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Suizid, Merckle usw.

Im Zusammenhang mit dem Selbstmord des Milliardärs Merckle frage ich mich, wie viele Selbstmörder Du wohl so bestattest. Kommt das oft vor? Erfährt man das immer?

Ganz grob gesagt sterben jedes Jahr rund 800.000 Menschen. Einem ganz aktuellen Artikel zur Folge sollen davon knapp 10.000 durch einen Suizid ums Leben gekommen sein. Zwar sind das „mehr Menschen durch Selbstmord als durch Verkehrsunfälle, Drogen und Gewaltverbrechen zusammen“, jedoch -gemessen an der Gesamtzahl der Sterbefälle- doch recht wenig.

Wie schon in dem oben erwähnten Artikel vermutet, liegt die Dunkelziffer wahrscheinlich noch höher, das deutet aber darauf hin, daß längst nicht alle Selbsttötungen erkannt oder bekannt gemacht werden. So kann es durchaus sein, daß wir solche Fälle schon abgewickelt haben, ohne etwas davon erfahren. Ja, in einigen Fällen ist mir das sogar sehr bewußt geworden. Die Angehörigen sprachen von einem Unfall oder ‚unglücklichen Umständen‘, für uns war jedoch ganz offensichtlich, was die wirkliche Ursache war; man schweigt dann zu diesem Thema, die Angehörigen wollen es offenbar nicht anders.

Ansonsten kann ich sagen, daß wir immer mal wieder solche Fälle haben, diese aber keineswegs zahlenmäßig besonders herausstechen, wohl aber oft vom Erlebten her.

Lesezeit ca.: 1 Minute - Tippfehler melden - Peter Wilhelm 28. Mai 2012

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Christina
14 Jahre zuvor

[quote]Die Angehörigen sprachen von einem Unfall oder ‘unglücklichen Umständen’, für uns war jedoch ganz offensichtlich, was die wirkliche Ursache war; man schweigt dann zu diesem Thema, die Angehörigen wollen es offenbar nicht anders.[/quote]

Das würde mich jetzt näher interessieren: an was merkt der Bestatter, dass es ein Suizid war, während die Angehörigen dies nicht sehen (wollen)?
Hast Du dazu vielleicht ein Beispiel?

Falls die Frage „dumm“ ist – ich hatte nur 4 Stunden Schlaf, weil ich über die Feiertage meine „innere Uhr“ verstellt hab, daher nicht einschlafen konnte, und jetzt todmüde und etwas langsam im denken bin … 🙁

Silke
14 Jahre zuvor

oder wie macht man Suizidspuren wie z.b. aufgeschnittene Pulsadern oder Strangulationsmale (Erhängen)
im Falle einer Aufbahrung „unsichtbar“

Yvonne
14 Jahre zuvor

Wenn sich jemand vergiftet, kann man es schon als „tragisch“ bezeichnen, versehendlich zu viele Medies geschluckt. Tragische Umstände kaschieren oftmal Depressionen mit Todesfolge. Ein Unfall ist es auch oft, wenn S-Bahnen oder Züge genutzt werden oder mit dem Wagen gegen einen Baum gefahren wird. Wenn sich jemand erhängt, bekommt er einen hohen Kragen, Pulsadern aufschneiden = weisse Handschuhe. Schweres Schädeltrauma aufgrund eines Sturzes aus 30 meter höhe… ähm… Verzicht auf offene Aufbahrung. Ich denke ein guter Bestatter bekommt fast alles hin (hatte Tom hier ja auch schon geschrieben)

14 Jahre zuvor

@ Christina (5)

Tja, ich kann natürlich nur über seine Gründe spekulieren, aber ich denke, daß es vielleicht so was wie das Gefühl, persönlich versagt zu haben, gewesen sein könnte. Gerade bei solchen Geschäftsleuten von altem Schrot und Korn dürfte so was vorstellbar sein

@ Ingo (4)

