Mit dem Rollstuhl in die Leichenhalle?

rollstuhl

Hallo Peter,

Erst einmal Danke für Deinen Blog:) Deine Art zu schreiben ist klasse.
Das habe ich als Beitrag in einem MS Forum eines Freundes gefunden, und stelle mir natürlich die Frage, wie behindertenfreundlich sind eigentlich Trauerhallen allgemein?
Und wie kommen die Rollifahrer dann rein?
Außer im Liegen als Leiche…

Nicht alle Trauer- und Leichenhallen sind behindertengerecht ausgebaut.
Aber zunehmend sorgen die Friedhofsbetreiber dafür, daß rollstuhlgerechte Zugänge geschaffen werden.

In jedem Fall aber sollte es einen Zugangsmöglichkeit geben, denn auch die Särge werden in den allermeisten Fällen hinein- und hinausgefahren.
Nur könnte es sein, daß man nach diesem Eingang fragen muß und die Friedhofsmitarbeiter um Hilfe bitten muß.

Neuere Trauerhallen und solche bei denen das problemlos möglich ist, wurden im Laufe der Jahre (bzw. sind von vornherein) entsprechend ausgerüstet.
Bei vielen alten Trauerkapellen gibt es aber Treppen und Stufen oder höhere Absätze. Hier ist auch aus denkmalschützerischen Gründen oft keine andere Lösung möglich.

Ja, es gibt sogar Trauerhallen, die nicht einmal für die Särge eine Zufahrtsmöglichkeit haben, sodaß die Bestatter die Särge über mehrere Stufen hineintragen müssen.

Aber in aller Regel sollte es keine Probleme für Rollstuhlfahrer geben. Im Zweifelsfall würde ich vorher auf den Webseiten der Stadtverwaltung/Kirchengemeinde nachschauen, ob es dort Angaben dazu gibt. Ansonsten sollte man dort anrufen und sich erkundigen. Durch solche Nachfragen werden die Betreiber auch für das Thema sensibilisiert.

Ein großes Problem sind noch die behindertengerechten Toiletten. Diese gibt es schon auf vielen Friedhöfen. Gerade städtische Einrichtungen sollten hier mit gutem Beispiel vorangehen und solche bereitstellen, und das tun sie auch oft.
Aber nicht immer ist das möglich bzw. kann nicht zügig durchgeführt werden.

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  • Veröffentlicht am: 11. Februar 2016
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

8 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Es kommt ja auch immer auf den einzelnen Rollstuhlfahrer an..jeder kann noch unterschiedlich viel (von einem guten Restgehvermögen bis gar nichts mehr), die Art des Rollstuhl etc. an.

    Als mein Schwiegervater beerdigt wurde hat mich, mein Mann einfach, die eine Stufe in die Trauerhalle mit dem Rollstuhl gewuppt..es hätte aber auch eine Möglichkeit hinten über die „Sargtür“ gegeben..wollten wir damals nicht..<_<.

    Behindertengerechte Toiletten gibt es auf diesem Friedhof..der ein größerer Friedhof in einer Großstadt ist.. nicht.
    Mir persönlich macht das nicht so viel aus..weil mit einer Hilfsperson geht eine normale Toilette schon irgendwie…aber andere haben dann echt Probleme.

  2. Grundsätzlich sind alle öffentlichen Einrichtungen gehalten, die Barrierefreiheit zu gewährleisten (die nicht nur rollstuhlgerecht bedeutet). Deutschland hat die entsprechende UN-Konvention meines Wissens ratifiziert und ist somit verpflichtet, sie auch umzusetzen. Soweit die Theorie.

    In der Praxis sind es so viele Orte und Schwierigkeiten, dass das erstens eine große finanzielle Herausforderung ist und zweitens auch eine planerische – es wird noch lange dauern, bis das auch nur ansatzweise umgesetzt ist.
    Dazu kommt dann in der Tat mitunter die Schwierigkeit, dass andere Faktoren diese Umsetzung verhindern.

    Denkmalschutz ist da oft mit dabei. Wer sich hier einmal die Freitreppe vor dem Krematorium im Urnenhain Tolkewitz anschaut:
    http://www.spb-dresden.de/index.php/aktuelles-detail/items/sandsteinsanierung-freitreppe-krematorium-tolkewitz.html
    wird feststellen, dass es hier mit einer Rampe nicht gehen wird. Das sind etliche Stufen da hoch, und wenn man dann die Vorderansicht sieht https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Dresden_krematorium1.JPG und sich überlegt, dass da eine etliche Meter lange Rampe nötig wäre, um dort den Trauerraum mit dem Rollstuhl zu erschließen, würde das das Denkmal doch erheblich beeinträchtigen. Das liegt dann nicht daran, dass die Denkmalpfleger böse sind und den Rollstuhlfahrern eins auswischen wollen. Die Denkmalpflege hat halt den Auftrag, die Dinge zu erhalten und Beeinträchtigungen zu verhindern. Das kollidiert dauernd mit anderen Belangen. Davon kann ich ein Lied singen…

    • @ein anderer Stefan: Anstatt einer Rampe währe hier vielleicht ein Treppenlift eine Lösung. Braucht nicht so viel Platz und stört auch die Ansicht meiner Meinung nach nicht erheblich.

      • @Hajo: Diese Aussage, als Frage daherkommend, ist mir zu pauschal. Im Sächsischen Denkmalschutzgesetz z.B. steht ausdrücklich drin, dass die Belange von Menschen mit Behinderungen zu berücksichtigen sind. Das bedeutet aber nicht, dass diese Belange automatisch Vorrang haben. Hier ist die Denkmalpflege gefordert, Wege zu suchen. Nur: Das gelingt nicht immer, und oft genug auch nur unbefriedigend. Rampen, Treppenlifte, Aufzüge und ähnliches sind oft möglich, aber eben nicht immer. Und wenn es nicht sinnvoll umsetzbar ist, wird die Denkmalpflege irgendwann sagen müssen: sorry, aber hier geht es nicht. Insofern geht der Mensch nicht automatisch und unbedingt vor. Ja, das ist unerfreulich und mitunter auch sehr bitter. Zu ändern wäre das in dem Moment, in dem der Gesetzgeber beschließt, dass Barrierefreiheit immer und automatisch Vorrang vor anderen Belangen hat. Kann man so machen, sicher. Ob eine solche absolute Regel angemessen wäre, weiß ich nicht. Bisher scheint es eine Grundregel zu sein, dass die verschiedenen Belange gegeneinander abgewogen werden und eine Entscheidung getroffen wird, die dies berücksichtigt. Damit fährt man meines Erachtens nicht allzuschlecht.

        Wo jetzt Sentimentalität und Denkmalschutz zusammengehen, erschließt sich mir ehrlich gesagt nicht.

  3. In unserer Stadt sind alle Aussegnungs Hallen mit dem Rollstuhl problemlos zu erreichen, die Stadt hält sogar pro Friedhof einen Rollstuhl vor!

  4. Ich warte auf die Frage wie Leichen von Rollstuhlfahrern in die Halle kommen und ob diese nicht dadurch diskriminiert werden.
    Ehrlich, die frage hätte kommen können.

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