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Mundpflege bei Sterbenden – wichtige Fürsorge

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Die meisten Sterbenden essen und trinken in ihrer letzten Lebensphase nichts mehr oder nur noch sehr wenig. Der Bedarf nach Essen und Trinken lässt nach, das ist normal und gut. Vor Kurzem habe ich darüber schon einmal ausführlich geschrieben. Der Wassermangel im Sterbeprozess schadet nicht, sondern kann sogar nützen: Es scheint so, als würde durch die leichte Austrocknung das Bewusstsein angenehm gedämpft und das Sterben leichter. Allerdings wird der Mund und Rachen in der Sterbephase oft sehr trocken, vor allem weil die meisten Sterbenden mit offenem Mund atmen. Die Schleimhäute der Mundhöhle und der Zunge trocknen dann aus, auch die Lippen werden trocken und spröde. Dass das unangenehm ist, kann sich wohl jeder vorstellen. Würde man nichts tun, könnten die Schleimhäute einreißen, dicke Borken bilden und sich entzünden. Deshalb ist eine gute Mundpflege sehr wichtig. Und sie ist auch für Laien wirklich einfach. Man muss nur wissen, was zu tun ist. Da gibt es gleich mehrere Möglichkeiten:

Mundpflege mit einem Sprühfläschchen

Kleine Sprühfläschchen gibt es in der Apotheke oder im Onlineversand oft für unter einem Euro zu kaufen und sie leisten in der Sterbebegleitung große Hilfe. Mit ihnen kann man nämlich den Mund ganz einfach mit Wasser oder dem Lieblingsgetränk besprühen und so die Schleimhäute feucht halten. Von Tee und Kaffee (natürlich nicht heiß, sondern höchstens lauwarm) über Limo, Saft und Cola bis hin zu Wein, Bier oder Sekt ist hier alles möglich. Auf diese Weise kann die*der Sterbende noch bis zum Schluss die Lieblingsgetränke genießen, wenn auch nur in sehr geringen Mengen. Wichtig: Die Flüssigkeit wird nicht in den Rachen gesprüht, sondern auf die Zunge oder von innen an die Wangen. Sonst kann es unangenehm werden. Bei Menschen mit Schluckbeschwerden ist es wichtig, nur kleine Mengen aufzusprühen, damit keine größere Mengen an Flüssigkeit in den Hals laufen. Feste Abstände gibt es nicht, achte einfach auf dein Gefühl und behalte die Mundschleimhäute im Blick. Mundpflege kann ruhig oft durchgeführt werden. Der große Vorteil dieser Methode: Man muss nicht in den Mundraum eindringen, das trauen sich auch Zugehörige oft leichter zu. Aber auch eine andere Methode ist wirklich unproblematisch und lange bewährt:

Mundpflege mit speziellen Mundpflegestäbchen

Wenn ein Pflegedienst oder ein Palliativteam involviert ist (und im Krankenhaus oder Pflegeheim ebenso), dann stehen neben dem Bett üblicherweise Mundpflegesets. Als pflegende*r Zugehörige*r kann man Mundpflegestäbchen aber auch für wenig Geld selbst bestellen. Es handelt sich dabei entweder um überdimensionierte Wattestäbchen oder um kleine Schwämmchen am Stiel. Diese kann man in Wasser oder jedes andere Getränk tauchen und dann damit die Mundschleimhäute benetzen. Der große Vorteil dieser Methode: Man kann damit gezielt die Schleimhäute abstreichen und kommt dadurch problemlos überall hin. Die Schwämmchen sollten mindestens einmal am Tag ausgetauscht werden, bei unterschiedlichen Getränken oder sichtbarer Verschmutzung natürlich häufiger. Auch als Zugehörige*r oder als Hospizhelfer*in kann man die bereitgestellten Mundpflegesets im Pflegeheim oder Krankenhaus für die*den Sterbende*n natürlich nutzen. Auch hier gilt: Die Abstände dürfen ruhig kurz sein, Pflegekräfte haben meist nicht die Zeit, so häufig vorbeizuschauen. Im Zweifel einfach kurz nachfragen.

