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Recycling

Was passiert jetzt mit dem Sarg aus Norwegen? Lagert ihr die benutzten, aber nicht gebrauchten (z. B. durch Transporte), bis ihr eine LKW-Fuhre voll habt und bringt die zur Entsorgung? Oder werden die gereinigt, neu bespannt etc. und dann verwendet?

Das ist ganz unterschiedlich. Die meisten Särge, die wir austauschen müssen, sind nicht mehr zu verwenden. Sie werden desinfiziert und zur Müllverbrennung gefahren. Manchmal kommt es aber vor, daß in einem Sarg schon mal kurz jemand gelegen hat und wir dann wechseln müssen, beispielsweise weil die Angehörigen sich umentschieden haben o.ä.
In solchen Fällen wird der Sarg desinfiziert, neu bespannt und bekommt ein Kennkärtchen. Diese Särge stellen wir dann solchen Leuten zum Einkaufspreis Verfügung, die sowieso kein Geld haben. Zumeist verschwinden diese Särge, immer mit Wissen der Angehörigen, bei Direkteinäscherungen im Krematorium. D.h. die Familie hat den Wunsch, daß der Verstobene direkt vom Krankenhaus o.ä. zum Krematorium gebracht wird. Man macht dann später mit der Urne eine Trauerfeier und „Urnenbeerdigung“. In so einem Fall sieht ja niemand den Sarg und deshalb nehmen wir da die einfachsten Särge überhaupt. Wenn aber noch ein ehemals belegter Mahagonisarg herumsteht, bekommt halt der Nächste, der so eingeäschert wird, mit Einverständnis des Auftraggebers, so einen Mahagoni-Sarg.

Gaffer

Neulich erwähnte ich mal die Gaffer auf den Friedhöfen. Und die gibt es tatsächlich. Natürlich sind damit nicht die Leute gemeint, die aus irgendeinem Grund ein berechtigtes Interesse daran haben, den Verstorbenen noch einmal zu sehen. Das können Menschen sein, von denen man es nicht vermutet hätte, daß sie diesen Wunsch haben.
Man darf ja nicht vergessen, daß der Verstorbene auch ein Leben außerhalb seiner Familie hatte, auf der Arbeit, in Vereinen oder Parteien usw. Da können sich intensive Beziehungen entwickeln, von denen die Familie keine Ahnung hat. Hieraus kann bei vermeintlich vollkommen Fremden der Wunsch erwachsen, sich vom Toten verabschieden zu wollen.

Aber über diesen Personenkreis hinaus gibt es Leute, die sich gerne einem, ausschließlich von Sensationslust geprägten, Leichengaffen hingeben. Es sind vornehmlich ältere Menschen, die jeden Tag den Gott werden lässt einige Stunden auf dem Friedhof zubringen und auch jeden Tag in die Aufbahrungszellen gehen, um sich der Reihe nach alle Toten anzuschauen.
Neugierde, Langeweile, Sensationshunger und die Suche nach einer Grundlage für neuen Tratsch sind die Wurzeln, aus denen sowas wächst. Und es sind nicht gerade wenige, die so etwas machen.

Vielen Familien ist das bewusst und deshalb haben wir immer mehr Aufbahrungen in unseren Räumen, wo eine bessere Zugangskontrolle möglich, aber auch die Hemmschwelle höher ist.

Manche dieser Gaffer gehen auch zu nahezu jeder Beerdigung oder Trauerfeier und manche von denen kenne ich schon beim Namen. Sie haben es fest mit eingeplant, so drei bis vier Mal in der Woche bei einer Trauerfeier zu sitzen und etwas über den Toten und die Familie zu erfahren und sich auf diese Weise die Zeit zu vertreiben. Vielleicht sind da ähnliche Motive im Spiel, wie bei den Leuten, die den ganzen Tag in den Gerichtssälen bei öffentlichen Verhandlungen dabei sind, keine Ahnung.

Mehrfach schon hatten wir es auch mit Leuten zu tun, die nach der Trauerfeier und Beerdigung ungeniert einfach mit zum anschließenden Kaffeetrinken oder Mittagessen gegangen sind.

