Stadtrundfahrt für Franz

Einen etwas außergewöhnlichen Wunsch äußerte heute früh eine Witwe. Sie war mit den Totenpapieren ohne Anmeldung bei uns im Büro erschienen und wollte, dass wir bitte nachdem alles besprochen ist, anschliessend ihren verstorbenen Mann daheim abholen.

Sie habe da aber eine Liste, äußert sie etwas schüchtern, so als handele es sich um etwas Anrüchiges. Ich bin ja einiges gewöhnt und erkundige mich nach der Liste, will wissen was den da drauf steht.

„Naja, da stehen alle die Orte hier in der Stadt drauf, die für meinen Franz eine Bedeutung hatten. Sein Kindergarten, seine Schule, da wo er gelernt hat, eben alles.“

Was denn mit dieser Liste und diesen Orten geschehen soll, erkundige ich mich weiter.

„Der Franz wollte, dass er im Leichenwagen da vorbeigefahren wird. An allen Orten, genau in dieser Reihenfolge und bitte, bitte nehmen Sie den schönen langen Mercedes, das hat er sich mal so gewünscht.“

Machen wir doch!

Es zeigt sich einmal mehr, dass es nicht verkehrt ist, schon zu Lebzeiten mal mit seinen Nächsten darüber zu sprechen, wie man es denn gerne hätte. Das macht die Sache für alle Beteiligten einfacher. Man glaubt nicht, wie oft Angehörige bei mir sitzen und nicht einmal wissen, ob der Verstorbene verbrannt werden wollte oder nicht. Es ist nicht nur einfacher für uns und die Familien, sondern es erfüllt die Hinterbliebenen oft auch mit einem Gefühl der Befriedigung, wenn sie sehen, dass sie auf diese Weise auch noch nach dem Tod eines Angehörigen etwas für ihn tun können, nämlich seine diesbezüglichen Wünsche zu erfüllen.

Wir fahren also heute Nachmittag mit dem eingebetteten Franz ein Stündchen durch die Stadt, erfreuen uns daran, auf so einfache Weise diese Witwe glücklich zu machen und sind sehr froh darüber, dass der Franz sein ganzes Leben in dieser Stadt zugebracht hat. Nicht auszudenken, was das für eine Tour geworden wäre, wenn er beispielsweise Schausteller oder Zirkusartist gewesen wäre.

Urne auf dem Kamin – Alternative Bestattungsformen für Asche und Urnen

Darf man die Urne mit nach Hause nehmen?

Immer wieder wird mir die Frage gestellt, ob man eine Urne mit nach Hause nehmen darf.

Ich habe gehört, dass hier in Deutschland die Urne mit der Asche des Verstorbenen beigesetzt werden muss. Es ist also nicht möglich, die Urne (wie in einigen amerikanischen Filmen) z.B. zu Hause auf den Kamin zu stellen oder ins Meer zu streuen oder so etwas?

Noch besteht in der Bundesrepublik Deutschland Beisetzungspflicht für Urnen. Die allgemeine Einstellung geht dahin, daß nur auf einem Friedhof die Totenruhe gewährleistet ist. Ausnahmen sind bislang nur die Versenkung der Urne auf See (Seebestattung) oder die Beisetzung der Urne im Wurzelbereich eines Baumes (Bestattungswald).

In anderen Ländern wird das völlig anders gehandhabt. In den USA beispielsweise aber auch in den benachbarten Niederlanden.
Wir erhalten oft Anfragen, ob es nicht möglich sei, eine Urne mit nach Hause nehmen zu dürfen, weil man die Asche an einem besonderen Platz selbst beisetzen oder ausstreuen möchte.
Da die Asche an sich absolut steril und hygienisch einwandfrei, ja sogar biologisch einwandfrei ist, haben wir grundsätzlich gegen diesen Wunsch nichts einzuwenden. Wir hören uns das Vorhaben der Angehörigen aber sehr genau an und wenn wir den geringsten Zweifel haben, was den Verbleib der Asche anbetrifft, so halten wir uns von der Sache fern.
Ein gewisses Problem stellen auch Witwen dar, die selbst schon hochbetagt sind und bei denen damit gerechnet werden muss, dass in absehbarer Zeit sich die Frage stellt, was denn mit der Asche nun geschehen soll, weil nun auch diese Witwe verstorben ist.

