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Betroffenheitsrassismus?

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Hallo Peter, wie viele fühlst auch du mit den Opfern der feigen Anschläge von Paris und zeigst dies durch die Färbung des Blogs in den Farben der Französischen Flagge.

Darf ich dies hinterfragen?
Wann qualifizieren sich Opfer für unser mitgefühl?
Russisches Flugzeug Nein
Deutsches Flugzeug Ja
Journalisten in Paris Ja
Geiseln im Jemen Nein
Hunderte tote durch Boko Haram Nein
Ein Suizidaler Torwart Ja
??????
Gibt es einen Betroffenheitsrassismus?

Herzliche Grüße
Ein Nachdenklicher

Peter Wilhelm 16. November 2015


28 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ach du liebes Lieschen, was für eine Wortschöpfung!

    Ähm, natürlich und selbstverständlich bin ich „mehr“ betroffen, wenn etwas Schreckliches in meiner Nachbarschaft passiert. Je näher es ist, desto eher könnte ich selbst im anderen Wortsinne betroffen gewesen sein. Was um alles in der Welt soll daran „rassistisch“ sein?

    Ich kann dieses „aber da sind auch … und viel mehr … und keiner …“ Gejammer nicht mehr hören und lesen. Als würde man die vielen anderen Opfer dadurch verhöhnen, dass man die einen beweint.

    Ja, ich hab im ein oder anderen Kommentar oder Post an anderen Stellen auch mal auf den Anschlag in Beirut hingewiesen, aber nicht um Opfer gegen Opfer auszuspielen, denn als nichts anderes empfinde ich diese Jammerei.

    Das Umfärben ist nicht so meins, aber ob man das tut oder nicht ist eine Privatangelegenheit, ich drücke meine Empathie eben anders aus. Und dieser ganze Sarkasmus der „besseren“ Leute, die da angeblich drüber stehen zum Beispiel zum Thema Schweigeminunte, Solidaritätsadressen, Betroffenheitsäußerungen, geht mir auch auf den Keks. Macht mit oder lasst es bleiben, aber schweigt – wenigstens dazu. Wie ich und wie andere damit umgehen, ist Privatangelegenheit, für den einen ist Betroffenheit eine Möglichkeit der Verarbeitung, für den anderen eben nicht.

    irgedwie muss man halt damit umgehen, und mir hilft meine „Betroffenheit“ aufkommende Ängste zu rationalisieren.Die sind nämlich das, was die Täter erreichen wollen, ich werde es ihnen nicht erlauben, nicht mit mir. Ich hoffe mal, der Link acht mir jetzt den Kommentar nicht kaputt 😉
    https://drkall.wordpress.com/2015/11/14/habt-um-gottes-willen-keine-angst/

  2. Oh jeh, für mich klingt das alles so ein bisschen wie diese komischen Weihnachtstassen ( erinnert sich jemand an die ? )
    “ Bäh! Ich bin ganz doll betroffen! Bäh! Ich bin noch dreimal mehr ganz doll betroffener als du! „

  3. Rassismus finde ich die falsche Definition – hier geht es um Nähe. Frankreich und die Franzosen stehen uns näher als Rußland und die Russen. Der Tod eines engen Freundes macht mich mehr betroffen als der eines fernen Bekannten – ohne das dies eine Wertung darstellt.
    Die menschliche Psyche kann nicht alles gleichwertig aufnehmen – ansonsten geht man ganz schnell kaputt. Es ist auch niemandem geholfen, wenn alle im Dauer-Betroffenheitsmodus rumlaufen – jeden Tag passiert auf der Welt etwas, das tragisch ist – nicht nur Gewalt, auch Krankheit und Not. Wer sich jedes dieser Geschehnisse zu eigen macht, hat nichts anderes mehr zu tun und verliert sein eigenes Leben – nicht physisch, aber psychisch.

    • @Mathias:
      Also ganz ehrlich, mir stehen die Franzosen nicht näher..
      Auch nicht „unsere“ Germanwingsmaschine. Sie alle, in Beirut, Palästina,Irak,Syrien,Paris usw. haben eines gemeinsam..sie hätten nicht sterben müssen, wenn die Menschen mehr und ernsthaft miteinander umgehen würden. Aber betrauern? Da fallen mir nur wenige ein. Also, wenige, die ich wirklich und wahrhaftig betrauern würde. Und bei dem Rest ist es mir schlicht egal, weil Sie schon richtig bemerkten: „Wer sich jedes dieser Geschehnisse zu eigen macht, hat nichts anderes mehr zu tun und verliert sein eigenes Leben – nicht physisch, aber psychisch.“
      just my Opinion

  4. So dumm ist die Feststellung gar nicht. Vor nicht einmal vier Wochen wurden bei einem Anschlag in Ankara auch mehr als 100 Leute vom IS getötet. Da wurde zwar auch darüber berichtet, aber nicht mit so einer Intensität. Und auch von weltweiter Solidarität und Anteilnahme war nicht viel zu sehen.