Weitere Möglichkeiten zur Mundpflege

  • Menschen, die selbst noch ein wenig „mithelfen“ können, finden oft gefrorene kleine Früchte oder kleine Eiswürfel zum Lutschen angenehm. Diese Eiswürfel können natürlich nicht nur aus Wasser, sondern ebenfalls aus Lieblingsgetränken bestehen. Von der Größe her eignen sich zum Beispiel die Einsätze von Pralinenschachteln (zum Beispiel Milka-Herzen oder kleine Lindt-Pralinen) gut zum Einfrieren.
  • Wenn schon Schluckprobleme vorliegen, kann man das Gefrorene auch in ein Stofftaschentuch o.ä. einwickeln und die Enden aus dem Mund der*des Sterbenden hängen lassen. Dann kann sie*er daran „zutzeln“, ohne einen Eiswürfel oder eine Frucht zu verschlucken. Klar, dass man in diesem Fall dabei bleibt, um das Tuch wieder zu entfernen, wenn es unangenehm werden sollte.
  • Auch Sahne oder Butter halten die Mundschleimhäute feucht. Wenn man Butter und Honig vermischt, erinnert das sogar ein wenig an ein Frühstück. Einfach eine kleine Menge dieser Mischung im Mund zergehen lassen.
  • Saure Lutscher oder Bonbons können den Speichelfluss anregen. Natürlich muss auch hierfür noch einiges an Mundmotorik und Bewusstsein vorhanden sein.
  • Trockene Raumluft trocknet die Schleimhäute noch weiter aus. Deshalb ist es für die*den Sterbende*n meist angenehmer, wenn die Luftfeuchtigkeit höher ist. Das gelingt zum Beispiel durch ein nasses Handtuch, das im Raum aufgehängt wird. Auch Wasserschalen auf der Heizung können die Luftfeuchtigkeit deutlich erhöhen.
  • Zitronenschnitze auf dem Nachttisch oder Zitronenöl in der Aromalampe regen den Speichelfluss an.

Lippenpflege bei Sterbenden

Auch die Lippen trocknen leicht aus und brauchen deshalb gute Pflege. Hier kann man zum Beispiel einfach einen Lippenpflegestift einsetzen oder auch eine Heilsalbe für die Lippen. Alternativ leistet hier ebenfalls die Mischung aus Butter und Honig gute Dienste. Die Butter fettet die Lippen gut und der Honig enthält heilende und entzündungshemmende Stoffe. Außerdem ist der Geschmack für viele Sterbende sehr angenehm.

Was bringt die Mundpflege?

Mundpflege gehört zu den wichtigsten Dingen, die wir für Menschen in ihrer letzten Lebensphase tun können. Es steigert ihre Lebensqualität und ermöglicht Formen von Genuss. Ein mögliches Durstgefühl wird auf diese Weise gestillt und die Atmung vereinfacht. Gleichzeitig verhindert man Schmerzen, Entzündungen und weitere Probleme im Mundraum. Und auch für die Zugehörigen ist die Mundpflege enorm wichtig. Schließlich ist das etwas ganz Konkretes, das sie für die*den Sterbenden tun können. Mundpflege ist ein Akt der Fürsorge und Liebe, das tut auch den Zugehörigen oft sehr gut.

Achtung: Mundpflege ist eine intime Angelegenheit!

Sich von einem anderen Menschen etwas in den Mund geben zu lassen, ist eine sehr persönliche und intime Sache. Man kommt der*dem anderen dabei extrem nah, dringt sogar in eine Körperöffnung vor. Deshalb solltest du die*den Sterbende*n unbedingt vorwarnen oder sogar um Erlaubnis bitten, selbst wenn diese*r nicht mehr reagieren kann. Der Gehörsinn bleibt im Sterbeprozess am längsten erhalten, vermutlich können die Sterbenden uns noch bis zum letzten Moment hören. Und selbst wenn nicht: Es ist einfach eine Frage des Respekts, jemandem nicht unvorbereitet an oder in den Mund zu fassen, sondern sich anzukündigen und vorzuwarnen. Wenn man dann noch ein bisschen Vorsicht walten lässt und nicht zu grob vorgeht, kann nichts mehr schiefgehen.

Peter schrieb zu meinem Beitrag übers Essen und Trinken diesen Kommentar:

„Als ich vor Jahren einmal auf der Intensivstation lag, durfte ich nichts trinken. Die Flüssigkeit wurde mir intravenös verabreicht. Trotzdem war mein Mund trocken und der Durst war kaum auszuhalten. Ein Pfleger hat mir dann den Mund mit einem Wattestäbchen und Zitronenwasser ausgepinselt. Das hat sehr gut getan. Sterbende liegen oft stundenlang mit weit offenem Mund da. Dadurch trocknen die Mundschleimhäute und die Zunge schnell aus. Auch ihnen bringt so ein Benetzen mit Wasser oder Erfrischendem sehr viel. Das habe ich bei der Pflege meiner beiden Eltern selbst erleben dürfen. Auch ein Schwamm, getränkt mit etwas Zitrone und Wasser, an dem d. Sterbende „zutzeln“ kann, hilft ungemein.“

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Mundpflege bei Sterbenden gemacht?


BILDQUELLEN

  • mundpflege-sterben: Bild von Andreas Riedelmeier auf Pixabay
Birgit Oppermann 23. Januar 2021


2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr informativer Beitrag! Kurz und ausführlich genug, um das in der Praxis zu verinnerlichen.
    Ich möchte noch ergänzen:
    Bitte an Händehygiene denken, bevor anderen in den Mund gefasst wird. Hier auch Duftstoffe (Seife, Handcremes, Eigengeruch von Handschuhen) beachten, dass kann für den zu Pflegenden nicht immer angenehm sein.

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