Abräumung des Grabes nach der Ruhezeit

Wenn die Ruhezeit abgelaufen ist, wer räumt dann das Grab ab und beseitigt es?

Das kommt auf die Friedhofssatzung an. In manchen Gemeinden muß das der Nutzungsberechtigte selbst veranlassen und bezahlen. Es gehen aber immer mehr Gemeinden dazu über, die Kosten dafür gleich in die Nutzungsgebühr einzurechnen und die Abräumung zu übernehmen, weil häufig der Nutzungsberechtigte nicht mehr „aufzutreiben“ ist.

Sehr schön wird das im Kandelaber-Blog beschrieben.
Dazu eine Zuschrift:

Normalerweise ist es doch so, dass die Angehörigen mit der Grabgebühr (egal ob kirchlicher oder städtischer Friedhof) für die Grabstätte doch auch den dereinstigen Rückbau entrichten. Anders sieht es aus, wenn die Grabstelle vor dem Ende der Ruhezeit bzw. dem Nutzungsrecht auf gegeben wird. Siehe auch „Ende der Trauer?

Demnächst muß ich zwei Gräber auflösen, weil die Ruhezeit abgelaufen ist. Was mache ich denn da?

Wenn man Glück hat, bekommt man als Nutzungsberechtigter Post von der Verwaltung. Im ungünstigsten Fall wird die Auflassung/Aufhebung des Gräberfeldes nur am schwarzen Brett des Friedhofes aufgeboten.

In diesem Fall muß man sich um die Abräumung des Grabes bemühen, das bedeutet, daß man die gärtnerische Anlage des Grabes zu entfernen hat und den Grabstein, samt Einfassung und Fundament beseitigt. In manchen Gegenden kann man mit einem Steinmetz einen Handel abmachen, daß er den alten Stein zur freien Weiterverwendung bekommt und dafür die Abräumung erledigt.
Die Bereitschaft der Steinmetze dazu sinkt aber.

Kümmert man sich nicht, dann wird das Grab behördlicherseits abgeräumt und man kann als Nutzungsberechtigter mit den Kosten belegt werden.

So ein Grab läuft 20 Jahre. Wenn diese Zeit rum ist, muß es dann sofort abgeräumt werden? Kann man das auch schon vorher machen lassen oder nachher?

Normalerweise werden die Nutzungsbrechtigten auf irgendeine Weise (s. o.) benachrichtigt. Dieser Benachrichtigung kann man auch entnehmen, wann und wie die Abräumung zu erfolgen hat.
Es spricht in der Regel nichts dagegen, wenn man die Abräumung einige Monate vorher veranlasst und normalerweise sind auch ein paar Wochen Verzug kein Problem. In einem solchen Fall ist es aber sinnvoll, den jeweiligen Friedhofsverwalter zu kontaktieren.

Nur in seltenen Fällen ist es so, daß ein Grab direkt am Stichtag oder nahe dabei einzeln abgeräumt werden muß. Das Grab gehört ja zu einem Gräberfeld und es wäre unschön und würde auch die Ruhe der Toten stören, würden nun immer wieder vereinzelte Gräber zwischendrin abgeräumt.
Deshalb kann es sein, daß bestimmte Gräber in der ersten Reihe zwar schon abgelaufen sind, die Gemeinde die Aufhebung des Feldes aber erst zu dem Zeitpunkt terminiert, an dem das letzte Grab in diesem Feld abläuft, damit alles gemeinsam erledigt werden kann.

Kann ich die Grabplatte mit der Rückseite nach oben als Gartenweg oder Aufstellungsort für den Gartengrill nehmen?
Oder ist das zu makaber?

Verboten ist das nicht. Ob man das haben möchte, muß man selbst entscheiden.

Ich könnte ja auch von Steinmetz zu Steinmetz fahren, vielleicht kauft einer den Stein.