    Ich würde es jetzt keinen Betroffenheitsrassismus nennen, aber letztendlich hängt auch viel von der Intensität der Berichterstattung ab wie ein Ereignis wahrgenommen wird. Und berichtet wird eben vor allem dann wenn die entsprechende Infrastruktur vorhanden ist, d.h. Journalisten, Fernsehsender usw vor Ort sind. Bei einem Anschlag in Nigeria berichtet der Nachrichtenkorespondent aus Kairo, weil das ja auch irgendwo in Afrika ist als vorletzte Meldung vor dem Fussball und dem Wetter.

  5. „Gibt es einen Betroffenheitsrassismus?“
    Klar gibt es den. Auch -Speziezismus, -Sexismus und, wenn man das so formulieren kann, eine Sonderform der Altersdiskriminierung.
    Betroffenheit und Mitgefühl werden von jedem Menschen individuell erfahren, wie auch jeder Mensch eine individuelle Vorstellung von „gesellschaftlich bedeutend“ hat. Es gibt Überschneidungen, es gibt Unterschiede, es gibt Gründe und Möglichkeiten, die eine oder andere Flagge zu schwenken.

    Kaum zu glauben, aber in den nächsten 60 Jahren werden über 7 Milliarden Menschen sterben, mit oder ohne Krieg. Lieber Nachdenklicher, wie viele Kerzen hast Du denn vorrätig?

  6. Es stimmt, je näher das Ereignis ist, umso betroffener sind wir weil „wir hätten ja auch dort sein können“.
    Aber es gibt einen Unterschied. Als Anfang letzten Jahres in Kenia ca. 140 Menschen bei einem Attentat der Al Shabab ums Leben kamen oder im September 2013 in einer Shopping Mall ca. 70 Leute ermordet wurden, ging die Meldung auch durch die Medien, nicht so intensiv wie jetzt bei Paris aber es war ein Thema.
    Aber welche Folgen hatten die beiden Ereignisse?
    Die Tourismusindustrie in Kenia kam fast zum erliegen, erst jetzt erholt sie sich langsam wieder.
    Werden in Frankreich ähnliche Konsequenzen erwartet? Wahrscheinlich nicht.
    Warum ist das so? Warum erscheint einem die Gefahr in einem Land wie Kenia, Tunesien, Ägypten oder anderen größer als in einem benachbarten Land wie Frankreich?

  7. „Warum ist das so? Warum erscheint einem die Gefahr in einem Land wie Kenia, Tunesien, Ägypten oder anderen größer als in einem benachbarten Land wie Frankreich?“

    Ja, das stimmt schon. Ich war auch kurz nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo in Paris. Wäre so ein Anschlag in Ägypten oder so passiert, dann gäbe es jetzt Reisewarnungen vom Auswärtigen Amt, Urlauber würden mit Sondermaschinen zurückgeholt usw.

  8. Bin ich rassistisch, wenn ich versuche, solche Themen gar nicht an mich ranzulassen? Oder ist Selbstschutz legitim? Ich war betroffen, als die Boko Haram Mädchen entführten. Weil ich selbst Töchter habe. Ich war betroffen und traurig, als ein Pilot Selbstmord beging und dabei viele Unschuldige mit sich nahm. Weil ich Kinder im selben Alter habe, die vielleicht auch irgendwann mal auf Klassenfahrt / Schüleraustausch fliegen werden. Betroffenheit über die jüngsten Ereignisse in Paris – sie sickert nur langsam durch, das „Abholen“ der Kinder nach den unfassbaren Nachrichten am Frühstückstisch war wichtiger als die eigenen Gedanken. Und doch schiebe ich jetzt vieles dazu weg, weil ich Angst vor der Angst habe.
    Und auf der anderen Seite: Ja, es gibt Unterschiede in der Wahrnehmung. Bedingt durch örtliche oder emotionale Nähe – Frankreich ist quasi um die Ecke, ich war schon in Paris mit der Familie. Haltern ist für mich ein Begriff, ich kenn da liebe Menschen die dort wohnen. Ukraine war ein zweischneidiges Schwert, weil die liebste Freundin dort Familie hat. Dagegen ist Kenia weit weg.
    Diese unterschiedliche Wahrnehmung, das unterschiedliche Heranlassen der Themen, die unterschiedlichen Formen von Betroffenheit und vielleicht auch Trauer sind ebenso vielfältig wie wir Menschen. Das ist kein Rassismus. Das ist menschlich.

