Lesben Friedhof in Berlin eröffnet

Leserin Simone schickt mir folgenden Link und verbindet ihn mit der knappen Frage „Deine Meinung?“

http://www.spiegel.de/…/friedhof-fuer-lesben-in-berlin-eroeffnet…

Meine Meinung?
Meine Meinung ist: Das ist mir egal.

Dort hat ein Trägerverein ein bislang brachliegendes Stück Friedhofsland gepachtet und legt darauf nun Gräber für lesbische Frauen an. Anonyme Gräber sind verboten, man soll sich bekennen, auch über den Tod hinaus.
Von Ausgrenzung wolle man nichts wissen, heißt es im Spiegel-Artikel.

Ich persönlich frage mich, warum es einen solchen Friedhof geben muß. Der liebe Gott oder wer auch immer hat Menschen mit den unterschiedlichsten sexuellen Präferenzen geschaffen. Mittlerweile leben wir in einem Zeitalter, in dem jeder offen zu seiner sexuellen Neigung stehen kann, wenn er es denn mag. Mir ist es egal, ob jemand homosexuell ist. Ich selbst habe auch meine sexuellen Präferenzen, von denen jeder glaubt, er kenne sie, jedoch bin ich der Auffassung, daß Sexualität etwas Privates, Intimes ist, das man nicht wie ein Schild vor sich her tragen muß. Was ich wie mit wem bevorzuge, das ist doch meine ureigenste Sache, die niemanden etwas angeht, solange sich das einvernehmlich mit genügend erwachsenen Personen abspielt.

Wäre ich homosexuell, würde ich da keinen Hehl draus machen, es aber auch nicht jedem auf die Nase binden. Ich wäre froh, in einer toleranten Umgebung zu leben und das zu sein, was normal ist, nämlich ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft, und daß es eben nicht darauf ankommt, ob ich Männer oder Frauen als Sexualpartner bevorzuge.
Jedenfalls wollte ich dann später auch so beerdigt werden, ganz normal, so wie alle. Ich wollte doch nicht auf der einen Seite für Akzeptanz und Gleichberechtigung stehen und mich dann andererseits nach meinem Tod auf einem Sonderfeld des Friedhofs ausgrenzen.
Aber wie gesagt, das gilt für mich.
Jedem ist da was anderes wichtig und jeder darf da seine eigenen Vorstellungen haben.

Nehmen wir an, hier gäbe es ein Extrafeld für Künstler auf dem Friedhof. Und nehmen wir weiter an, man würde mir oder meiner Familie anbieten, ich könne dort beerdigt werden, so könnte es durchaus sein, daß ich das nett fände und so haben wollte.
Das wäre mir dann vielleicht wichtig, ich würde das vielleicht schön finden, neben Malern, Bildhauern und anderen Schriftstellern zu liegen.
Und das wäre aber genau so eine Ausgrenzung, ein Absetzen von den Anderen.
Also wirklich, jeder so, wie es ihm gefällt.

Mir ist es egal. Meinetwegen kann ein Verein für Menschen mit abstehenden Ohren auch ein eigenes Segelohr-Sonderfeld auf dem Friedhof bekommen.
Das alles stört niemanden, tut niemandem weh und kostet nur das Geld derjenigen, die diesen Sonderservice in Anspruch nehmen.

In Zeiten, in denen die Menschen Bestattungsangebote außerhalb der Friedhöfe zustreben und Friedhofsbetreiber teilweise finanzielle Sorgen haben, ist doch jedes Nutzungsangebot willkommen.

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Peter Wilhelm14. Januar 2015

28 Kommentare von 138966.

  1. Jeder wie er will und kann, mir persönlich ist es egal wer mal neben mir liegt, das bekomme ich höchstwahrscheinlich nicht mehr mit. Ob für Lesben ein eigener Friedhof nötig ist? ich denke nicht, die Frage wäre ob das Geld nicht in andere Projekte sinnvoller angelegt wäre.

  2. Jawoll, so machen wirs‘. Für jeden Verein ein eigenes Feld. Für Alkoholiker, Schwule, dies und jenes Gläubigen und jeden der sich für was Besonderes, oder zumindest etwas Außergewöhnlich hält.

    Vor allen Ein- und Zugängen dieser Felder stellen wir reichlich Bänke und Tischchen auf, damit sich Vertreter, Verkäufer und die, die es noch werden wollen, gleich die passende Klientel aus den Besuchern raussuchen können.

    Hoch lebe der Datensch(m)utz, so hoch, dass keiner mehr dran kommt. ;-)

    • Und wenn man jetzt in mehreren Vereinlichkeiten ist? Schwuler Schütze, in der Dorffeuerwehr und im Elternbeirat, in der Kirche und in der Zumbagruppe? Sehen die Friedhöfe dann bald aus wie Venn-Euler-Diagramme? Muss man dann bestimmte Symbole als Erkennungszeichen für die verschiedenen Zugehörigkeiten oben links in den Grabstein meißeln? Oder wird das über die Bepflanzung geregelt? Heidekraut für die Schützen, gelbe Tulpen für den Elternbeirat, usw?

      • Zitat:

        Und wenn man jetzt in mehreren Vereinlichkeiten ist?

        Das wurde doch schon im Mittelalter durch das gute, alte Vierteilen (meistens nach dem Tode) gelöst. So hätte man zumindest teilweise in vier Vereinen Mitglied seien können. ;-)

  3. Ich denke eher, daß manche einfach nur später nicht neben (oder gar auf/unter) einem Mann liegen möchten. Auch wenn sie das faktisch ja gar nicht mehr mitbekommen.

