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Sind die Bestattungskosten zu hoch?

Von

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

Ihre Email-Adresse habe ich im Internet gefunden. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie sich die beigefügte Bestatterrechnung für die Beerdigung meiner Mutter am 17.12.2020 anschauen würden.

Es gibt darin einige Positionen, die mir doch sehr hoch vorkommen:

– z.B. das knapp 80minütige Erstgespräch, für das 145€ berechnet wurden
– die Kosten für die Überführung meiner Mutter vom Sterbeort zum Bestattungsinstitut (12km). Hier sind 3 Positionen aufgeführt: 175€ für die Bereitstellung eines Fahrzeugs, 190€ für 2 Mitarbeiter und dann nochmal 165€ für die Überführung, insgesamt also 530€.

Zum Schluss noch eine Frage: die Rechnungen der Fremdleistungen wurden der Bestatterrechnung nicht alle beigelegt und auch auf zweimalige Nachfrage hin habe ich sie nicht bekommen. Habe ich nicht ein Recht darauf, diese Rechnungen zu sehen?

Im Voraus schon mal herzlichen Dank für Ihre Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
J. B.

Herzlichen Dank für Ihre Anfrage und ihr Vertrauen.
Ich habe mir die Rechnung angeschaut und kann keine Ungereimtheiten oder überzogenen Preise feststellen.
Die Rechnung liegt im mittleren Bereich. Es gibt also Anbieter, die ähnliche Leistungen evtl. günstiger anbieten, aber auch solche, die weitaus mehr berechnen.

Bei Bestattungen ist es so, dass im Grunde recht überschaubare Einzelpreise aufgerufen werden, die in der Summe aber oft einen hohen Betrag ergeben.
Zu berücksichtigen ist, dass es sich um gewerbliche Preise handelt. Der Unternehmer muss also seine Einnahmen noch versteuern und weitere Nebenabgaben davon abziehen. Von einem hohen Stunden- oder Pauschalbetrag bleibt im Endeffekt nur ein Bruchteil beim Unternehmen hängen.

In der Bestattungsbranche ist es üblich, mit Pauschalen zu arbeiten. Dabei spielen dann Entfernungen oder die Stundenanzahl keine Rolle.

Der Bestattungsunternehmer listet seine Dienste ausführlicher als üblich aus, was gut ist.
Beispielsweise schlüsselt er die Kosten der Überführung getrennt nach Bereitstellung des Fahrzeuges, Überführung und Personal, sowie Nutzung der Überführungstrage auf. Dafür verlangt er in der Summe 609,- €. Im bundesweiten Vergleich ist das ein durchschnittlicher Preis. Oft werden hier Preise von insgesamt jenseits der 1.000 € aufgerufen.

Ich bekomme tagtäglich Bestatterrechnungen zu sehen. Oft stehen dort Preise, die diese hier um das Doppelte übertreffen. Vielfach werden Leistungen abgerechnet, die gar nicht erbracht wurden und oft genug werden auch Kosten berechnet, die vorher so nicht vereinbart waren.

Das alles ist hier m.E. nicht der Fall. Von Bestattungskosten kann man ja nie überrascht werden, denn man lässt sich ja bei der Auftragsvergabe immer eine schriftliche Kostenbestätigung oder grobe Auflistung aushändigen. Darauf darf man ja bei keinem Geschäft mit Handwerkern und Dienstleistern verzichten.

Rechnungen, die Ihnen durchlaufend berechnet wurden, müssen zumindest in Kopie an Sie weitergegeben werden.

Alles in allem ist das keine sehr günstige Bestattung geworden, aber die Rechnung gibt so für mich, nach allem was ich weiß, keinen Grund zur Beanstandung.

Ich bin aber kein Anwalt. Suchen Sie bei berechtigten Zweifeln immer zuerst das Gespräch mit dem Bestatter, und schalten Sie ggf. einen Rechtsanwalt ein. Verlassen Sie sich nie auf Informationen, die Sie selbst im Internet recherchiert haben.

Mit freundlichem Gruß
Peter Wilhelm

Peter Wilhelm 22. Januar 2021


13 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, so ist das, wenn man sich nicht frühzeitig mit dem Thema Tod auseinandersetzt.

