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Frau M. aus D.

Von

Auf eine etwas andere Todesanzeige ist Leser Holger gestoßen und fragt:

Kannst Du Dir vorstellen, wie es zu einer solchen Situation kommen kann, bzw. was da genau passiert sein mag?

Antwort: Ja, sowas hier.

Daraufhin fragt Holger weiter:

Danke für die Antwort – aber ich meinte eigentlich weniger, was vor dem Tod geschah, sondern mehr, warum niemand der Freunde und Nachbarn vom Krankenhaus oder Pflegedienst über den Tod informiert wurde und sich evtl. um die Beisetzung kümmern konnten. Was muss eigentlich ein Krankenhaus unternehmen, um Angehörige (die es hier vermutlich nicht gab) oder sonstige, wie heißt das, informationsberechtigte? Personen zu finden und Auskunft zu geben?

Nichts.

Wenn eine Person verstirbt und die Angehörigen sich nicht von sich aus melden oder es keine Angehörigen gibt, wird die zuständige Ordnungsbehörde versuchen, die evtl. vorhandenen Angehörigen zu finden.
Damit ist aber die Familie gemeint und nicht etwa Freunde oder Bekannte.
Das Krankenhaus oder der Pflegedienst wird in aller Regel gar nichts in dieser Richtung unternehmen.

Zumindest verlangen die meisten Krankenhäuser schon bei der Aufnahme die Bekanntgabe einer zu benachrichtigenden Person. Wer niemanden hat, der kann auch niemanden angeben. Es wird dann das Ordnungsamt (oder welche Behörde dort auch immer für solche Fälle zuständig ist) verständigt.
Natürlich kann man auch Freunde, Nachbarn oder Bekannte angeben, wenn man keine Familie hat und in der regel werden diese auch verständigt. Ob das dann aber hilft, ist eine andere Frage. (s.u.)

Wenn aber niemand benannt wurde: Wie soll man da wissen, mit wem ein Verstorbener alles befreundet und bekannt war?

Es kommt immer wieder vor, daß Personen von Amts wegen bestattet werden und sich ein Freundeskreis bitterlich ausgeschlossen fühlt. Gleichwohl sind Freunde und Bekannte oftmals aber auch nicht bereit, für die Kosten einzustehen, sondern fordern nur von der Behörde ein Abweichen vom üblichen Verfahren der „ortsüblichen, einfachen und würdigen Bestattung“.
Aber selbst wenn die Freunde bereit gewesen wären, die Kosten zu übernehmen, hätten die Behörden hiervon wissen müssen, um vom üblichen Verfahren abweichen zu können.

Dann ist natürlich auch noch die Frage, ob die Behörden das Heft einfach so aus der Hand geben. In manchen Kommunen wird so etwas mit Kußhand angenommen, Hauptsache es findet sich überhaupt jemand, der die Kosten übernimmt und der Stadt die Ausgaben erspart.
In anderen Kommunen wird stets nach Schema F verfahren. Gibt es keinen Bestattungspflichtigen und kann keiner eine Totenfürsorgeberechtigung nachweisen, dann wird der Verstorbene von Amts wegen bestattet.

In diesem Fall, wie in vielen ähnlichen auch, haben die Freunde offenbar erst von der Beisetzung erfahren, als alles schon gelaufen war. Das kann im Einzelfall sehr bitter sein.
Ganz augenscheinlich ist es ja so, daß die Freunde und der Verein nun auf eine Ausgrabung des Sarges/der Urne hinwirken und dann eine erneute Bestattung am Heimatort veranlassen möchten.
Ich glaube aber nicht, daß es dazu kommen wird. Damit eine Wiederausgrabung eines bereits Bestatteten genehmigt wird, schreiben die Landesbestattungsgesetze und Friedhofsordnungen stets wichtige Gründe vor.
Ob diese hier vorliegen, müssen die zuständigen Sachbearbeiter entscheiden.

Peter Wilhelm 22. Februar 2014


15 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für die Antwort – aber ich meinte eigentlich weniger, was vor dem Tod geschah, sondern mehr, warum niemand der Freunde und Nachbarn vom Krankenhaus oder Pflegedienst über den Tod informiert wurde und sich evtl. um die Beisetzung kümmern konnten. Was muss eigentlich ein Krankenhaus unternehmen, um Angehörige (die es hier vermutlich nicht gab) oder sonstige, wie heißt das, informationsberechtigte? Personen zu finden und Auskunft zu geben?