In einem besonders krassen Fall hatten wir es mit einem vermeintlichen Hobbyfotografen zu tun, der unter seinem Mantel immer einen Fotoapparat mitschmuggelte und heimlich Fotos von den Leichen machte. Zwei Fälle sind mir bekannt, in denen junge Männer oft in den Aufbahrungszellen ‚unterwegs‘ waren, um nach besonders jungen weiblichen Verstorbenen zu schauen. Es ist da nicht bekannt, daß einer von den beiden etwas mit den Leichen gemacht hätte, aber offenbar fühlten sich diese beiden jungen Männer in gewisser Weise sexuell erregt, wenn sie sich die toten Frauen anschauten.

Wenn wir also von Leichengaffern reden, dann meinen wir nicht Leute, die aus wahrem Andenken nochmal einen Verstorbenen besuchen wollen, sondern diejenigen, die es aus reiner Sensationslust tun und die mit dem Betreffenden niemals etwas zu tun hatten.

Tod in Norwegen 4

Einen halben Tag früher als erwartet ist ja gestern Jennifer bei uns eingetroffen und das war auch gut so. Wir haben doch wesentlich mehr Zeit aufwenden müssen, um heute eine offene Aufbahrung ermöglichen zu können. Vor wenigen Minuten habe ich die Familie informiert, daß die Abschiednahme heute den ganzen Tag über stattfinden kann.

Der Sarg in den der norwegische Bestatter die junge Frau eingebettet hatte, war nach meinem Dafürhalten gar nicht so schlecht. Es war ein Körperformsarg in Weiß, allerdings innen nur grob ausgeschlagen und die weiße Farbe sah für mich eher nach Vorstreichfarbe aus, etwas matt. Das Totenhemd war aus grünem Stoff und erinnerte eher an einen OP-Kittel. Aber wie gesagt, der Norweger hatte nicht mit einer offenen Aufbahrung gerechnet.

Glücklicherweise hat der Freund der Verstorbenen inzwischen eine Abschieds-Homepage eingerichtet, sodass wir über genügend Fotos von der Verstorbenen verfügen. Die Wiederherstellung der jungen Frau gestaltete sich aber extrem schwierig und hat uns gestern und auch heute Morgen noch einige Stunden Zusatzarbeit gekostet. Sandy und ein weiterer Mitarbeiter haben stundenlang die Extremitäten massiert, um es möglich zu machen, daß die Austauschflüssigkeit vor allem die Arme und Hände erreicht. Die in Norwegen durchgeführte Obduktion scheint sich ausschließlich auf den Brustraum beschränkt zu haben, der Kopf ist soweit intakt.
Dennoch werden wir bis gegen 11 Uhr heute brauchen, bis das kosmetische Ergebnis unseren Vorstellungen entsprechen wird.

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Hölle los

Bei uns ist heute die Hölle los und ich habe das Gefühl als hätte ich schon ein paar Schnäpse getrunken. Das Erlebnis von letzter Nacht hat mich Schlaf gekostet und der fehlt mir jetzt.

Heute ist Altenheimtag, so als ob wir gerade Los Wochos oder Oldie-Wochen hätten. Der Kühlraum ist voll und mittendrin kam kurz nach 18 Uhr der Wagen aus Norwegen. Sandy hat sich die Verstorbene angeschaut und eine Schnute gezogen. Sie meint, das sei ein „NoGo-Fall“, das ginge also auf keinen Fall mit der offenen Aufbahrung.

Ich bin dann selbst in den Präparationsraum gegangen und habe mir die Sache angeschaut. Es sieht wirklich nicht gut aus. Durch den Unfall in Norwegen hat das Mädchen einen Genickbruch erlitten. Der norwegische Kollege hat zwar eine Art Einbalsamierung vorgenommen, aber offensichtlich nicht mit dem Ziel einer offenen Aufbahrung. Die Haut des Mädchens ist grüngelblich verfärbt. Ansonsten sieht sie nicht so übel aus, wie man es nach der langen Zeit befürchten hätte können.
Ich habe zwar noch keine Ahnung, wie ich das mache und dann auch noch durchhalte, aber ich glaube, ich werde mit Sandy eine Nachtschicht machen müssen.

Also wundert Euch nicht, wenn ich heute und morgen nur sporadisch schreibe, ich plansche in Formalin.

