Branche/Kommune

Ein Bestatterskandal, der keiner ist

Diebe auf dem Friedhof

Bestatter hat Gold von Leichen gestohlen. Das ist doch mal eine Schlagzeile. Und sie wirft ein schlechtes Licht auf die Branche der Bestattungsunternehmen. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich glasklar heraus, dass hier gar kein Bestatter am Werke war.

Ein Bestatter ist ein Unternehmer, der Verstorbene am Sterbeort abholt oder birgt, sie dann hygienisch versorgt und in einen Sarg bettet. Er liefert die für die Bestattung benötigten Gegenstände, wie Sarg, Urne und Sterbehemd. Außerdem übernimmt er in manchen Regionen das Ausheben und Verschließen des Grabes sowie die Grablegung des Sarges. Auch für Aufbahrungen kann der Bestatter zuständig sein.

Personen, die bei einem Bestatter angestellt sind, können Bestattungshelfer oder Bestattungsfachkräfte sein, mitunter werden auch sie Bestatter genannt.

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Leute, die bei Stadtverwaltungen, Friedhöfen oder kommunalen Beerdigungsdiensten tätig sind, können alle möglichen Berufsbezeichnungen haben. Das reicht von Friedhofswärter über Friedhofsverwalter bis hin zu Bestattungshelfer oder eben auch Bestatter.

Schon vor einem Jahr habe ich hier im Bestatterweblog über einen Fall aus Freiburg berichtet. Ein städtischer Arbeiter/Angestellter hat Gold von Verstorbenen gestohlen und offenbar an einen Juwelier verkauft.1

Schon damals wurde der städtische Mitarbeiter konsequent als Bestatter bezeichnet. Das mag in Freiburg für solche Mitarbeiter üblich sein, führte aber in den Medien und in der Bevölkerung zu Verunsicherung.
Fakt ist: Es handelt sich bei dem Golddieb nicht um einen Beerdigungsunternehmer, Bestattungsunternehmer oder eben gewerblichen Bestatter.

Jetzt ist der Fall gerade wieder in aller Munde. Denn wie es aussieht, führen die Taten des städtischen Mitarbeiters nun zu juristischen Konsequenzen. Der Mann, seine Ehefrau und ein Juwelier müssen sich nun (Feb. 2026) vor Gericht verantworten.

Doch leider wird in den Medien wieder nur fälschlicherweise von einem „Bestatter“ als Täter gesprochen.
Das geht so weit, dass der SWR eine Sendung ausstrahlt und einen Text im Netz veröffentlicht, in denen in diesem Zusammenhang sogar Tipps für die Auswahl eines seriösen Bestatters gegeben werden.

Es werden Tipps und Verhaltensregeln gegeben, worauf Angehörige zu achten haben, wenn sie einen Bestatter auswählen. Ein Innungssprecher verweist darauf, dass seriöse Unternehmen Wertgegenstände dokumentieren. Auf die Frage, wie man ein seriöses Unternehmen erkennt, meint er, man solle darauf achten, ob es schon lange am Markt sei und ob es auch ausbilde.
Auch ein Markenzeichen sei ein Hinweis auf Seriosität.

Ich bin der Meinung: Weniger hilfreich sind sogenannte Markenzeichen oder Mitgliedschaften. Zwar unterwerfen sich Unternehmen durch eine Mitgliedschaft gewissen Abläufen und Dokumentationspflichten. Dadurch könnte man nachvollziehen, was insbesondere mit Schmuck- und Wertgegenständen passiert. Denn eine saubere Auflistung von Wertgegenständen gehört immer dazu.

Aber jedermann in Deutschland unterwirft sich bestimmten, durch Gesetze und Normen vorgegebenen Regeln. Aber es ist nun mal so, dass manche Menschen sich einfach nicht an die Gesetze halten. Das gilt in allen Lebensbereichen, überall, auch im Bestattungswesen.

Dabei geht es in der aktuellen Berichterstattung eigentlich überhaupt nicht um Bestattungsunternehmen, sondern um Mitarbeiter von Stadtverwaltungen, Friedhöfen und Krematorien.

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(©si)