An die Leute, die durch den Selbstmord direkt betroffen sind, denkt wohl kaum einer. In der Situation, in der so jemand sein muß, um Suizid zu begehen, ist das zwar sicher nachvollziehbar, aber das macht es nicht besser. Ich persönlich kenn 2 „Triebfahrzeugführer“ (so heißen Lokführer im Amtsdeutsch), die nach mehreren miterlebten Selbstmorden dienstunfähig sind. Und einer meiner schlimmsten Einsätze im Rettungsdienst war dre, bei dem wir (natürlich vergebens) zu einem Selbstmord kamen, bei dem sich jemand á la Kurt Cobain mit einer Schrotflinte den Schädel weggepustet hatte („natürlich vergebens“, weil da kein Kopf mehr war, an dem man z.B. eine Beatmung hätte durchführen können). An uns vom Rettungsdienst, an die Reinigungskräfte, etc. hat der Betreffende sicher auch nicht gedacht. 🙁

Alexander

Ingo
14 Jahre zuvor

Hr. Merckle hätte besser einen anderen Weg zur Selbsttötung gewählt, so fügt er dem Zugfahrer und denen die die Einzelteile aufsamelen müssen ja auch noch leid zu. Er hätte besser ein paar Tabletten geschluckt, er sass ja an der Quelle !!

Christina
14 Jahre zuvor

@ Ingo (4)

Ich glaub nicht, dass sich Herr Merckle um den Lokführer und den Bestatter, der seine Leiche von den Gleisen kratzen darf, grosse Gedanken gemacht hat.

Ich bin heute erst dazu gekommen, auch die gestrige Zeitung mit der Berichterstattung um seinen Tod und das Drumrum zu lesen.

Ehrlich gesagt finde ich es von einem Selfmade-Milliardär nicht nachvollziehbar, nur weil sein Imperium bröckelt, gleich per Suizid die Biege zu machen – auf Hartz IV wäre er ja wohl nicht zurückgefallen?

Bodo
14 Jahre zuvor

Eben, Vor-den-Zug-schmeißen zum Zwecke der Selbsttötung ist eine echte Sauerei.
Gäb’s da nicht auch was von Ratiopharm? 😉

Madner Kami
14 Jahre zuvor

@5 Ich denke mal da steckt noch mehr dahinter als nur ein bisschen Bröseln an den Ecken seines Finanzimperiums. Ob man mehr davon erfährt, das wird die Zeit zeigen, aber es muss ja nicht unbedingt wegen des Bröselns sein, es gibt ja genug Ursachen, warum einer oder eine „nicht mehr will“.

Und ja, leider denken Selbstmörder selten an das, was sie mit ihrem Selbstmord anderen Leuten antun. Aber es ist nunmal ziemlich sympthomatisch für viele Selbstmörder in diesen Momenten nur an sich zu denken und das Drummherum auszublenden (sonst würden die meisten ja zu dem Schluß kommen, daß es eben doch irgendwie weiter geht)…

macabre
14 Jahre zuvor

@1:
Du, ich glaube nichtmal, dass das unabsichtliches Übersehen ist. Vermutlich drehen sich viele Fälle eher um absichtliches Wegschauen.
Suizid begeht ja idR. niemand, der mit seinem Leben klarkommt und Halt im Umfeld findet. Vielmehr hatten erschreckend viele Suizidgefährdete in ihren Kinder- und Jugendtagen schwere Probleme in der Familie und/oder dem Umfeld.
Wenn man dann Familien erlebt, die ihr „schwarzes Schaf“ schon zu Lebtagen immer mies behandelt haben, dann wird man auch nach einem Selbstmord kaum ein „wir sind schuld“ ernsthaft in Betracht ziehen, sondern eher etwas in Richtung „der/die war doch schon immer so komisch“.

