Darf man die Asche eines Verstorbenen verstreuen?

Darf man die Asche eines Verstorbenen verstreuen?

Nein, es gibt nur wenige Ausnahmen, die das Ausstreuen der Asche erlauben.
So ist das geltende Recht in Deutschland. In anderen Ländern können aber andere Gesetze gelten.

Aussortierte Metallteile, Prothesen, Nägel, Schrauben, künstliche Hüftgelenke…

Das Verstreuen der Asche ist in Deutschland nur in drei Bundesländern möglich.
In Mecklenburg-Vorpommern und in Bremen (seit Anfang 2015 nur unter bestimmten Voraussetzungen) ist das oberirdische Verstreuen der Asche möglich. In Berlin gibt es zwar die Aschenverstreuung, jedoch geschieht die auf den Friedhöfen, die das anbieten, nicht wirklich oberirdisch, sondern die Asche wird lediglich ohne umhüllende Urne in ein kleines Grab gegeben.

Es gibt eine illegale Möglichkeit, eine Aschenverstreuung durchzuführen, indem man die Urne mit der Totenasche zunächst ins Ausland zur Beisetzung überführen, und sich dann wieder nach Hause zurücksenden läßt. Diese Versandwege sind so gut wie nicht kontrollierbar und man kann dann mit der Asche theoretisch machen, was man will.

Letztlich ist eine weiträumige Verstreuung der Asche eine umumkehrbare anonyme Bestattung. Es gibt keinen konkreten Platz, an dem man Abschied nehmen könnte.
Heute gibt es viele Familien, deren Mitglieder weit voneinander entfernt leben, und in denen es keinen Wunsch nach einer zentralen Trauerstätte gibt. Ein Grab wäre nur eine kosten- und pflegeintensive Belastung.
Deshalb wünschen sich immer mehr Menschen anonyme Bestattungen, auch um ihren Hinterbliebenen nicht zur Last zu fallen. Viele äußern dann den romantischen Wunsch, an einer bestimmten Stelle verstreut zu werden, die sie zu Lebzeiten sehr gemocht haben.

Auch wollen viele durch die Wahl einer außergewöhnlichen Bestattungsform ihrer eigenen Individualität Ausdruck verleihen und sich aus dem Kreis derer, die traditionelle Bestattungen wünschen, herausheben.

In Deutschland ist aber immer noch die Bestattung von Sarg oder Urne in der Erde oder im Falle der Urne in dafür freigegebenen Stellwänden usw. die übliche Form der Bestattung.
Abweichen kann man davon beispielsweise durch eine Seebestattung.

Die großen Kirchen lehnen die Aschenverstreuung -wie jede Form der Anonymisierung der Toten- ab.

Bestatter und Privatpersonen, die Urnenrückführungen zur freien Verwendung der Totenasche ermöglichen, sprechen unisono vorwiegend von ihren großen Erfolgen und stellen in erster Linie ihre Barmherzigkeit heraus. Sie sehen ihre Tätigkeit als lässliches Vergehen, ermöglicht es doch eine nahezu nicht nachvollziehbare Umgehung geltender Gesetze. Argumentiert man hier mit eben diesen Bestimmungen, werden schnell andere Gründe, wie beispielsweise die immer wieder postulierte Habgier der Bestatter und die Unflexibilität der Berdigungsinstitute als Scheinargumente vorgebracht. Damit stellen sich diese Personen aber über das Gesetz. Noch aber leben wir in einem demokratischen Staat. Der einzig richtige Weg ist, sich aktiv und meinetwegen lautstark in die entsprechenden Gremien einzubringen, Petitionen zu starten, Lobbyarbeit zu betreiben, um eine Änderung der Gesetze im angeblichen Sinne der Hinterbliebenen zu erwirken.

Ich bin der Meinung, daß die Freigabe der Totenaschen kommen wird. Wahrscheinlich zuerst in Mittel- und Ostdeutschland, dann vom Norden aus und mit größerer Verzögerung (evtl. mit Ausnahme von Bayern) auch im Süden.
Aber bis das soweit sein wird, werden noch etliche Jahre vergehen.
In Deutschland sterben hoch gegriffen knapp 1 Million Menschen pro Jahr. Das sind 2 Millionen Kilo Asche oder 2.000 Tonnen.