  9. Die traurige Wahrheit ist ein klares Nein. Es hat nichts mit der Hautfarbe oder der Herkunft oder was auch immer zu tun, wie betroffen man ist. Das liegt ja schon im Wortsinn… betroffen. Mitleid, Betroffenheit… das ist Größe der Katastrophe geteilt durch Abstand (emotionaler, geographischer, was auch immer). Es ist nur menschlich, dass man heftiger, deutlicher, stärker reagiert, wenn es auch einen selbst hätte treffen können. Jeder, selbst der Fragesteller wäre deutlich betroffener von einer Schießerei in der eigenen Nachbarschaft als von einer in Timbuktu. Man mag den Medien vorwerfen, dass sie neutraler sein müssen, dass sei von allen Katastrophen berichten müssen, dass es ihre Pflicht ist, objektiv zu sein. Von Menschen kann man das nicht. Deswegen sind wir Menschen. Wir sind parteiisch, kleinlich, emotional. Und das dürfen wir. Wir können nicht immer, permanent zu jeder Zeit betroffen sein, jammern und wehklagen.
    Die Kunst ist, dennoch nicht wegzusehen. Dennoch etwas zu tun, etwas zu sagen, etwas zu sein. Ich bin traurig und wütend über jede einzelne vermeidbare Katastrophe…. aber ich gebe zu, sie beschäftigt mich umso länger, je näher sie ist. Was ich aber auch bin, ist handlungsfähig. Ich diskutiere mit anderen, ich versuche Lösungen zu finden und ich übernehme Verantwortung. Auch und vor allem für Dinge die weit weg sind. Und das ist besser als wegen jedem Toten rund um den Erdball in Depression zu verfallen.
    Sorry, wenn das jetzt irgendwie trollig rüberkam, so ist es eigentlich nicht gemeint. Aber ich habe Verständnis dafür, wenn es Leute gibt, die sich davon angegriffen fühlen, dass ich ihre Meinung nicht teile und es eher provokant ausdrücke.

  10. Warum Nachrichten aus Paris uns näher sind als welche aus dem Jemen erklärt sich m.E. daraus, dass für viele Menschen eine Reise nach Paris wahrscheinlicher ist, als eine in die Republik Jemen. Sie sind somit direkt(er) betroffen.

    Ich hatte nach dem Absturz der German Wings Maschine schon einmal versucht, die menschlichen Reaktionen auf ein solchen Ereignis zu beschreiben. Damals schrieb ich:

    „Der Grund hierfür ist, dass der Absturz einer deutschen Maschine mit einem deutschen Zielflughafen und deutscher Crew und deutschen Passagieren dazu geeignet ist, unser Weltbild – zumindest was die Sicherheit von Flugreisen von und nach Deutschland angeht – nachhaltig zu erschüttern.

    Normalerweise leben die meisten von uns nach der Vorstellung, dass das, was heute gilt, auch morgen noch Gültigkeit hat. Jeder Tag, an dem nichts unvorhersehbares passiert, bekräftigt diese Erfahrung und festigt sie und macht uns dadurch handlungsfähig und gibt uns die Zuversicht, einen Schulabschluss anzustreben, ein Haus zu kaufen oder eine Partnerschaft einzugehen: kurzum: um Pläne für die Zukunft zu machen.

    Das Vertrauen in die Zukunft wird aber immer dann in Frage gestellt, wenn ein Ereignis, welches wir vorher nicht für möglich oder zumindest für sehr unwahrscheinlich gehalten haben, unser Sicherheitsgefühl tiefgreifend verletzt. Beispiele gibt es leider genug: Neben dem Absturz der Germanwings Maschine 4U9525 sind dieses u.a. der Terroranschlag auf Charlie Hebdo, die Nuklearkatastrophe von Fukushima oder auch der Unfalltod von Lady Di.“

    Mit den Anschläge in Paris lässt sich diese Aufzählung fortführen. Leider.