Man könnte auch auf diesen Fall letztes Jahr verweisen, da gabs doch irgendwo ein Dorf, in dem jahrzehntelang junge Frauen missbraucht und vergewaltigt wurden, in den letzten Jahren haben sich mehrere der Opfer endlich getraut, das anzuzeigen, und was passiert? Die Dorfbewohner grenzen die Opfer aus! Die Täter bleiben in der Dorfgemeinschaft sogar geachtet. Man wird sich denken können, wie solche Leute dann über den Selbstmord eines Opfers geurteilt hätten.

mac

Micha
14 Jahre zuvor

@9
hm, bei der Geschichte mit dem Dorf fällt mir spontan die gute alte Selbstjustiz ein.
Ein Wunder, was man mit einem abgelegenen Keller, einem Seil und ein paar Zahnstochern alles anstellen kann.

egal
14 Jahre zuvor

na dann sollten schleunigst ne rückrufaktion für antidepressiva der marke ratiopharm gestartet werden!

Alex II
14 Jahre zuvor

Einen Selbstmord kaschieren kann sogar sehr notwendig sein — etwa wenn man einem schwerkranken Angehörigen geholfen hat, und sonst Riesenärger mit der Staatsanwaltschaft befürchten muß. Denn sinnigerweise darf man etwa einen entsprechenden Cocktail anrühren und überreichen, auch dabeibleiben, wenn den jemand trinkt — man muß aber, sobald die Person bewußtlos wird, den Notarzt rufen, weil es könnte ja sein, daß die Person es sich nach Eintritt der Bewußtlosigkeit nochmal anders überlegt hat. (Darum ist dieser Hamburger Ex-Senator ja bei dem Freitod seiner Klientin auch nicht im Zimmer gewesen.) Habe ich mir damals sehr genau angeschaut, als meine Mutter mit einer äußerst schmerzhaften Krebserkrankung ohne realistische Heilungschance diagnostiziert wurde. Ich danke Gott dafür, daß das reine Theorie blieb. Und vor-die-Bahn-werfen: Das hat den großen Vorteil, schnell und sicher zu sein, im Gegensatz zu vielen anderen Methoden. Aber selbst da kann man noch an die Leute denken, die hinterher damit zu tun haben, wenn man es denn unbedingt machen muß. Im Dunkeln, nicht vor den letzten Zug, damit eventuell unklar bleibt, welcher Zug es war (beides wegen… Weiterlesen »

Tim
14 Jahre zuvor

Natürlich denken Menschen, die sich in Suizidabsicht vor den Zug legen nicht an den Lokführer, sondern an sich. Die Weltsicht von Suizidalen verengt sich mit der Zeit immer mehr, so daß diese Menschen zum Schluss nur noch den einen Ausweg sehen. Und ich phantasiere mal, bei Herrn Merckle war der Grund nicht nur sein leicht bröckelndes Imperium!

Und daß der Weg vor den Zug der sicherste ist, ist auch mehr als Theorie. Da gibts leckere Geschichten, daß man dann ohne Beine weiterlebt…

Da ich im Rahmen der Notfallseelsorge auch Lokführerinnen und Lokführer betreue, kann ich nur sagen, daß diese Menschen machnmal so sehr traumatisiert durch einen solchen Vorfall sind, daß sie nicht mehr in ihrem Beruf weiterarbeiten können!

Sehr schrecklich ist es auch, wenn Menschen einen Verstorbenen finden, der sich das Leben genommen haben. Das sind Bilder, die brennen sich einfach ein!

Daher habe ich bei allem Mitgfühl und auch Respekt vor den Menschen, die sich das Leben nehmen, auch immer eine gehörige Portion Wut auf sie.

Madner Kami
14 Jahre zuvor

@12 Das ist die dümmste Selbstmordtheorie seit langem. Im Dunkeln vor den Zug schmeißen, damit der Lokführer es nicht merkt… Erstens haben Züge Licht, analog zu Autos und zweitens gibt das einen gewaltigen Schlag, wenn der Zug die Knochen und den Körper zerteilt. Irgendwo in diesem Blog hier gab es mal einen Eintrag über Selbstmörder und einer der User hat einen Link zu einem Bericht eingebracht, in dem der Zugführer recht einprägsam davon berichtete, wie es sich anfühlt, wenn mehrere Tonnen Stahl einen Menschen in voller Fahrt treffen und in einen matschigen mehrteiligen Brei verwandeln…

Selbiges gilt übrigens auch für die „Rettungskräfte“, die die Reste vom Zug und der „Unfallstelle“ entfernen „dürfen“. Nur zu schade daß man diese Selbstmörder dann nicht mehr zur Verantwortung ziehen kann, für den Mist den sie damit anrichten.

