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Was ist ein Kondolenzbuch?

Bei einer Trauerfeier kann der Bestatter ein sogenanntes Kondolenzbuch, auch Kondolenzliste, auslegen. Man sagt auch, dass das Kondolenzbuch aufliegt. Dafür muss man dann eine bestimmte Gebühr bezahlen. Manche Angehörige scheuen diese zusätzliche Aufgabe, dabei ist das Kondolenzbuch eine ganz wertvolle Sache.

Falls es von den Angehörigen gewünscht wird, legen wir bei der Trauerfeier ein Kondolenzbuch aus, in das sich die Trauergäste eintragen können. Manche Familien lehnen diesen Vorschlag zunächst ab, aber ich erkundige mich dann nach der erwarteten Zahl der Trauergäste, und wenn das mehr als ein Dutzend ist, rate ich zu einem solchen Buch. Das Hauptargument:

Sie werden am Tag der Trauerfeier keine Augen dafür haben, um zu sehen, wer alles gekommen ist. Selbst wenn Sie meinen, alle Leute zu kennen und sich später an sie zu erinnern, es wird Ihnen nur im ersten Moment gelingen, und nachher überlegen Sie hin und her, ob diese oder jene Person da war, wer welche Blumen gebracht hat und an welchem Blumengebinde welche Karte angebracht war.

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Ein weiteres Argument für das Kondolenzbuch: Viele Trauergäste fühlen sich gedrängt, mehr zu machen, als nur dazusitzen und nachher ein Schäufelchen Erde ins Grab zu werfen. Ein Kondolenzbuch gibt ihnen wenigstens ein bißchen die Möglichkeit, sich einzubringen und mehr oder weniger ausführlich etwas aufzunotieren.

Bei kleineren Beerdigungen liegt das Buch auf einem Pult oder Tischchen und ein Schild weist darauf hin. Darauf könnte dann zum Beispiel stehen:


Kondolenzliste
für Herrn
Gustav Schröppel
Bitte tragen Sie sich ein!

Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin, die die Trauerfeier betreut, wirft dann nur hin und wieder einen Blick auf das Pult, schaut, ob schon alle Kugelschreiber geklaut sind, blättert eventuell um und kümmert sich ansonsten um den Rest.
Ist es hingegen eine größere Trauerfeier, dann steht eine Mitarbeiterin die ganze Zeit beim Kondolenzbuch, reicht den Leuten den Schreibstift usw..

Vor allem muss sie Wichtigtuer davon abhalten, jetzt eine ganze Seite vollzuschreiben. Wenn da 40 oder gar doppelt so viele Leute vor dem Kondolenzbuch Schlange stehen, kann sich nicht einer alleine zehn Minuten dort verewigen oder Schillers ‚Glocke‘ komplett auswendig ins Buch schreiben.

In solchen Fällen wird dann gesagt: „Bitte reservieren Sie sich ihren Platz durch eine Unterschrift unten auf der Seite, ich passe auf, dass niemand sonst auf diese Seite schreibt. Wir sind auch nach der Trauerfeier noch da, dann haben sie etwas mehr Ruhe.“
Manchmal sind die Leute dankbar für solche Hinweise, das galt zum Beispiel auch für einen bekannten Karikaturisten, der sich einen Comic aus 7 Bildern überlegt hatte und froh war, dass er das noch am nächsten Tag hineinzeichnen konnte.

Das Kondolenzbuch besteht zunächst nur aus einem halben Dutzend Doppelbögen, hat also 24 Seiten, die von einer Kordel im Buch gehalten werden, also bei Bedarf ergänzt oder verringert werden können. Vorne fügen wir später noch ein Vorsatzblatt mit dem Namen und den Lebensdaten des Verstorbenen hinzu.
Weiter hinten fügen wir noch die Todesanzeigen aus der Zeitung ein, eine Kopie der Sterbeurkunde, eventuell gedruckte Sterbebilder, den Totenbrief und ein Protokoll der Trauerfeier.
Dieses enthält Angaben über die Anzahl der Personen, die gespielten Musikstücke und die handelnden Personen.
Es werden neben dem Pfarrer auch die Friedhofsleute und unsere Mitarbeiter sowie der Organist erwähnt.
Außerdem bitten wir den Geistlichen bzw. den Trauerredner immer um eine Abschrift seiner Trauerrede und geben die dann in der Kondolenzmappe mit.
Den Abschluss macht das Gebinde- und Schleifenprotokoll, in dem genau aufgelistet ist, welche Blumen gebracht oder geschickt worden sind und was auf den einzelnen Schleifen stand.
Hinten haben die Mappen eine Innentasche, in die dann alle Umschläge hineinkommen, die im Rahmen der Feier abgegeben wurden oder die sich an den Kränzen und Gestecken befanden. Es wäre nicht das erste Mal, dass so ein Umschlag übersehen und nach Wochen mit dem Kranz auf den Kompost geworfen wurde. Deshalb nummerieren wir die Kränze auf der Liste durch und kennzeichnen die dazugehörenden Umschläge mit derselben Nummer.

Wurden Fotos von der Trauerfeier gewünscht, so kommen diese in ein schmales Album, das ebenfalls hinten in der Kondolenzmappe Platz findet.
Oft geben uns die Trauerredner eine Abschrift ihrer Rede, und auch die kommt mit in diese Erinnerungsmappe.

Es kommt vor, dass die Angehörigen zunächst mit dieser Mappe gar nichts anfangen können, ihnen ist im Moment alles zu viel und sie sind auch damit einfach überfordert. Später aber hören wir nur dankbare Worte, wenn die Witwe oder der Witwer in einer ruhigen Stunde der Trauer das alles noch einmal nachlesen kann.

© 2008 (war falsch einsortiert)

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