Sicher. Das kann auch gut funktionieren, allerdings dürfte der Erlös nicht besonders hoch sein, es sei denn es handelt sich um einen großen und besonderen Stein. Zu berücksichtigen ist allerdings, daß die Grabplatte/der Grabstein nicht zu viele und zu tiefe Löcher, etwa von der Anbringung einer geschraubten Schrift hat, daß die vorherige Schrift nicht zu tief eingehauen war und daß der Stein auch eine bestimmte Dicke hat. Der Steinmetz wird ihn gewaltig abschleifen müssen und dann sollte noch genügend Material da sein.

Ist es eigentlich verboten, das Grab auf dem Friedhof abzubauen, und (natürlich ohne Leiche) im eigenen Garten wieder neu aufzustellen? Um dann so zu tun als ob hier jemand liegt? Ist doch weiter nichts als ein normales Blumenbeet. Oder ein erfundenes Grab?

Du kannst in Deinem Garten den grünen Mondgott verehren, dem heiligen Läusekamm ein Denkmal errichten oder auch eine grabähnliche Gedenkstätte für Deine Familie einrichten. Viel wird man nicht dagegen haben können. Ob das ggf. allen Nachbarn gefällt, ist eine andere Sache, aber die würden sich vielleicht auch an Gartenzwergen stören.

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  • Veröffentlicht am: 18. Mai 2008
  • 8 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

8 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Bin selber Steinmetz und kann aus Erfahrung sagen dass der Arbeitsaufwand den man benötigt fast immmer höher ist als der Wert des Steins.
    Es gibt natürlich Ausnahmen allerdings sehr wenige wie seltenes Material etc.

  2. Normalerweise ist es doch so, dass die Angehörigen mit der Grabgebühr (egal ob kirchlicher oder städtischer Friedhof) für die Grabstätte doch auch den dereinstigen Rückbau entrichten. Anders sieht es aus, wenn die Grabstelle vor dem Ende der Ruhezeit bzw. dem Nutzungsrecht auf gegeben wird. Siehe auch „[URL=http://www.flack.de/wordpress/?p=209]Ende der Trauer?[/URL]“

  3. Bei uns kann man das Grab, wenn es abgelaufen ist, nochmal „kaufen“, also die Frist verlängern, z.B. weil man ja da selbst mal mit „reinliegen“ will, aber eben erst später…
    Als mein Vater zu seinen Eltern ins Grab kam, haben wir den Stein, der ja sowieso zum Steinmetz musste, etwas von der Form her umarbeiten lassen, so dass er jetzt viel „zeitgemäßer“ ausssieht, das hat nicht soo viel gekostet.

  4. Was wohl mit all den Millionen Grabsteinen die jedes Jahr in Deutschland übrig werden, passiert, wenn nur ganz wenige wiederverwendet werden können?
    Eigentlich wäre doch nicht mal eine Einfassung nötig, die leeren Gräber haben doch auch nichts ausser Gras.
    Ein Samentütchen mit Wiesensommerblumenmischung ist auch sehr schön.
    Hoffentlich hab ich es mir jetzt nicht mit den Steinmetzen verdorben.

  5. Da fällt mir gerade ein, wenn niemand die Grabplatte will, weil z.B. die Bohrlöcher für die Schrift zu tief sind.
    – Bevor sie eingestampft und zerschlagen wird –
    Der Steinmetz könnte doch den Familiennamen als rechteckige Tafel heraustrennen, was ein exclusives Namensschild ergibt. Weiß doch keiner wo es her stammt, – hab ich machen lassen.

  6. Also der alte Grabstein wird denke ich mal zu Schotter verarbeitet und dann im Baugewerbe eingesetzt.

    Straße etc.

    ODER?

  7. Die Friedhofsverwaltungen handhaben das unterschiedlich. In aller Regel werden die Steine gesammelt und in größeren Stückzahlen verkauft. Abnehmer sind in der Tat auch Baustofffirmen. Es heißt aber auch, die Steine gehen zum Teil nach Italien, um dort wieder aufgearbeitet zu werden.

  8. hallo eine wichtige frage meine mutter ist vor 21jahren gestorben mein vater wieder verheiratet und jetzt verstorben stiefmutter alleinerbin und sehr böse jetzt hat sie einfach von meiner mutter die daten weggelassen darf das überhaupt sie liegt da doch und es war ja meine mutters stein bitte um hilfe

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