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Unfallopfer und Belastung

Da ich gestern in einem Krankenhaus einen recht erschreckenden Anblick sehen musste und ich nicht davon ausgehe das der Patient dies überlebt hat (Kopf etwas deformiert und Teile der Gesichtspartie nicht mehr vorhanden..) würde es mich einfach mal interessieren wie mit Verstorbenen umgegangen wird die durch ein Zugunglück oder einen anderen Unfall gestorben sind, bzw. wenn deren Körper stark deformiert und/oder gar nicht mehr ganz vorhanden sind? Die psychische Belastung für die Mitarbeiter muss doch in so einem Fall noch um einiges größer sein als bei einer ‚normalen‘ Bestattung..

Nehmen wir es mal Stück für Stück vor:

Belastung der Mitarbeiter

Die psychische Belastung der Mitarbeiter ist naturgemäss größer als wenn sie Pakete ausfahren würden. Allerdings werden unsere Mitarbeiter intensiv geschult und auf die Einsätze vorbereitet. Erfahrenere Leute arbeiten Neue behutsam ein und führen sie schrittweise an die schweren Fälle heran.
Im Verlaufe der Zeit gewöhnt man sich an Vieles und bekommt eine gewisse Routine. Als besonders belastend empfinden unsere Männer nach eigener Aussage den Umgang mit verstorbenen Kindern. Das ist für sie wesentlich schwieriger als zerstückelte Leichen, die in der „Hitparade“ auf Platz zwei landen. An dritter Stelle liegen Verstorbene die eine große Geruchsentwicklung zeigen.
Aber Job ist Job und mit ähnlichen Gegebenheiten sind Polizisten, Feuerwehrmänner, Ärzte und Rettungsfahrer ebenfalls konfrontiert.
Ich habe es aber in all den Jahren noch nicht erlebt, dass ein Mitarbeiter deshalb den Job aufgegeben hat.

Gesichtsdefekte

Selbst ausgesprochen schwer entstellte Leichen, können bei Vorliegen mehrerer Fotografien von guten Leichenkosmetikern wieder in einen ansehbaren Zustand versetzt werden. Die Hilfsmittel sind mannigfaltig und würden einen Laien mehr als erstaunen. Das fängt bei dem Auffüllen mit Wachsen an und ist bei der Anfertigung kompletter Masken aus Latex noch nicht zu Ende.
Man muss aber Aufwand, Kosten und Zweck sinnvoll abwägen. In den meisten Fällen ist es ratsamer, den Angehörigen zu vermitteln, dass d. Verstorbene nicht mehr aufgebahrt werden kann.

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Six feet under

Ob ich die Serie „Six Feet Under“ mag? Natürlich! Wann gibt es schon mal eine TV-Serie, die sich überhaupt mit diesem Thema befasst. Allerdings mag ich die Serie auch und eigentlich vor allem, wegen der vielen anderen Stories, die da erzählt werden. Dass es im Bestattergewerbe spielt, gibt der Sache nur einen morbiden Charakter, man hätte die Serie genauso gut drehen können, wenn die Leute eine Fahrschule oder eine Wäscherei gehabt hätten.

Was da vom Bestattungsgewerbe gezeigt und berichtet wird, ist sehr amerikanisch und hat mit den Bedingungen und Verhältnissen bei uns nichts zu tun. Das Bestattungsgewerbe in den USA unterscheidet sich von unserem grundlegend. Das fängt bei den Erdbestattungen an, wo Graber für die Ewigkeit und nicht für 12, 15 oder 25 Jahre angekauft werden, geht über die Einäscherungen, die der Bestatter selbst vornimmt und den Verbleib der Asche bis hin zu dem Aufwand, der um die Aufbahrung und Trauerfeier getrieben wird. Eigene Trauerkapellen gehören in Amerika ebenso zum Standard, wie die Abschiednahme am offenen Klappsarg.
Für den Sarg alleine geben die Amerikaner oft soviel aus, wie bei uns für eine komplette Bestattung aufgewandt wird.

Was ich persönlich absolut geil finde, sind amerikanische Bestattungswagen. Leider erfüllen diese oft nicht die DIN-Anforderungen, die in Deutschland gelten, sind wahnsinnig teuer und selbst gebraucht (dank Einfuhrumsatzsteuer) schier unbezahlbar. Außerdem sind sie für unsere Zwecke zu groß, zu breit. Ein norddeutscher Kollege hat so ein Schlachtschiff und berichtet immer wieder davon, dass er nicht auf den Friedhof fahren kann, nicht in die Einfahrten von Altersheimen passt usw.

