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Wie kann man mit Trauernden umgehen?

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Die Trauer um einen geliebten Menschen gehört wohl zu den intensivsten und komplexesten Emotionen, die es gibt. Wer es noch nicht erlebt hat, stellt sich eine intensive Traurigkeit vor. Aber das ist längt nicht alles. Trauer kann die unterschiedlichsten Gefühle enthalten: Schmerz, Verzweiflung, Angst, Wut, Hoffnungslosigkeit, aber auch Erleichterung, Freude, Dankbarkeit. Zu Beginn ist die Trauer überwältigend und füllt das ganze Leben aus. Mit der Zeit nimmt die Intensität ab und die positiven Momente werden immer häufiger. Trauernde können schwierig im Umgang sein. Aber Nicht-Trauernde sind für Trauernde auch ganz schön schwierig. Da prallen manchmal zwei Welten aufeinander, die sich nur wenig überschneiden. Wer nicht selbst betroffen ist, hat oft Sorge, wie man mit den Trauernden umgehen kann. Ansprechen? Ablenken? Oder lieber in Ruhe lassen? Tod und Trauer sind noch immer Themen, über die man in unserer Gesellschaft wenig spricht. Und das merken wir, wenn wir eigentlich gerne Anteil zeigen würden, aber nicht wissen, wie das geht. Vielleicht helfen dir meine Tipps.

Trauernde in ihrer Irrationalität annehmen

Peter beschreibt in seinen Texten ja immer wieder, wie irrational Trauernde in den ersten Tagen oft sind. Sie können sich kaum konzentrieren, sind extrem aufgewühlt und treffen nicht selten ungewöhnliche Entscheidungen. Gut möglich, dass man einen eigentlich vertrauten Menschen kaum wiedererkennt, wenn er oder sie gerade einen Todesfall zu verarbeiten hat. Aufgabe von unterstützenden Außenstehenden ist es dann, die Trauernden so anzunehmen, wie sie gerade sind. Sie müssen nicht „funktionieren“, sondern es ist völlig in Ordnung, wenn sie für ein Weilchen „aus der Welt fallen“. Solange sie nicht sich oder andere gefährden, sollen sie doch unvernünftig sein! In dieser Phase ist es besonders wichtig, Ruhe zu schenken, einfach da zu sein, Umarmungen anzubieten, Zorn und Wut nicht persönlich zu nehmen. Und immer wieder zu vermitteln, dass intensive Emotionen und „unvernünftiges“ Verhalten völlig in Ordnung ist. Gleichzeitig ist es gut, Trauernde in dieser Phase möglichst von großen, lebensverändernden Entscheidungen abzuhalten. Die sind gerade einfach nicht angesagt.

Gesprächs- und Hilfsangebote wiederholen

Wenn du Trauernden deine Unterstützung anbieten willst, braucht es dafür manchmal eine gewisse Hartnäckigkeit. Gut möglich, dass die erste Frage gar nicht richtig ankommt oder dass sich die Trauernden noch nicht vorstellen können, welche Unterstützung sie brauchen könnten. Deshalb ist es gut, immer mal wieder Gespräche oder Hilfe anzubieten. Wenn das Angebot nicht angenommen wird, ist es natürlich auch in Ordnung. Erwarte von Trauernden zunächst keine Dankbarkeit! Es ist gut möglich, dass sie erst viel später realisieren, wie groß deine Unterstützung war.

Keine Angst vor fehlenden Worten!

„Aber ich weiß doch gar nicht, was ich sagen soll!“ So geht es vielen, die mit Trauernden zu tun haben. Und leider führt das oft dazu, dass man lieber gar nichts sagt. Das ist jedoch die schlechteste Variante! Viel besser ist es, die Unsicherheit einfach anzusprechen: „Ich weiß gar nicht, wie ich gerade mit dir umgehen soll.“ Damit schafft man eine Basis für ein neues Gespräch, während ein Rückzug Gespräche kaum möglich macht. Und: Gesten sind oft viel wertvoller als Worte. Eine Umarmung, die Hand auf der Schulter, ein warmer Blick, ein Kuchen oder Blumenstrauß als Geschenk, eine hübsche Karte, einfach nur zuhören … Diese kleinen Taten können einen großen Unterschied machen, gerade auch nach ein paar Wochen, wenn viele schon wieder in den Alltag abgetaucht sind.

Ablenkung oder Gespräche?

Manche Trauernden wollen sehr viel und häufig über die*den Verstorbene*n sprechen. Andere wollen möglichst bald wieder in den Alltag zurückkehren und sind froh über „normale“ Tätigkeiten und Ablenkung. Und natürlich kann sich das auch immer wieder ändern. Deshalb ist es wichtig, immer mal wieder nachzufragen, was die*der Trauernde gerade braucht. Mach dir übrigens keine Sorge, du könntest Wunden aufreißen, wenn du den Tod ansprichst. Den Trauernden ist ihr Verlust sowieso sehr präsent, auch wenn man es ihnen gerade nicht anmerkt.

