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Schön

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Du hast mal geschrieben, daß ihr die Toten schön macht. Am Freitag war ich auf Beerdigung und die Frau im Sarg sah ziemlich mitgenommen aus. Nicht falsch verstehen, ist ja klar das die tot war, aber die war nicht schön gemacht.

Ob „Schönmachen“ der richtige Ausdruck ist, weiß ich nicht. Wir wissen ja, daß beispielsweise in den USA die Auffassung vorherrscht, der Tote müsse makellos im Sarg liegen. Ich sage immer, daß die Amis ihre Toten zurechtmachen wie Hollywood-Schauspieler.

Die Toten werden zum Teil sehr stark geschminkt, zu einem großen Teil auch einbalsamiert und so zurechtgemacht, daß sie aussehen, wie das blühende Leben und in anderen Ländern ist es üblich, den Verstorbenen ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Wie ich es schon oft schrieb, ist es bei uns eher so, daß man den Eindruck eines friedlich Schlafenden erwecken will. Man möchte dem Tod seinen Schrecken nehmen, schwere Unfallspuren verdecken und die Folgen schwerer Krankheit überdecken. Die christlich-abendländische Bestattungstradition geht von dem Grundgedanken aus, daß für den Verstorbenen nur das irdische Leben vorüber ist und nichts folgt, vor dem man Angst oder Schrecken haben müsste.

Hinzu kommt, daß man den Verstorbenen ja nicht nur für die Angehörigen aufbahrt, die ihn bis zuletzt gesehen und im Sterben begleitet haben, die also wissen, wie es um ihn stand, wie er zuletzt aussah, sondern auch für den Rest der Familie und Bekannten, die oftmals von weither anreisen und den Verstorbenen möglicherweise ganz anders, gesunder, schöner in Erinnerung haben.

So ist es unsere Aufgabe, den Verstorbenen so herzurichten, daß die Trauergäste von ihm Abschied nehmen können, ohne allzusehr abgeschreckt zu werden. Andererseits sage ich immer, daß man ruhig auch sehen darf, daß dieser Mensch jetzt tot ist.

Es gibt Bestatter, die es für richtig halten, so gut wie gar nichts am Verstorbenen zu verändern. Wer die Serie „Ende gut, alles gut“ verfolgt hat, der weiß auch, daß bei Fritz Roth in Bergisch Gladbach es so gehandhabt wird, daß nichtmal der in Leichenstarre offenstehende Mund des Verstorbenen verschlossen wird. Ich weiß nicht, ob Kollege Roth das immer so macht, aber in einem der Fernsehbeiträge äußerte sich ein Hinterbliebener dahingehend, daß ihn das wohl am meisten erschreckt habe und er das auch nie wieder so machen lassen würde. Ich verstehe, was Roth damit bezwecken will, kenne seine Philosophie, bin aber anderer Meinung.

Man kann den Tod auch begreifbar machen und das Loslassen erleichtern, ohne daß man eine allzu drastische Inszenierung vornimmt.
Ich persönlich finde, daß man mit einem Verstorbenen so wenig wie möglich machen sollte. Das Nötige muß getan getan werden. Rasieren, Waschen, Frisieren, Pudern usw. das ist alles sehr wenig und man kann damit schon ein sehr gutes Ergebnis erzielen.

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Peter Wilhelm 10. Dezember 2014


9 Kommentare von 141343.

  1. dazu fallen mir spontan die lächelnden toten auf den fotographien von Elizabeth Heyert ein: »schön« und gruselig zugleich – beeindruckend allemal.

  2. Ist es eigentlich mittlerweile üblich, dass Verstorbene im offenen Sarg liegen? Sei es während der Trauerfeier oder während des ‚Aufgebahrt-sein‘. Die letzten Beerdigungen bei denen ich war sind schon länger her, aber da war der Sarg immer zu.

  3. @ le M
    schön – beeindruckend; ja und teilweise etwas an Puppen oder Wachsfiguren erinnernd.

    persönlich habe ich einmal gesagt,
    wenn es soweit ist darf es ein offener Sarg sein.
    Etwas Rouge auf die Wangen und Farbe auf die Lider ist ok., aber wenn man aus mir erst eine Puppe modellieren müsste, dann bitte Deckel zu oder Gesicht verdecken.

  4. Meinem Opa sah 20 jahre jünger aus, und das war nicht das Werk des Bestatters, sondern das war halt so. Er ist an Krebs verstorben, und nachdem er gegangen war, hat er sich halt total entspannt.
    Die Toten oben auf den Bildern… Naja, einige gehen ja noch, aber die meisten find ich eher gruselig.

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