Die spinnt doch, die Alte

Nein wirklich, manchmal kann ich mich schon richtig aufregen. Wie alle modernen Bestatter erstellen wir unsere Auftragsbestätigungen und Rechnungen mit einem Computerprogramm. Unsere Dienstleistungen sind abgespeichert und wir müssen nur noch anklicken, was alles gemacht wurde, fertig.

Jetzt lautet der Text zu einer Rechnungsposition:

Hygienische Versorgung
Waschen, Kämmen und Ankleiden d. Verstorbenen, sowie hygienische Versorgung.

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Leichengift

Darf man Leichen anfassen? Oder vergiftet man sich da sofort? Kann man Tote anfassen?

Das Erste was ich immer von Menschen höre, die das erste Mal mit einer Leiche konfrontiert werden, oder die das erste Mal hören, was ich beruflich so mache ist: „Iiiiiih, Leichengift!“
Das Erste, was ich meinen neuen Mitarbeitern Lehrlingen und Praktikanten immer sage ist: „Leichengift gibt es nicht!“
Es ist wirklich ein unausrottbares Märchen, dass Leichen giftig seien oder ein Leichengift ausströmen würden.
Ich zitiere im Verlaufe dieses Artikel aus dem Wikipedia-Artikel „Leichengift„.

Man kann sich selbstverständlich an Leichen infizieren, so wie man sich an jedem lebenden Menschen infizieren kann. Viele Menschen die als Verstorbene zu uns kommen, sind an Infektionskrankheiten verstorben oder uns ist nicht wirklich klar, an was sie verstorben sind. Die Todesursache „Mulitorganversagen“ oder „Herzversagen“ besagt ja zunächst nichts über die Ursachen, die diesem Finale zugrunde liegen. Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass Bestatter häufig die Reste der Krankenhaus- und OP-Nadeln und -schläuche entfernen müssen und besonders Unfalltote auch offene Wunden haben, tragen wir immer Gummihandschuhe beim Hantieren mit Verstorbenen.

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Morgen

Anruf: „Unser Opa ist gestorben, wann können wir zu einer Beratung zu Ihnen kommen.“

Ich: „Wann würde es Ihnen denn passen, heute gegen Abend?“

Anrufer: „Nee, heute nicht mehr, morgen früh ist besser, der Opa ist ja schließlich morgen auch noch tot.“

Stimmt!

Kombi

Ich feg mich gleich unter den Kühlschrank!

„Bestattungshaus yxz, grüß Gott!“

„Ja, hier Meier, unser Vater ist tot.“

„Ja, war denn der Arzt schon da?“

„Der war schon da.“

„Gut, dann notiere ich mir jetzt Ihre Adresse und dann kommen wir vorbei, um den Verstorbenen abzuholen.“

„Das brauchen Sie nicht.“

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Polizeieinsätze

Hier ist es so, dass die Polizei ihre Toten immer durch ein festes Unternehmen abholen liess. Das hat uns und einem Kollegen nicht gefallen. Wenn also irgendwo ein Mordopfer gefunden wird oder ein Unfalltoter zu beklagen ist, kam immer Bestatter XYZ und holte den Verstorbenen ab. Logischerweise erhielt der auch in 90% der Fälle den Auftrag für die Bestattung, wo doch der Verstorbene schon bei ihm war.

Warum immer dieses eine Unternehmen genommen wurde, ist unbekannt, das war schon immer so. Böse Zungen sagen, dass der eine oder andere amtliche Bedienstete dadurch gewisse Vorteile gehabt habe, aber das kann ich nicht bestätigen, weder positiv noch negativ.

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Düdelidü

Ich hätte ja nie gedacht, dass mir mal sowas passiert… Heute nachmittag, es ist ganz ruhig in der Firma, gehe ich noch einmal zur Kontrolle durch die ganzen Räume, bevor ich nach Hause fahre. Ich schaue auch in die Kühlkammer, drei Verstorbene liegen dort. Eine Verstorbene fix und fertig eingebettet im Sarg, einer nur in Laken gewickelt auf einer Zinkwanne und ein dritter noch auf der Trage. Dieser Dritte war heute erst „reingekommen“, ist noch nicht behandelt, weil wir noch nicht wissen, was die Angehörigen für den ausgesucht haben.

Genau in diesem Moment passiert es, unter dem grauen Überzug der Trage fängt es an zu dudeln, der Tote hatte tatsächlich ein Handy in der Hosentasche. Ich habe mich lange schon nicht mehr so erschrocken.
Noch mehr hätte ich mich aber erschrocken, wenn der Tote rangegangen wäre :-)

Dicke Tränen

Meine Firma hat drei Filialen. Die Hauptfiliale in einer süddeutschen Stadt, zwei kleinere in Vororten. In der Hauptfiliale befindet sich die Verwaltung und Werkstatt, Ausstellungsraum und Beratungsbüros. In den beiden kleinen Filialen haben wir nur eine kleine Ausstellung und Beratungszimmer.

Dank der modernen Technik mit ISDN, Rufumleitung und Handys kann man uns natürlich immer erreichen und an allen Filialen sind Sprechanlagen an der Klingel, über die man jederzeit mit uns sprechen kann. Etwa 2-3 x im Jahr kommt das vor, dass jemand ausserhalb der Dienstzeit, ohne uns vorher anzurufen, direkt mit den Todespapieren in der Hand vor dem Bestattungshaus steht und klingelt.

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Lager

Aus einem Kundenanruf:

Habt ihr meinen Vater noch auf Lager oder wurde der schon zum Friedhof gebracht?

Tja, so kann man das auch sagen.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.