Durch Beerdigung schwul geworden

Falscher Name auf schleife von Kranz

Text: Hallo ich hätte da mal eine frage: Der Opa meines Mannes ist letzte Woche verstorben und wir haben einen Kranz (Herz) bestellt der 3 Tage vor Bestattung aufgesteilt wurde….
Schon am 1 Tag bekam mein Mann eine Frage ob er den auf das andere Ufer gestiegen sein….
Was wir schon komisch fanden….
Wir haben dann nachgefragt und uns wurde gesagt das der Name (mein Name) falsch geschrieben war (Martina sollte es heißen und Martin stand drauf) Wir sind dann selbst hingefahren 30 km von uns weg und haben mit entsetzen festgestellt das mein Name tatsächlich falsch war (dies haben zu der zeit knapp 80 Leute gelesen) Drauf stehen sollte Mein Mann Martina mit Kindern und drauf stand Mein Mann Martin mit Kindern….
Dies war absolut nicht belustigend da der Opa sehr bekannt war und viele Leute jetzt wohl denken mein Mann wäre Schwul…..(worauf er auch angesprochen wurde)
Meine Frage jetzt muss ich den Kranz jetzt zahlen? Ich habe die gute Frau angerufen und das beste war das sie 1 Tag vor Beerdigung die schleife entfernt hat (war am tag der Beerdigung wieder richtig geschrieben dran)
Mein Mann und ich sind sehr sauer das viele Leute auch wenn einige uns kennen sowas gelesen haben…..
Über eine schnelle Antwort wäre ich dankbar

Sehr geehrte Frau K.,

der Vorfall ist für Sie natürlich sehr bedauerlich. Es tut mir leid, daß die Phase der Abschiednahme durch einen aus Ihrer Sicht so ernsten Vorfall getrübt wurde.

Allerdings gilt der Spruch: „Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler“, auch im Bestattungs- und Gärtnereigewerbe.
In diesem Fall hatten Sie einen Kranz in Herzform bestellt und, wenn ich das richtig verstehe, in Auftrag gegeben, daß auf der Kranzschleife stehen sollte: „Mein Mann Martina mit Kindern“.

Das ergibt, wenn man es so liest, für die allermeisten Menschen keinen Sinn. Jeder stellt sich die Frage, was „Mein Mann Martina“ bedeuten soll. In vorauseilendem Gehorsam hielten die Gärtnereimitarbeiter dies offenbar für einen Schreibfehler und machten aus dem „Mann Martina“ einen Martin. Denn „Mein Mann Martin“ ergibt aus der Kombination „Mann“ und männlicher Vorname eher einen Sinn.

Es kann natürlich auch sein – das ergibt sich aber aus Ihrer Zuschrift nicht – daß „Mein Mann“ in Ihrer Mail als Ersatz für einen Namen steht, beispielsweise Paul. Dann hätte Ihr Auftrag gelautet: „Paul, Martina mit Kindern“. Das ergibt zumindest mal für mich einen Sinn.
Ist es so gewesen, handelte es sich nicht um einen Korrekturversuch der Gärtnerei, sondern schlicht um einen Tippfehler beim Setzen der Schleife. So stand dann, wenn wir unsere Annahme weiterspinnen, „Paul Martin mit Kindern“ auf der Schleife. Hier wunderte sich natürlich mancher, weshalb Paul mit Martin Kinder hat und nicht Paul mit Martina.

Diesen entweder aus eigenem Antrieb durch die Gärtnerei verbesserten, oder aber durch die Gärtnerei falsch geschriebenen Kranztext hat man nun etliche Tage vor der Bestattung zum Friedhof ausgeliefert. Aufgrund der Namensänderung von einer weiblichen in eine männliche Form haben nun einige Friedhofsbesucher gewitzelt, ob damit eine neue sexuelle Präferenz des Genannten ausgedrückt werden sollte.

