Branche/Kommune

Jetzt werden wir Bestatter

Bestatter Beratung

Immer wieder schreiben mir Leute, die auch den Wunsch haben, Bestatter zu werden. Der Beruf des Bestatters ist ein sehr schöner, seltener und besonderer Beruf, der viel Erfüllung bringen kann.

Man muss sich aber natürlich auch über den Beruf informieren. Dazu gehört es, dass man auf jeden Fall mal ein Praktikum macht oder sich zumindest den Alltag eines Bestatters mal intensiv anschaut. Vorgestern meldete sich ein junger Mann bei mir:

Hallo Herr Wilhelm,

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mein Name ist P. und ich wohne lebe liebe und arbeite in Berlin. Mit A. und L. bilde ich ein jungen Startup mit Visionen.
Die Themen Nachhaltigkeit und Usability sowie Sustainment sind uns sehr wichtig. Bisher haben wir hochwertige Cajons aus recycleten Boards gefertigt.
Nun haben wir uns überlegt in die Bestatterbranche einzusteigen. Räumlichkeiten vorhanden.

Würden Sie uns raten ein Praktikum zu absolvieren oder gibt es online Kurse? Wir könnten uns auch ein Wochenende bei Ihnen vorstellen oder Sie kommen uns im schönen Berlin-Friedenau besuchen.
Welche Skills sollten wir haben und wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten auf drei Jahre Anlaufzeit ein? Über eine Marketingagentur die sich mit uns im selben Compound befindet könnten wir zügig einsteigen.
Bitte nennen Sie uns doch gute Bezugsquellen für diese Sachen wie Särge. Urnen werden wir so wie es aussieht über einen Künstler in Charlottenburg erstellen lassen und sehen hier ein wertvolles Alleinstellungsmerkmal.

Diese Idee fasziniert uns weil wir denken der Branche ganz neue Impulse geben zu können.
Was meinen Sie?

Lieber P.,

ich finde es immer klasse, wenn junge Leute unternehmerisch voranschreiten. Was heute etwas großspurig Startup heißt, war früher einfach eine Neugründung. Und Neugründungen gibt es tagtäglich in allen Branchen, auch immer wieder mal in der Bestatterbranche.
Jedes Jahr sterben knapp eine Million Einwohner. Jetzt kommen bald die geburtenstarken Jahrgänge hinzu. Da kann es tatsächlich eine Überlegung wert sein, an einem guten Standort ein Beerdigungsinstitut zu eröffnen.

Ich finde allerdings nicht, dass Berlin ein guter Standort ist.
In Berlin gibt es bereits zu viele Bestattungsunternehmen, die sich einen harten Wettbewerb liefern. Außerdem haben sich Unternehmen aller möglichen Spielarten gegründet. Es gibt solche mit christlichem Schwerpunkt, solche mit atheistischer Ausrichtung und welche speziell für ein queeres Publikum.
Hier noch eine Nische zu finden, halte ich fast für aussichtslos.

Einfach mal so, eben mal ein Bestattungsunternehmen aufzumachen, weil man das für eine coole Idee hält, ist alles andere als cool.
Hier muss eine Markt- und Standortanalyse am Anfang stehen. Es muss jemanden geben, der über Erfahrung und Sachverstand verfügt und der die Strukturen der Branche kennt.
Hierzu kann man auf erfahrene Bestatter zurückgreifen, die schwer zu finden sind, oder man absolviert eine Ausbildung, damit auch etwas von der Sache versteht. Das kann eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft sein oder aber auch, was ebenfalls prima funktioniert, eine mehrjährige Tätigkeit, bei der man alles von der Pike auf lernt. So mal eben an einem Wochenende ist das nicht zu machen, auch nicht an zwei, drei oder vier Wochenenden.

Ich möchte Euer Bestreben nicht arrogant herabwürdigen, ich finde es ja gut, dass Ihr was machen wollt.
Aber ganz ehrlich, Jungs, macht besser was anderes. So ganz ohne Ahnung von der Materie wird das nix.


Ich habe noch einmal die wichtigsten Schlagwörter (Hashtags) dieses Artikels für Sie zusammengestellt, damit Sie sich besser orientieren können:

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Berichte und Kommentare zu Verwaltungen, Kirchen, Friedhofsträgern und der gesamten Bestattungsbranche.

Lesezeit ca.: 4 Minuten | Tippfehler melden | Peter Wilhelm: © 10. Juli 2024

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Tomlin
3 Tage zuvor

Ein bisschen blauäugig sind die hippen Startupper aber schon, oder?




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