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Die Porno-Mafia ist ein 17-jähriger -1-

Wenn ich meine Ruhe haben möchte, mache ich die Bürotür zu. Das ist in der gesamten Firma das Zeichen, dass der Chef ungestört arbeiten möchte.
Wer ihn jetzt stört, das weiss jeder, wird auf der Stelle von Thors Hammer erschlagen. Und wer keine Angst vor Thors Hammer hat, dem droht eine Raumkrümmung nach der Sabineschen Nachhallformel.

Ich habe einen Berg von Unterlagen auf dem Tisch. Wir haben Ärger am Hals.
Seit einigen Jahren führten wir das Unternehmen als GmbH und im Laufe der Zeit hatte sich das als sehr schwieriges Konstrukt herausgestellt. Schuld daran war Rudi.
Als im Haus größere Investitionen notwendig wurden, bot sich mein guter Freund Volkhard an, als Teilhaber einzusteigen. Mit dem operativen Geschäft wollte er nichts zu tun haben. Davon erfuhren Tina und Rudi. Tina ist eine Freundin meiner Frau und Rudi ein alter Bekannter von mir. Ja, und auch sie hatten Lust, Geld in das Unternehmen einzubringen.

Ich wollte eine Kommanditgesellschaft, der Anwalt beharrte auf einer GmbH. Und da ich Jura nur rudimentär, wegen der damals sehr hübschen Anette, an der Uni gehört hatte, fand ich es klug, dem Rat des Anwalts zu folgen. Also gründeten wir eine GmbH.

Nun ist das Wesen einer GmbH, dass einer Geschäftsführer ist, also die Geschicke des Unternehmen lenkt. Außer ihm gibt es noch Gesellschafter, deren vornehmlichste Aufgabe meist darin besteht, Geld ins Unternehmen einzubringen und dann später von den Gewinnen zu profitieren. Was das Tagesgeschäft anbetrifft, haben die Gesellschafter vereinfacht gesagt nur wenig zu sagen. Sie können Gesellschafterversammlungen abhalten und dem Geschäftsführer Weisungen erteilen. Da ich aber die Mehrheit der Gesellschaftsanteile hielt, war ich trotzdem immer Chef im eigenen Haus.

Das wussten alle. Bis auf Rudi.

Rudi war Journalist und verbrachte die Sommermonate mit langen Reisen durch mediterrane Gefilde, um für diverse Reiseführer Beiträge zu schreiben. Aber so von September bis Mai war er zu Hause. Sprich, der Mann hatte in diesen Monaten Zeit im Überfluss. Und wenn man schon nichts zu tun hat, dann kann man ja jeden Tag mal eben ein bisschen in die Firma fahren, „die einem jetzt gehört“. Nur mal nach dem Rechten sehen.

Ich hätte schon kotzen können, wenn ich aus meinem Bürofenster Rudi auf seinem 40 Jahre alten Holländerfahrrad auf den Hof fahren sah.
Gut gelaunt mit seinem Jutebeutel am Ellenbogen verteilte er frisch gepflückte Gänseblümchen an die Damen im Büro und dann schlug er in meinem Büro auf.
„Hast Du schon gelesen?“, sagte er und hielt mir die Tageszeitung vor die Nase. Meine Augen scannten auf der Suche nach der Sensation die Zeitungsseite ab, doch ich konnte nichts Weltbewegendes entdecken.
„Na guck doch hier! Die Zusammensetzung von Plastik! Das greift die Prostaglandine an!“

Leute, ich bin wirklich gesprächsgewandt und kann auch sehr gut andere abwürgen, die mir ein Gespräch aufzwingen wollen. Aber nicht bei Rudi.
Dieser schleimige Ameisenfalterfisch wandte sich in einer Mischung aus rhetorischem Eiweißschleim und pseudowissenschaftlichen zermatschten Kosakenzipfeln.
Ich kam gar nicht an den Punkt, den Kerl zu fassen zu kriegen. Wenn ich ansetzte, um ihn rauszuschmeißen, kam er mir zuvor, stand auf, verabschiedete sich freudestrahlend…
… und blieb dann noch zwei Stunden.

Kurz gesagt: Er stahl mir tagtäglich die Zeit.

Noch schlimmer: Er begann sich einzumischen. Zu jeder Traueranzeige hatte er einen Verbesserungsvorschlag, er kommentierte unsere Bekleidung, er bewertete unser Auftreten und er haßte Sandy.
„Diese furchtbare Vampirjägerin gehört hier weg! Die liegt wie ein Fluch auf dem Image unseres Hauses.“

Nix da. Sandy blieb, denn sie machte einen hervorragenden Job und war Papas Liebling.

Rudi nervte nicht nur mich. Er nervte auch alle anderen in unserem Haus und auch die anderen Gesellschafter. Volkhard, Universitätsprofessor, und Tina, Vertriebsleiterin bei einem Kraftwerkbauer, hatten wahrlich andere Dinge zu tun, als sich um die täglichen Belange eines Bestattungshauses zu kümmern. Doch Rudi rief sie jeden Tag an, JEDEN!
„Wir müssen doch die Strategie über die künftige Ausrichtung des Unternehmens besprechen, das uns gemeinsam gehört.“

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Peter Wilhelm 14. März 2019


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