Diese Frotzeleien können nicht ernst gemeint gewesen sein, denn wer Ihnen gegenüber solche Äußerungen macht, der kennt Sie und Ihren Mann auch gut genug, um zu wissen, daß es sich hier nur um einen Druckfehler handeln kann. Sie haben vollkommen richtig gehandelt und bei der Gärtnerei die falsche Beschriftung der Schleife bemängelt. Die Gärtnerei hat ebenfalls vollkommen korrekt gehandelt und umgehend einen korrigierten Ersatz geliefert.

Damit ist die Sache erledigt.

Ein Schleifentext ist eine vergängliche Sache und die Schleife geht mit dem Kranz später auf dem Kompost unter. Dieser Fehler ist nicht mit einem falsch eingemeißelten Buchstaben auf einem Grabstein vergleichbar. Der Fehler wurde außerdem in kürzester Zeit korrigiert. Er ist entweder aufgrund eines Mißverständnisses oder aus Fahrlässigkeit entstanden.

Ein wie auch immer gearteter Schaden ist Ihnen, soweit ich das einzuschätzen und zu erkennen vermag, nicht entstanden. Da Ihnen insgesamt zum Ende der korrekte Kranz mit korrekter Beschriftung ja geliefert wurde, haben Sie auch keinen weiteren Anspruch gegen die Gärtnerei. Die entstandenen Mehrkosten für den erneuten Druck einer Schleife hat die Gärtnerei ja übernommen.
Der von Ihnen empfundene Schaden, daß nämlich andere sich über die Buchstabenverwechslung und die sexuelle Orientierung lustig gemacht haben, ist im Bereich des persönlichen Ärgern anzusiedeln. So ein Ärger kann groß sein und die Lebensqualität durchaus in gewissem Maße beeinträchtigen. Unter dem Einfluß eines Ärgers fühlt sich der Mensch halt eben weniger wohl. Aber das Ärgern gehört zu den allgemeinen Lebensumständen und muß auch mal hingenommen werden. Allein, weil man sich über einen Fehler geärgert hat, entsteht kein körperlicher bleibender Schaden, der den Verursacher zum Schadensersatz verpflichten könnte. Auch eine Rufschädigung kommt nicht in Betracht, weil die Gärtnerei ja niemals behauptet hat, Ihr Mann habe das Geschlecht oder „das Ufer“ gewechselt. Man hat schlicht und ergreifend einen Buchstaben falsch gedruckt. Das aber reicht nicht aus, um hieraus einen Anspruch herzuleiten; meine ich.

Ich würde also, nach allem was mir bisher begegnet ist, meinen, daß Ihnen erstens kein wirklicher Schaden entstanden ist und zweitens auch kein Schadensersatz zusteht.
Sie müssen die Rechnung der Gärtnerei bezahlen.

Mit freundlichem Gruß

Peter Wilhelm

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  • 4. Mai 2017 - 9 Kommentare - Lesezeit ca.: 3 Minuten - Kategorie: Frag den Bestatter

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
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peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm
Peter Wilhelm4. Mai 2017

9 Kommentare von 137885.

  1. Hehe, wie immer genial beantwortet.
    Mich würde aber interessieren, was mit „Mein Mann Martina mit Kindern“ gemeint sein soll.
    Kann mir das jemand erklären?

  2. Wenn ich das richtig verstehe, fehlte da mindestens ein Komma hinter ‚mein Mann‘ bzw. dem Vornamen des Mannes (den die Schreiberin aus irgendeinem Grund hier nicht nennen wollte).

    • @Baba:
      Vielleicht „fehlte“ kein Komma, denn eine Schleife hat ja zwei Enden. Auf der einen Seite stand vielleicht Mein Mann und auf der anderen Seite stand Martina mit Kindern.

  3. Mal blöd gesagt, positiv denken. Wie das? Mit so einer „Geschichte“ bleibt der Opa lange im Gedächtnis.
    Irgendwann in geselliger Runde, z. B. beim nächsten Familientreffen, kommt diese Geschichte wieder auf den Tisch.
    Bis hierhin ist der Ärger längst vergessen und ein lustiges (gedankliches) Erlebnis mit Opa jagt das nächste.
    Weißt Du noch als wir mit Opa…
    So bleibt er lange „lebendig“. Denn Menschen über die man spricht, „leben“ lange.

