ist ruhig, ach, den können wir auch mal bei Bestattungen ans Kondolenzpult stellen oder sonstwo einsetzen, wo er nichts mit den Verstorbenen zu tun hat.

Mittwoch:
Khalid stellt sich vor. Macht einen guten Eindruck, auch meine Frau meint, dass der ganz gut wäre.

Donnerstag:
Wir rufen ihn an, er könne Montag anfangen, Khalid freut sich. Also Tschüß bis Montag um Acht.

Montag:
Nix. Es ist Acht, kein Khalid, es ist Neun, kein Khalid. Ich lasse da mal anrufen.
„Was? Das ist schon heute? Ich dachte, Sie rufen mich nochmal an! Ich komme dann morgen, okay?“
„Nein, heute und zwar hopp, hopp!“

Es ist 14 Uhr und Khalid kommt. „T’schuldigung!“

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Report München

So, das war er jetzt der Beitrag in Report München. Viel Sensationelles dürften die Leser meines Weblogs nicht erfahren haben.

Über den von bösen Zungen als Moloch angesehen Mammut-Bestatter „Ahorn Grieneisen“ werde ich zu gegebener Zeit meine Meinung äußern. Auch die lukrative und in meinen Augen moralisch verwerfliche Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz soll später noch einmal ein Thema sein.

Was haben wir sonst erfahren?

Nun, Altenheime nehmen Provisionen, es scheint da sogar Vertragsmodelle von Ahorn-Grieneisen zu geben.
Kleinere Bestatter drücken mal einem Mitarbeiter einen Fuffi in die Hand, auch nichts Neues.

Ein größerer Bestatter in Düsseldorf soll einen Sarg gleich 90 mal verkauft haben und nach Aussage des unkenntlichen Kapuzenmanns im Fernsehen sogar mit immer demselben Blumenschmuck. Erstaunlich, wie lange sich in Düsseldorf die Blumen so halten…

Rund 17 Leute sterben jeden Tag in Düsseldorf, knapp die Hälfte, also sagen wir 8 werden davon eingeäschert. In Düsseldorf gibt es Dutzende von Bestattern sodass selbst der „große“ Düsseldorfer Bestatter kaum mehr als 3 Feuerbestattungen am Tag durchführen dürfte. Das würde bedeuten, daß der die Nummer mit dem immer wieder verkauften Sarg mit Blumenschmuck quasi einen ganzen Monat Tag für Tag durchziehen müsste.

Die Zuschauer haben in dem Bericht nichts Sensationelles erfahren. Wo es ums Geld geht wird es auch immer schwarze Schafe geben.

Was da aber durch Ahorn-Grieneisen auf uns zukommt, die durchorganisierte Sterbeindustrie, das wird noch manchem Kopfzerbrechen bereiten.

Spickzettel

Griechisch orthodox, das haben wir auch nicht so oft. Aber von der Abwicklung her ist das kein Problem. Die Söhne des Griechen bitten darum, ihren Vater selbst ankleiden zu dürfen; dürfen sie. Ansonsten möchten sie, dass alles ganz deutsch abläuft, der Vater hier erdbestattet wird, nur der Pfarrer der griechisch-orthodoxen Gemeinde soll bitte die Trauerfeier abhalten.

Bei der Aufbahrung wird der Tote ganz oft geküsst, viele streicheln ihm die Hände, es wird viel und auch laut geweint. In der Trauerhalle später gibt es statt Orgelmusik Musik von der CD, das klingt aber weder westlich, noch griechisch, eher ein bißchen türkisch, finde ich.

Dann kommt der orthodoxe Pfarrer herein. Tolles Gewand! Und was macht der? Der stellt sich nicht an das Rednerpult, sondern an das Kopfende des Sarges, um von dort zu sprechen. Warum nicht? Doch direkt nach seinem Einzug in die Trauerhalle sehe ich, dass er einen kleinen Zettel dabei hat, dann beugt er sich vor und pinnt den Zettel mit einer Heftzwecke (Reißnagel) am Kopfende des Sarges fest.
Der hat einen Spickzettel!

Naja, dann sagt er wenigstens die richtigen Namen und Hauptsache er macht den Zettel wieder weg, wenn er fertig ist…

Urnentransport

Frage an den Bestatter: „Sag mal, Du schreibst immer, dass Leichen oder wie ich jetzt gelernt habe ‚Verstorbene‘ in einem Bestattungswagen transportiert werden müssen. Wie ist das denn mit den Urnen?

Wir sind ja sowieso fast jeden Tag am Krematorium, um Särge dort abzuliefern, dann nehmen wir die bereits fertigen Urnen, die dort für uns stehen, natürlich im Bestattungsfahrzeug mit. Ansonsten genügt ein normaler PKW.

Der eigentliche Verstorbene ist durch die Verbrennung im Krematorium vergangen, was jetzt in der Urne noch übrig ist, sind die unverbrennbaren Überreste, die Totenasche; und das kann ohne Seuchen- oder sonstige Gefährdung sogar als Postpaket verschickt werden.

Nachtrag:
Wie auch im Kommentar zu lesen, wird der Urnentransport oft den Angehörigen noch in Rechnung gestellt. Wir berechnen das nicht, aber es ist durchaus behörden- und branchenüblich. Bitte lest auch meinen Kommentar weiter unten.

Kosten von 300 Euro für den Urnentransport sind ungerechtfertigt.