Urne nach Kanada, geht das?

Ich wohne in Kanada, mein langjaehriger Partner in Deutschland (Baden Wuertemberg) Er moechte feuerbestatted werden, die Urne soll dann nach Toronto, zur Beisetzung, geflogen werden. Wie kann ich ihm diesen Wunsch erfuellen?
Fuer Ihre Hilfe waere ich Ihnen sehr dankbar.

Das sollte überhaupt kein Problem sein.
Sie werden Ihrem Bekannten diesen Wunsch leicht erfüllen können.

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Meine Mutter sah als Leiche erschreckend aus

Meine Mutter ist vor einer Woche für uns alle völlig überraschend gestorben.
Schockstarre bei uns.
Heute konnten wir sie beim Bestatter nochmal im offenen Sarg sehen. Vorher konnten uns nicht von ihr verabschieden und wollten sie nochmal sehen.
Aber dann! Ihr Mund stand weit offen.
Sie befindet sich seit 5 Tagen bei der Bestattung.
Das kann doch nicht sein, dass es nicht möglich ist, den Mund zu schließen. Oder gibt es so etwas?
Und wenn ja, wäre es nicht angebracht gewesen, uns das zu sagen?
Sollte ein Bestatter nicht wissen, dass das nicht unbedingt das letzte Bild ist, dass man von einer über alles geliebten Toten im Kopf haben will?
Ich habe mich jetzt halbwegs gefangen und bin fassungslos.
Da ich aber niemandem unrecht tun möchte, wäre ich über eine Information sehr dankbar.
Tieftraurige Grüße,

Das ist völlig unüblich.
Bestatter sind stets bemüht, den Verstorbenen das Aussehen einer schlafenden Person zu geben.
Dazu gehört, daß die Augen und der Mund geschlossen sind.
Im Zuge der Totenstarre ist es manchmal nicht sofort möglich, den Mund zu schließen, und es kann auch dazu kommen, daß er dann, selbst wenn die Starre nachgelassen hat, nicht zu bleiben will.
Aber hierfür beherrscht jeder gute Bestatter gleich mehrere Techniken und es gibt einige unterstützende Materialien und Tricks.

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Herr Tilto -4-

Zlata war die große Liebe seines Lebens. Mit ihr war er durch Dick und Dünn gegangen und hatte sie auf Händen getragen. Jeden Wunsch hatte er ihr von den Augen abgelesen.

„Noch bevor mein vegetatives Nervensystem meinen Herzschlag und meine Atmung kontrollierten, steuerten sie meine Gedanken zu Zlata. Ich habe seit 1962 keine eine einzige Sekunde nicht an sie gedacht. Sie ist ein Teil von mir, so wie meine Lunge, mein Herz, mein Gehirn…“

Er machte eine Pause. Aus feuchten Augen schaute er mich an, nahm meine Hand und drückte sie. Dann sprach er Worte, die es mir eiskalt den Rücken hinunterlaufen ließen.
„Und doch bin ich froh, dass sie endlich tot ist.“

„Wie bitte?“, entfuhr es mir und ich gebe zu, dass das nicht besonders professionell war. Doch trotz meiner Ausbildung, trotz meiner Erfahrung, bin doch auch ich zunächst erst einmal nur Mensch.

Herr Tilto lächelte gequält. „Ja, so ist es. Sie mögen mich verurteilen, mein Herr; Sie mögen mich verdammen, vielleicht habe ich das sogar verdient, aber so wahr ich hier sitze, ich bin froh, dass diese Frau endlich tot ist.“

„Und was…“, begann ich eine Frage, doch er wischte sie mit einer Handbewegung fort, sprang auf und begann im Zimmer auf und ab zu laufen.
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Herr Tilto -3-

„Na, was?“

„Tiltová, Mostová!“

„Ja, ich habe das verstanden und ich hab’s, glaube ich, auch richtig aufgeschrieben.“

„Nein, begreifen Sie es nicht?“, er lachte, dann hielt er inne, schlug sich an den Kopf und meinte: „Ach, ich bin ja so dumm, sie werden die slawischen Sprachen nicht kennen.“

„Nein, wirklich nicht, wenn, dann nur Schimpfwörter…“

„Ja, Tilto kommt aus dem Litauischen, mein Opa war von da, und bedeutet Brücke.“

„Ah, ja…“

„Und Most ist Tschechisch und bedeutet auch Brücke!“

„Das ist ja witzig. Da hat Herr Brücke Frau Brücke geheiratet.“

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Herr Tilto -2-

Mit einem Lächeln erklärte ich ihm, daß es sich nicht um eine Eidechse handelte und daß Chamäleons nun mal eben so langsam sind. Vorsichtig setzte er das Tier wieder zurück, nahm dankbar das Handtuch an und trocknete sich den Kopf.

