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Bunte Staubsauger

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Manchmal sind die Leute angesichts des Todes einfach nur still, in sich gekehrt und traurig. Andere geraten in einen heftigen Aktionismus und wollen alles sofort und jetzt, am besten gestern erledigt wissen und fangen dann an, den Küchenschrank auszuräumen und alle Tassen von Oma Mimi gründlich zu spülen.
Wieder andere kommen auf die aberwitzigsten Ideen und rufen dann beim Bestatter an, um die ganz besonders wichtigen Dinge zu klären:

„Ich bin’s nochmal, ich hatte doch angerufen wegen unserem Vatter. Sie erinnern sich? Der war doch heute Nacht gestorben. Wenn’se nachher kommen, um den abzuholen, muß datt mittem Leichenwagen sein? Der Pastor ist schon ganz in Schwarz gekommen, obwohl ich gefragt hatte, ob der nich ma watt Buntes anziehen kann. Muß doch nich jeder wissen, datt da einer gestorben is, odda?“

„Wir können mit einem ganz normalen Kombi-Bestattungswagen kommen oder mit einem ganz neutralen Bestattungs-Lieferwagen.“

„Lieferwagen? Nee, Sie sollen mir ja keinen Toten liefern, Sie sollen einen abholen. Ham’se nich sowat auch?“

„Klar, bei Ihnen abholen und bei uns einliefern, so herum.“

„Ach nee, stimmt ja. Aber jetzt nich in Schwarz oder dunkel. Am Besten watt Neutrales so vom Staubsauger-Dienst.“

„Nur in Dunkelgrün.“

„Ja jetzt mehr so’n Flaschengrün oder so’n verkacktes Polizeigrün? Wissen’se, gegen die Kanzlerknechte hab ich nämlich watt.“

„Sehr dunkles Grün, ganz dunkel.“

„Hm, ’n bißken farbenfroher dürfte es schon sein. Wissen’se, is‘ wegen der Nachbarn, soll nich‘ jeder gleich mitbekommen, datt hier einer gestorben is‘. Also, geht’et ein bißken farbenfroher?“

„Wir können ja ein bißchen die Blinker anmachen, die wären dann in Orange.“

„Datt is‘ ’ne gute Idee, so machen wir datt!“

Als Bestatter muss man dieses Spiel mitmachen. Bestatter erleben jeden Tag Sterbefälle, die Menschen, die sich ihnen anvertrauen sind manchmal ziemlich überfordert.

2010 ©

Peter Wilhelm 11. Februar 2021


40 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. So lässt sich auch mit kleinen Sachen – im Viertel eine Freude machen.

    Ich finde ja du solltest einen Hippiebestattungswagen anschaffen für solche Fälle. Es kommt doch sicher öfter vor, dass Leute nicht im Leichenwagen abgeholt werden möchten.

    Oder sei flexibel.. Nimm deinen Privatwagen und setz den verstorbenen auf den Rücksitz.

  2. Von VW gabs doch mal den Polo, bei dem jedes Karrosserieteil ne andere Farbe hatte. Wär der in Kombi-Ausführung nicht sehr hilfreich in solchen Situationen? 😉

  3. Magnetische Werbeschilder wären evtl. hilfreich. Bei einem grünen Kombi würde sich z.B.: „Tommys 24Stunden Gemüse-Service“ als Tarnung anbieten!?

  4. Und wenn dann der Nachbar sieht wie 2 Männer eine Sargähnliche Trage in „Tommys 24 Stunden Gemüse Service“ einladen?

    🙂

  5. Ach was… zu dieser Jahreszeit bietet sich „Tommys 24-Stunden Weihnachtbaumservice“ doch an.
    Die Bäume gibts dann auch in einer schicken Geschenkverpackung aus Holz 😉

  6. Warum sollen denn die Nachbarn bloß nicht mitbekommen, dass da jemand gestorben ist?

    Wenn die Show für die Nachbarn wichtiger ist, als die Würde des verstorbenen Vaters.

  7. Tja, dann muss man eben den Verstorbenen bitten, kurz aufzustehen und mit nach unten zu kommen … etwas Kreativität ist hier gefragt, Leute!

  8. Manni soll sich als Weihnachtsmann verkleiden, den Toten in einen großen Sack stecken und ab dafür.

  9. @ murry.
    „Morgen Kinder wird`s was geben…“
    „Hohoho, wollt ihr Opa nochmal sehen?“
    B. A.

  10. Da fallen mir spontan die Blues Brothers ein, die sind aber auch nicht bunt. Wäre aber bestimmt eine interessante Nummer für die Nachbarn…

  11. und dereinst vorm Himmelstor, sieht man den Opi wieder.
    „Samma mussteste damals echt so ungünstig knapp vor Weihnachten…? Watt meinste, watte Leute gequatscht ham.“

  12. #12: zu Sonnenbrille und VW-Käfer fällt mir jetzt Harry aus dTudM ein, der saß ja auch so schön tot auf dem Rücksitz neben TOD rum.

    @Tom: wie wäre es denn alternativ mit einem Wagen unserer netten, gelben Paketzustellfirma, alternativ auch die geflügelten in blau, die dunkelbraunen mit Gold oder die weißen mit gelb und dunkel-blau. So ne Tarnung fliegt nicht wirklich auf, ausser, dass der Wagen da länger am Hof steht, als man normalerweise für ne Paketlieferung braucht. Das ist sehr unauffällig, wegen den Nachbarn.

  13. Das entsprechende Modell ist in folgenden Farben erhältlich :
    grün, gelb, blau, schwarz, orange und weiß.

    Hammse datt nich in pink ?

    o_o

  14. @Anni: Dieser Polo wurde auch liebevoll Buntglascontainer genannt 🙂

    Aber jetzt mal Ernst beiseite. Liefern Sie ihren Opi doch einfach persönlich im Bestattungshaus ab im Fahrzeug ihrer Wahl oder setzen Sie in ein Taxi!

    🙂

  15. War das der Polo mit den Mondrian Farben?! *grübel*

    @Frank
    in Soden fährt man sowas eh nicht, oder? 🙂

  16. @ Tom
    Hehe, der war gut. 🙂

    Habe gerade mal geguckt, der Polo ist echt bunt und nennt sich „Polo Harlekin“. Damit wären ziemlich viele Farben abgedeckt. 🙂

  17. Aber klar doch, Warnklinker fallen ja üüüüüüüberhaupt nicht auf. Auf die wird ganz bestimmt niemand aufmerksam.

    Herrlich erzählt, tut richtig gut!

  18. Schade eigentlich, dass der Rettungsdienst keine Toten transportiert. So ein leuchtrot-weißes Auto mit schönen blauen Lampen auf dem Dach käme den Vorstellungen des Herrn sicherlich nahe.

    Ach nee, dann stehen ja wieder die Nachbarn am Fenster und gucken… Mist, wohl doch keine gute Idee.

  19. Wunderbar, dann kommen Toms Leute eben in einem neutral-fröhlich grünen Wagen, tragen selbst aber richtig klassisch Frack und Zylinder, und haben statt einer Bahre (komischer Kranketransport, übrigens) einen Sarg dabei.

  20. Irgendwie habe ich jetzt das schöne bunte Bofrost-Auto vor Augen. Tiefkühlfach inklusive ..

    Lecker! 🙂

  21. … Prilblumen …

    … am besten immer eine Handvoll im Handschuhfach haben für solche Fälle …

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