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Tante Gerda ist tot. Tod im Kindergarten

Hallo TOM,
meine Frau ist Erzieherin in einem katholischen Kindergarten.
Nun ist eine Kollegin heute nicht zum Dienst erschienen.
Leider hatte sie dafür einen guten Grund, sie ist mit ende 40 plötzlich…….. verstorben.
Meine Frau hat nun die Aufgabe, zu überlegen, wie man 30 Kindern zwischen 3 und 6 Jahren beibringt daß Tante Gerda nicht wiederkommt.
Gibt es Literatur o.ä. welche das Thema kindgerecht aufarbeitet?
In der Erzieherausbildung kommt es wohl nicht vor.

Glückauf
T.

Es ist natürlich keine leichte Aufgabe, aber ich sehe keinen Grund, warum man nicht auch kleine Kinder mit der Tatsache, daß Menschen sterben können, konfrontieren sollte.

Pädagogen sollten über genügend Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen verfügen, um auch in einer so nahegehenden Situation richtig reagieren zu können.

Der Tod an sich hat nicht viel Schreckliches, das Sterben ist das Häßliche.
So würde ich zu erklären versuchen, daß eben jeder Mensch eines Tages sterben muß und daß es den einen früher und den anderen später treffen kann. Für so kleine Kinder macht es, mal aus meiner Erfahrung gesprochen, kaum einen Unterschied, ob jemand 40 oder 80 ist, wir sind sowieso alle uralt für die.

Um die Situation dann aufzufangen und aufzuarbeiten, sollte ja gerade ein Kindergarten unter katholischer Trägerschaft genügend Überbau und Möglichkeiten haben.

Aber ich gebe Deine Frage gerne an die vielen Leserinnen und Leser weiter, die dazu sicher auch eine Meinung haben.

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Peter Wilhelm 1. Juni 2012


24 Kommentare von 141074.

  1. Auch wenn das wenig hilfreich ist:

    Egal wie man sich entscheidet. 50% der Eltern stehen nachher auf der Matte und fragen, ob man das nicht hätte lassen können. Oder, im umgekehrten Fall, wie man die Armen Kinderchen denn so belügen kann.

    Ich halte es da mit [url=“http://goo.gl/Pa3Dc“]Helen Lovejoy[/url]

    Gruß
    Joe

  2. Das finde ich jetzt aber auch komisch für einen katholischen Kindergarten. Da sagt man den Kinderchen, dass die liebe Tante jetzt im Paradies ist und beim Jesus sitzt und dann hat sich die Sache doch schon (fast). Ach so – als Evangele vergesse ich das immer – die Katholiken sind ja ein bisschen strenger mit Himmel und Hölle und so…

    Als (halbe) Pädagogin muss ich sagen, dass man als Pädagoge eigentlich alle Möglichkeiten aufgezeigt bekommt sich im Notfall geeignete Methoden schnell anzueignen (davon mal abgesehen, dass jedes Kind/ jeder Mensch ganz unterschiedlich auf didaktische Methoden reagiert).
    So, ich habe mal kurz bei Amazon gesucht und z.B. diese DVD gefunden:
    http://www.amazon.de/Willi-wills-wissen-Wie-ist/dp/B001QSMMRE/ref=sr_1_fkmr0_2?ie=UTF8&qid=1304584261&sr=8-2-fkmr0
    Scheint auch sehr gut anzukommen.
    In Deutschland scheint es allerdings tatsächlich nicht so viel zu dem Thema zu geben, wie z.B. in der englischen/ amerikanischen Kinderliteratur.

  3. Geht es nur mir so oder ist die Bezeichnung „Tante“ im Kindergarten nicht etwas seltsam? Sowas habe ich ja in dem Zusammenhang noch nie gehört.
    (Sorry, ist natürlich offtopic, aber ich fand das etwas befremdlich.)

  4. Es gibt serh viele Kinderbücher die das Thema aufgreifen…
    z.B. „Die besten Beerdigungen der Welt“, ist auch verfilmt worden und sehr gut. Es gibt auch eine Broschür „Helft Kindern den Tod zu begriefen“ da gibt es Anregungen wie man mit Kindern darüber sprechen kann.