„Scheißwetter“, sagte er, „Eigentlich müsste der Himmel lachen und die Sonne scheinen!“

„Sie sind aber schon wegen eines Trauerfalls hier?“, erkundigte ich mich, etwas irritiert durch seine augenscheinlich gute Laune.

„Doch, doch, eben drum.“

Seine Frau sei am Nachmittag im Krankenhaus verstorben und nun komme er vorbei, um alles Weitere zu besprechen.

„Sie soll eine schöne Beerdigung haben, eine richtig schöne.“

„Die wird sie bekommen.“

Nachdem ich ihm das Handtuch abgenommen hatte, erschien Antonia auf der Bildfläche, die uns in vorauseilendem Gehorsam Kaffee und Plätzchen brachte.
Im Gegenzug drückte ich ihr das Handtuch in die Hand, was Antonia mit den Worten kommentierte: „Das nächste Mal trocknen Sie Ihren Hund aber nicht mit einem von den schönen Tüchern ab, Chef!“

Herr Tilto und ich lachten noch, als ich ihn in unserem Kaminzimmer Platz nehmen ließ. Es ist dies ein Zimmer, das wir mit englischen Stilmöbeln eingerichtet hatten und dessen gemütliche, gediegene Atmosphäre so mancher Kundenbesprechung ein ganz besonderes Flair gegeben hat.
Schweres, grünes Leder, Holzvertäfelung, dicke Teppiche und Vorhänge und eine dezente Beleuchtung. Und auch wenn der Kamin nur eine elektrisch betriebene Attrappe war, äußerten sich die Leute stets begeistert.

Mit der Kaffeetasse neben sich, lehnte Herr Tilto bequem auf der Chesterfield-Couch, hatte die Augen geschlossen und versuchte wohl, seine Gedanken zu sortieren.
Das gab mir Gelegenheit, den Mann näher zu betrachten.
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Herr Tilto

Als Herr Tilto zu uns kam, regnete es draußen. Der Himmel war schwarz verhangen und die Blätter der Bäume reflektierten ein silbriges Licht. Damit stachen die Kronen der Bäume fast surreal vor dem dunklen Himmel hervor. Ich hatte gerade meinen Fotoapparat geholt, um eine Birke vor dem Haus zu fotografieren, da sah ich Herrn Tilto das erste Mal.

Er trug einen graumelierten Mantel, dunkelgraue Cordhosen und Halbstiefel mit Fellbesatz. Langsam schlurfte er auf unser Haus zu und zuerst dachte ich an einen Passanten, der so spät noch zum nahegelegenen Friedhof wollte. Allein die Tatsache, daß der Mann trotz des Regens und obwohl er keinen Hut und keinen Schirm hatte, so langsam ging, ließ mich meinen Blick nicht von ihm abwenden.

„Sie, sind Sie der Mann von der Bestattung?“, sprach er mich aus gut zehn Metern Entfernung an. Ich nickte.

„Dann bin ich ja bei Ihnen richtig“, rief er und ich trat beiseite, um ihn eintreten zu lassen.

„Ich mach‘ Ihnen ja alles ganz naß“, meinte er verlegen, „Als ich von zu Hause los ging, regnete es noch nicht.“

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Lange Kleider, Gehrock und Zylinder

Guten Tag Herr Wilhelm!
Zu Anfang erst einmal eine Erklärung:
Ich bin Anhängerin einer historischen Gruppe, und wir treten in historischer Kleidung auf…
Eines unserer Mitglieder ist schon recht alt (88) und meinte vor kurzen zu mir, das diese Person eine Beisetzung im Stil von 1880 haben möchte, also die Damen in langen Kleidern, und verschleiert, und die Herren im Gehrock und Zylinder…
Das man so etwas bei Hochzeiten macht, ist ja gut und schön, aber bei einer Beerdigung?
Ist das nun geschmacklos, oder makaber?
Was sagt das Friedhofsamt dazu wenn da eine Gruppe von Leuten aufschlägt die in einer längst vergangenen Zeit gekleidet sind?
Ich danke für die Antwort.

Gib mal „historische Beerdigung“ bei Google ein. Bei den Bildersuchergebnissen wirst Du viele Beispiele dafür finden, wie man sich um die Jahrhundertwende auf Beerdigungen gekleidet hat.
Der Zylinder als Kopfbedeckung und ein Gehrock erscheinen mit sehr typisch und korrekt.
Auch das lange Kleid für Frauen ist nicht untypisch, allerdings hat man früher bei Beerdigungen sehr viel Wert auf schwarze Kleidung gelegt.

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