Frieda und Elfriede

„Und welche Namen sollen wir dann auf die andere Seite drucken?“ wollte die Gärtnerin wissen.

„Na den von meinem Mann und von mir!“ sagte die Kundin bestimmt.

„Ja und wie heißen Sie?“

„Also der heißt Karl und ich Frieda.“

„Gut, dann schreiben wir also auf die eine Seite ‚In Liebe und Dankbarkeit‘ und auf die andere Seite ‚Deine Kinder Karl und Frieda‘. Ist das richtig so?“

„Nein, das ist völlig verkehrt, es muß heißen ‚Frieda und Karl‘, ich komm zuerst.“

„Gut, ich ändere das.“

Einen Tag nach der Beerdigung stehen Karl und Frieda, sorry Frieda und Karl, wieder bei der Gärtnerin und Frieda beschwert sich:
„Die Schleife war ja total falsch.“

Der Gärtnerin rutscht das Herz in die Hose, es kann ja immer mal was sein und solche Fehler sind peinlich: „Wieso denn, was war denn verkehrt?“

„Ja sie haben Frieda geschrieben, das ist aber nicht mein richtiger Name, ich heiße nämlich Elfriede.“

„Und woher soll ich das wissen? Sie haben mir doch selbst Frieda gesagt!“

„Sowas weiß man! Als professionelle Gärtnerin muß man so was wissen, Sie machen das doch auch nicht zum ersten Mal.“

Tja, was soll man nicht alles wissen!

Ein Bestatterkollege erzählte mir erst unlängst, daß er im Saarland eine Bestattung durchgeführt hat. Ein alter Mann war verstorben, der sein ganzes Leben unter Tage in einer Kohlenzeche gearbeitet hat. So waren dann auch seine Kumpel mit einer Abordnung zur Beerdigung erschienen und der Knappenverein hatte einen Kranz bestellt: „Ein letztes Glückauf! Die Hauer und Steiger“

Knappenvereine sind heutzutage mehr oder weniger Brauchtumsvereine mit bergmännischem Hintergrund und für diejenigen die sich nicht auskennen: Hauer und Steiger sind Berufsbezeichnungen aus dem Bergbau.

Auf dem Kranz prangte dann: „Ein letzter Schluckauf! Die Hauer und Stecher“

Ob das dann ein Hauen und Stechen beim Friedhofsgärtner gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

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  • Veröffentlicht am: 5. Februar 2009
  • 11 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Branche/Kommune

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

11 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Also bei mir in der Familie sind die Friedas echte Friedas, ohne Abkürzungen. Wenn man es nicht schafft einmal seinen Namen richtig zu sagen, dann tuts mir leid.

  2. [quote]“Ein letzter Schluckauf! Die Hauer und Stecher”[/quote]

    Gute Güte…als Saarländer sollte man aber wissen, wie das richtig heißt o_O

  3. Jau.

    Danke, Tom. Das hab ich heute gebraucht. Ich geh mich ne Runde wegwerfen. *g*

    Ich glaub, das wär die einzige Beerdigung gewesen, wo ich mich als Trauergast vor Lachen gekringelt hätt ;-)

    Neee…wie geil. Aber ich glaub auch, dass dem Kollegen das fies peinlich war *g+

  4. Ich glaub, das hab ich schonmal irgendwo gelesen ;)

    Habe jetzt nicht deinen gesamten Blog durchsucht aber ich meine, du hättest diese Geschichte (ohne Frieda) schonmal zum Besten gegeben.

  5. Frida könnte durchaus auch Abkürzung von anderen Namen sein, etwa Frederike, Friedelinde, Friedegunde, und es gibt mit Sicherheit noch ein paar mehr. Von den Spitznamen, die sich erst gar nicht vom Vornamen ableiten, mal ganz abgesehen.

    Nä, sorry, da ist kein Rabatt drinne, Frau Friede. Auch wenn’s ein Hauen und Stechen gibt ;-D

  6. Na dann Glückauf!

    Das tut ja weh, wenn die hauen und stechen.
    Tja der Bergbau ist halt sozusagen ausgestorben. Wer kennt schon noch die Begriffe, die damit zusammenhängen?

    Hier im Ruhrgebiet gibt es immer noch die Knappen-Chöre, die mehr oder weniger regelmäßig auftreten und ihr „Glückauf, Glückauf, der Steiger kommt“ singen.

  7. Im Saarland kommt so etwas sicher öfter mal vor, und dann bei der Schleife so daneben zu greifen, ist sehr peinlich, finde ich – so dumm darf man eigentlich nicht sein, dann lieber dreimal nachfragen.

  8. Ich verzichte auf Schleifen. Der Tote kanns nicht mehr lesen. Was bescheidenes Buntes, das Andere im Kuvert.

  9. Frieda ist der Spitzname meiner Tochter. Sie heißt Friederike, nicht Elfriede. Sowas kann man nicht wissen.

    Beim Schluckauf mußte ich laut lachen. In Zwickau, der Heimat meines Partners, gibt es ein „Glückauf-Center“, ist ein Einkaufszentrum. Wenn der Opa dann meint, er fährt einkaufen, hört sich das im reinen Sächsisch für mich Fischkopp jedesmal an wie „Schluckauf-Center“.

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