Zwar geht von Totenasche keine Keimbelastung aus, da sie steril ausgeglüht ist, aber die allermeisten Menschen empfinden sie als unangenehm, wenn nicht sogar eklig.
Die Vorstellung, im Park Picknick zu machen, und zu wissen, daß in diesem Park auch zahlreiche Tote verstreut wurden, ist sicherlich nicht sehr angenehm.

Außerdem ist es seit einiger Zeit Vorschrift, daß alles was sich zum Zeitpunkt der Einäscherung im Körper des Verstorbenen befindet, auch mit in die Urne kommen muß.
Das stellt einige Krematorien vor technische Probleme und deshalb wird diese Regelung auch nicht überall und vor allem nicht konsequent umgesetzt.
Es ist aber durchaus denkbar, daß sich in der den Hinterbliebenen ausgehändigten Urne noch allerlei medizinische Implantate von nicht unerheblicher Größe befinden.
Diese sind für eine Ausstreuung nicht geeignet. Die Vorstellung, an den Flussufern künstliche Hüftgelenke oder eine Knochenplatte mit Schrauben zu finden, ist doch eher gruselig.
Also könnten Angehörige auf die Idee kommen, die Asche von diesen Gegenständen zu befreien. Gegenstände, die nach Ansicht des Bundesgerichtshofs fest zum eingeäscherten Menschen gehören, würden also in die Mülltonne geworfen.

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StGB § 168 Abs. 1
Zur „Asche“ im Sinne des § 168 Abs. 1 StGB gehören sämtliche nach der Einäscherung verbleibende Rückstände, d.h. auch die vormals mit einem Körper fest verbundenen, nicht verbrennbaren Bestandteile.
BGH, Beschluss vom 30. Juni 2015 – 5 StR 71/15

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Peter Wilhelm17. August 2017

23 Kommentare von 138968.

  1. Im Zuge der Diskussion wurde der Begriff „Aschetourismus“ geprägt, dessen (stolze) Wortpatin ich bin.

  2. Gesetze die Dinge verbieten die niemandem schaden sind für mich nicht bindend. Ich rauche Pflanzen, gehe bei rot über die Strasse und die Mama kommt in den Garten wenn es soweit ist. Punkt aus.

    • @Hannes Ametsreiter:
      Tja, ich habe zu diesem Beitrag auch etwas geschrieben, aber leider ist es nicht online.
      Am 22.08.17 um 22:15 kann man dazu auch einen Beitrag bei RTL2 sehen!
      Ich sehe es genau wie Sie!

    • @Hannes Ametsreiter:

      Niemand schadet, ist eine Interpretationssache.

      Ich weiß jetzt, dass es jetzt sehr polemisch ist, aber das Kind was hinter Ihnen bei Rot über die Straße läuft? Was ist mit dem?

      • @Bernd:
        Doch, man schadet damit denen, die mit der Beisetzung Geld verdienen.
        Friedhof, Stadt, Gemeinde, Kirche.
        Wem schadet man denn sonst, wenn es Interpretationssache ist?
        Ich gehe auch schon mal bei Rot über die Straße, achte aber immer darauf, dass keine Kinder in der Nähe sind und es sehen. :-)

        • Nach Ihrer Logik schade ich auch dem örtlichen Metzger wenn ich meine Kaninchen selber schlachte und meine Wurst selber koche (Kaninchensalami ist überraschend lecker). Man müsste auch Amazon und Co. verbieten, denn diese schaden ebenso dem Einzelhandel.

          Die Kirche kann von mir aus verrotten, je früher desto besser.

  3. Da antworte ich ebenso polemisch: Was hab ich denn bitte mit anderer Leute Plagen zu tun?

      • Das schreibt man mit „B“? Wusste ich nicht, finde aber die Schreibweise mit „P“ passender.

  4. > Die Vorstellung, im Park Picknick zu machen, und zu wissen, daß in diesem
    > Park auch zahlreiche Tote verstreut wurden, ist sicherlich nicht sehr
    > angenehm.

    Naja, die Asche ist auch nicht viel anders als die Asche von der Grillkohle/vom Holzfeuer, die manchmal auch über manche Picknickwiese verstreut wird. Wüßte nicht, was da anders sein sollte, außer dem Wissen, daß die eine Asche vom toten Menschen und die andere vom toten Baum stammt.

    lks

  5. Ich sagte es an anderer Stelle glaube ich schon mal: alles, was wir mit den Toten tun, tun wir für die Lebenden. In erste Linie für uns selbst, und dann für die anderen.
    „Was interessieren mich die B/Plagen anderer?“ Naja, ob sie Essmanieren haben oder nicht, ist auch mir reichlich egal, aber ich möchte weder ihnen noch ihren Eltern direkten oder indirekten Schaden zufügen. Und nur, weil es den einen oder anderen nicht störte, wenn im Park dann mal Totenasche verstreut würde, könnte es andere sehr wohl stören – darum halte ich es für angemessen, daß nicht „beliebig“ zu handeln, sondern sich an gewisse „Rahmenbedingungen“ zu halten.

