Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Eins, zwei, meins!

Da hat sich Frau Büser das erste Mal in ihrem Leben von Sandy und Antonia dazu überreden lassen, bei Ebay etwas zu ersteigern.
Frau Büsers Mann feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag und zu diesem Anlass will sie ihm einen Gasgrill mit Lavasteinen schenken. So ein Teil hat er sich schon lange gewünscht und dieses Jahr soll also pünktlich zum Beginn der Grillsaison sein Wunsch in Erfüllung gehen.

Hier im örtlichen Gartencenter hat man die gesamte Palette an Grills auf eine Edelmarke umgestellt und das geht es erst bei 299 Euro los. So viel will Frau Büser aber nicht ausgeben, die Feier kostet auch so schon genug.

Also hat man den Binford 600 Supergasgrill mit fußgeklöppelten Lavasteinen und doppelter Brennernippelverstellung sowie angeflanschter Koch-Back-Suppenautomatik ins Auge gefasst und seit zwei Wochen sitzen die drei Frauen immer mal wieder vor dem Computer und hoffen, daß der Spruch „Eins, zwei, meins!“ auch für sie mal in Erfüllung geht.

Antonia weiß natürlich ganz genau wie man bei Ebay steigert, denn sie ist passionierte Sammlerin von Pilsglasrosetten und ersteigerte sich bei Ebay schon so manches seltene Stück zur Komplettierung ihrer mittlerweile über 30.000 Stück zählenden Sammlung. Darunter befindet sich unter anderem sogar die Rosette vom seltenen bayerischen König-Edmund-Fußpils aus Gurkenlasterhausen bei Oberunterwinkelried in der Nähe von Rosenheim.

Sandy steht dem Treiben ein wenig gelassener gegenüber, sie kennt die amerikanischen Grillstationen, die noch bei weitem größer und komfortabler sind als alles was man hierzulande kaufen kann. Aber amerikanische T-Bone-Steaks sind ja auch größer als die schier mit Gold aufgewogenen Rindfleischfetzen, die man uns als Steaks verkauft.

Endlich höre ich den erlösenden Jubelschrei aus dem Büro vorne und ahne schon, daß Frau Büser endlich, vermutlich im 722sten Versuch, glücklich einen Lavasteingasgrill für ihren Gatten ersteigert hat. Ich bin ja nicht neugierig, ich will nur immer alles wissen, und gehe mal rüber und sehe gerade, wie Sandy Frau Büser nach Jungeleuteart „die Fünf geben will“, ihr also so mit der flachen Hand auf ihre flache Hand klatschen will. Frau Büser kann das aber nicht richtig, hat das zwar schon mal im Fernsehen gesehen, holt aus und klatscht irgendwie an Sandys Hand vorbei und trifft Sandy so richtig fett und klatschend an der Wange. „Give me five“ hinterlässt auf der Stelle einen fetten Abdruck und Sandy sieht geohrfeigt aus.

Antonia liegt beinahe vor Lachen unter dem Tisch, Sandy tut so, als ob sie schmollt und Frau Büser ist das Ganze furchtbar peinlich.
„Sollen wir da Jod drauftun?“ fragt sie völlig überflüssigerweise und ich tippe mir nur an die Stirn; Weiber!

Antonia und Sandy sind ja dicke Kumpel, die eine hänselt die andere immer wegen ihrer Figur und die andere lästert ständig über das angebliche Lotterleben der einen. Die schenken sich nichts und dennoch gehen sie füreinander durch Dick und Dünn.
Niemals würde Antonia beispielsweise auch nur den kleinsten Happen essen, ohne Sandy vorher auch etwas davon anzubieten und die greift auch gerne mal zu. Allerdings ist Sandy offenbar wirklich mit der von Antonia für sich reklamierten schnellen inneren Verbrennung gesegnet und nimmt kein einziges Gramm zu.
Sandy hingegen ist immer wieder um Antonias Liebesleben bemüht. Erst neulich hat sie sie abends mal mitgenommen, um einen Kerl für sie aufzureißen, wie man das heute so nennt. Allerdings sind die beiden in einem düsteren Schuppen gelandet, in dem eine rote Teufelsfratze auf die Wand projiziert wurde und laute, hämmernde Death-Metal-Musik gespielt wurde. Antonia hatte noch drei Tage lang ein rotes Flackern vor den Augen, ist sie doch ansonsten eher eine Liebhaberin von Roger Whittaker, aber nur in seiner deutschsprachigen Phase, seine englischen Titel findet sie schon zu schnell und zu aggressiv.

Jetzt haben meine drei Grazien also jenen Grill ersteigert und weil Sandy eine Kreditkarte hat, ging das mit dem Bezahlen und Liefern auch recht schnell. Ich glaube es hat nur drei Tage gedauert, da wurde das Ding hierhin in die Firma geliefert. Da kann Frau Büser den Apparat noch bis zum Geburtstag ihres Mannes verstecken.

Ich war es, der vorsichtig mal das Thema anschnitt und vorschlug, doch auch mal einen Blick in den Karton zu werfen. Die Frauen hätten die Kiste ungeöffnet im Keller verstaut und sich dann vielleicht später darüber gewundert, daß irgendein Teil fehlt.