Wichtig: Achte nicht nur auf die Bedürfnisse der Trauernden, sondern auch auf deine eigenen! Biete nur an, was du auch wirklich leisten kannst und willst, und sei ehrlich in deiner Kommunikation!

Welche Tipps würdet ihr noch ergänzen? Was hat euch in der Trauer oder im Umgang mit Trauernden schon geholfen?


Birgit Oppermann 10. März 2021


7 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, das ist schon so eine Sache.

    Ich habe ja täglich mit diesen Menschen zu tun und ich bin immer sehr glücklich, wenn ich am Ende eines Gespräches in etwas folgendes zu hören bekomme:
    Frau Hoerner, es hat mir gut getan mit Ihnen zu sprechen und es hat mich jetzt richtig aufgemuntert. Darf ich sie evtl. noch mal anrufen?

    Klar, bei mir darf jeder anrufen und jede Person weiß auch, dass ich mir die Zeit nehme, die sie braucht. Alle Personen wissen aber auch, dass ich abblocken muss, wenn ich gerade in einem Gespräch bin, wo jemand meine Hilfe dringend benötigt.

    Ich rufe dann zurück und das klappt alles wunderbar.
    Dazu kommt, dass ich mich nie verstelle, sondern immer rede, wie mir der „Schnabel“ gewachsen ist.

    Ich erzähle dann auch schon mal, dass ich ja glücklich sein kann, dass ich nicht mit jedem trauern muss, da ich die Person ja gar nicht kenne.

    Dann bringe ich das Beispiel, dass es gut ist, dass wir nur dann um einen lieben Menschen weinen, wenn wir eine gute Beziehung zu ihm hatten.
    Wäre ja auch fürchterlich wenn es anders wäre.

    Da in Deutschland ca. alle 35 Sekunden ein Mensch stirbt, kämen wir aus dem Weinen ja gar nicht mehr raus.

    Darüber denken die Menschen gar nicht nach. Wenn ich es dann aber erkläre, dann sieht es jeder ein und versteht auch, was ich damit sagen möchte.

    Jeder leidet unter einem Verlust anders und das eben auch immer, wie man zu der Person steht. Welch ein Glück für alle Bestatter, die sonst ihre Arbeit nicht mehr verrichten könnten. 🙂

    Ich weiß auch, dass sich manche Menschen schwer tun. Ich rate immer dazu, sich auf keinen Fall zu verstellen, denn das ist wirklich der verkehrte Weg.

  2. Liebe Birgit,

    ich habe hier schon öfter kommentiert, aber diesmal ziehe ich es vor, meinen Namen nicht zu nennen, denn einen hartgesottenen Jugendsozialarbeiter, der in der Kirche in Tränen ausbricht ob des Todes seiner Großmutter, so etwas gibt es nicht.

    Warum ich überhaupt in die Kirche ging, als überzeugter Atheist, und nicht nur zum Begräbnis, das weiß ich nicht. Vielleicht war es das Gefühl, jemandem die „letzte Ehre“ zu erweisen, obwohl das natürlich Unsinn ist, denn der Verstorbene bekommt davon sowieso nichts mit. Wahrscheinlich wollte ich nur sehen, wie so ein Begräbnisgottesdienst abläuft, und meine Tränen waren pures Selbstmitleid, weil ein lieber Mensch von mir gegangen ist.

    An meiner Einstellung zum Tod hat sich dadurch nichts geändert. Wer sagt, „Der Tod ist ein Teil des Lebens“, der ist ein Idiot. Nein, der Tod ist das Ende des Lebens, und zwar unumkehrbar. Es gibt kein Leben nach dem Tod. (Als Sozialarbeiter habe ich da immer gerne Computervergleiche benutzt wie, „eine gecrashte Festplatte ist hin, da hilft kein Beten“. Das verstehen die Jugendlichen. Glücklicherweise hatte ich es nie mit wirklich Suizidalen zu tun. Die Drohung einer besoffenen 16-jährigen, „Ich bring mich um“, nachdem sie ihr erster Freund verlassen hat, muss ich zwar ernst nehmen, aber so ernst nun auch wieder nicht.)

    Aber zurück zum Anfang: Meine eigene Trauer hat meinen Horizont erweitert, und ich war damals glücklich, dass ich eine Aufgabe hatte, und ich denke, das hat mir geholfen, Worte zu finden, die „meinen“ Jugendlichen ebenfalls geholfen haben, mit ihrer Trauer umzugehen, sei es Tote im Verwandtenkreis, oder, was weitaus schlimmer ist, Tote im Freundeskreis. Hier auf dem Land sind Autounfälle mit Todesfolge weitaus häufiger als Tod durch Drogen, wobei es da Kreuzkombinationen gibt.

    An meine Oma, die 2005 gestorben ist, erinnere ich mich nur noch gerne, denn sie hat mich vieles gelehrt, was moderne Menschen nicht mehr können.

  3. Es ist schon richtig, dass der Tod das Ende des Lebens ist. Darüber müssen wir doch gar nicht diskutieren.

    Aber, wie jeder einzelne Mensch damit umgeht und ob er denkt oder glaubt, dass danach noch etwas kommt, das kann niemand mit 100 %iger Sicherheit sagen.