An der Fernsehserie „Six Feet Under“ finde ich besonders gut, dass gezeigt wird, wie normal man in diesem Haus mit dem Thema umgeht. Man wohnt quasi mit den Toten zeitweilig unter einem Dach.
Was hier auch immer deutlich zum Ausdruck kommt, ist der Trend in den Vereinigten Staaten, seine Verstorbenen einbalsamieren zu lassen. Das kommt bei uns erst allmählich zum Tragen. Durch eine solche Einbalsamierung ist, um es einfach mal in klaren Worten zu sagen, der Verstorbene länger haltbar. Verwesungsprozesse werden hinausgezögert und machen, neben den kosmetischen Maßnahmen, eine geruchsneutrale und hygienisch einwandfreie offene Aufbahrung während der Trauerfeier überhaupt erst möglich.

Kosten der Bestattung

Immer wieder werde ich gefragt, warum eine Bestattung so teuer sein muss. Gerne wird es auch einmal so hingestellt, als würden alle Bestatter Wucher betreiben und durch die Unausweichlichkeit der Dienstleistung in die Lage versetzt, überhöhte Preise zu kassieren.
Ich mache gar keinen Hehl daraus, dass eine Bestattung teuer sein kann und verneine auch nicht, dass es Kollegen gibt, die hier oft über die Stränge schlagen. Auf die möchte ich aber demnächst in einem Artikel über die „schwarzen Schafe“ eingehen.

Zwei Pole
Mein Bestreben ist es, ein sauberes Haus zu führen und die beiden Pole meiner Tätigkeit in einen Einklang zu bringen. Diese beiden Pole sind:

* kommerzielles Interesse, schließlich machen wir das, um Geld zu verdienen
* Dienstleistung am Menschen, denn wir wollen helfen und Unterstützung bieten

Es ist nämlich ein merkwürdiges Ding, dass man dem Bestatter schnell mal zu Vorwurf macht, dass er mit seiner Arbeit auch noch Geld verdienen will. Dabei vergessen die meisten, dass Beerdigungsunternehmen keine Wohlfahrtsabteilungen sind, sondern deshalb unterhalten werden, weil da jemand Geld mit verdienen will. Es ist nun mal so, dass Menschen sterben müssen und da es in der Natur der Sache liegt, dass man sich nicht selbst beerdigen kann, wird das immer jemand tun müssen. Und jede Mühe verdient ihren Lohn, also ist allein an der Tatsache, dass ein Bestatter Geld für seine Arbeit verlangt nichts Verwerfliches.

Als modernes Bestattungshaus sind wir aber über den rein kommerziellen Gedanken hinaus auch bemüht, den Menschen eine Stütze und Hilfe zu sein. Dabei vermeiden wir jede Form der geheuchelten Anteilnahme, versuchen aber den Menschen das Gefühl zu geben, gut aufgehoben zu sein. Das Wichtigste dabei ist das Einfühlungsvermögen, die Fähigkeit, schnell zu erkennen, mit wem man es zu tun hat, welcher Weg in diesem Fall der richtige ist. Im Prinzip könnte man als Slogan wählen: Sie trauern, den Rest erledigen wir. Aber das ist nicht immer der richtige Weg, weil es Leute gibt, für die es am Besten ist, wenn wir ihnen alles abnehmen und es aber auch Leute gibt, bei denen es besser ist, wenn wir sie bestimmte Dinge selbst erledigen lassen.

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Wenn der Sarglift streikt

Wenn der Sarglift streikt, ist der Titel eines Artikels im „Flim-Dienst“, auf den mich mein Leser Marcel aufmerksam gemacht hat.
Wer mag, kann den Artikel hier nachlesen.

Panne

Heute nachmittag sind unsere Fahrer ausgerückt, weil ein Bestatterkollege aus dem Oldenburger Raum hier in der Nähe auf der Autobahn eine Panne hatte. Getriebeschaden. Wir sollen den Sarg mitsamt Inhalt übernehmen und bei uns einlagern, bis morgen früh der Ersatzwagen kommt.

So, jetzt habe ich einen fremden Sarg in der Kühlung, einen fremden Bestattungswagen auf dem Hof, einen fremden Bestattungshelfer in der Pension.

Als ich den Mann gefragt habe, warum er sonntags mit dem Sarg auf der Autobahn unterwegs sei, bekam ich die Antwort, er habe den schon am Freitag in Bayern geholt und auf dem Rückweg seinen Bruder am Bodensee besucht, da sei es etwas später geworden…
Man lasse sich das mal durch den Kopf gehen, da holt der Freitag mit dem Sarg einen Verstorbenen weit hinter München ab und statt mit dem dann nach Hause zu fahren, gurkt der zwei Tage lang durch die halbe Republik.