Schwimmen Wasserleichen?

Ja was denn jetzt? Im Fernsehen zeigen sie immer wieder, daß jemand der tot ins Wasser geworfen wird, auf dem Wasser schwimmt, aber in anderen Filmen werfen sie tote Piraten über Bord und die gehen unter. Schwimmen Wasserleichen?

Grundsätzlich einmal gehen Menschen im Wasser unter, sonst könnten sie nicht tauchen. Allerdings können Menschen auch nach dem archimedischen Prinzip auf dem Wasser schwimmen.

Ein Leichnam würde zunächst untergehen. Eventuell könnte die im Körper und unter der Bekleidung enthaltene Luft eine kurze Weile zum Treiben auf der Wasseroberfläche führen, aber dann geht er unter, spätestens wenn sich die Kleidung richtig vollgesaugt hat und Wasser in die Lungen eingedrungen ist.

Nach geraumer Zeit, etwa ab dem siebten Tag bilden sich aber im Leichnam zunehmend Fäulnisgase durch die Zersetzung. Das gibt Wasserleichen dann wiederum soviel Auftrieb, daß sie auf dem Wasser treiben können.

Es ist aber nun nicht so, daß Wasserleichen wie ein Korken stramm nach oben streben, sondern oft ist das Verhältnis von Abtrieb und Auftrieb recht ausgeglichen, sodaß geringe Kräfte (leichtes Wurzelwerk, Wasserpflanzen etc.) sie unter Wasser halten können und genauso geringe Kräfte dafür sorgen können, daß sie dann aufsteigen. In „Tom Sawyer“ beschreibt Mark Twain, daß man als man annahm, die Jungen seien möglicherweise ertrunken, eine Kanone dicht über der Wasseroberfläche des Mississippi abfeuerte. Wenngleich über die Wirksamkeit dieser Methode nichts weiter überliefert ist, hatte das wohl den Sinn, entsprechende Erschütterungen auszulösen, um eventuelle Wasserleichen zum Hochschwimmen zu bringen.

Ist der Zersetzungsvorgang sehr weit fortgeschritten, nimmt die Gasbildung ab und kommt eventuell noch Tierfraß hinzu, der zur Öffnung der großen Körperhöhlen führt, geht die Leiche dann schließlich wieder unter.

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  • Veröffentlicht am: 4. Juni 2009
  • 17 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

17 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. „In den See, in den See, mit einem Stein an den Füßen!“
    Bei solchen Fragen hilft auch gern die einschlägige Serienmörder-Fachliteratur, aka. Krimis:-), aber schon Asterix hatte was dazu zu sagen…
    Mahlzeit,

    Lily

  2. thomas!Genau das gleiche habe ich dann auch gedacht …-ich glaub’ich nehm nur Kaffée…ach nee auch nicht :-))

    LG anouk

  3. Hm ich denke doch dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Man kann aber auch schön selber ausprobieren wie „wenig“ nötig ist.

    Tief einatmen, und im Schwimmbad mal runtertauchen, man steigt langsam nach oben. Und dann einfach mal die ganze Luft aus den Lungen pressen, schon sinkt man. :-)

  4. Sag mal TOM:
    Ich kenne das aus meiner beruflichen Praxis (Rettungsdienst),
    man sitzt mit bekannten beim Essen und einer sagt: Erzähl doch mal wie war die Schicht gab es was spannendes?

    Ich habe noch nicht einen satz beendet schon höre ich:
    Muss das sein beim Essen!

    Kennst du das auch?

  5. Dies ist zwar jetzt nicht bis ins I-Tüpflechen physikalisch fundiert, aber ein Versuch der Erklärung zu Toms Frage unter welchen Bedingungen ein Mensch tauchen kann.

    Die relevante physikalische Größe hierbei ist die Dichte (Masse pro Volumen). Ein Medium mit nidrigerer Dichte ist gemeinhin „leichter“ und würde deshalb Auftrieb haben, während eines mit höherer Dichte im Vergleich zum Umfeld als „schwerer“ anzusehen wäre und unterginge.