Alex II
14 Jahre zuvor

Es ist durchaus auch schon vorgekommen, daß große Tiere und auch Selbstmörder überfahren wurden, ohne daß der Zugführer es gemerkt hat, nur zur Info.

Außerdem sage ich nicht, daß es eine gute Idee ist — ich sage, selbst wenn man diese doofe Idee hat, kann man noch Rücksicht nehmen. Und nein, damit kann man den miesen Effekt auf andere nicht auf Null drücken, aber vielleicht wenigstens etwas mindern.

Apropos Rücksicht: Es gibt durchaus Selbstmörder, man lese einschlägige Berichte, die noch Rücksicht auf diejenigen nehmen, die sie finden — ein Selbstmörder mag keinen Weg für sich mehr außer dem Selbstmord sehen, aber deswegen muß er nicht nichts anders mehr sehen.

Ich hatte einen Selbstmordversuch in der allernächsten Verwandtschaft, da wurden noch Plastiktüten unter die aufgeschnittenen Pulsadern gelegt, damit das Bett nicht versaut würde. Leute, die sich vergasen, haben schon Warnschilder an oder gleich hinter die Türe gehängt, damit Leute, die die öffnen, nicht aus Versehen mit vergast werden, usw. Das gibt es halt auch.

Silke
14 Jahre zuvor

stünde ich vor der Entscheidung, meinem Leben ein Ende zu setzen würde ich
mich vergiften. Sauber, ohne große schweinerei und es kommen keine Unbeteiligten zu Schaden.

Tim
14 Jahre zuvor

Dabei ist das mit dem Vergiften auch nicht so einfach. Entweder ist das verdammt qualvoll oder es funktioniert nicht.

Meistens bedarf es mehr Kraftaufwand, etwas an seinem Leben zu ändern bzw. mit professioneller Hilfe anzugehen, als sich das Leben zu nehmen und der Umwelt mehr Leid zuzufügen, als man selbst erdulden muss.

Tim
14 Jahre zuvor

Ich meinte natürlich: „Meistens bedarf es WENIGER Kraftaufwand, etwas an seinem Leben zu ändern bzw. mit professioneller Hilfe anzugehen, als sich das Leben zu nehmen und der Umwelt mehr Leid zuzufügen, als man selbst erdulden muss.“

eine Betroffene
14 Jahre zuvor

Mein Mann hat sich im März 2008 vor einen ICE gelegt, gesetzt, gekniet, was auch immer. Es lässt sich im Nachhinein nicht feststellen, wie. Der Lokführer hatte nur einen Schlag gespürt und das dann der Leitstelle gemeldet. Erst der langsam fahrende Gegenzug hat gesehen, was da lag. Und da lag nicht mehr viel. Wie der ermittelnde Kripo-Beamte ganz offen erzählte, sind solche Suizide im Winter am erfolgreichsten. Da der Betroffene viel Kleidung anhat, die sich in der Lok verfängt. Der Körper wird dann entsprechend lange mitgeschleift. Es ist dann nur noch eine Identifizierung durch DNA-Test möglich. Wie der Bestatter uns sagte, hat er die Überreste dorthin in den Sarg gelegt, wo sie gewesen wären, wenn er „normal“ gestorben wäre. Als Hinterbliebene habe ich die Rechnung der Therapie des Zugführers bekommen. Ich habe tiefes Mitleid mit diesem Mann. Ich selbst musste in eine mehrwöchige Reha, da ich mit der Tat meines Mannes nicht klar gekommen bin. Nein, jemand, der Suizid begeht, macht sich keine Gedanken darüber, was er seinen Angehörigen und sonstigen Personen antut. Aber das… Weiterlesen »

MacKaber
14 Jahre zuvor

Es gibt auch die legale Form des Suicides, bei dem die Leute mit viel Lob und Ansehen bedacht werden.
Man muß sich doch nur absichtlich kaputtarbeiten, dazu Kettenrauchen und auf Schlaf verzichten, um dann am besten unbeobachtet an einem Herzinfarkt sterben.