  11. Ach Gottchen, das hört sich an wie ein versteckter Apell nach „Political Correctness“.
    Es muss doch jeder selbst für sich entscheiden, wie nah er Katastrofen jeder Art an sich heranlässt und wie er sich dazu äußert, wie z.B. heute Mittag 1 Minute zu verharren, Trauerembleme auf der HP zu veröffentlichen, seine Gedanken zu diesem oder jenem ins Weblog zu schreiben und was man sonst noch alles tun kann.
    Wer ein Weblog betreibt, macht sich in gewissem Maße öffentlich und kann darin schreiben bzw. zeigen, was ihn bewegt. Wie schon einige „Vorredner“ geäußert haben – es bewegt uns eben nicht immer alles, was auf der Welt geschieht. Das kann man nicht steuern. Wenn Peter meint, aus einer Gefühlsregung heraus sein Blog mit einer Art Trauerbekundung zu versehen, ist das seine ganz persönliche Sache. Wir lesen können das zur Kenntnis nehmen und gut ist’s. Da mach ich mir doch keinen Kopf, ob er das bei einer anderen Gelegenheit auch machen würde. Man kann auch alles dramatisieren!

  12. Sollte nicht gerade ein Nachdenklicher nachdenken?

    Um wen trauern wir mehr, um den Tod unseres Vaters oder Partners — oder den der Mutter unseres Kindergartenfreundes, den wir seit der ersten Klasse nicht gesehen haben?

    Wer erregt mehr unser Mitgefühl, der Tod einer 96-jährigen oder eines Kindergartenkindes?

    Und fühlen wir mehr mit der von einem Geisterfahrer getöteten Mutter dreier Kinder oder dem Motorradfahrer, der in einer Kurve unter einen LKW rutschte?

    Genauso darf jeder von uns sich besonders betroffen oder meist wohl eher besorgt oder gar verängstigt zeigen, wenn ein Anschlag in einem Nachbarland stattfindet statt auf der anderen Seite der Welt. An einem Ort den man auch schon einmal besucht hat oder wo man vielleicht sogar Menschen kennt. In einem Land, in dem Frieden herrscht und nicht in einem Kriegs- oder Dritte-Welt-Land. Oder einfach nur in einer Kultur wie der eigenen, so als könnte es das nächste mal vor dem eigenen Stadion, der eigenen Bar, dem eigenen Kindergarten oder der eigenen Tür geschehen.

    Ein bisschen mehr nachdenken, liebe Amateurrassismusbedenkenträger!

  13. Die Frage zu stellen finde ich- auch vom Tonfall her- gar nicht mal so schlecht.
    Den Ausdruck Rassismus sehe ich nicht, ich bin im Großen und Ganzen d’accord mit den Beiträgen hier…
    Offensichtlich hat auch Herr Wilhelm diesmal auf die Schwarmintelligenz vertraut… 😉

  14. Kognitive Dissonanz ist eine wunderbare Fähigkeit des menschlichen Gehirns und niemand ist davor gefeit.

    Ich sehe das auch bei mir. Ich helfe ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim. Wenn ich dort ein weinendes Kind sehe geht mir das nah und ich denke „Was für arme Menschen“. Wenn ich 5 Bleche selbst gebackene Pizza verteile und in dankbare Augen sehe die glücklich Mampfen freue ich mich.

    Auf der anderen Seite denke ich, wenn ich wieder mal von einem Anschlag im Irak höre „Meh, die lernen es nie“. Oder im Fernsehen sehe wie sich ein nigerianischer Flüchtling über das Essen beschwert, „Na wenns dir hier nicht schmeckt dann geh doch wieder heim, undankbares Negerpack „.

    Es ist wohl so wie einer der Vorredner schon schrieb: Man muss sich selbst schützen um nicht verrückt zu werden in dieser Welt.

  15. Im Grunde genommen hat „Ein Nachdenklicher“ ja Recht: immer wenn Menschen zu Schaden kommen (ich meine hier nicht Spekulanten u.ä.) oder gar getötet werden, ist Betroffenheit angesagt. Gleichzeitig ist es aber natürlich, dass das „Naheliegende“ einen mehr betrifft und dort mehr Betroffenheit erzeugt, als bei ferneren „Ereignissen“
    Wenn der liebe Peter dies publiziert, hat er sich sicherlich etwas dabei gedacht, oder?
    Ob man das Ganze als Rassismus bezeichnet, ist doch Jacke wie Hose.
    Meint
    Hajo

  16. Man kann sich nicht um alles kümmern, sonst haben wir keine Zeit mehr.

    Man kann sich nicht von allem betroffen zeigen, sonst sind wir seelisch am Ende.

