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Acht Jahre dann tot

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Ich weiß nicht was Frau Sandhaus verbrochen hat, aber es muß irgendeine Straftat im Zusammenhang mit Hab und Gut gewesen sein. In Deutschland wird man (gefühlt) für Betrug, Diebstahl und Raub härter bestraft, als für Taten, die sich gegen Menschen richten.
Und Frau Sandhaus war immerhin acht Jahre in der Justizvollzugsanstalt. Gestern ist sie aus dem Strafvollzug entlassen worden, hat sich mit den wenigen Dingen die sie noch besaß zu einer kleinen Zweiraumwohnung begeben, die ihr der soziale Dienst beschafft hatte und ist dort gestorben.

Herztod, keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden, kein Suizid.
Vor ihr auf dem Tisch stand eine noch originalverschlossene Flasche Korn und ein Glas und sie hatte noch den Mantel an.
Auf den Küchenstuhl gesetzt und einfach gestorben.

Ich glaube, die Frau hat sich ihren ersten richtigen Tag in Freiheit auch anders vorgestellt.

Jetzt jedenfalls liegt sie wieder in einer Zelle, makaber.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


15 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. In einigen Staaten haben Gefängnisse leider „Kühlzellen“, nur sind dort keine Toten drinne.

  2. Wie sagte schon heinz erhard: „Jedes Leben beginnt in einer Zelle, doch einige enden auch in einer selbigen“

  3. Klugscheißermodus an:

    Das Leben entspringt auf alle Fälle
    aus einer Zelle.
    Doch manchmal endet’s auch bei Strolchen
    in einer solchen.

    Klugscheißermodus aus.

  4. >noch mehr Klugscheissermodus EIN< .. wie man sieht, nicht nur bei Strolchen 😉 >noch mehr Klugscheissermodus AUS< aber Tom, lese ich da Kritik an unserem Rechtsstaat? (sollte es nicht besser - unmissverständlich - Recht-Staat oder so ähnlich heissen?) Auf jeden Fall: tztztz 🙂

  5. [Quote]In Deutschland wird man (gefühlt) für Betrug, Diebstahl und Raub härter bestraft, als für Taten, die gegen sich gegen Menschen richten.[/Quote]
    Erzähl das mal Björn…

  6. Was mich zu der Frage bringt: Was passiert mit Menschen, die im Gefängnis versterbern? Fällt das dann auch unter Polizeidienst für den Bestatter?
    Haben Gefängnisse auch Kühlzellen?

  7. @5: Reines Gefühl. Herr Bläser hat das Finanzamt beschissen und sitzt doppelt so lange wie ein stadtbekannter Rocker, der seine Freundin erschlagen hat.
    Natürlich muß man die Umstände des jeweiligen Einzelfalls kennen usw. Ich bin ja auch kein Jurist, aber so vom Gefühl her finde ich das Totschlagen eines menschen schlimmer als das Bescheißen des Finanzamtes. Zumal sich das Finanzamt nach dem Aufdecken der Tat sein Geld ja noch holen kann.

  8. Man erinnere sich nur an den Erdal H. oder wie er genannt wurde, der einen Familienvater einfach so ins Koma geprügelt hat.
    Freigelassen, einfach so. Weil seine Freundin schwanger ist und er einen Job hat.
    Den hatte das Opfer vorher auch!

  9. Die Aufregung, welche die Frau nächtelang nicht schlafen ließ, die Ungewissheit wie es weitergeht, ob sie den Neuanfang schaffen wird, ob sie Arbeit findet, wie werden die Menschen ihr begegnen, das war zuviel. Nicht nur Männer sterben an Kreislaufversagen.

    @Blümchen: Hier gibt es doch sicher irgendeinen Bestattungspflichtigen. Warum sollte der Staat zahlen? Tja, und auf einmal „erbt“ ein junger Mann seinen Vater, der schon 15 Jahre aus dem Gedächtnis gestrichen war, weil sich Mutter damals nach der Tat gleich scheiden ließ.

  10. @Unterdosis: Ja, schon wahr. Aber was soll man machen? In einer Demokratie stattet man eine bestimmte Gruppe mit gewissen Vollmachten aus, damit sie stellvertretend für alle walten. Nach der Stimmabgabe hat man jeweils weitestgehend die Kontrolle verloren, selbst vorher hat man sie kaum.
    Eine Partei gründen? Alles anders machen wollen?

    Dennoch: Wenn man schon nichtmal mehr auf sein Unbehagen hinweist, hat man gar nichts gemacht.

  11. Gegen wen, wenn nicht gegen Menschen, richten sich denn solche Taten wie Betrug, Diebstahl und Raub?
    Durch Betrug können ganze Existenzen zugrunde gerichtet werden, durch Raub können Opfer jahrelang unter Angstattacken leiden usw.

    Und à propos Wirtschafskriminalität:
    Es gibt viele Delikte, die auf den ersten Blick nicht so viel Schaden anzurichten scheinen, wie Mord oder Totschlag. Aber auf den zweiten Blick scheint mir eine Firmenpleite, die beispielsweise ein CEO durch Unterschlagung zu verantworten hat, dann doch mehr Menschen in ihrer Existenz zu betreffen als ein Totschlag.

  12. Auch Betrug und Diebstahl richten sich gegen Menschen – diese mögen heutzutage dann vielleicht nicht mehr verhungern müssen, sondern „nur“ ruiniert sein, aber die Folgen des persönlichen wirtschaftlichen Abstiegs (sei es als direkter Geschädigter eines Eigentums- oder Vermögensdelikts oder nur als indirekt Betroffener durch eine daraus resultierende Firmenpleite) sind nichtsdestotrotz schlimm. Und in wessen Wohnung einmal eingebrochen wurde, der kann ermessen, welche psychischen Folgen – eines fehlenden persönlichen Sicherheitsgefühls – daraus resultieren können. Das gilt umso mehr für den Raub, also den Diebstahl mit Gewalt oder unter Drohungen gegen Leib und Leben, weshalb diese Tat auch als Verbrechen eingestuft ist.

    Tötungsdelikte sind hingegen im Vergleich nicht nur durch das Gesetz mit deutlich höheren Strafen bedroht, sondern führen auch zu höheren Freiheitsstrafen. In ähnliche Gebiete kommt man sonst allenfalls bei bewaffnetem Raub …

    -thh

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