  5. Auch ich arbeite in einem Kindergarten. Und katholisch ist dieser auch.;-)
    Aber ich denke mal, unabhängig von der Religion ist es nicht nur für die Kinder schwer, den Verlust von Tante Gerda zu verarbeiten. Tante Gerda hat wahrscheinlich nicht erst drei Wochen dort gearbeitet und auch das Team als Ganzes wird nicht emotionslos im Tagesgeschehen weiter machen. Außerdem ist es nicht nur die Gruppe von Tante Gerda, die fragen wird, warum sie nicht wiederkommt. Auch andere Kinder aus anderen Gruppen könnten nachfragen oder im Gespräch mit anderen Kindern (jaa..die reden miteinander…scary, oder? -.- ) vom Ableben erfahren.
    In dieser Situation sollte das gesamte Team und auch die gesamte Kinderschar einen Abschied feiern dürfen. Dafür gibt es den mehr oder weniger begabten Pastor oder Gemeindereferenten, die durchaus brauchbare Ideen zum Umgang mitbringen.
    Literatur gibt es auch. Angefangen bei „Leb wohl, lieber Dachs“ bis hin zum „Abschied von der kleinen Raupe“. Wer ein wenig sucht, der findet auch.

    In meiner Arbeit mit schwerst-mehrfach behinderten Kindern kenne ich die Frage „Wie erklär ich das den Kindern!?“ Allerdings muss ich viel zu oft erklären, warum der Spielkamerad nicht wieder kommt. :-(

  6. Also so ungewöhnlich ist Tante aber nicht… Früher haben einige aus meiner Tintenfisch Gruppe durchaus „Tante XXX“ gesagt… Manche hatte aber auch nur den Vornamen gesagt…

  7. Man wird sicher nicht erst Bücher lesen können, bevor man die traurige Tatsache verkündet. Die Kinder werden mit dem Thema viel unbefangener umgehen, als die Erwachsenen das befürchten.

  8. Drei wirklich gute und „schöne“ Kinderbücher zu dem Thema habe ich bei der Familienbegleiter-Ausbildung im Kinderhospiz kennen lernen dürfen:

    [url=http://www.amazon.de/wohl-lieber-Dachs-Susan-Varley/dp/3219102832/ref=pd_sim_b_1]Leb wohl, lieber Dachs[/url]

    [url=http://www.amazon.de/Adieu-Herr-Muffin-Ulf-Nilsson/dp/3407760477/ref=pd_bxgy_b_text_c]Adieu Herr Muffin[/url]

    [url=http://www.amazon.de/Abschied-kleinen-Raupe-Heike-Saalfrank/dp/3429019958/ref=pd_bxgy_b_img_a“]Abschied von der kleinen Raupe[/url]

    Und möglichst Floskeln wie „sie ist eingeschlafen“ u.ä. vermeiden. Wie sagt man so schön – sie sollte die Kinder da abholen, wo sie stehen. Nicht lügen, nicht ZU viel erzählen, Gegenfragen stellen, damit die Kinder deutlich machen können, wie weit sie im Verständnis schon sind.

    Ich wünsche der Überbringerin dieser traurigen Nachricht ein „glückliches“ Händchen für diese schwere Aufgabe.

  9. Eines der schönsten Bilderbücher zu diesem Thema ist „Nie mehr Oma-Lina-Tag“ von Hermien Stellmacher. Das ist nicht so abstrakt wie viele andere Bücher zu diesem Thema, hat schöne Zeichnungen und zeigt vor allem, dass nach dem Tod immer noch die Erinnerungen an den Menschen bleiben.

  10. Informationen bekommt man beim Zentrum für trauernde Kinder: http://www.trauernde-kinder.de Kindern trauern anders als Erwachsene, darauf sollte man angemessen eingehen.

