Offen oder zu?

Das fragen viele Bestatter ihre Kunden und meinen damit, ob der Verstorbene vor der Trauerfeier noch einmal offen aufgebahrt werden soll oder ob der Sarg verschlossen bleiben soll.

Ich muß, so glaube ich, nicht ausführen, warum man manch einen Verstorbenen nicht mehr aufbahren kann. Ansonsten hängt es von der inneren und persönlichen Einstellung der Angehörigen ab. Hierbei sollte man sich selbst die Fragen stellen:

* hat sich der Verstorbene innerhalb kurzer Zeit durch Krankheit/Unfall dramatsich verändert?
* möchte man ihn/sie lieber in Erinnerung behalten, wie er zu Lebzeiten gesund aussah?
* was denken die Verwandten darüber? Gibt es evtl. ältere Verwandte die ihn/sie noch einmal sehen möchten?
* will man, dass Nachbarn, Neugierige oder zufällige Trauerbesucher ihn/sie anschauen?
* ist man sich darüber im Klaren, dass das die letzte Gelegenheit ist?

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Sekundenkleber

Wenn man irgendwo erzählt, dass man Bestatter ist, weichen manche Leute zurück, so als habe man immer eine Leiche in der Tasche oder so. Ganz ehrlich, ich nehme keine Arbeit mit nach Hause! :-)

Auf jeden Fall aber steht man schnell im Mittelpunkt des Gespräches, weil zu dem Thema hat jeder irgendwas zu sagen oder will irgendetwas wissen.

Letztens fragte mich jemand: Wie macht ihr das eigentlich, dass der Mund des Verstorbenen zu bleibt?

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Da könnte ich kotzen! Und dann ging es gut aus

Acht Tage hatte ich Zeit, diese Trauerfeier vorzubereiten. Die Leute sind anspruchsvoll und haben etliche Sonderwünsche. Da sie aber auch nett sind und wohl auch über die entsprechenden finanziellen Mittel verfügen, lege ich mich mit meinem Team richtig ins Zeug. Da können wir mal zeigen, was wir können.

Offene Aufbahrung vor der Trauerfeier, Einzug des Sarges in die Kapelle mit Musik von der CD, Traueransprachen von Freunden und Verwandten, langer Zug über den Friedhof zum Grab. Während der Sarg ins Grab gelassen wird, soll ein Trompeter ein langsames, getragenes Stück blasen.

Kein Problem! Die Musikschule im Nachbarort war bisher immer hilfreich und einer der Musiklehrer hat solche Wünsche gut und preiswert erfüllt.

Heute suche ich den Trompeter und sehe ihn nicht. Hat meine Mitarbeiterin da was vergessen? Panik!

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Spardosen

Kommt doch tatsächlich heute nachmittag eine ältere Dame zu mir ins Bestattungshaus und fragt, was denn die schönen Spardosen im Schaufenster kosten.

In unserem Schaufenster stehen aber nur Urnen.

Die Armbanduhr

Wir haben ein Schmuckbuch. In dieses tragen unsere Männer (die die Verstorbenen abholen und einbetten) alle Schmuckstücke ein, die der Verstorbene trägt. Daraufhin werden die Angehörigen gefragt, was mit dem Schmuck geschehen soll. Manchmal soll der Schmuck, insbesondere Eheringe, angezogen bleiben, manchmal wollen ihn die Angehörigen zurück. Für die Rückgabe haben wir übrigens extra ein Desinfektionsbad und einen Ultraschall-Schmuckreiniger.

Jedenfalls wollen wir nicht, daß uns unterstellt werden kann, wir hätten uns da am Schmuck bereichert. Das tun im Falle einer Einäscherung schon die Kommunen, denn die nicht verbrennbaren Bestandteile (Groldkronen, Schmuck, Implantate aus Metall usw.) werden aus der Asche entnommen und meist über die Degussa zu Geld gemacht, Geld das die Angehörigen nicht sehen! (Stand 2007)

In diesem Fall trug ein Verstorbener eine Armbanduhr. Die Witwe sagte, wir sollen ihrem Franz die Uhr lassen, die habe er für 30jährige Treue von seinem Betrieb bekommen und auf die sei er immer besonders stolz gewesen.
Die könne man ihm ja jetzt nicht wegnehmen, die Uhr sei sein Ein und Alles.

Nun gut, wir haben sie ihm also angelassen und so wurde die Uhr mit Franz begraben. Warum auch nicht?
Die Uhr war weder besonders wertvoll, noch besonders schön.

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Rittersporn für Kurt

Kommt heute eine Kundin und möchte gerne, daß der Sarg ihres Gatten mit Rittersporn geschmückt wird. „Aber bitte üppig!“

Der Gärtner sagt mir, daß es jetzt keinen Rittersporn gibt, höchstens eingeflogenen aus Südafrika, für 12 Euro das Pflänzchen.

Ich rufe die Kundin an und sage ihr, daß ihr Blumenwunsch sehr ausgefallen und teuer sei.

Ihre Antwort: „Bestatter sind doch alles Halsabschneider!“

Fehler durch Lektorin Alexandra bereinigt.

Herzlich willkommen im Bestatterweblog

Bestatterweblog?
Was ist das? Ein Weblog nur für Bestatter?

Nein, das Bestatterweblog ist für jedermann. Es ist eine Sammlung von Geschichten und informativen Texten, die vom Grundansatz her etwas mit den Themen Bestattung, Tod und Trauer zu tun haben.
Dennoch ist dies kein Trauerportal, keine schwarz-düstere Seite, sondern ein durchaus unterhaltsames Internetengagement, das man am besten mit dem neumodischen Wort Infotainment beschreibt.

Dies hier ist nicht wirklich der allererste Artikel im Bestatterweblog, auch wenn er bei Deiner Suche nach dem Anfang als letzter oder erster Artikel im Jahr 2007 auftaucht.
Tatsächlich habe ich diesen Artikel am 1.1.2014 geschrieben, damit Du gleich von Anfang an verstehst, um was es geht und wie dieses Blog zustande gekommen ist.

Ich bin Peter Wilhelm, Baujahr 1959, verheiratet, zwei Kinder und lebe in der Nähe von Heidelberg.
Von Haus aus bin ich eigentlich eher an Geisteswissenschaften interessiert und habe auch irgendwann einmal den Beruf des Kaufmanns gelernt.
Und als solcher kam ich, wie man so gerne sagt, wie die Jungfrau zum Kinde, mit der Bestattungsbranche in Berührung. Viele Jahre arbeitete ich in der Branche, als Kaufmann, als Berater und über fast 10 Jahre als Inhaber eines eigenen Bestattungsinstitutes mit 14 Beschäftigten, einem Hauptgeschäft und zwei Filialen.
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