Home Kontakt Impressum/Datenschutz Service-Portal Shop

Sack, Sarg, Trage

Wann nehmt ihr einen Sarg zum Abholen von einem Toten und wann einen Leichensack oder die Trage?

Trage
Wann immer es geht, benutzen wir eine Trage. Diese Tragen sind nahezu baugleich mit denen aus einem Rettungswagen, nur dass bei uns oben keine weiche Auflage drauf ist, sondern eine durchgehende Kunststoffliegefläche. Hieran befindet sich am Fußteil eine sackartige Tasche, Fußsack genannt, in die die Füße des Verstorbenen kommen, damit er nicht herausrutschen kann, wenn wir mal mit der Trage jonglieren müssen. Ein Stück Plane ist jeweils unten und oben, sowie jeweils ein links und rechts angenäht, sodass wir diese Teile über dem Toten zusammenschlagen und ihn damit verhüllen können. Drei Gurte sichern ihn gegen das Herabrutschen von der Trage.

Zur Trage gehört ein Fahrgestell, von welchem die Trage heruntergenommen werden kann. Beim Hineinschieben in den Bestattungswagen klappt das Fahrgestell zusammen.

Wir bevorzugen diese Tragen zur ersten Abholung, weil sie wesentlich leichter sind als ein Sarg und vor allem beim Hantieren in engen Treppenhäusern Vorteile bieten. Am ringsumlaufenden Rahmen hat man immer eine Möglichkeit zum Anfassen.

Särge
Särge benutzen wir zur ersten Überführung nur, wenn das von den Angehörigen ausdrücklich gewünscht wird, bzw. wenn wir einen Verstorbenen wo abholen, wo uns die Örtlichkeiten bekannt sind, genügend Platz ist und wo der Verstorbene direkt eingebettet werden kann.

Weiterlesen

Sterbezahlen

Mehrfach war im Weblog bereits von den sinkenden Sterbezahlen die Rede.
Die Sterbezahl bezeichnet die Anzahl der Verstorbenen in einem bestimmten Zeitraum. Grob gerechnet stirbt ein Prozent der Bevölkerung. Das bedeutet, dass in einer Stadt mit 100.000 Einwohnern jedes Jahr 1.000 Menschen sterben. Sterben weniger, sinkt die Sterbezahl, sterben hingegen mehr Leute, steigt die Sterbezahl. Sinkende Sterbezahlen machen seit Jahren dem Bestattungsgewerbe und der Zulieferindustrie zu schaffen. Etwa seit Mitte der 90er Jahre gehen die Sterbezahlen zurück. Das hängt in erster Linie mit dem Zweiten Weltkrieg zusammen. Alle in den Kriegen ums Leben gekommenen Menschen fehlen einfach jetzt, um es einfach zu sagen. Sie wären normalerweise jetzt mit dem Sterben an der Reihe.

Die Entwicklung der letzten Jahre sieht so aus:

Sterbefälle in der Bundesrepublik Deutschland
2000 839.000 -0,5 %
2001 821.000 -2,1 %
2002 845.000 +2,9 %
2003 858.000 +1,6 %
2004 821.000 -4,3 %
2005 830.000 +1,1 %

Quelle: Statistisches Bundesamt

Weiterlesen

Der Geruch des Todes

Heute geht es um eine Frage, die mich erreichte. Jemand möchte wissen, wie es sich mit dem Geruch von Leichen verhält.

Immer wieder erreichen mich E-Mails, in denen Interessierte mir Fragen stellen. Oftmals trauen sie sich nicht, diese Fragen im Weblog zu stellen, weil sie befürchten, die Fragen könnten zu dumm oder zu pietätlos sein. Pfffft, traut Euch!

Es gibt ja Menschen, die in Ihrer Wohnung verstorben sind und dort wochenlang nicht entdeckt werden. Ich habe von einer Bekannten gehört, deren Vater Polizist ist, dass der Geruch der dann von der Leiche ausgeht nie wieder aus den Klamotten heraus geht. Auch nach mehrmaligem Waschen nicht. Stimmt das? oder hast du damit keine Erfahrung?

Der von einer Leiche ausgehende Geruch wird oft als süßlich bezeichnet. Er ist sehr aufdringlich und kann schnell auch einen Würgereiz auslösen. Werden wir zu Leichnamen gerufen, die schon geraume Zeit gelegen haben, helfen weiße Staubschutzmasken mit einigen Tropfen Minzöl oder Mundwasser. Manche Bestatter reiben sich auch etwas Mentholcreme für Erkältungskrankheiten unter die Nase. Ist der Geruch zu stark, helfen nur noch Atemmasken mit Filter.

Der Geruch ist tatsächlich langanhaftend, d.h. Gegenstände aus einer Wohnung in der jemand lange gelegen hat, riechen noch eine ganze Weile. In der Kleidung haftet der Geruch aber nicht wirklich sehr lange und wird von Dritten zumeist gar nicht wahrgenommen. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß dieser süßliche Geruch vor allem von den Menschen an ihrer Kleidung wahrgenommen wird, die selbst diesen Geruch am Ort des Geschehens wahrgenommen haben. Das passt zu den Schilderungen Deiner Bekannten. Ihr Vater wird als Polizist nicht jeden Tag und überhaupt nur selten mit solchen Fällen konfrontiert sein. Diese starke Geruch prägt sich sehr gut ein und man meint ihn ebenfalls sehr stark wahrzunehmen, selbst wenn man später nur ganz geringe Spuren wirklich wahrnehmen kann.