    Wichtig bei Kindern ist es übliche Floskeln wie „eingeschlafen“ (Angst nicht mehr aufzuwachen) und „von uns gegangen“ (wer weg geht, kann auch wieder kommen) zu vermeiden und das Thema direkt und Kindgerecht zu behandeln, um keine Ängste aufzubauen. Wenn man nicht entsprechend geschult wurde, kann man in der Tat viel falsch machen. Auch sollte man Kindern Raum für eigene Vorstellungen lassen, was nach dem Tod eines Menschen mit ihm passiert und seinen eigenen Glauben nicht als einzig richtige Antwort darstellen.

    Gemeinsam Bilderbücher zum Thema anschauen und dann ein Abschiedsritual wie Bilder malen und eine Kerze anzünden oder ähnliches, hilft den Kindern beim verarbeiten.

  11. Zum Beitrag: Es gibt neben Willi wills wissen einige Bilderbücher zum Thema. Falls Ihr am Ort eine Bibliothek habt – hingehen und fragen.

    Zur Tante: Bei uns hiessen die früher (als ich jung war) immer Tante. Jetzt werden die Erzieherinnen wohl nur noch mit Vornamen angeredet. Wir haben Tante xy gesagt …

  12. Noch eine Empfehlung: Es gibt ein Bilderbuch und auch einen darauf aufgebauten Trickfilm namens „Ente, Tod und Tulpe“. Findet man z.B., wenn man die Worte bei Youtube sucht.
    Für mich der schönste, tröstlichste, philosophischste Ansatz, um Kindern das Thema „Sterben“ nahezubringen.
    Kleine Kinder verstehen dabei sicher nicht alles, aber das macht nichts. Film und Buch sind so konzipiert, dass Kinder sich die „Teile“ herausziehen können, die sie benötigen.
    Beste Grüße!

  13. ´n bisschen mehr Feingefühl als meine Mutter wird doch wohl jeder haben. Vor gut 35 Jahren ist mein Opa gestorben, der erste Tote in meiner Lebensgeschichte. Und wie hat uns meine Mutter das beigebracht? „Der Obba is hie…“ Auf die Frage, was nun mit ihm passiert kam nur ein „der kommt ins Hackfleisch!“ Was das bei einem sechsjährigen Jungen auslöst, kann sich sicher jeder denken. Drei Jahre lang konnte ich meine geliebte Spaghettisoße nicht essen.

    Also, der Weg mit der Entsorgung über ein Lebensmittel ist der Falsche ;-) Alles andere verstehen die Kleinen schon, nur ehrlich sollte man damit umgehen.

  14. Zitat von TOM: „Um die Situation dann aufzufangen und aufzuarbeiten, sollte ja gerade ein Kindergarten unter katholischer Trägerschaft genügend Überbau und Möglichkeiten haben.“
    Zitat von Joe Nevermind: „Egal wie man sich entscheidet. 50% der Eltern stehen nachher auf der Matte und fragen, ob man das nicht hätte lassen können. Oder, im umgekehrten Fall, wie man die Armen Kinderchen denn so belügen kann.“
    Zitat von Glückauf / T.: „Gibt es Literatur o.ä. welche das Thema kindgerecht aufarbeitet?
    In der Erzieherausbildung kommt es wohl nicht vor.
    Dem ist eigentlich nix hinzuzufügen.“
    Zusammenfassend: Die große katholische Kirche weiß nix zum Thema „Tod und wie sage ich es meinem Kinde“ zu sagen, die Eltern wissen alles besser und/oder mäkeln sowieso rum, und in der Erzieherausbildung wird das Thema Tod auch nicht angeschnitten.
    Öhem, da liegt wohl noch so einiges im Argen.
    Empfehle jedem mal ein Praktikum beim Bestatter.
    B. A.

  15. Von der Treuhandstelle für Dauergrabpflege Niedersachsen ist mir vor einigen Monaten ein wirklich schöner und guter Flyer in die Hand gefallen, der vielleicht in so einer Situation auch hilft. Der Titel lautet „Gibt’s im Himmel auch Spaghetti? – Mit Kindern über das Sterben reden“. Wer mal reinschauen will findet die .pdf version hier:

    http://www.kdweb.de/xml/niedersachsen_sachsen_anhalt/download/leitfaden_kinder_und_trauer.pdf

    Vielleicht hilft es dem ein oder anderen ein bisschen.