    Ich habe im Laufe meines Lebens so viele Dinge erlebt, die mir sagen, dass ich zwar wahrscheinlich keinen Kontakt mehr zu lebenden Personen aufnehmen kann wenn ich tot bin, jedoch ob es ein Leben nach dem Tod gibt und wie es aussieht, das ist doch eine schöne Idee wenn man daran glaubt und wenn sie dazu beiträgt, den Tod evtl. besser verkraften zu können.

    Für mich ist das jedenfalls okay.

    Mein Leitspruch: Glauben ist nicht Wissen!

  4. Das menschliche Gehirn ist leider darauf gepolt zu glauben bzw übersinnliches zu fantasieren. Ich denke dagegen sollte man sich nicht wehren… bin auch ein sehr rationaler Mensch… und ich glaube nicht an Gott in Form eines Wesens… ich denke das dieses „Gott“ etwas in uns ist… der Gedanke von Gnade, Ehre, Wohlwollen usw. das ist ein Funke in jedem Menschen, und dieser Funke muss gehegt und gepflegt werden um nicht zu erlöschen. Wenn man es schafft ein kleines Feuer zu entfachen, dann. Leuchtet es einem regelrecht in den dunkelsten Stunden und wärmt einen wenn es niemand anders tut. Ich persönlich brauche dazu keine Kirche, verstehe aber Menschen die dort die Gemeinschaft suchen. Aber wie gesagt, diese Idee der Religionen und ihre Ideale sind tief in unserer Genetik verankert, was man daraus macht, wie man es lebt, das bleibt jedem selbst überlassen. Und das gleiche gilt aus meiner Sicht auch für die Trauernden, jeder ist anders, jeder braucht was anderes in seiner Trauer… ich möchte z.b. meist in meiner Trauer alleine sein, bin leicht aggressiv wenn jemand zu viel Nähe sucht, oder mich bedrängt… möchte für mich im Dunkeln sitzen, Erinnerungen wälzen… sehne mich nach Ruhe und Frieden… Arbeit ist mir zuwider und wird nur stur nach Schema F erledigt. Aber wie sagte mal ein Leiter im erste Hilfe Seminar „wenn der Patient ansprechbar ist, dann bestimmt er was ihm grade gut tut… nur bei Bewusstlosen treffen die Ersthelfer die Entscheidungen“, irgendwie hat sich das eingebrannt. Wir sind selbstbestimmte Wesen, entweder man spricht jemanden einfach drauf an was er möchte, oder man tastet sich vorsichtig ran, aber egal was als Antwort/Reaktion kommt, das muss man einfach akzeptieren. Irgendwann findet derjenige mit oder ohne Hilfe im Normalfall auch aus seiner Trauer heraus, es braucht einfach Zeit… aber wine Dargebotene Hand hier und da schadet sicherlich nicht.

  5. Zitat von Nobody:

    „ich denke das dieses „Gott“ etwas in uns ist… der Gedanke von Gnade, Ehre, Wohlwollen usw. das ist ein Funke in jedem Menschen, und dieser Funke muss gehegt und gepflegt werden um nicht zu erlöschen. Wenn man es schafft ein kleines Feuer zu entfachen, dann. Leuchtet es einem regelrecht in den dunkelsten Stunden und wärmt einen wenn es niemand anders tut.“

    Danke für diese Überlegungen – sagt eine, die katholisch sozialisiert wurde und aktuell nicht zum ersten Mal den Kirchenaustritt als Option sieht.

    Sehr nachdenkliche Grüße

    Melancholia

  6. Ich finde es sehr sehr wichtig, dass man die Trauer nicht runterputzt. Ich habe leider sowohl „Du hast die Grosstante nur einmal als Kind getroffen, du kennst sie ja gar nicht“ als auch „Das war ja nur eine Katze“ selbst erlebt und ich hätte dem Sprecher beide Male den Hals umdrehen wollen …

    • Liebe Veria,

      ich kann das sehr gut verstehen was Du schreibst, wobei, wenn ich über die Situationen nachdenke, dann zu 2 verschiedenen Meinungen komme.

      Die Verbindung zu einem Menschen hat sicherlich nichts mit dem sehen des Menschen zu tun. Ich denke, die Gefühle für einen Menschen sind der Intensität geschuldet.
      Wobei ich damit sagen möchte, dass jemand, der wirklich nur ein einziges Mal als Kind einen Kontakt zu einer Tante hatte, wahrscheinlich nicht so sehr unter dem Verlust leiden wird, wie jemand, der mit der Tante immer wieder Kontakt hatte. Kann natürlich auch telefonisch gewesen sein.

      Bei einem Tier, das bei mir lebt wie ein Kind, ich genau verstehe, dass man unter diesem Verlust sehr leidet. Kenne ich, da ich auch schon diverse Tiere hatte, die ich überlebt habe.
      Es ist jedesmal für mich eine Katastrophe.

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