Also machte man sich daran, den Supergasgrill auszupacken und das war auch gut so, denn die Gesichter wurden immer länger.
Außer einem Riesenhaufen Styroporschnipsel kam nur ein kleiner, mickriger Kugelgrill für kaum 20 Euro zum Vorschein, ganz dünnes Blech und nur zum Grillen mit Holzkohle geeignet. Man kann sich unschwer vorstellen, wie enttäuscht Frau Büser war.

Antonia nickte verstehend, das kenne sie, sie habe auch schon einmal 2 Euro für eine originale Hohenzollersche Bierrosette ersteigert und der Verkäufer habe ihr dann eine nahezu wertlose aus dem Hause Thurn und Taxis geliefert. Da man die beiden Fälle wohl kaum miteinander vergleichen kann, sandte Frau Büser einen geradezu vernichtenden Blick in Antonias Richtung, diese biß aber beherzt in die wohl 26ste Schlangengurke des Tages und klopfte an den Billiggrill, der ein hohles ‚Plong‘ von sich gab: „Ganz billiges Blech!“

Sandy hatte natürlich sofort den Miss Marple Blick in ihren Augen und ahnte allerlei Böses: „Das ist bestimmt ein ganz gewiefter Betrüger, der sich mit dem vielen Geld für seine Gasgrills schon längst ins Ausland abgesetzt hat.“

In diesem Moment kam Manni hinzu und amüsierte sich über Sandy rote Wange, wurde dann aber ziemlich ernst, als er erfuhr, wie übel man Frau Büser mitgespielt hatte. Er war es aber auch, der oben vom Karton aus dieser roten Plastikhülle den Lieferschein hervorzog und fragte: „Heißt hier denn eigentlich jemand Popolinksi?“

„Wieso?“ klang es ihm dreifach entgegen.

„Ja weil der Lieferschein auf einen Herrn Waldemar Popolinski in Fürth lautet.“

Ganz offensichtlich handelte es sich also bei Frau Büsers Billiggrill nur um eine Verwechslung. Noch am selben Nachmittag hat Sandy alle Hebel in Bewegung gesetzt und mit dem Verkäufer Kontakt aufgenommen. Das war deshalb etwas schwierig, weil es sich dabei um einen türkischstämmigen Mann handelt, der sein Import-Export-Geschäft ohne nennenswerte Deutschkenntnisse abwickelt.

Er hat aber versprochen, sich sofort darum zu kümmern und den richtigen Grill gleich loszuschicken.

Da bin ich jetzt aber gespannt drauf.

PDF erzeugen
Peter Wilhelm4. Januar 2013

22 Kommentare von 140489.

  1. [quote=“TOM“]In diesem Moment kam Manni hinzu und amüsierte sich über Sandy rote Wange[/quote]

    Na da hat die Ohrfeige ja von der Bestellung bis zur Lieferung angehalten… ;-)

  2. Wie schon tausendmal lag ich bei Deinem wunderbaren Schreibstil lachend auf dem Boden. Großartig. Hoffe latürnich, dass der richtige Grill noch kommt.

  3. Amerika: [URL=http://thisiswhyyourefat.com/]http://thisiswhyyourefat.com/[/URL]

    Sehr zu empfehlen bis zur letzten Seite zu durchzuklicken. Mir sind fast Augen und Magen gleichermaßen rausgekommen. :>

  4. Solche Verwechslungen kann man ausschliessen, wenn man es macht wie ich vor zwei Jahren: Für ein Autoradio bin ich insgesamt 80 Km gefahren, nur um sicher zu sein, dass es
    A) das Richtige ist,
    B) legal erworben ist,
    C) es sich nicht um eine leere
    Originalverpackung handelt,
    D) der Verkäufer das Geld erhalten hat.
    E) es nicht angeblich auf dem Postweg
    verloren gegangen ist.

  5. Irgendwie sind die bayerischen Assoziationen wohl was versortiert, denn dem König Edmung sein Hundeurahntipwohnen äh Wolf rats hausen und der Ort, wo die Inkarnation der positiven Energie und Quell diverser Schallschwingungen bekanntlich ohne Schlangenlinien ein Auto in einen Laster mit Einlegegurken hineinportierte, liegen wenn mich nicht alles täuscht einmal südwestlich und einmal nordöstlich von München.

  6. Pah, Gasgrill mit Lavasteinen. Sowas ist zwar evolutionär schon über dem Elektrogrill, aber noch weit entfernt vom aufrechtem Gang.
    Ein Son of Hibachi Modell 2008 ist was nettes.

  7. @Robert: Wenn Tom nicht ganz doof ist, bleibt er aber besser bei seiner Schreibweise, denn der von Dir zitierte Slogan ist markenrechtlich geschützt.

  8. @Robert: Nur wenn Tom ganz besonders doof ist, fragt er wegen so einem Scheiss einen Anwalt. Ich würde mich auch hüten, irgendeinen der vielbeworbenen Werbesprüche unnötigerweise weiterzuverwenden. Ob das nun erlaubt ist oder nicht, ist mir egal. Eine Abmahnung hat man schneller im Briefkasten, als es einem lieb ist und ist das erst mal vor Gericht, dann haben wir immer noch Richterrecht in Deutschland und da kann dann alles Mögliche bei herauskommen, auf jeden Fall aber viel Ärger.

  9. @Micha: Jap, ging mir auch schon so, aber gerade deshalb bin ich für mehr Sandy im Blog. :)

    Was sagt Tom denn zu der Ohrfeige die drei Tage lang hält?

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Nutzungsbedingungen | Trollhilfe | Kommentar fehlt? | So gehen Abstände! | Smileys