    Ich kann nur jedem raten, sich einfach frühzeitig zu informieren.

    Wenn ich das lese, dann kann ich mir gut vorstellen, was an Gesamtkosten auf der Rechnung steht.

    Das was manche Bestatter berechnen, ist wirklich jenseits von Gut und Böse.

    Ich hatte einmal eine Situation, da wollte eine Angehörige über mich einen Bestatter haben. Habe ich ihr auch diverse Angebote gemacht, die für eine einfache Feuerbestattung zwischen 900 € und 1.500 € inkl. Kremationskosten und 2. Leichenschau lagen.

    Allerdings war kein Bestatter direkt vor Ort.

    Sie fragte mich dann nach einem Bestatter der direkt vor Ort sei und ich habe dann alle vor Ort ansässigen Bestatter angerufen.
    Heraus kam, dass der günstigste Bestatter vor Ort einen Preis von 2.100 € für die gleichen Leistungen haben wollte.

    Ein Bestatter, der noch höher lag, dem ich dann sagte: „Sie sind aber ganz schön teuer, das bekomme ich von einem anderen Bestatter für die Hälfte,“ sagte dann zu mir: „Dann nehmen sie den und ich lege lieber die Füße hoch …“

    Ich höre auch immer wieder von Bestattern, die recht teuer sind: „Ja, die Internetbestatter sind günstiger und hinterher schlagen sie dann alles Mögliche auf die Rechnung drauf und dann sind sie genau so teuer.“

    Wobei ich bei allen meinen Bestattern, mit denen ich zum größten Teil schon über viele Jahre arbeite, noch nie eine Rechnung anders ausgestellt haben, als vorher abgesprochen.

    Ebenso ist mir unerklärlich was ein „Internetbestatter“ ist?
    Also im Internet ist mir nicht bekannt, das da jemals einer Bestattet wurde von einem sogenannten Internetbestatter.

    Ich denke letztlich, das was oben von J. B. zitiert wird, ist keine Seltenheit und es wird auch kaum eine Möglichkeit geben, sich gegen diese Rechnung zur Wehr zu setzen.

    • „Ebenso ist mir unerklärlich was ein „Internetbestatter“ ist? Also im Internet ist mir nicht bekannt, das da jemals einer Bestattet wurde von einem sogenannten Internetbestatter.“

      Das kannst Du nicht ernst meinen. Jemand, der sich als Branchenkenner bezeichnet, kann so einen Satz nicht wirklich so meinen.

      • Dieses Wort „Internetbestatter“ wird mir immer wieder von Bestattern gesagt.
        Kommt nicht von mir.
        Bei mir in den PC passt auch keine Urne rein. 🙂

        Es sind im Regelfall aber die Bestatter, die Bestatter schlecht reden, die günstige Preise im Internet anbieten.

  2. Wenn man berücksichtigt, dass der Bestatter ja das Bestattungsfahrzeug finanzieren muss (Anschaffung, Wartung, Steuern, Versicherung) usw. dann wird schnell klar, dass er auch bei kurzen Strecken entsprechend Geld verlangen muss. Vor allem da das Fahrzeug vermutlich nur für den Zweck benutzt wird die Verstorbenen zu transportieren und nicht für andere Fahrten. Mit 30 Cent pro Kilometer kommt man da wohl kaum hin.

    • Vollkommen richtig – dazu kommen noch (aktuell niedrige) Zinsen bei kreditfinanzierten Fahrzeugen und Gebäuden und natürlich die personellen Ressourcen zur 24h-Bereitschaft.

      • Und auch bei den Personalkosten vergessen viele Leute, daß das was da als Stundensatz abgerechnet wird ja nicht das ist, was die Angestellten bekommen plus ein enormer Gewinn des Chefs, sondern daß man da zahlreiche Kosten einbeziehen muß. Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und natürlich auch im Urlaub.
        Und neben dem Auto, das auf der Rechnung auftaucht, muß ja auch das Büro und die Nebenräume finanziert werden.

