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Die Qualle

Wenn ich zum Krematorium fahre, begegne ich dort immer mal wieder der Qualle. Die Qualle, das ist ein Mann von etwa 40 Jahren, dick, stiernackig, Doppelkinn, eine durch und durch unsympathische und ungepflegte Erscheinung. Die wenigen Haare über den Ohren hat er sich so lang wachsen lassen, daß er sie über seine große Glatze kämmen kann. Was mich aber persönlich am meisten stört, sind seine ungepflegten Zähne, die voller „Schmand“ und Essensreste hängen.

Den Namen, „die Qualle“, hat unsere Sandy ihm verpasst und sie spielt damit auf seinen Schmerbauch und seinen Hüftspeck an, die beim Laufen schwabbeln wie ein billiges Wasserbett.

Wenn man zum Krematorium kommt, muss man kurz hupen, dann kommt einer von den Mitarbeitern dort an die Tür, öffnet die beiden Flügel und schiebt von sich aus eine Sargkarre hinter den Bestattungswagen. Es ist auch ganz normal, daß der einem beim Ausladen hilft. Das müssen die Männer dort nicht, aber ab und zu mal ein Kasten Bier…
Man kennt das ja.

Nur die Qualle hilft einem nie. Der macht die Türen auf und bleibt grinsend und auf einem Streichholz kauend stehen.
Für einen versierten Bestatter ist es dennoch kein Problem, einen Sarg auch alleine auszuladen, aber zu zweit würde das viel besser gehen.
Kein Wunder, daß die Qualle bei keinem besonders beliebt ist.

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Der dreifache Hundesohn

Jetzt mal ehrlich, war es Dir noch nie mulmig in Deinem Job?

Doch, natürlich.

Aber da muss ich einige Jahre zurückspulen. Damals lebte mein Schwiegervater, der damalige Chef noch und ich arbeitete nur für die Firma, die heute meiner Frau und mir gehört.
Kurz vor Feierabend kam der Chef herunter und fragte, wer den bereit wäre, Überstunden zu machen, da müsse noch ein Verstorbener aus M.hausen geholt werden. Fieberhaft überlegte ich, wie weit dieses M.hausen entfernt ist und als ich die Kilometer grob ausgerechnet hatte, wurde mir klar, daß ich so schnell keinen Feierabend haben würde, wenn ich mit ihm dorthin fahre.
Andererseits, als guter Mitarbeiter lässt man seinen Chef nicht hängen…

Der Bestattungswagen, ein W123er von Mercedes glitt durch die Dämmerung und wir entfernten uns immer mehr von der Stadt. Mein Chef war merkwürdig ruhig und ich erkundigte mich, warum das so sei.

Er verzog das Gesicht und sagte: „Wenn ich mich nicht irre, ist an der Adresse, wo wir hin müssen ein Hochhaus und ich habe schon den ganzen Tag Rückenschmerzen.“

„Die werden doch wohl einen Aufzug haben“, gab ich zu bedenken und er sagte nur, ziemlich einsilbig: „Schon.“

Etwa 30 Minuten später kamen wir in M.hausen an und der Chef begann nach der Adresse zu suchen. Tatsächlich, es war eines der höheren Häuser und der Verstorbene musste im neunten Stock abgeholt werden.
Wir luden die Trage aus und begaben uns in das Haus. Natürlich hatte das Haus, bei insgesamt wohl mehr als 12 Stockwerken, einen Aufzug, aber das war so ein Vierpersonenaufzug mit gut einem Quadratmeter Grundfläche.

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Unpässlich

Oft habe ich das nicht, aber heute habe ich schon seit mittags heftige Kopfschmerzen. Deshalb von meiner Seite heute Funkstille.

Aber einen habe ich da noch:

Aus einer Spontanbewerbung um eine Praktikantenstelle:

Ausserdem habe ich auch eine Täternuss-Schutzimpfung.