    Man hat, örtlich wie zeitlich, nur eine Gelegenheit, etwas zum Besseren zu bewirken.

    Hier und jetzt.

    Auch die christliche Nächstenliebe meint nichts anderes, dass man vor allem in seiner Nähe tätig sein sollte. Die Person, die mir am nächsten steht, befindet sich schon von der Definition her in meiner Nähe.

    Letztlich sind wir alle nur unbedeutende, arme Pupser im Universum. Seien wir froh, wenn jemand sich um uns kümmert und aus Mitgefühl sein Profilbild freiheitlich-egalitär-brüderlich anmalt.

  17. Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass sich die Leute,
    die diese Fragen stellen oder mit dem gleichen Argumenten bei Facebook oberlehrerhaft darauf hinweisen, warum sie ihr Profilbildchen garantiert nicht einfärben werden,
    mich belehren wollen, um sich als was „besseres“ zu sehen?

    Denken diese Leute eigentlich, dass man, weil man sich nur bei einer Gelegenheit betroffen zeigt, uninformiert, ungebildet und verroht ist und die Welt um sich herum nur eingeschränkt wahrnimmt?

    Muss ich mich jetzt schuldig fühlen, wenn ich meine Betroffenheit gegenüber den sonstigen Ereignissen nicht adäquat zum Ausdruck bringe?

    Was wäre denn dann das richtige Maß dafür? Und wäre diese Betroffenheit dann nicht geheuchelt, weil ich sie nur äußern würde, weil ich es muß?

    Wir können über alles reden, aber was ich fühle und wie ich denke, lass ich mir nicht vorschreiben.

  18. Wer mir mit sowas im echten Leben kommt, der hat ganz schnell die Klinke in der Hand (auf dem Weg nach draußen).
    Sowas ist nichts als emotionale Erpressung. Eine sehr subtile Form des psychischen Terrors.

  19. Die menschliche Psyche hat nur ein begrenztes Potential für emotionale Reaktionen. Angsttherapie setzt ja (u.a.) darauf, dass die emotionale Reaktion auf den Angstauslöser bei wiederholter Konfrontation irgendwann nachläst, nachlassen muss. Daher können wir gar nicht auf alle Vorfälle gleichermaßen emotional reagieren. Ob man das nun als Abstumpfung oder als Selbstschutz betrachtet, kann dahingestellt bleiben. Angesichts der begrenzten Kapazität wird man sich auf das beschränken, was einem buchstäblich nahe geht. Und da ist, wie ja schon andere festgestellt haben, Paris nun mal näher als Ankara oder Beirut oder Jerusalem oder – fast der ganze Nahe Osten. Da kommt auch noch ein anderer Aspekt dazu: Im Nahen Osten gehören Tote in großer Zahl zur Tagesordnung. Den Irrsinn kann man nur ertragen, wenn man es nicht an sich heranläßt.

    Nein, ich halte das nicht für Rassismus oder sonst einen -ismus. Ich halte das für eine normale menschliche Reaktion. Jeder Mensch hat nur ein begrenztes Potential für Mitgefühl etc. also wird damit hausgehalten, und überwiegend für Dinge eingesetzt, die uns buchstäblich nahe gehen.

  20. Mal ein kleiner Nachschlag, weil so gern das fehlende Mitgefühl für die russischen Urlaub angeführt wird: erst gestern hat Russland das offiziell als Terrorakt eingestuft. Oder noch genauer: nichts genaues weiß man nicht. Das verhindert eine Einstellung über „Mist, da sind Menschen gestorben, deren Zeit eigentlich noch nicht gekommen war“ hinaus ganz beachtlich. Bei Flug MH17 hingegen war es relativ zügig klar (‚tschuldigung, aber diese russischen Nebelkerzen von irgendwelchen Kampfflugzeugen waren einfach zu dünn): da hat jemand das Teil abgeschossen, ob nun aus Absicht oder reiner Blödheit, da hat jemand absichtlich einen Knopf gedrückt, der den Tod brachte.

    Ich kann über einen Unfall vieler mir fremder Menschen durchaus betroffen sein, war ich auch. Über einen Terrorakt bin ich allerdings auch immer betroffener. Unfälle nehme ich eher als Teil des Lebens hin als Terror.

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