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Urnen aus dem 3D-Drucker

3D-Drucker sind inzwischen erschwinglich geworden. Sie drucken verschiedenste Materialien und arbeiten vergleichsweise zuverlässig. Können auch Urnen damit gefertigt werden?

Ratgeber für Schwerhörige

Seit rund zwei Jahren befasse ich mich auch mit dem 3D-Druck. Es sind inzwischen etliche sehr schöne Modelle entstanden.

Wenn Du gerne ein paar Modelle mehr sehen magst, dann schau doch mal hier vorbei:

Hinweis: Kaufen kann man die nicht.

Während erste 3-D-Drucker noch teuer und aus Laborprofilen und fliegenden Kabeln zusammengesetzt waren, bekommt man heute schon ab 150 Euro einen Drucker und wenn man etwas über 200 Euro bezahlt, auch schon was Vernünftiges. Wer um die 400 Euro ausgibt, erhält schon chic aussehende, leichter zu bedienende und zuverlässiger arbeitende Geräte.

3D-Druck im Bestattungsgewerbe

Was liegt also näher, als sich in verschiedenen Branchen zu überlegen, wie diese Technik auch im eigenen Betrieb eingesetzt werden kann. Schon früh haben mich Bestatter kontaktiert und nach personalisierten Urnen gefragt.

Ja, es ist kein Problem, mit dem 3D-Drucker Urnen zu drucken. Ein zylindrisches Gefäß stellt nur eine geringe Anforderung an Soft- und Hardware. Es wäre also kein Problem, auf die Bestellung eines Bestatters hin, binnen eines Tages eine Urne nach Wunsch mit entsprechender Beschriftung zu fertigen. Das geht sogar mehrfarbig. Und ich habe eine Urne entwickelt, bei der es einen hinterleuchteten Teil gibt, der ein Foto des Verstorbenen zeigen kann.

Doch warum gibt es 3D-gedruckte Urnen noch nicht in größerer Anzahl?

Nun, das liegt an mehreren Umständen. Auch wenn ich sage, dass das Drucken mit den umweltverträglichen Kunststoffen inzwischen recht zuverlässig funktioniert, so gilt das nur vergleichsweise. Es ist viel besser geworden. Aber wirklich zuverlässig drucken 3D-Drucker der üblichen Preisklassen auch heute noch nicht. Die Bedienung ist immer noch kompliziert, die Druckergebnisse schwanken und der Druck dauert auch sehr lange.

Man kann immer das Pech haben, dass ein Druck nahezu fertiggestellt ist und dann passiert irgendetwas, das das Druckergebnis kurz vor Schluss ruiniert. Für eine Urne darf man mit einer Druckzeit von zwischen 10 und 30 Stunden rechnen. Es können sich auch bei perfekten Einstellungen schlechte Oberflächenergebnisse und Verformungen ergeben.
Ein 3D-Drucker ist, verglichen mit Papierdruckern, sehr wartungsintensiv. Er erfordert eine Einarbeitung, die bis in technische Details geht und auch den Willen zum Schrauben und Ersatzteiltausch erfordert.

Einfach so auf den Knopf drücken und nach kurzer Zeit eine Urne aus dem Drucker nehmen, das geht nicht.

Ein weiteres Problem: Der Preis

Unter Berücksichtigung des oben Gesagten kann man sich vorstellen, dass derjenige, der eine Urne designt und druckt, auch einen adäquaten Lohn für Material und Arbeit haben möchte.
Hinzu kommt, dass Urnendesigner(innen) schon immer sehr praxisferne Vorstellungen von den Einkaufspreisen der Bestatter haben. Bestatter können sehr ansprechend aussehende Stahlurnen schon für unter 10 Euro einkaufen. Selbst aufwendige Stücke kosten selten über 50 Euro und für 100 Euro gibt es sehr edle Teile.
Die Marge ist auch hier sehr hoch.

Kein Bestatter ist bereit, 100 Euro oder mehr für etwas Handgedrechseltes oder Selbstgestricktes mit künstlerischem Anspruch zu bezahlen, wenn er beim Pietätwarenhändler nur 25 Euro für etwas vergleichbar Schönes hinlegen muss.

Die Lieferzeit

Außerdem haben solche branchenfernen Lieferanten immer etwas seltsame Vorstellungen hinsichtlich der Lieferzeiten. Bestatter arbeiten just-in-time. Sie legen sich katalogmäßig auf bestimmte Urnen- und Sargmodelle fest und verlassen sich dann darauf, dass diese Produkte im Falle eines Kundenwunsches beim Lieferanten auch verfügbar sind. Es ist unmöglich, alle Urnen und Särge immer auf Lager zu haben.

Lieferzeiten von einer bis zwei Wochen sind da einfach zu lang. Das gilt vor allem dann, wenn es eine personalisierte Urne sein soll. Eine aus Stein gehauene Künstlerurne für 300 Euro Einkaufspreis kann ich mir in den Laden stellen. Es wird sich jemand finden, der sie für 500 Euro kaufen wird. Aber wenn die Familie einen speziellen Gruß auf eine Urne 3D-gedruckt haben will, kann man keine 2 oder 3 Wochen warten.

Fazit

Produkte für Bestatter müssen vor allem preiswert und zügig verfügbar sein.
Sie müssen in gleichbleibender Qualität über einen langen Zeitraum geliefert werden können.

Bestatter selbst werden sich nur aus persönlichem Enthusiasmus und Hobby-Interesse mit dem 3D-Druck beschäftigen. Hier wird es zunehmend auch gewerblich umsetzbare Ideen geben. Aber derzeit hat 3D-Drucken immer noch einen gewissermaßen experimentellen Charakter.

Es gibt professionelle 3D-Druck-Lösungen, die reproduzierbare Ergebnisse von hoher Güte liefern. Diese liegen aber preislich im 5-stelligen Bereich und darüber.

BILDQUELLEN

  • gandalf-470×437: pw
  • startrek-enterprise: Peter Wilhelm
  • ehrmantrauttt: Peter Wilhelm

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Berichte und Kommentare zu Verwaltungen, Kirchen, Friedhofsträgern und der gesamten Bestattungsbranche.

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 9. Januar 2023 | Peter Wilhelm 9. Januar 2023

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1 Kommentar
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Henning
1 Jahr zuvor

Es gibt ja professionelle 3D-Druckdienste, die mit entsprechend teurem Gerät in guter Qualität drucken. Preise und Lieferzeiten sind mir nicht bekannt (vor allem für so größere Dinge), aber ich habe mir schon 3-4 Kleinigkeiten vor einiger Zeit so anfertigen lassen.




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