  2. Naja, man sollte einen Nachruf nicht mit einem Racheakt verwechseln. Die „guten Freunde“ waren ja anscheinend nicht als Kontaktperson im Todesfall angegeben. Stattdessen wahrscheinlich (wenn überhaupt) ein Kind das am anderen Ende Deutschlands wohnt und die Beerdigung nicht zahlen wollte /konnte (oder sie wurde nach dem Willen des Bestattungspflichtigen anonym bestattet). Wer weiß ob die guten Freunde“ überhaupt hätten zahlen wollen, das ist typisch für viele Menschen, große Klappe und schön aufregen, aber selber keine Verantwortung übernehmen wollen.

    Bin ich eigentlich die Einzige die es pietätlos findet, das die Sitaution dieser Frau in der Zeitung so breit getreten wird, das sie ein Pfegefall war, das sie anonym bestattet wurde?

  3. warum das Krankenhaus oder der Pflegedienst niemanden verständigt hat?
    ganz einfach,
    sie sind an die Schweigepflicht gebunden.

  4. Nun hätte sie ja sicher dem Pflegedienst Kontaktpersonen mitteilen können, die allein schon im Falle des dem Tod vorausgegangenen Klinikaufenthaltes zu benachrichtigen sind, also selbst wenn sie dort nicht verstorben wäre. Dass sie das nicht getan hat, spricht nicht dafür, dass sie einen außerordentlich nahen Umgang zu den Personen pflegte, die jetzt mittels Todesanzeige das ganz große Fass aufmachen. Allerdings wurde sie von den Personen auch wiederum recht zeitnah vermisst und gesucht. Sehr traurig.

  5. Also für mich ist das ein ganz normales Vorgehen. Ich meine 3 Wochen, da wird doch auch ein besorgter Verwandter mal nachgefragt haben. Oder sehe ich das falsch?

  6. „Fassungslos und bestürzt“, ja?

    Man könnte natürlich auch darüber fassungslos sein, dass sich die Herrschaften nicht wenigstens informieren, bevor sie eine als Nachruf getarnte Geschmacklosigkeit veröffentlichen.

  7. Ich bin mal wieder sehr erstaunt und entsetzt, weil ich ganz andere Erfahrungen gemacht habe.

    Mein Lebensgefährte hatte, als er mit dem Fahrrad seine allnachmittägliche Runde ums Dorf drehte, eine Hirnblutung erlitten und war bewusstlos mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht worden. Ich hatte mich – beunruhigt wegen seines Ausbleibens – eben auf den Weg gemacht, ihn zu suchen, da bekam ich einen Anruf aus dem Krankenhaus. Man hatte dort alle Zettelchen mit Telefonnummern etc. im Portemonnaie meines Freundes gesichtet und mich als offenbar am nächsten wohnende Person angerufen, OHNE zu wissen, in welcher Beziehung ich zu ihm stand. (Es ging dabei auch nicht etwa um die Frage der Identifizierung. Er hatte seinen Personalausweis und seine Krankenversicherungskarte dabei.) Nachdem ich erklärt hatte, dass wir zusammen leben, bat man mich, doch schnell zu kommen. Kaum war ich im Krankenhaus eingetroffen, riefen dort Polizisten an, die vor unserer Haustür standen und wissen wollten, ob man inzwischen jemanden erreicht habe und wohin sie das Fahrrad meines Freundes stellen sollten. Im weiteren Verlauf wurde ich von den Ärzten und wenige Tage später auch in allen Angelegenheiten der Bestattung wie eine Ehefrau behandelt. Die einzige lebende Verwandte meines Freundes, seine 500 km entfernt lebende Schwester, hat behördlich erstmal keiner informiert, weil man sich voll auf mich verlassen hat. Natürlich habe ich ALLES getan, diese mir bis dahin unbekannte Schwester und jeden, dem es sonst etwas bedeuten könnte, so schnell wie möglich zu informieren.

    So wie es in unserem Fall gelaufen ist, hätte man mich auch ausfindig gemacht, wenn wir nicht zusammen gewohnt hätten. Ich hätte sonst ja auch von mir aus schon bald bei der Polizei nachgefragt. Es gibt aber auch sehr gute, jedoch nicht ganz so enge Beziehungen, wo es ein bis zwei Wochen braucht, bis man sich traut, mal nachzuhaken. Da sollten dann schon mal im Falle eines plötzlichen Todes und fehlender Angehöriger Polizisten in der Nachbarschaft rumgehen und fragen, ob der Tote jemandem näher bekannt war. Man KANN doch nicht einfach einen Menschen heimlich verscharren und alle, die ihn kannten, ohne Wissen um seinen Verbleib zurücklassen.