  3. Ich denke, es gibt keinen Bestatter, der Geld mitbringt um seinen Beruf ausüben zu können.

    Der eine verdient eben viel an einem Sterbefall und ein anderer muss dann evtl. 3 Sterbefälle haben um unterm Strich die gleiche Summe zu verdienen.

    Wenn ich mir anschaue, was manche Bestatter an Gebäuden haben, dann hängt das sicherlich auch mit den Kosten zusammen die man in Rechnung stellt.

    Günstige Bestatter haben im Regelfall recht bescheidene Räumlichkeiten und andere haben dann schon Dinge die wirklich sehr groß und außergewöhnlich sind.

    Ich kenne das Anwesen von Fritz Roth in Bergisch Gladbach.
    Und das ist wirklich wunderschön und das kann man sich nicht mit Preisen für eine einfache Feuerbestattung für 1.500 € erwirtschaften.

    Wobei mir bekannt ist, dass man dort auch die Einäscherung im Krematorium Wuppertal, das den Bestattern gehört, mit einer Abholung machen lässt.
    Also gar nicht sein eigenes Fahrzeug zum Transport von ca. 50 km nutzt.

    Wobei das Krematorium in Köln ca. 30 km entfernt und die Preise sich auch nichts tun.

    Aber, wenn ich selbst an einem Krematorium beteiligt bin und von der Einäscherung dann auch noch partizipiere und nicht selbst fahren muss, dann bleibt unterm Strich ja auch für den Bestatter wieder mehr übrig.

    Es ist ja nicht so, als würden die Kosten der „freien Krematorien“ wirklich die Kosten sein, die ein Bestatter bezahlt.
    Da werden Preise ausgehandelt. Viele Leichen viel Geld für den Bestatter.

    Wie überall im Leben, der der viel verdient bekommt immer noch etwas mehr.
    Da gibt es einen alten Spruch: „Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.“ Das nennt man den „Matthäus-Effekt“.

    Allerdings werde ich wohl nicht erleben, dass sich das jemals ändert.

    • Es wird abermals vollkommen ignoriert, dass Bestattungsunternehmen gewerbsmäßige Wirtschaftsbetriebe und keine caritativen Einrichtungen sind. Kein Mensch zwingt irgendeinen, bei einem teuren Bestatter seine Angehörigen bestatten zu lassen.

      Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb Bestatter keine Gewinne machen sollen.
      Ich bin oft bei Bestattern zu Gast, die atemberaubende Anwesen, die besten Fahrzeuge und eine große Mannschaft haben. Warum denn nicht?

      Sie haben das ja, weil sie es benötigen, weil sie es ihren Kunden anbieten und weil die Kunden das letztendlich bezahlen. Viele dieser Unternehmer arbeiten seit 50 Jahren in der Branche und haben mit einem Bestattungsanhänger und einer Garage angefangen. Sie wären ja nicht zum heutigen Stand der Dinge gelangt, wenn die Kunden nicht zufrieden wären und zu ihnen gingen.

      Andere Unternehmen werden in der x-ten Generation betrieben. Jeder in der Branche kennt den Spruch über die drei aufeinanderfolgenden Bestattergenerationen:
      – die Ersten tot,
      – die Zweiten Not,
      – die Dritten Brot.

      Es steckt sehr viel Fleiß, Durchhaltevermögen und kaufmännisches Geschick dahinter, um in der Branche über Jahrzehnte erfolgreich zu sein.

      Hier immer zu unterstellen, das sei alles unredlich, weil man dieses oder jenes günstiger machen könnte, ist doch absoluter Blödsinn.

      Dann geh doch zu NETTO.

  4. Ja, und ich denke, eine wachsende Anzahl wird auch zu NETTO gehen!

    ALDI – NETTO – LIDL

    Alles Anbieter, die sehr gerne besucht werden und ich denke, der kleinere Teil geht zu KÄFER.

    • Nein, das ist so nicht richtig. Man darf da nicht überschießen. Zwischen ALDI & Co. und einem exklusiven Geschäft in bester Münchner Lage gibt es eben noch zahlreiche andere Möglichkeiten, vor allem im Bestattungswesen. Da gibt es den netten Bestatter an der Ecke, den rationell arbeitenden Filialisten und Angebote aus dem Internet. Wer sich etwas Mühe gibt und Preise vergleicht, der wird etwas Passendes finden.
      Das Wichtigste in meinen Augen ist aber, dass man sich das erste Angebot inkl. aller zusätzlichen Kosten schwarz auf weiß geben lässt, dann kann man schlicht und ergreifend hinterher nicht unangenehm überrascht sein.