Sensenmann
14 Jahre zuvor

@MacKaber: Legal ist das schon, dauert aber ein paar Jährchen… Die meisten Leute wollen aber nicht so lange warten 😉

Alex II
14 Jahre zuvor

Nun ist Selbstmord ja auch nicht unbedingt gleich Selbstmord — ein Bilanz-Selbstmord (wie hier vermutlich) oder ein depressiver sind eine andere Sache als einer wegen unheilbarer Krankheit (und ja, man kann nicht jede Krankheit, nichtmal Schmerzen, erfolgreich palliativ behandeln).

Mein persönlicher Favorit sind allerdings Droh-Selbstmordversuche. (OK, die macht keiner am Gleis.) Besonders gefürchtet die Variante, daß sich die Verwandten (oder wer auch immer erpresst werden soll) grade soweit abgenabelt haben, daß sie sich nicht mehr erpressen lassen — und dann geht der nächste Versuch leider (nicht) schief.

Oh, und @MacKaber, Suizid ist nicht illegal, auch die Beihilfe nicht. Unterlassene HIlfeleistung (siehe oben) schon, aber das betrifft den Selbstmörder naturgemäß nicht.

macabre
14 Jahre zuvor

@14: Niemand bringt sich zum Spaß selbst um. Hier überhaupt eine Forderung anzubringen, diese Menschen zu bestrafen, wäre das nicht durch die geschaffenen Umstände unmöglich, finde ich ziemlich pervers. Ein Suizid ist immer nur ein (oder vielleicht das unumkehrbarste) Syndrom von Problemen, die in meinen Augen der/die Betroffene in den allermeisten Fällen nicht zu verantworten hat. Um mal deutlich zu reden: Die Leute, die sich vor nen Zug werfen, das sind keine 70jährigen mit diagnostiziertem Krebs und höchstens noch 6 Monaten schmerzgeplagtem Zugrundegehen. In solchen Situationen findet man andere Möglichkeiten und Wege, diesem Dahinsiechen zu entgehen. Man ist dann in einer ganz anderen Situation als jemand, der sich vor den nächsten Zug schmeißt. Man hat normalerweise Tage, Wochen, Monate, Jahre, um sich zu überlegen, ob und wie man sich selbst ein Ende setzen möchte. Es baut sich kein „Druck“ auf, wie man ihn bei etwa Depressiven findet, die keinen Ausweg mehr sehen. Und genau daraus kann man auch schließen, wer sich in erster Linie vor Züge wirft: Menschen, die durch verschiedene mögliche Umstände nicht mehr… Weiterlesen »

Alex II
14 Jahre zuvor

Ohne die von dir geschilderten Tragödien in Abrede stellen zu wollen — wo in deiner Aufzählung packst du den Herrn Merckle denn rein?

Und welche „anderen Möglichkeiten“ haben 70-jährige Schmerzpatienten, die diejenigen, die vor den Zug springen, nicht haben? (Immer mal vorausgesetzt, was ich für ein dummes Gerücht halte, daß Schmerzpatienten nicht vor den Zug springen.) Falls du an Medikamente denkst: Nein, soviel bekommt man im Allgemeinen grade nicht verschrieben, daß das für einen Abgang reichen würde. Von den anderen Problemen mit Medikamenten mal ganz abgesehen … da ist meist eh nix mit „friedlich einschlafen“.
Und das mit dem „keinen Druck“ und „in Ruhe überlegen können“ ist wohl auch ein kleiner Scherz, wie? Oder kennst du nur schlicht keine Schmerzpatienten?

Silke
14 Jahre zuvor

@18
„Entweder ist das verdammt qualvoll oder es funktioniert nicht.“

es kommt sicher ganz auf die Substanz an, für welches man sich entscheidet und
die Art der Verabreichung.