  4. Anläßlich des Todes meines Vaters gab es auch eine „Panne“ mit der Kranzschleife … mein Mann und ich (also eigentlich ich) hatten einen etwas ausgefalleneren Kranz ausgesucht, den Schleifentext gaben wir telefonisch durch. Er bestand aus einer kurzen Verabschiedungsformel (so wie ich mich immer von meinem Dad verabschiedet habe) und daran angehängt der Nickname meines Vaters.

    Am Tage der Urnentrauerfeier standen vorne die Kränze (und die Urne). Auf der Schleife war der Nickname meines Vaters mit kleinem Anfangsbuchstaben geschrieben, wahrscheinlich weil die Gärtnerei nichts damit anfangen konnte. Telefonische Nachfrage von der Gärtnerei hatte es nicht gegeben („ich bearbeite gerade die von ihnen bestellte Schleife, kann mit dem Text nichts anfangen, können sie mir bitte sagen, wie das geschrieben wird?“).

    Ausserdem waren bei allen bei dieser Gärtnerei bestellten Kränzen die Schleifen dergestalt, dass auf gelbem Stoff goldene Buchstaben aufgedruckt, also das ganze mangels Konktrast kaum lesbar war.

    Wir hatten jetzt nicht eine bestimmte Schleifenfarbe bestellt, waren aber davon ausgegangen, dass das ganze „leserlich“, also mit Konktrast gestaltet würde.

    Von der Rechnung des Kranzes (350,00 Euro) habe ich mir dann erlaubt, schlanke 50,00 Euro abzuziehen. Der Auftrag Telefonbanking ging am späten Vormittag raus und am frühen Nachmittag desselben Tages kam Anruf von der Gärtnerei mit der Nachfrage, warum nicht die volle Rechnungssumme überwiesen worden wäre (DA konnten sie nachfragen …).

  5. Oh lieber Gott, warum macht man das denn heute nicht per Mail?
    Wenn ich etwas bestelle, dann sollte das ankommen, was ich bestellt habe.
    Wer zu bequem ist es schriftlich zu machen und auch nicht in der Lage ist, etwas genau zu buchstabieren, ob Versalien oder nicht, der sollte sich später auch nicht beschweren.
    Bei „Martin“ bzw. „Martina“ da ist eben ein Fehler passiert und das kann eben auch einmal passieren.
    Hat Herr Wilhelm ja lang und breit Stellung zu genommen.
    Einfach dumm gelaufen und wenn Menschen daraus noch Kapital schlagen wollen, dann sollten sie mal überlegen ob sie bisher alles immer fehlerfrei in ihrem Job gemacht haben.

  6. Ja,ärgerlich ist das schon. Ich habe vor einiger Zeit auf dem Stralsunder Zentralfriedhof auf einem Grabstein einen gemeißelten Fehler entdeckt, der einem nur dann ins Auge fällt,wenn man liest und wer liest schon Inschriften auf Steinen? Nur:dieser gemeißelte Fehler schien noch nie aufgefallen zu sein, wurde ja noch nicht ausgebessert.Bei Prominenten wird man sich höchstwsl.mehr Mühe geben und bei denen würde es mehr Interesse geben,als bei anderen Menschen.Es macht Unterschiede, wessen Schleife es ist, darauf wette ich..(ist wie beim Stinkefinger, den man als Autofahrer gezeigt bekommt,ein Polizist fragt dann,ob man sich in der Ehre gekränkt fühlt, mehr passiert da nicht, bei Promis landet so etwas in irgendeiner Zeitschrift oder im TV, bei anderen Menschen wird das eben nicht erwähnt,ist ja nicht von öffentlichem Interesse..)

  7. Ich denke, die Dame schreibt hier „Mein Mann“ im dessen Namen nicht zu nennen. Auf der Schleife wird der Name gestanden haben.

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