Plantagenholz

Ich habe ja schon ein paar Mal von unserem Mahagoni-Sarg geschrieben und in einem Artikel hatte ich schon mal erwähnt, daß der eine Mahagoni-Oberfläche hat. Also, mit diesem Sarg verhält es sich so: Es ist ein Nadelholzsarg, dessen Oberfläche mahagonifarbig lackiert ist. So steht es auch auf dem Preisschild „Nadelholz in Mahagoni-Optik“.
Ich finde, der sieht sehr edel aus, was nicht allein an der Lackierung, sondern auch an der Form und Schnitzung liegt.

Steht die Tochter einer Kundin vor dem Sarg, man hatte sich längst für ein anderes Modell entschieden, und sagt: „Der ist ja hoffentlich aus Plantagenholz, oder?“

Ich habe gar nicht richtig zugehört, weil ich eigentlich mit der Mutter sprach und sage fälschlicherweise: „Kiefernholz.“

„Das war doch gar nicht meine Frage, ich wollte wissen, ob der aus Plantagenwuchs ist.“

Irgendwie haben wir ja wohl voll aneinander vorbei geredet, sie wollte wissen, ob das Mahagoni aus einem geschützten Anbau kommt, ich sage, daß es Kiefer ist und sie hört mir auch nicht zu und will weiter wissen, ob es Plantagenholz ist.

Letztendlich werden aber die meisten Wälder hier wohl forstwirtschaftlich genutzt und somit ist doch das Holz dort extra angepflanzt und man könnte sagen, daß es Baumplantagen sind. Ich habe dann einfach mal heftig genickt.

Sie war zufrieden.

Jerry Cotton muss aufs Klo

Ist das nicht erstaunlich? Jerry Cotton, der unermüdliche Kämpfer für Gerechtigkeit und Ordnung, geht zweimal die Woche in den Drugstore, um sich Ohrenstöpsel zu kaufen, verbraucht in der Woche 6 Rollen doppellagiges Klopapier und hat rechtsseitig einen schmerzhaften Fersensporn.

Wie kommt es bloß, daß das alles nicht in den weltberühmten Jerry-Cotton-Heften steht?
Vermutlich, weil es keine Sau interessiert und weil es für die Leser langweilig wäre, sich vier Wochen lang am Kiosk diese Hefte zu kaufen, um nur über Nichtigkeiten zu lesen, bis dann in der fünften Woche mal wieder etwas Spannendes passiert.

So kommt es auch, daß von der ganz alltäglichen Klein-Klein-Arbeit in meiner Firma immer nur am Rande etwas erzählt wird und ich mich bei meinen Beiträgen überwiegend auf die interessanten Geschichten konzentriere. Es ist, und das habe ich immer deutlich gesagt, eine Essenz aus über 20 Jahren. Ob Frau Dr. Sabine-Susanne Muckensturm-Hallenschläger nun heute oder vor drei Jahren in mein Bestattungshaus spazierte, spielt für den Kern der Story überhaupt keine Rolle.

Wer selbst in der Branche tätig ist, der sollte mal die vergangenen 20 Jahre Revue passieren lassen und überlegen, was bei ihm so alles passiert ist. Man darf ja auch nicht vergessen, daß auf einen komischen Vogel und eine spannende Begebenheit vielleicht 50 oder 100 ganz normale und alltägliche Bestattungen kommen, die zu erzählen und ständig zu wiederholen absolut langweilig und nervtötend wäre.

Außer der feurigen Rothaarigen war heute schon ein ganz nettes Ehepaar da, die ihre Schwester/Schwägerin betrauern, ein junger Mann, der wegen seiner Mutter kam und eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Heute Mittag kommen noch zwei Familien und am Nachmittag muß ich zu einem älteren Herrn. Vermutlich werden das alles ganz normale, nette Leute sein, aber es würde nicht lohnen, darüber zu schreiben.

Beruferaten

Walle walle, knille knalle, die hat’se doch nicht alle!

Ich habe doch schon mal geschrieben, daß die Leute die zu uns kommen ja meistens in einer psychischen Ausnahmesituation sind und wir uns im Bewußtsein dieser Tatsache einerseits entsprechend überkorrekt verhalten und andererseits diversen Macken und Schrägdenkweisen durchaus tolerant gegenüberstehen.