Ma Rode
14 Jahre zuvor

Gerade habe ich zu dem Thema Suizid und „Vor den Zug werfen“ einen interessanten Artikel gefunden: [url]http://www.welt.de/wirtschaft/article2986409/Merckles-Selbstmord-ist-typisch-fuer-einen-Mann.html[/url]

Madner Kami
14 Jahre zuvor

@23 Oh mir geht es mitnichten darum Leute bestrafen weil sie ihren Qualen ein Ende machen wollen, worin diese auch immer bestehen. Wer denkt, daß er sich selbst das Leben nehmen muss, wird dafür schon seine Gründe haben und kann das auch gerne tun (sinnvollerweise mit vorhergehender Problemberatung) und ich bin auch durchaus damit einverstanden, eine aktive Sterbehilfe zu erlauben, solange diese mit begleitenden Beratungen und Betreuungen bezüglich der Lebensrettung einhergeht (psychologische Betreuung, Problemlösungstrategien usw. usf.). Worum es mir geht ist, dass es keinem Menschen erlaubt ist, das Leben anderer zu zerstören und nicht anderes ist in meinen Augen der Selbstmord an einem öffentlich zugänglichem Platz, wie Autobahn, Zugstrecke, vom Haus springen oder auch das Pulsadern aufschneiden im heimischen Bett. Wer seinen Verwandten und wildfremden Menschen zumuten will, seine Leichenteile von der Straße aufzusammeln, die Blut- und Körperreste vom Zug zu wischen zu müssen, den zerschmetterten Körper vom Fußweg oder den Blutsee samt Plastikfolie auf dem Bett entfernen zu müssen, ruiniert eben einfach das Leben anderer Menschen und da hört bei mir das Verständnis eben… Weiterlesen »

macabre
14 Jahre zuvor

@24: Merckle würde ich am ehesten als einen kuriosen Fall von Berufsversagen einordnen. Also ggf. Selbstverschulden, falls er sich zu blöd verspekuliert hat, oder z.T. Fremdverschulden, weil er durch die Börsenentwicklung mit in den Abgrund gezogen wurde. Ich kenne den Mann ja nicht, aber womöglich war er einer dieser Workoholics, die den Job zu ihrem zentralen Lebensinhalt erklärt haben und dementsprechend schwer mit Jobproblemen zu kämpfen haben. Es gab doch einen Abschiedsbrief von Merckle, wurde der schon veröffentlicht? Womöglich hat er sich ja in der Erwartung aufs Gleis geworfen, dass seine Firma nicht mehr zu retten ist? Aber das sind jetzt nur Spekulationen. Andere Möglichkeiten? Da gibt es viele. Es wurden ja schon Ideen in Richtung „Giftcocktails“ weiter oben aufgeführt. Eine andere Methode wäre, in ein Land zu fahren, in dem Sterbehilfe legal ist. Allgemein würde ich sagen, dass jemand, der Monate oder Jahre hat, um sich sowas gewissermaßen ‚in aller Ruhe‘ überlegen zu können, dann keine Kurzschlussreaktion haben wird und sich den nächsten flotten ICE auserwählt. Ausnahmen gibts immer, vielleicht wenn jemand so naiv… Weiterlesen »

Alex II
14 Jahre zuvor

@macabre *Kopfschüttel* So genau hast du dich nicht wirklich damit befasst, oder? Sonst wüßtest du, daß so dem einen oder anderen „Giftcocktail“ der Sprung vor den Zug aber mit Sicherheit vorzuziehen ist (jedenfalls für einen selber). Um genau zu sein, das gilt für die allermeisten. So verreckt man bei der beliebtestes rezeptfreien Methode ein paar Tage an einer Leber, die sich langsam zersetzt. Na danke auch. Und mal eben in ein Land fahren, wo Sterbehilfe legal ist? Wie naiv bist du denn? Da kannst du doch nicht mal eben hinfahren und beim nächsten Arzt an die Türe klopfen. Von der Tatsache, daß lange Reisen nun nicht mehr jedem Schmerzpatienten möglich sind (die übrigens ja nun auch nicht alt sein müssen), und Geld kosten, mal abgesehen; beides durchaus auch ein Problem. Und nebenbei, man hat als Schmerzpatient durchaus nicht unbedingt „Jahre und Monate“ um drüber nachzudenken. Schmerzen können durchaus auch erst unerträglich werden, und wenn dann die Prognose sowas wie „Wochen, vielleicht ein paar Monate“ ist, kann das durchaus ein relativ schneller Entschluß sein. Zumal die… Weiterlesen »