    Der Menschliche Körper als ganzes hat ungefähr die gleiche Dichte wie Wasser, weshalb er schwimmen kann. Dabei ist die Masse des Gewebes und der Knochen im Verhältnis schwerer, wird aber durch die Hohlräume und vor allen Dingen der Luft in der Lunge ausgeglichen. Wenn ein Mensch tauchen will muss er Kraft aufbringen um den Auftrieb seines Körper durch die Luft in den Lungen auszugleichen. Wenn man jedoch vorherausatmet und versucht nur mit der Restluft in den Lungen die Luft anzuhalten sinkt man von alleine. Man kann dies auch wunderbar in einem Schwimmbad testen.

    Es herrscht also ein geringer Unterschied der den Unterschied macht ob der Körper Schwimmt oder nicht namentlich der Einschluss von Gasen, die deutlich leichter als Wasser sind. Bei Lebenden Menschen ist dies gewöhnlich Luft. und bei der Verwesung werden es Fäulnisgase.

    Das hingegen auf geringes Wurzelwerk ausreicht einen Verwesenden Körper unter Wasser zu halten wusste ich indes noch nicht.

  6. Ob ein Leichnam zunächst untergeht oder nicht, hängt davon ab, wie er ums Leben gekommen ist. Bei Ertrinkungstod geht er unter, weil in den Lungen viel Wasser statt Luft ist, bei praktisch allen anderen Todesarten (Herzinfarkt, Messerstich) wird er zunächst an der Oberfläche treiben.

    Das spezifische Gewicht des menschlichen Körpers bewegt sich sehr nahe an dem von Wasser. Fettgewebe ist etwas leichter, Knochen schwerer, aber den entscheidenden Haupteffekt haben die Lungen, die beim Erwachsenen mehr als 6 Liter Luft enthalten. Dementsprechend treibt der lebende Mensch bereits ohne Schwimmbewegungen oben, allerdings so tief im Wasser, dass Atmen nicht einfach so möglich ist. Um zu tauchen, muss aktiv nach unten geschwommen werden, sonst taucht der Körper wieder auf.

    Kleidung kann zusätzlichen Auftrieb erzeugen, solange sie nicht mit Wasser vollgesogen ist, aber darauf kommt es nicht an. Entscheidend sind die Lungen.

  7. Das erinnert mich an eine „Gruselgeschichte“ meines Vaters. Dieser arbeitete auf einem Friedhof und er erzählte uns Kindern mal das er uns sein Kollege eine Wasserleiche bewegen mussten. Einer von beiden hat wohl losgelassen und die Leiche fiel zu Boden. Dabei sei sie aufgeplatzt! Kann das wirklich so gewesen sein?

    Liebe Grüße Jana

  8. @Jana: Ja durchaus. Durch langes Liegen im Wasser kann das menschliche Gewebe eine Konsistenz annehmen wie Kuchenteig.

  9. Dann ist das Leben auch nach dem Tod manchmal noch ein Auf und Ab ^^

  10. @Thomas: „man sitzt mit bekannten beim Essen und einer sagt: Erzähl doch mal wie war die Schicht gab es was spannendes?“
    Vorsicht Falle! Die können alle den Mund nicht halten, und erzählen es brühwarm gleich herum. „Das hab ich aus sicherer Quelle, aber sags bloß nicht weiter!“
    Und ruckzuck kommt das Echo….

  11. Wasserleiche vor ein paar Tagen in der Elbe gefunden. Es ist, wie oben geschrieben steht: Leiche geht später wieder unter. Jetzt im Winter ist es wohl anders – 3 C° Wasser. Die Frau schwamm oben, Gesicht nach unten. War noch zu erkennen. Dabei hat es eine längere Liegezeit gegeben.

  12. Also sehr interessant diese Thesen hier.
    Ein tatsächlicher Fall, der mich beschäftigt.
    Angeblich ist in einer Silvesternacht (kaltes Wasser) vor ca 40 Jahren in Karlsruhe eine junge Frau auf einem Binnenkahn (unbemerkt) über Bord gegangen. Ca 10 Wochen später wurde ihre Leiche (ich meine im Raum Köln) gefunden.
    So wie es mir erzählt wurde, ist sie nicht ertrunken, sondern war erschlagen. Laut aussagen der Gerichtsmedizin vermutlich mit dem Kopf an der Bordwand tödlich angeschlagen.
    Nun meine frage: wenn sie nicht ertrunken ist und auch nicht beschwert (gewichte) wurde, kann sie über so eine lange Zeit als Leiche im Rhein getrieben sein?
    Bitte ernsthafte Antworten!

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