Aber die, die gerade aus meinem Laden raus ist, die hat den Vogel abgeschossen.

Am Telefon: „Mein Schwiegervater ist tot, ich muss mich jetzt um alles kümmern, wann haben Sie Zeit?“

Nachdem ich das Übliche gesagt habe, höre ich: „Ich bin in fünf Minuten da, bitte halten Sie sich bereit, ich habe nicht viel Zeit, ich muss dann nämlich in meine Praxis.“

Sie kam dann auch nach gut fünf Minuten, ignorierte meine zum Gruß ausgestreckte Hand, schüttelte stattdessen ihr langes, feuerrotes Haar und meinte nur: „Lassen Sie uns ohne Umschweife zum Thema kommen, meine Patienten warten!“

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Der Grablichtautomat

Das kann einem ja jederzeit passieren: Man ist so unterwegs und urplötzlich fällt einem siedendheiß ein, daß man vielleicht gerne ein Grablicht hätte. Tja und dann ist weit und breit kein Grablicht-Fachgeschäft in Sicht. Was tun?
Möglicherweise steht ja ein romantischer Abend mit einer Hübschen auf dem Spiel, die eine besondere Vorliebe für Grablichter hat, wer weiß?

Gut, daß es da den Grablichtautomaten gibt!

Gefunden bei: Das Schaaf bloggt

Hauen und Stechen

Ein Bestatter aus einer etwa 60 km entfernten Stadt, nennen wir ihn mal Richter, ist ein sehr netter Kollege. Ich habe Herrn Richter vor etwa 4 oder 5 Jahren kennengelernt, als ich zufällig an „unserem“ Friedhof vorbeikam und ihn mit seinem Bestattungswagen vor dem verschlossenen Tor stehen sah. Ich hab angehalten und ihm mit unserem Schlüssel aus der Patsche geholfen, er war außerhalb der Dienstzeiten gekommen und da ist am Friedhof nur ein kleines Fußgängertor offen.

Anschließend kam er dann noch auf einen Kaffee mit zu uns und war sehr von unserem Haus angetan, was mir schmeichelte. In unserem Sarglager sah er dann die Sargrollwagen, mit denen wir leere und volle Särge bewegten und hatte da einen Änderungs- bzw. Verbesserungsvorschlag. Irgendwas mit Vierkantrohren, ich merkte es mir damals nicht wirklich.

Zwei Tage später stand er wieder bei mir vor der Tür und hatte so einen Sargwagen dabei, den er extra für uns zusammengeschweißt hatte. Das fand ich nett und diese Sargwagen sind seitdem bei uns im Dutzend im Einsatz.

sargwagen1.jpg
so ähnlich sind diese Sargwagen; wir haben Sie mit und ohne obere Platte

Richter und ich sind keine guten Freunde, aber sehr gute Kollegen. Wenn bei ihm mal Not am Mann ist, helfe ich ihm und umgekehrt ebenso. Mal hat er einen Toten hier aus unserer Stadt abzuholen und dann erledigen wir schon mal die Abholung und besorgen die Papiere und ein anderes Mal müssen wir zu einem der zahlreichen Friedhöfe in seiner Gegend und er ist uns behilflich.

Diese Tage rief mich Richter an und klagte mir sein Leid mit der Konkurrenz. Zum dritten Mal habe man ihm sämtliche Reifen am Bestattungswagen zerstochen und kein Mensch könne ihm helfen.
Auch wir haben Konkurrenz und es geht nicht immer freundlich zu, aber wenigstens geht es nicht so weit, daß es zu Sach- oder Personenschäden kommt.

Als Richter mir das mit den Reifen erzählte, fing er an zu weinen. Ein erwachsener Mann ist so fertig, daß er am Telefon heult.

„Ich bin am Ende“, sagte er: „Ich weiß nicht mehr wie es weitergehen soll, ich glaube ich sperre hier zu.“

Was er mir dann alles erzählte, geht auf keine Kuhhaut, ist unglaublich und das muss ich selbst erst mal verarbeiten.

Wenn ich es alles richtig sortiert habe, fange ich an, ab morgen darüber zu schreiben.