Frag doch den Undertaker

Darf ich bei der Beerdigung mit dem Smartphone filmen?

Influencerin stört Beerdigung

Immer häufiger sieht man bei Beerdigungen Menschen, die ihr Smartphone zücken, um Fotos oder Videos zu machen – doch was für die einen eine liebevolle Erinnerung ist, empfinden andere als pietätlos. Wie geht man richtig damit um?

Lieber Herr Wilhelm,

ich war kürzlich auf einer Beerdigung und habe gesehen, dass einige Leute mit dem Handy Fotos und sogar Videos gemacht haben – teilweise direkt während der Trauerrede oder am Grab. Ich fand das etwas befremdlich, andere wiederum meinten, das sei heute normal.
Ich selbst möchte bei der nächsten Beerdigung in meiner Familie vielleicht ein paar Erinnerungsaufnahmen machen, um später alles in Ruhe anzusehen.
Darf man das überhaupt? Und wenn ja, was ist dabei zu beachten?

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Mit freundlichen Grüßen
Claudia (hab schon als „Mogli“ kommentiert)

Trauer und Technik – ein sensibles Thema

Deine Frage ist sehr berechtigt – und sie berührt ein Thema, das in unserer Zeit immer aktueller wird. Smartphones sind allgegenwärtig, sie dokumentieren unser Leben, unsere Reisen, unsere Feste – und zunehmend auch unsere Abschiede.
Doch eine Beerdigung ist kein öffentlicher Event, sondern ein zutiefst persönlicher Moment. Hier gelten andere Regeln als bei einer Hochzeit oder einem Konzert.

Darf man bei einer Beerdigung filmen?

Grundsätzlich ist es nicht verboten, bei einer Trauerfeier zu filmen oder zu fotografieren – aber es sollte immer mit höchstem Respekt geschehen. Entscheidend ist, was die Angehörigen des Verstorbenen wünschen.
Sie allein bestimmen, ob und in welchem Umfang gefilmt werden darf. Ohne ausdrückliche Zustimmung sollte man das Smartphone besser in der Tasche lassen.

Manche Familien beauftragen heute sogar professionelle Trauerfotografen, die diskret und respektvoll dokumentieren. Das kann sinnvoll sein, wenn weit entfernte Verwandte die Beisetzung nicht miterleben können oder wenn eine bleibende Erinnerung für spätere Generationen gewünscht ist. Aber: Das geschieht immer mit Absprache und im Bewusstsein, dass es hier um Trauer geht – nicht um Selbstdarstellung.

Was ist unangebracht?

Unangebracht ist es, während der Zeremonie zu filmen, den Pfarrer oder Trauerredner aufzunehmen oder andere Trauergäste ungefragt zu filmen. Besonders heikel sind Aufnahmen direkt am offenen Grab – dieser Moment ist oft sehr intim.
Auch das Posten solcher Bilder oder Videos in sozialen Netzwerken ohne Zustimmung der Angehörigen ist absolut tabu und kann sogar rechtliche Konsequenzen haben. Eine Beerdigung ist kein Ort für Likes oder Stories.

Privat festhalten ist nicht dasselbe wie öffentlich teilen

Es ist ein großer Unterschied, ob man ein paar stille, respektvolle Aufnahmen für den privaten Gebrauch macht – etwa ein Foto des Blumenschmucks, der Trauerkarte oder der Grabstätte – oder ob man die Beerdigung wie ein öffentliches Ereignis behandelt. Ein oder zwei Bilder für das Familienalbum können eine liebevolle Erinnerung sein, sofern alle Beteiligten einverstanden sind. Ganz anders sieht es aus, wenn Fotos oder Videos ohne Erlaubnis veröffentlicht werden. Wer eine Trauerfeier in sozialen Medien teilt, verletzt nicht nur die Privatsphäre der Angehörigen, sondern verstößt in vielen Fällen auch gegen das Persönlichkeitsrecht der Abgebildeten. Ein stiller Moment des Abschieds darf niemals zur Kulisse für Likes und Kommentare werden – das wäre respektlos und schlicht unangebracht.

Was ich neulich erst erlebt habe

Völlig albern benahm sich eine Instagram-Influencerin, die eine Trauerfeier regelrecht störte, indem sie sich selbst in Szene setzte und dabei mit dem Smartphone filmte. Am Kragen trug sie ein Mikrofon und kommentierte im Flüsterton das ganze Geschehen. Am Liebsten häte ich die dumme Pute geschnappt und rausgeworfen. Es hat dann aber ausgereicht, dass der Pastor seine Rede unterbrach, sich laut räusperte und mit Blick auf die junge Frau erst dann fortfuhr, als diese sich ruhig wieder hingesetzt hatte.

Wie ich das selbst handhabe

Ich mache eigentlich auf allen Beerdigungen, an denen ich teilnehme, auch Fotos. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Familie oft gar nicht daran denkt und hinterher sehr dankbar ist, wenn man den Angehörigen ein paar Bilder zukommen lässt.
In diesem Fall fotografiere ich den Sarg mit dem schönen Blumenschmuck oder aus hinterster Reihe die Szene am Grab, sodass alle Beteiligten nur von hinten zu sehen sind. Man kann das alles so machen, dass niemand gestört wird und es auch niemand mitbekommt.

Wann es erlaubt und sinnvoll sein kann

Wenn die Angehörigen ausdrücklich wünschen, dass die Zeremonie gefilmt oder gestreamt wird, etwa für Verwandte im Ausland oder ältere Familienmitglieder, ist das natürlich erlaubt. In solchen Fällen sollte aber jemand bestimmt werden, der sich unauffällig um die Aufnahmen kümmert – am besten ein erfahrener Fotograf oder Videograf, der weiß, wie man respektvoll arbeitet.

In meinen Jahren als Bestatter habe ich erlebt, dass behutsam gemachte Aufnahmen manchmal sogar tröstlich sein können. Sie zeigen, dass viele Menschen gekommen sind, um Abschied zu nehmen. Für einige Familien ist das ein wichtiger Teil der Trauerverarbeitung.
Doch das ist immer eine sehr persönliche Entscheidung – und sie sollte nie spontan oder aus Gewohnheit getroffen werden.

Verhaltensregeln für den Ernstfall

  • Fragen Sie immer vorher bei den nächsten Angehörigen nach.
  • Verzichten Sie auf Blitzlicht und laute Auslösetöne.
  • Filmen oder fotografieren Sie nur diskret, nie während Reden oder Gebeten.
  • Vermeiden Sie Nahaufnahmen trauernder Menschen.
  • Veröffentlichen Sie keine Bilder ohne ausdrückliche Zustimmung.

Fazit

Eine Beerdigung ist ein Moment des Abschieds, kein Anlass zur Dokumentation. Wer wirklich etwas festhalten möchte, sollte vorher mit Respekt fragen und den Willen der Familie respektieren. Der würdevollste Umgang mit dem Smartphone ist oft, es einfach ausgeschaltet zu lassen – und den Moment bewusst mitzuerleben, statt ihn aufzunehmen. Die echten Erinnerungen tragen wir ohnehin nicht im Speicher des Telefons, sondern im Herzen.

Bildquellen:

  • influencerin_800x500: Peter Wilhelm

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(©si)