    Genauso wie es manchen schaudert, später verbrannt zu werden oder andersherum in der Erde zu vermodern mit Gewürm und so, obwohl man als Toter eigentlich gar nichts mehr davon mitbekommen sollte.

    • Nachtrag: Es gab ja auch mal Zeiten, daß man die Gräber nach Konfessionen getrennt hatte. Wie schlimm muß es da für manchen gewesen sein, neben einem Protestanten oder gar einem Kathliken zu liegen. :-)

        • Wo doch für die Nassräume eh nie genug Platz ist wird das einfach mal so gedoppelt?

          Ist das dann je nach Ausrichtung muss man dann ein Stockwerk höher, obwohl eh alle zusammen unterrichtet werden? Außer vieleicht im jeweiligen Religionsunterricht.

          Gibts da irgendwelche Sachen die ich als Konfessionsloser verpasst habe?
          Beichtstuhl aufm katholischen Lokus?
          Statt Waschbecken Taufbecken, falls man mal schnell Baptist werden möchte?

          Oder hat da wer Angst das aufeinmal die Schüler nicht unter Aufsicht stehen und dann was?

          Irgendwie putzige Sache.

    • Nicht alle Lesben haben Berührungsängste mit Männern ;) Kaum jemand kann sich seine Grabnachbarn aussuchen, mit Ausnahme von Parterngräbern, und die sollten doch auch für homosexuelle Paare möglich sein. Wer da dann sonst noch alles in der Gegend liegt ist mir dereinst dann so egal wie wer in der Straßenbahn vor oder hinter mir sitzt.

      • > … dann so egal wie wer in der Straßenbahn vor oder hinter mir sitzt.

        Zumindest in der Straßenbahn ist es mir nicht immer egal, wer da sitzt. Es gibt manche Zeitgenossen, die eine olfaktorische Herausforderung sind. Auf dem Friedhof wird es mir (vermutlich) dagegen ziemlich egal sein,.

  4. Wenn man die queer-feministische Szene in Berlin ein bisschen kennt, ist es nicht mehr so verwunderlich. Da wird von manchen Menschen wirklich alles, was das „Pech“ hatte mit einem Penis zur Welt zu kommen und entsprechend männlich sozialisiert wurde, als das ureigene Böse betrachtet, mit dem man in seinem Leben (und offenbar auch in seiner vermodernden Existenz danach) gar nichts zu tun haben möchte.
    Einerseits gilt natürlich: tut mir nicht direkt weh. Wenn wer dafür bezahlen will, dann soll sie doch. Anderseits finde ich es schade, weil ein paar wenige Individuen mit solchen Aktionen gerne mal einer ganze Gruppierung einen Stempel aufdrückt.

  5. Das ist doch aber viel praktischer für die Hinterbliebene – die können sich dann untereinander viel schneller finden.
    Bei ganz normalen Gräbern soll das doch so sein, dass Frauen sich dort einen Witwer suchen gehen.

  6. Ich, als schwuler Mann, lehne sowas ab. Ein Extrafriedhof für uns läuft der angestrebten Normalität entgegen. Mein Mann und ich sind in unseren Familien und in unserer Nachbarschaft voll integriert. Warum sollten wir uns im Tod ausgrenzen?

  7. Ich zitiere einen von mir geschätzten Schriftsteller: Jeder soll tun was er möchte. Solange er nicht verlangt das ich dasselbe tue und es nicht mein Geld kostet“.

  8. Wenn ich mich recht entsinne, dann gibt es zwischen Köln und Bonn einen Friedhof für Schwule. Dieser ist wohl eingerichtet worden, weil dort eine „kreative“ Friedhofssatzung gilt, die gewisse Extravaganzen, die man Schwulen für gemeinhin nachsagt, erlaubt.

  9. Integration heißt nicht, dass alle das gleiche gut finden müssen. Und ein separates Gräberfeld ermöglicht eine gemeinschaftliche vom üblichen vielleicht etwas abweichende Trauer- und Grabkultur. Meiner Erinnerung nach gibt es das sogar für die Fans eines Fußballvereins. Ich finde das bereichernd und vielleicht sogar bahnbrechend für unsere althergebrachte Friedhofskultur, die dadurch vielleicht für alle ein wenig flexibler und offener wird.
    Ehrlich gesagt finde ich es einigermaßen engstirnig, wenn sich Menschen darüber mokieren.

    • Wieso mokieren? Wir machen uns nur darüber lustig.

      Außerdem muß doch die Frage erlaubt sein, wie weit das gehen soll? gräber nur für FDP-Mitglieder – owbohl da braucht man nicht viel Platz. Oder Gräber die nach Stämmen getrennt, wie z.B. in Leben des Brian: Pharisaeer getrennt von Saluzaeern, Saluzaeer getrennt von Juden, Samariter getrennt von Ammonitern! – obwohl da waren es Kreuzigungen.

  10. Also generell bin ich auch der Meinung jedem das Seine.

    Aber bei so manchen Äußerungen und Ideen von Personen mit maximalem Gleichberechtigungsstreben von Mann und Frau (oder) Frau und Mann wird gerne mal übers Ziel hinaus geschossen und die jeweilige „unterdrückte“ Gruppe über die „höher gestellte“ Gruppe erhoben.

    IMHO!

  11. Und auf diesem Leseben-friedhof haben auch nur lesbische Bestatterinnen Zutritt?!

    Sehe schon die Stelleananzeigen der örtlichen Bestattungsunternehmer:

    Suche baldmöglichst Mitarbeiterinnen für Bestattungsdienstleistungen.
    Voraussetzungen: homoerotische Neigungen….

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