Sekundenkleber

Wenn man irgendwo erzählt, dass man Bestatter ist, weichen manche Leute zurück, so als habe man immer eine Leiche in der Tasche oder so. Ganz ehrlich, ich nehme keine Arbeit mit nach Hause! :-)

Auf jeden Fall aber steht man schnell im Mittelpunkt des Gespräches, weil zu dem Thema hat jeder irgendwas zu sagen oder will irgendetwas wissen.

Letztens fragte mich jemand: Wie macht ihr das eigentlich, dass der Mund des Verstorbenen zu bleibt?

Da gibt es verschiedene Methoden.
Klassischerweise wird die Ligatur verwendet. (v. lat.: ligare = binden, verbinden; ligatur = es wird gebunden) . Bei der Ligatur wird mittels einer chirurgischen Nadel ein feiner Faden innen durch das Lippenbändchen gezogen und auch im unteren Teil des Mundes eingefädelt. Mit dem nötigen handwerklichen Geschick kann man dann den Faden zuziehen, dadurch den Mund verschließen und den Faden dann so verknoten und kürzen, daß man ihn nicht mehr sieht.

Eine weitere, sehr verbreitete Methode ist der Einsatz einer sogenannten Kinnstütze.

stuetze.jpg

Kinnstütze

Eine solche Kinnstütze besteht aus einem schnell verrottenden Biomaterial aus Maisstärke o.ä., hat aber die Flexibilität und Stabilität von Kunststoff. Sie wird von vorne um den Hals des Verstorbenen gelegt und stützt das Kinn und den Kopf gegen den Brustkorb ab, sodass der Mund ebenfalls verschlossen bleibt.

Diese Methode wenden wir an, wenn zusätzlich noch die Kopflage stabilisiert werden soll.

Die wohl am häufigsten angewendete Methode ist so simpel wie wirkungsvoll. Man bestreicht die Lippen des Verstorbenen mit einem dem Sekundenkleber ähnlichen Hautkleber und presst sie dann etwas zusammen. Der Mund bleibt ebenfalls geschlossen.

Im Übrigen sind wir Angehörigen, Ärzten und Pflegediensten dankbar, die vorbeugend dem eben Verstorbenen mit einer Mullbinde die Kinnlade hochbinden. Das sieht erstens besser aus, als wenn er offensteht und zweitens kann der Bestatter dann oft auf die oben beschriebenen Maßnahmen verzichten.

Noch ein Hinweis: Bestatter fragen ihre Kunden zumeist, ob der Verstorbene aufgebahrt werden soll oder ob der Sarg zubleiben soll. Nach meiner Meinung muß der Verstorbene aber in jedem Fall ordentlich im Sarg liegen.

In unserem Haus wird die Ligatur verwendet.

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Peter Wilhelm22. Februar 2014

3 Kommentare von 138670.

  1. Zu Sekundenkleber: Ein Kopfkissen zur Lagerung des Kopfes plus ein dick gefaltetes Badetuch unterm Kinn geht sehr gut. Ist eine Mullbinde, zu straff angelegt gibt es Striemen, die dann unschön aussehen.

    Elastische Binden (8cmx4m, nicht die hauchdünnen)sind auch gut, wenn faltenfrei angelegt.

  2. Wir nehmen nie hautkleber, wir machen immer die kleine oder große ligatutr. kann mir einer erklähren warum so oft hautkleber verwendet wird? Ok Ligatur ist bischen brutal aber besser als kleben.

  3. Moin.

    Als ich noch Zivi war, habe ich auch Endpflegen gemacht und Verstorbene gewaschen. Der zugebundene Mund war ein absolutes Muss; mich wundert dass das nicht Standard ist.

    Schöne Grüße

    Leo

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