      Als Bestatter würde ich mich aber sofort alarmiert fühlen, wollte mir jemand von den Angehörigen oder aus der Nebenbranche meine Preise vorschreiben.

      Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Ein Bestattungswagen kostet 100.000 Euro. Ihm ist eine durchschnittliche Lebenszeit von 15 Jahren beschieden. Über diese Zeit benötigt er laut Branchenzahlen 10 Euro pro Tag an Wartung und Reparatur. Das sind auf 15 Jahre gerechnet noch einmal 45.000 €. Macht zusammen 145.000 €.

      Das Fahrzeug kostet mithin grob gerechnet 10.000 € pro Jahr. Bei 33 Bestattungen pro Jahr muss ein kleiner Bestatter 300 Euro pro Fahrt nehmen, allein um diese Kosten wieder herein zu bekommen. Wohlgemerkt, er hat dann noch keinen Cent verdient, und Steuern, Versicherungen, Benzin und Kleinkram, sowie das Personal und die Desinfektion sind da noch gar nicht gerechnet.

      Es ist aber Laien überhaupt nicht bewußt, wie die Kosten zustande kommen. Ich lese oft in Mails von Angehörigen, dass sie dem Bestatter allenfalls 30 Cent pro Kilometer zugestehen wollen. Also pro Überführung rund 3 Euro. So etwas ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten.

  5. Ich stimme zu, dass es von preisgünstig bis extrem teuer alle Varianten gibt.
    Nicht nur bei Bestattern.

    Allerdings, wenn ich wie gerade eben mit einer Bestatterin spreche, die selbst sagt, dass sie kein eigenes Fahrzeug hat und auch nur eine 450 € Mitarbeiterin, dann aber für die Grunddienstleistung schon 2.750 € nimmt, dann finde ich das einfach recht teuer.

    Klar, sie benötigt dann ein Unternehmen, was die gesamte Arbeit übernimmt und bekommt dafür eine Rechnung. Sie selbst muss aber dafür eben auch kein Fahrzeug kaufen und hat keine Kosten mit dem Fahrzeug an der Backe.

    Diese Bestatter gibt es häufig.

    Und wenn so ein Fahrzeug auch 100.000 € mal neu kostet, dann wird er später, wenn er sich bezahlt gemacht hat auch noch verkauft und bringt auch wieder Geld in die Kasse. Ist dann auch im Unternehmen abgeschrieben.

    Mir geht es auch nicht um 30 Cent pro Kilometer.

    Diese Diskussion müssen wir nicht führen. Ein angemessener Betrag für eine Überführung ist okay und da weiß ich, dass die Bestatter im Mittelwert, wenn es Strecken geht, die über ihren normalen Radius hinaus gehen, dann bei ca. 1 bis 2 €urönchen berechnen und zwar für jeden gefahrenen Kilometer.

    Dazu sagt doch auch kein Mensch etwas.

    Meine Tochter fährt einen 40 Tonner-Tanklastzug, da hat die Zugmaschine auch schon 100.000 € gekostet und da muss man eben auch berechnen, was eine Ladung von A nach B kostet.

    Und wenn so ein Fahrzeug, egal was es ist, dann steht und nicht eingesetzt wird, dann kommt im Regelfall hinzu, dass er Geld pro Tag kostet und nichts einbringt. Zumindest in den Fällen, wo evtl. das Fahrzeug auch noch finanziert ist.

    Diese Berechnungen sind Prüfungen vor der IHK um überhaupt ein Transportunternehmen haben zu dürfen. Entfällt beim Bestatter.
    Er meldet sein Gewerbe an ob er Ahnung hat oder nicht und dann ist die Frage wer sich hält und wer nicht.
    Wer absolut nicht rechnen kann, der wird wahrscheinlich irgendwann auch auf die Nase fallen.

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