In der Tat ist der Geruch nicht unbedingt als ekelerregend oder unangenehm zu bezeichnen und hat nichts mit dem Geruch zu tun, der bei fauligem Fleisch entsteht. Das ist auch mit ein Grund dafür, daß manche Tote jahrelang in der Wohnung liegen und niemand etwas merkt. Ein paar Wochen riecht es „merkwürdig“. Mangels eines Vergleichs können die Nachbarn den seltsamen Geruch nicht einordnen, der dann auch wieder verschwindet.

Bestatter pleite – Geld weg – Alte Leute geprellt – Skandal !!!

Immer wieder liest man mal solche Meldungen in der Presse und auch die Zick, Zack, Blitz, Päng und Explosiv-Sendungen in den Privatsendern nehmen sich gerne dieses Themas an. Neulich habe ich in einem Kommentar schon einmal Stellung bezogen, möchte aber nicht, dass mein Standpunkt untergeht und schreibe es deshalb hier noch einmal etwas ausführlicher:

Es geht immer um Folgendes:

Da hat ein älterer Mensch an einen Bestatter Geld für seine dereinstige Bestattung bezahlt, der Bestatter hat Insolvenz angemeldet und der alte Mensch geht nun leer aus.

Das ist schon deshalb eine etwas sensationsheischende Meldung wert, weil es auf der einen Seite um Angehörige eines Berufsstandes geht, von dem man so gut wie nichts weiß (außer man liest mein Weblog!) und auf der anderen Seite um alte Leute geht, die oft beim Abschluss von Verträgen überfordert sind.

Wenn so etwas passiert ist das natürlich bitter für den alten Menschen, aber kurz gesagt: So etwas kann passieren. Tausende haben bereits Geld an Handwerker, Bauunternehmer, Autoverkäufer, Ladeneinrichter und was weiß ich bezahlt und bevor der irgendeinen Handschlag getan hat, ist das Unternehmen pleite gegangen. Das ist immer sehr ärgerlich, aber nunmal der Lauf der Dinge und in den heutigen Zeiten nichts Ungewöhnliches. Man weiß ja auch nie, was hinter einer solchen Unternehmenspleite steht, in den seltensten Fällen macht da einer gerne Pleite.

Weiterlesen

Ebony and ivory

Im Moment wird ja viel ausgewandert, zumindest mal im Fernsehen. Wir hatten ja schon die Welle der Wohnungsrenovierungen und die Richter-Welle hält derzeit noch an, aber neu ist seit einigen Monaten das Auswandern. Dass diese Auswanderei auch mit uns was zu tun haben könnte, hätte ich nicht erwartet. Und dann noch auf so kuriose Art und Weise.

Es ruft eine Frau an, von der Stimme her eher jung. Sie habe da ein besonderes Anliegen. Das macht mich neugierig, denn ich mag es, wenn die Leute was Besonderes möchten und wir das dann möglich machen. Ja, sie sei Pianistin und spiele demnach auf einem Flügel. Aha, sage ich und frage mich insgeheim, warum eine Pianistin nicht auf einem Piano spielt, sondern auf einem Flügel und warum die dann nicht Flügelistin heisst. Und während ich diesen Quatsch noch so vor mich hin denke, sagt die: „Da war gestern nämlich eine hochinteressante Sendung im Fernsehen über Leute die schon vor langer Zeit ausgewandert sind. Unter anderem die berühmte Klavierbauerfamilie Steinway.“

Ja toll, denke ich, es wäre nicht schlecht wenn der olle Steinway sich von uns begraben liesse, da kommt dann bestimmt wenigstens ein Trauergast der besser in die Tasten hauen kann, als der schon seit Ewigkeiten uralte Organist auf dem Friedhof hier.

„Und diese Steinways, das habe ich gestern im Fernsehen gehört, waren im Zweiten Weltkrieg von der amerikanischen Regierung verpflichtet, statt Klaviere Särge zu bauen.“

„Ja und?“

„So einen hätte ich gerne!“

„Sie meinen, die Klavierbauerfirma Steinway hat im Krieg auch mal Särge gebaut und wir sollen jetzt, über 60 Jahre später so einen besorgen?“

„Ja genau“, freut sich die Pianistin.

„Tut mir leid, ich glaube kaum, dass das klappt, es ist nämlich anzunehmen, dass diese Särge alle schon verrottet sind.“

„Wissen Sie was? Ich glaube Sie haben keine Lust mich zu bedienen, ich rufe dann eben woanders an.“

Ja, besser ist das!