Anonym
14 Jahre zuvor

[quote]Zwar sind das “mehr Menschen [die] durch Selbstmord [sterben] als durch Verkehrsunfälle, Drogen und Gewaltverbrechen zusammen”[/quote]

So ein Blödsinn, „aktuelle Analysen zu alkoholbezogenen Gesundheitsstörungen und Todesfällen gehen von jährlich 73 714 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol bedingt (74 %) aus“, sagt zumindest die [url=http://www.dhs.de/web/datenfakten/alkohol.php]DHS[/url]. Andererseits sollte man keiner Statistik vertrauen, die man nicht selbst gefälscht hat.

macabre
14 Jahre zuvor

@29: Es gibt durchaus genug frei erhältliche Mittel, die in Überdosen tödlich sind. Ich bin einfach zu faul, da jetzt ausgiebig zu suchen, darum nur ein schöner Link auf Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Acetylsalicylsäure#Toxizität Und Aspirin ist nur eines der vielen Beispiele. Man muss auch mal wissen, wovon man hier redet. Würde man präventiv jegliche Medikamente unter Rezept stellen, die bei massiver Überdosierung tödlich sein könnten, dann würdest ohne Rezept grade noch Traubenzucker bekommen.. Dazu gibts noch nen Wikiartikel: http://de.wikipedia.org/wiki/OTC-Arzneimittel Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Es gibt mehr als ein paar rezeptfreie Medikamente, die extrem überdosiert und nicht rechtzeitig entdeckt problemlos zum Tod führen können. Wie angenehm sich das ganze gestaltet hängt von dem/den jeweiligen Mittel/n ab. Zumal man sich garnichtmal auf Medikamente beschränken muss, es gibt in der Industrie und Technik diverse heikle Stoffe. Und zumindest dieses Teilgebiet hake ich damit auch ab, imo ist das nötige gesagt und hier muss keine Diskussion darüber enstehen, wie oder mit welchen Mitteln man sich am besten über den Jordan befördert. Man fährt nicht „mal eben“ in ein… Weiterlesen »

Alex II
14 Jahre zuvor

@macabre, irgendwie scheint es mir ratsam, daß du die Debatte nochmal liest. Ich lege dir nix in den Mund, und wie ich auf was kam, habe ich eigentlich dargelegt, als ich es sagte. Aber extra nochmal für dich: Es geht in Toms Posting um Selbstmord im Allgemeinen, wegen des aktuellen Falls Merckle. Einige Leute sprachen darüber, wie extrem fies der Selbstmord für völlig Unbeteiligte sein kann, wie etwa Lokführer. (Für Beteiligte sowieso.) Und welche Überlegungen Selbstmörder anstellen (können), oder eben nicht anstellen. Daraufhin meintest du, Posting 23, 09.01.09 um 02:38, daß diejenigen, die sich vor den Zug werfen würden, ja sowieso immer ganz arme Schweine wären, während, Zitat: „Die Leute, die sich vor nen Zug werfen, das sind keine 70jährigen mit diagnostiziertem Krebs und höchstens noch 6 Monaten schmerzgeplagtem Zugrundegehen. In solchen Situationen findet man andere Möglichkeiten und Wege, diesem Dahinsiechen zu entgehen.“ Mit den Schmerzpatienten hast [i]du[/i] also angefangen. Ich habe allerdings daraufhin darauf verweisen, daß das eine sehr simplifizierende Einteilung wäre; und daß das mit den „anderen Möglichkeiten und Wegen“ so einfach nun… Weiterlesen »




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