  8. Glora, in dir hatten sie eine Lebensgefährtin gefunden, die Person, mit der der Mann zusammenlebte und damit doch ein enges Verhältnis führte. Von dir hatte er eine Telefonnummer bei sich, so dass sie dich finden konnten. Nun stelle dir nur mal einen kurzen Moment vor, ihr hättet euch erst ein paar Tage zuvor irgendwo kennengelernt und dir wäre sein Verschwinden noch nicht wirklich aufgefallen. Er hätte keine Adresse etc. bei sich gehabt …. Woher hätte man von dir wissen sollen, wen alles hätte man fragen sollen, bis man auf dich stieß?
    Seine Schwester wäre vielleicht noch von der Polizei irgendwann aufgetrieben worden, wenn ihre Umzüge und Namensänderungen etc. seitens des Einwohnermeldeamtes nachvollziehbar gewesen wären, aber auch das dauert eine Weile. Inzwischen hätte wie auch immer eine Lösung hergemusst, sprich die Bestattung hätte stattgefunden und die Schwester wäre womöglich erst nach der Beisetzung informiert worden.

    Im obigen Falle waren es Freunde, Nachbarn und Wanderverein, die sich entsetzt gaben. Sicher sind sie erschüttert vom Tod einer Freundin, aber wenn man sie hätte benachrichtigen sollen, hätte die Verstorbene vorher schon irgendwie dafür sorgen müssen. Z. B. den Pflegedienst anweisen, wer im Falle des Falles angerufen werden soll, wenn sie ins Krankenhaus kommt und es nicht selbst regeln kann. So bleibt nur eine recht sinnlose öffentliche Anklage, die auch gut in einen traurigen Artikel in der Lokalpresse gepasst hätte, um mal wieder irgendwelche nicht existenten Behördenschlampereien aus dem Sommerloch zu ziehen.

  9. ich habe in meinem Handy zwei ICE-Nummern (in case of emergency) gespeichert, meinen Mann und meinen Bruder. Ich finde diese Idee genial und einfach, wenn das jeder hätte, wäre es überhaupt kein Problem, im Notfall jemanden zu finden. (Und die, die kein Handy haben, können sich an ne exponierte Stelle einen Zettel hängen.)

  10. @ Claudia
    Natürlich kann es bei noch ganz junger Bekanntschaft passieren, dass man nichts erfährt. Man sollte aber doch zumindest einen Versuch machen, eine Informationskette in Gang zu bringen. Vielleicht trägt nicht jeder wie mein Freund Zettelchen mit Telefonnummern bei sich. Jeder Mensch hat – sofern er überhaupt noch Freunde hat – aber doch daheimn ein Adressbüchlein rumliegen oder einige Nummern in seinem Telefon gespeichert. Da kann man doch eben schnell ein paar Leute anrufen, bis sich jemand findet, der sich der Sache weiter annimmt. Ich wäre jedenfalls auch empört, wenn einer meiner Freunde ohne jede Anteilnahme beerdigt worden wäre, nur weil niemand sich diese kleine Mühe gemacht hat. Allerdings würde ihn deswegen nicht noch einmal ausgraben lassen wollen.

  11. Am besten einen Zettel mit dem eigenen Namen und Adresse und dem Namen und Adresse eines Angehörigen in jede Jacke und in jede Handtasche. Wenn man einen Nachtschrank besitzt dann auch dort rein.

    Wir haben Massen von diesen Zetteln bei meiner Großmutter gefunden. Die wäre bestimmt nicht unbemerkt gestorben.

  12. Der Text hätte eigentlich lauten müssen:

    „Frau M. L. wurde … eingeliefert. Sie ist dort am gleichen Tag verstorben.

    Drei Wochen nach ihrem Tod ist irgendjemandem aufgefallen, dass sie wochenlang nicht mehr gesehen wurde. Es hat sich dann doch jemand dafür interessiert und bei der Behörde nachgefragt. Frau L. war zu diesem Zeitpunkt schon einen Monat lang eingeäschert und anonym bestattet, weil niemand von uns ihr Verschwinden bemerkt hatte.

    Wir haben uns zu Lebzeiten allerdings auch nie ernsthaft für sie interessiert und hatten auch untereinander wenig sozialen Kontakt.

    Dafür, dass wir einen alleinstehenden Menschen und Nachbarn unbeachtet und einsam haben sterben lassen, entschuldigen wir uns in aller Form – auch wenn es ihr nun nicht mehr hilft und wir ihr zu Lebzeiten hätten zuhören und für sie da sein sollen.

    Wir sind peinlich berührt von unserer eigenen Unmenschlichkeit und sozialen Kälte.“

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