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Die Porno-Mafia ist ein 17-jähriger -4-

Nur war zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht das Problem geklärt, wie Rudi ausgezahlt werden sollte.
Ich springe hier zeitlich kurz etwas zurück. Das Folgende hat sich etwa 2 Wochen vor dem Madentag zugetragen.

Rudis Vorstellungen über den vermeintlichen Wert seiner Anteile waren unvorstellbar. Er wollte mehr als das Doppelte von dem, was er eingebracht hatte.
Eines Tages war ich wirklich kurz davor, mich auf ihn zu setzen, da kam die Allerliebste dazwischen.

Die Allerliebste ist ja grundsätzlich der Auffassung, dass ich nix arbeite. Das liegt daran, dass ich es gerne tue. Und deshalb ist es in ihren Augen mehr so eine Art Freizeitgestaltung, wenn ich Leute bestatte. Deshalb kann sie es sich auch nicht vorstellen, dass sie mich bei was Wichtigem stören könnte, wenn sie (was selten vorkam) mal eben runter in mein Büro kommt.
Sie berichtet mir dann von spannenden familiären Entwicklungen im Kreis ihrer Cousinen, die ich alle persönlich nicht kenne, oder von Streitereien zwischen Petra und ihrem Mann. Wirklich interessant, für jemanden, den es interessiert…

So war es auch an diesem denkwürdigen Tag, als Rudi ein allerletztes Mal in der Firma auftauchte.
Während er mal wieder herumblökte und ich mich leise auf ihn setzen wollte, kam die Allerliebste. Nun, sie ist kein Kind von Traurigkeit, beherrscht den hiesigen Dialekt bis hin zur absoluten Unverständlichkeit und kann im Gegensatz zu mir so richtig laut. Schon mal eine 20-köpfige Horde angetrunkener Guggemusiker gehört? Okay, die kann die Allerliebste übertönen.

Es war als ob die Düsseldorfer auf die Kölner treffen, oder die Wiesbadener auf die Mainzer… Es wurde laut und handgreiflich.
Ich beschreibe es heute gerne so: Hurrikan.

Am Ende des Wirbelsturms waren meine Ohren zu und Rudi lag im Fleece seines Angesichts auf dem Hof.

Darüber wurde nie wieder ein Wort verloren und am Madentag fand diese Arschlandung des gefleecten Schreiberlings auch keinerlei Erwähnung. Gut so!

Am Ende musste Rudi sich mit einem deutlich niedrigeren Betrag aushandeln, den er selbst vorgeschlagen hatte. Was die Allerliebste ihm noch alles zugeflüstert hatte, während sie ihn im Schwitzkasten hielt, weiß ich nicht, meine Ohren waren ja zu.

Das Kapitel Rudi war zu Ende, ein für allemal.

Und seitdem gilt das eherne Gesetz: Wenn Chef die Tür zu macht, kommt keiner rein. Kein Rudi, keine Allerliebste und auch sonst niemand.

Wegen Rudi? Nein, wegen der Folgen.

Unsere Steuer wurde von Bärbel gemacht. Bärbel ist Steuerberaterin, die eine eher unkonventionelle Steuerberatungspraxis betreibt.
An ihr Wohnhaus hatte sie eine Art Gewächshaus angebaut, in dem sich ihr Büro befand. Bärbel war auf Hausbesuche spezialisiert. Heute würde man sagen, eine mobile Steuerberaterin.
Akten und Kartons transportierte sie auf ihrem Lastenfahrrad und außerdem trug sie immer einen in einem Tuch an ihren Körper gebundenen Säugling bei sich.
Wir hatten drei Jahre mit Bärbel zu tun und ich schwöre, dass sie immer das gleiche, winzige Kind umgeschnallt hatte…
Einmal habe ich auch, weil man das doch so macht, das afrikanische Säuglingsumschnalltuch um Ihren Oberkörper mit dem Finger etwas gelockert und den kleinen Glatzkopf bewundert. „Süß der kleine Mops!“

Gut, das war ein Fehler. „Du bist ein Idiot, Chef!“, meinte Sandy, als ich nach Bärbels Ohrfeige einen Kühlakku an die Wange hielt. „Die trägt bloß afrikanische Kleidung, weil’s ihr gefällt, aber die hat doch kein Baby!“

„Ich hab aber das kahle Köpfchen von dem Kind gesehen!“

„Boobs! Chef! Boobs!“

Am nächsten Tag hatten wir 12 Umzugskartons mit Steuerunterlagen in der Halle stehen. Bärbel hatte hingeworfen. Nach eigener Aussage hat sie meine vermeintliche sexuelle Belästigung auch als blödes Versehen hingenommen, und es ginge nur um Rudi. Erst Umwandlung in eine GmbH, dann wieder ein Rechtsformenwechsel, das würde sie überfordern.

Das war der Grund, aus dem ich den Schreibtisch voll mit Ordnern hatte, die Tür schloss und mich alleine der Überarbeitung unserer Steuerpapiere widmete. Ein neuer Steuerberater war schon gefunden, aber der wollte irgendwie alles ganz anders aufbereitet haben.

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Peter Wilhelm14. März 2019

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