Kann man an der Asche des Toten Krankheiten feststellen?

Feuerbestattung

Meine Frage bezieht sich auf die Asche eines Toten nach der Verbrennung. Kann man anhand der Farbe der Asche erkennen ob der Mensch vor dem ableben eine Krankheit (zb. Krebs ,Drogen oder Alkohol ) hatte. Mir wurde dies so zugetan. Jedoch bezweifle ich dies, anhand von Ascheresten und deren aussehen dies festzustellen.
Für eine Antwort ihrerseits bedanke ich mich im voraus.

Nein. Das kann man nicht.
Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft, und wahrscheinlich auch zukünftig nicht, kann man aus den nicht verbrennbaren mineralischen Rückständen einer Kremierung kaum noch forensische Erkenntnisse ziehen.
Bei der Einäscherung eines Menschen werden die Körperfette, die Körperflüssigkeiten und sämtliches Gewebe vernichtet. Die Knochen glühen aus und die nicht verbrannten Rückstände werden zerkleinert und als Asche in die Urne gefüllt.
Sämtliche Hinweise auf Krankheiten, aber auch auf eine möglicherweise nicht natürliche Todesursache, die im Gewebe oder Kreislauf feststellbar wären, werden somit vernichtet.
Nun gelangen manche Erreger, Gifte oder Schadstoffe auch bis in die Knochen. Aber auch diese werden weitestgehend ein Opfer der hohen Temperaturen.

Möglicherweise gibt es wissenschaftliche Spezialverfahren, die durchaus in der Lage wären, manche solcher Rückstände auch noch in diesen Fragmenten festzustellen. Aber einerseits wäre das sicherlich extrem aufwendig und teuer. Andererseits müsste ja auch hier wieder, bei etwaigem Auffinden von minimalsten Spuren, eine Kausalkette hergestellt werden können, die etwa beweisen könnte, daß minimale Rückstände von sagen wir Quecksilber, auf eine vorsätzliche Tötungshandlung eines Dritten zurückzuführen sind.

Dieser Umstand ist auch einer der Gründe, weshalb ein amtlich bestellter Arzt vor der Einäscherung eines Menschen -in den meisten deutschen Bundesländern- noch einmal eine sogenannte zweite Leichenschau durchführt.
Hierbei richtet der Leichenschauer sein Augenmerk auf alles, was im Rahmen der ersten Leichenschau durch den Hausarzt übersehen worden sein könnte. Es geht nicht ausschließlich darum, Verbrechen aufzuklären, sondern auch darum, alle Hinweise, die auf einen nichtnatürlichen Tod hinweisen, zu finden.

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Peter Wilhelm24. Oktober 2017

8 Kommentare von 138942.

  1. Ich dachte Arsen könnte noch nachgwiesen werden, aber eine flüchtige Recherche ergab Folgendes:

    https://link.springer.com/article/10.1007/BF00663951

    • @Winnie: Und: Ich schließe ja nicht aus, daß doch noch irgendetwas festgestellt werden könnte. Aber hierzu müsste ja ein erheblicher Verdacht für ein Kapitalverbrechen vorliegen und diese aufwendige Untersuchung angeordnet werden.

      Alleine der Wunsch, mehr über die Krankheitsgeschichte zu erfahren, dürfte kaum zum Ziel führen.

  2. Gerade auch Quecksilber verdampft komplett (eignet sich aber auch nicht für eine Vergiftung).

  3. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Dass ist ein interessantes Thema. So soll ja sogar bei Napoleon noch Arsen nachgewiesen worden sein. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass bei Bestattungen der Asche die Beweiskette lückenlos ist.

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