  16. DerSilberneLöffel: entschuldige, die Situation ist nicht angemessen aber ich musste trotzdem lachen.
    Danke, jetzt weiß ich auch, was man definitiv falsch machen kann.

    Ich denke, (kleine) Kinder wollen vor allem wissen, wo die Verstorbene jetzt ist und was sie da macht. Einfach so tot rumliegen entzieht sich der kindlichen Vorstellungskraft. Zumindest der meiner Kinder.

    (Hier werden die Erzieherinnen mit Nachnamen angesprochen, also Frau XY. Ich bin auch noch mit „Tante Marieduise“ groß geworden :D )

  17. Wie schon mehrmals hier erwähnt, würde ich es ebenfalls mit der Wahrheit halten , das besagte Erzieherin verstorben ist und vielleicht ist es auch manchen Kindern ein Bedürfnis, „ihrer“ Erzieherin ein Abschiedsbild zu malen, Geschichten zu erzählen was sie mit ihrer Erzieherin schönes erleben durften, eine Kerze im Stuhlkreis entzünden und dazu vielleicht sogar eines der besagten Bücher vorgelesen bekommen….vielleicht im Kinderalltag kleine Rituale einfliessen lassen die es vielleicht nur bei Fr. ??? seither gab ! Man kann jedoch Kinder nicht einfach so „stehen“ lassen im ungewissen. Für viele Kinder war Sie bestimmt ein wichtiger und geliebter Begleiter in eben dieser prägenden und wichtigen Zeit des Kindes !
    Andererseit frage ich mich, als Erzieherin kennt man ja seine „Kinder“ und bekommt doch auch ein Gefühl dafür, was und wie ich diesen Menschlein etwas behutsam beibringen kann, wie eine solche Frage überhaupt entsteht ? Eine Erzieherin muss ja auch in solchen Fällen darauf vorbereitet sein, wie sie damit umgehen kann und die Kinder auf diesem Weg am besten begleitet. Nicht nur wenn eine Erzieherin verstorben ist, auch wenn z.B. ein wichtiges Familienmitglied verstorben ist, wird ein Kind dieses Erlebnis wohl auch mit in den Kindergarten bringen – auch da wünschte ich als Mutter eine kompetente Erzieherin die mit dieser Situation nicht überfordert ist, sondern das Kind liebevoll und seelenstreichelnd unterstützt !

  18. Auf jeden Fall behutsam die Wahrheit sagen. Kleine Kinder können mit dem Tod oft viel besser umgehen als Heranwachsende oder Erwachsene. Erstaunlicherweise gehört es für sie auch dazu, daß Menschen eine Zeitlang da sind und dann nicht mehr.
    Dann darf man auch sagen, wie traurig man ist, daß „Tante Gerda“ nicht mehr wiederkommen wird, daß man nicht mehr mit ihr reden und spielen kann.
    Und wenn die Kinder fragen, „wo isse denn?“, ist gerade in einem kirchlichen Kindergarten nicht falsch, auch zu sagen, „Gott hat sie bei sich haben wollen, und da hat er sie zu sich gerufen. Und nun bleibt sie ganz nah bei Gott.“

  19. Als mein Vater letztes Jahr gestorben ist, mussten wir unserer Tochter auch erklären, dass der Opa nicht mehr wiederkommt. Wichtig ist, bei der Wahrheit zu bleiben. Kinder stellen Fragen, die sollte man beantworten, sie aber nicht überfordern.
    Abschied von der kleinen Raupe haben wir auch, das Buch ist ihr sehr wichtig geworden, und sie spricht noch oft davon, dass der Opa gestorben ist. Das Thema wird bei uns nicht ausgeklammert, sie weiß, dass sie traurig sein darf, und wir erinnern sie an schöne Momente mit dem Opa.
    Kinder trauern ganz anders als Erwachsene, aber sie müssen mit einbezogen werden in die Trauer der Erwachsenen.

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