Am besten hier:
Steinway & Sons.
1 Steinway Place, Long Island City, NY 11105
Tel.: +1 718-721-2600

Sonderrechte für Bestattungswagen

Hm, haben Bestatterfahrzeuge eigentlich Sonderrechte? Ich glaube nicht, oder? Gut, das ist eher theoretisch, denn es ist unwahrscheinlich das euch z.B. eine Politesse aufschreibt, weil Ihr im Halteverbot einen Verstorbenen abholt. Aber es gibt ja nun Strassen, da herrscht Halteverbot, und der nächste Parkplatz ist ein Stück zu tragen, oder jemand verstirbt in der Fußgängerzone(also dort in einer Wohnung). Habt Ihr da eine generelle Ausnahmegenehmigung? Denn mit den Toten durch die Strassen zu laufen ist ja nicht so pietätvoll…

In all den Jahren haben wir noch nie einen Strafzettel wegen Falschparkens bekommen, obwohl unsere Fahrzeuge i.d.R. keine Sonderbefugnisse haben. Wenn wir für die Polizei eine Überführung machen, sind wir ja im Auftrage der Staatsanwaltschaft unterwegs, dann ist das sowieso etwas anderes. Aber im Regelfall müssen wir uns mit dem Bestattungsfahrzeug genauso verhalten, wie andere Verkehrsteilnehmer auch.

Nur mit dem Parken ist das so eine Sache. Es ist vollkommen richtig, dass es (uns und allen anderen) nicht zumutbar ist, mit einem Verstorbenen quer durch die Gemeinde zu laufen. Deshalb parken wir so nah wie möglich am entsprechenden Haus.

Mein Fahrdienstleiter sagte erst kürzlich zu mir, wie er auf bestimmte Situationen reagiert:

Hier die Situationen, die ihm aufgefallen sind:

* Opas im Mercedes fahren bis an die weit geöffnete Heckklappe heran und hupen im Minutentakt in den Sargraum hinein.

* Politessen nähern sich zwar, trauen sich aber nicht ganz heran.

* Polizei wartet und regelt nötigenfalls den Verkehr, ohne uns zu ärgern.

Seine Reaktionen auf dieses Verhalten:

* hupende Opas: Bei denen geht er ganz hilfsbereit an die Seitenscheibe, klopft freundlich lächelnd und fragt: „Das geht Ihnen nicht schnell genug, nicht wahr?“ Da stimmen die ihm dann immer zu. Dann sagt er: „Ist aber kein Problem, sie können sich gerne schon mal reinlegen.“

* Politessen: Falls die doch mal näherkommen, geht er denen entgegen und sagt: „Gut dass Sie kommen, Sie können gleich mal eben mit anfassen!“

* Polizisten: Da sagen wir einfach nur Danke.

Alles kommentiere und erkläre ich nicht

Man kann mir ja nun wirklich nicht nachsagen, dass ich auf die Fragen meiner Leser nicht eingehe. Es ist ja mein Ziel, hier frei von der Leber weg, meinen Berufsalltag zu beschreiben und ein wenig Licht in das Dunkel unseres tabuisierten Berufes zu bringen. Auch wenn es mein Job ist, tagtäglich Außenstehenden zu erklären, wie die Abläufe nun im Einzelnen sind, ist es doch so, daß viele Dinge für mich vollkommen selbstverständlich sind, von denen Dritte keine Ahnung haben.
Deshalb ist es für mich so wichtig, dass Ihr Fragen stellt. Manchmal denke, wenn ich diese Fragen lese: Ach ja, das kann ein normaler Mensch ja gar nicht wissen.

Aber natürlich kann ich nicht alles beantworten. Es ist zwar ein netter Versuch, aber eine Frage wie:

Wo ist denn Dein Laden? Wieviele Mitarbeiter hast Du? Sind die voll- oder teilzeit. Wieviele Bestattungen machst Du im Jahr? Wo kaufst Du Deine Särge ein?

werde ich nicht beantworten. Entweder man liest die diversen Informationen zwischen den Zeilen aus dem Weblog heraus oder man wird es eben nicht erfahren. Schon die Art der Fragestellung deutet für mich darauf hin, dass da nicht die Neugierde eines zufälligen Lesers die Motivation ist, sondern ein Insider gerne mehr wüsste.

Weiterlesen

Zettel am grossen Zeh

Eine weitere Leserfrage möchte ich heute beantworten:

Gibt es das nur in Filmen, dass man ein Kärtchen mit seinem Namen um den dicken Zeh trägt?

Das gibt es wirklich.
In den meisten Krankenhäusern gibt es zentrale Stellen an denen die Verstorbenen gesammelt und bis zur Überführung aufbewahrt werden. Es ist äußerst wichtig, sicherzustellen dass es hier nicht zu Verwechslungen kommt. Das Gleiche gilt für Altenheime und natürlich für Bestattungsunternehmen.

Die Arten der Kennzeichnung sind höchst unterschiedlich. Das reicht vom Zettel der an den großen Zeh gebunden ist, bis zu beschrifteten Leukoplast-Streifen, die um das Handgelenk geklebt werden. Manchmal befindet sich aber auch ein Karteikärtchen an der Schublade der Kühlanlage oder dem Bett. Oftmals hat man aber auch einfach einen Umschlag mit den Totenpapieren ans Fußende gelegt.