Eine unheimliche Besucherin

Ich habe rote Ränder um die Augen und dabei habe ich noch nicht einmal gesoffen. Mein Schädel brummt und ich gucke wie durch Watte in die Welt. Das verbessert nicht unbedingt meine Laune, denn so wie es aussieht habe ich heute viel zu tun. Trotzdem bin ich nicht wirklich sauer, eher durchweg erstaunt und amüsiert und beeindruckt.

Losgegangen ist es gestern Abend um kurz vor Mitternacht. Ich bin ganz allein im Haus, meine Frau ist mit den Kindern seit gestern am späten Nachmittag verreist. Wegen des Feiertags am Mittwoch hat die Schule des einen Kindes Donnerstag und Freitag zu sogenannten Brückentagen erklärt und die Schule der anderen Kinder den Montag und Dienstag… Ich habe kurzerhand beschlossen, daß alle Kinder die ganze Woche frei haben, dann kann meine Frau es endlich mal wahrmachen und mit den Kindern zu einer Bekannten an den Bodensee fahren.

Ursprünglich wollte ich mir ja eine Flasche Wein aufmachen und bei etwas lauterer Musik den Abend ausklingen lassen. Ich mach das gerne in unserer Trauerhalle, da haben wir nämlich die beste Beschallungsanlage und die beste Akustik. Es war also so gegen 23.45 Uhr als ich mit einer Flasche „Pissoir de la Closett 1984“ (oder so) die Treppe hinunterging und gerade nach links abbiegen wollte, als es gegen die Haustüre hämmerte. Ich habe mir zwar nichts vorzuwerfen, aber es hämmerte so gegen die Tür, daß ich unwillkürlich an Polizei, Steuerfahndung, die Gestapo oder einen Gerichtsvollzieher auf THC gedacht habe. Also stellte ich die Weinflasche und das Glas unten neben der Treppe auf eine Holzsäule und ging zu der großen Holztüre. Die hat oben Buntglas und der Erbauer war so freundlich, eines dieser Glasfelder aufklappbar zu machen, sodaß man raus gucken und raus sprechen kann, ohne die ganze Tür öffnen zu müssen.

Der Riegel klemmte etwas, wir brauchen ihn nicht oft, denn vom Büro aus gucken wir nur auf einen Monitor. Ich notierte im Kopf, daß es nicht schlecht wäre unten auch einen Monitor zu haben. Als ich das Fensterchen endlich auf hatte, polterte es schon wieder vor die Tür. „Was ist denn?“ fragte ich und ich gebe zu, meine Stimme muß unwirsch geklungen haben. Draußen stand eine Frau von etwa 30 Jahren mit klitschnassen Haaren und das obwohl es gar nicht regnete. „Bitte lassen Sie mich doch herein, bitte!“ flehte sie mich an und weil sie kein bißchen aussah wie ein ruppiger Finanzfahnder, öffnete ich die Tür und ließ sie ein.

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Gebirge

Und dann sagte da gerade eben eine Kundin am Telefon: „Aber Sie kommen doch nicht mit Blaulicht und Matterhorn, oder?“

Unser Grab ist weg

Da stehe ich in der Einfahrt und spiele etwas mit den Kindern und der zugelaufenen Katze, da bremst auf der Straße hinter mir ein Auto scharf ab. Ein Ehepaar (Mitte 50) steigt aus und er kommt wild gestikulierend und mit hochrotem Kopf auf mich zu. Er ist noch 10 Meter entfernt da ruft er schon: „Haderlump, elendiger!“ und schüttelt die Fäuste. Seine Frau sieht nicht minder gefährlich aus.

Da ich nicht weiß, was der geraucht hat, winke ich den Kindern zu und die verschwinden im Haus.
„Was wollen Sie bitte?“ frage ich.

„Sie sind ein Verbrecher! Ein Gauner!“ röhrt der offensichtlich bajuwarische Hirsch mit dem roten Kopf.
Viel Angst muß ich vor dem nicht haben, ich bin groß, breit und 10 Jahre jünger. „Was für ein Problem haben Sie denn?“

„Sie, wir waren auf dem Friedhof und das Grab von meiner Mutter ist weg!“

Mir ist immer noch nicht ganz klar, was der von mir will. Das sagt er mir dann aber gleich: „Bei Ihnen haben wir das Grab bestellt und Sie haben die Beerdigung gemacht und jetzt ist das Grab weg.“

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