    • Und inwieweit „schade“ ich einem Kind, wenn ich die Ampel ignoriere? Verkehrserziehung gehört in die Verantwortlichkeit der Menschen die es nicht lassen konnten sich zu reproduzieren.

      • @Hannes Ametsreiter:
        Genau und deshalb bin ich extrem froh, dass Du Beispiel an Egoismus Dich bislang offensichtlich nicht reproduziert hast. Allein‘ dafür danke ich Gott. Möge dieser Zustand für immer bei Dir anhalten. Danke Herr, danke. Ich bin so glücklich.

  6. Meine Fresse, selten soviel geistigen Dünnsch… in einem Thread gelesen.

    Wie hieß es so schön:
    Es werde Licht, doch Pannebirnen leuchten nicht. ;-)

  7. Mein lieber Vati wurde in der Tschechei eingeäschert, es wurde gefragt (! nicht mich, sondern Anwesende, auch Betroffene!) ob man die Urne gleich mitnehmen wolle, Service also! Leider (aber in ihrem Fall verständlich) wollte das die Freundin meines Vatis nicht,also warteten wir einen Monat auf Überführung der Urne nach Deutschland.Ich denke, es hätte der gesamten Aschemenge nicht Schaden zugefügt, wenn ich ein klein wenig „Vati“ hätte an mich nehmen können, extra nur so für mich als ewige Reliquie..Die Asche meiner Eltern ruht nun auf dem Greifswalder Friedhof, anonym, wie gewollt.Nun, dagegen konnte ich leider auch nichts tun, fällt mir schwer, an eine anonyme Stelle zu gehen und zu sagen:“Ruhet dort auf ewig!“ So ist die Erinnerung an Tage, an denen sie gelebt haben, noch wertvoller.Auch ich hatte noch keine Totenasche in Händen und so gern hätte ich die auch nicht in Händen, denn lebend sind mir Menschen lieber als tot. Tot ist so unwirklich für mich, kann mir nicht vorstellen, wie das so ein könnte. DAS ist für mich schlimmer als die evtl.Vorstellung anderer Leute, in irgendeinem Park XYZ wäre evtl.Leichenasche verstreut worden. Ich würde mich da doch eher an die Schönheiten dieses Parks halten als an Vorstellungen!

    • @mesie: Hallo Mesie, ich kann alle Deine Vorstellungen gut verstehen. Ich denke, es liegt eben auch bei der Einäscherung in Tschechien an der fehlenden Beratung.
      Viel zu oft höre ich von Menschen, dass sie mit einer anonymen Beisetzung nicht gut klar kommen und es rückgängig machen würden.
      Nicht alle um die Asche zu Hause zu haben, sondern mancher auch nur um die Asche ganz normal auf einem Friedhof zu haben.
      Gerade wenn es diverse Personen gibt, die eben auch unterschiedliche Vorstellungen haben, wie sie einen Verlust evtl. verarbeiten können. Was man auch immer erst später feststellt, ob der eingeschlagene Weg wirklich der richtige ist, so kann man über einen Zeitfaktor schon anders agieren und feststellen, was man wirklich braucht.
      Der eine vielleicht einen kleinen Anhänger mit ein bisschen Asche.
      Ein anderer vielleicht ein Gefäß mit etwas mehr Asche.
      Evtl. mehrere andere eben auch das normale Grab auf dem Friedhof.
      Wo liegt das Problem? Im deutschen Denken, dass man Asche nicht trennen darf.
      Hier findet aber auch in deutschen Krematorien und bei Bestattern etwas statt, was eigentlich nicht sein darf. Man lässt sich z. B. für Schmuckstücke oder kleine Urnengefäße einen kleinen Teil der Asche geben. Nicht legal, jedoch bringt es dem Bestatter ja Geld.
      Komisch, wenn es um Geld geht, dann wird eben auch hier etwas gemacht, was eigentlich verboten ist.

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